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Nr 300 Drittes Blatt. Donnerstag den 22. Decembcr
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Fernsprecher Nr. 51.
DaS Vermögen der Königin von England.
Die Köugia von dnglanb, so schreibt der Parlaments- Abgeorvnete T P O'Louuor tn der neusten Nummer seiner Wochen^ch ist „M. P. A/, gilt allgemein all eine der reichsten grauen btt Seit, jet och Ist die Größe ihres vermögens vnr eine» sehr kleinen Kreise von Personen bekannt.
Dfe het Königin vom Staate bewilligte Somme beträgt jährlich 885 000 Pfd. Sterl. ('t«a 7 Mill. 700.000 Mk.) Hiervon find der Königin 60,000 Psd. Sterl. für ihre Privats ba'ulle bewilligt, sllr die Kosten des Königlichen Haus- Halts 172 500, für Gehälter und Alters Penfioneu 181,260 nnb für Königliche Geschevke, Almosen und besondere Dienstleistungen 13 200 Psd. Sterling. Hiernach bleibt noch ein verfügbarer Rest von 8640 Psd. Sterling jährlich übrig. Hierzu erhielt die Königin bei ihrer Thronbesteigung noch ttae von ihrer Mutter, der Her.ogin vou Kent, ihr ver- »achte R veoue von 8000 Pfd. jährlich, und noch ihrer Ber- heirathung bekam der Pltuz Gkmahl eine besondere Livilliste von 80 000 Pfd. Sterl. jährlich.
Sobald die Prinzen großjährig wurden, erhielten auch fie entsprechende E v'll steo b willigt, während die Pciozesstnoea bei ihrer Beimähiong je 4000 Pfd. Sterl. jährlich erhielten. Diele Bollen sollen nur zeigen, tafc, soweit die Sivilliste in Betracht kommt, dir Königin perssnltch über jeden Schilltog zu versügeu hat. Die L'viütste selbst ist in ihren Einzel- heitev e«n wunderbares Dokument. Für jedes uur mögliche vedürfmß: Esten, Trinken, Kleidung, Grscheuke sind bestimmte Beträge angesetzt. Daher kommt es auch, daß das glänzende Einkommen, welches der regierende Souverän nach private» Recht als eine Apanage de, Krone vom Herzogthu« Lancaster bezieht, bittet in die Privatschatulle eiogezahlt wird, und die Königin kann es ganz nach Belieben ausgebeu oder sparen.
Das Herzog hum Lancaster mit seiueu Wiesen, Waldern und Jagden in 13 Graschasteu gehörte ursprünglich den fLLfi'chtu Eüelleuteu, welche fich gegen deu uormauuischea Eroberer erhoben. Die R-veooe, welche bie Königin aus dieser Quelle bezieht, bat fht a zagevommen Im Jahre 1866 betrug sie 26 000, 1867 29,999, 1872 40.000, nnb j-tzr beträgt sie über 50,000 Psd. Sterliog jährlich.
Eine zweite Reveuue, welche bte Königin bis zur Großjährigkeit des Prinzen von Wttes bezog, war bie bei Herzog- »hum» Cornwall, besten Besttzuogen tn Davooshire, Sommer- sethihire, Wittshire, Surrrh unb Conbon liegen. Dieses Herzogthu« lag zur Zrit ber Thronbesteigung btt Sön gtn Meter elrnber Mißwirthschaft darnieder, doch tu Folge der unermüdlichen Energie des Prinz Gemahls wurde das Erbe feines ältesten Sohnes des vtfitzes werth. Als ber Prinz von Wales großjährig würbe, hatte er statt der 13 000 dis 14 000 Psd. Sterling, welche ber letzte Prinz von Wales
bezogen hatte, eine Netto - Einnahme von 50,000 Pfd. Sterling jährlich.
Weit romanitskter als bie R-venueo aus uralten Erb- schiften ist der Urspruvg des glitzeren Theiles des R'ich- thums ber Königin. Am 30. August 1852 starb ein g'iziger alter Herr von 72 Jahren mit Ramrn John Eambden Rrtlb. Bet der Eröffoung seines Testaments stellte sich heraus, daß er, einige wenige Legate abgerechnet, fern Be wözeu von 500000 Pfund Sterling .Ihrer rllergvädigsteu Majestät ber Königin Viktoria" vermacht hatte.
Die Königin beschenkte Retlds verwandte mit je 1000 Pfund Sterling und ließ Äellb ein Denkmal err chten. Dieses sehr ansehnliche Erbe ti'ß die «vnigiu fast unangerührt, und es »uß j tzt auf eine Million Pfund Sterling angewachsen sein. D>e Königin erbte auch von ihrem Gemahl, der ein sehr sorgsamer und geschäftlich veranlagter H-r war, einen großen Lheil der vou ihm hinterlassenen 600000 Psund Sterling.
Die Königin erlebte einen zweuen GiückSsall, als sie ans den Rath von Lord Lroß, Lord Stdoitz und des verstorbenen Sir Aroolb White, «hriS Anwaltes, schnell für 78000 Pfund Sterling ein B fitz hum kaufte, besten Markt- Werth jetzt auf rund 170000 Pfund Sterling angesetzt wird.
Dem neuen Doowsbah-Buch zu'oige besitzt die Königin etwa 87 872 Acres Laub, welche einen jäh ltchen Ertrag von 20000 d'.s 25000 Pfund Sterling abwerfen.
Kapital und Grundbesitz machen aber bei Weite» noch nicht den ganzen Re'chthum der Königin aus. Kein Monarch kann eine solche M-ffe von Werthgegellstänben aufeetien, wie ste der Königin bet ihrem ersten Jubiläu« 1887 und bei» D'amavt Juti Sn« iw vorigen Jahre überreicht wurden.
Cabinetskrifis in Spanien.
Es ist in letzter Zeit freilich schon oft die Rede davon gewesen, daß das Ministerium Sagasta seine Dem'ssiou geben »erbe; man hat betartigen Ge üchten aber keinen rechten Glauben betgemeffen, sonberu ste auf bte schwierige Lage zurück^eiührt. In w lebet fich die spanische Regierung fortgesetzt btfiabet. Diese Lage ist ja nach ben harten Schlägen, welche das Land betroffen haben, nach ber schweren Demüthiguug, bte tn ben Fr'edensoerttage mit ben ver- einigten Staaten von Nordamerika liegt, leicht erklärlich, und keine Regierung, möchten ihr auch die volkSthÜmlichsteo und tüchtigsten Männer ongehöreu, näre im Stande, eine befriedigende Lösung herbeizuführen. Zudem war man noch immer ber Anficht, baß der gewanbte unb geschäitskunbige Sagasta ber einzige Manu sei, welchem bas Staatsfch st tn ber jetz g?n Zeit anvertraut werden könne, und bah et kaum bie Fi'vte in's Korn werfen, v tlmrhc unter allen Umständen »tt leinet Person in die Bresche treten würde. Sagastas Lage ist
freilich insofern schwierig, als et bei ber Sö >igin «egeot'n nicht allzu beliebt ist und in fein dabmet Männer ausoehm u wußte, welche der Situation weniger gewachsen fiad.
Wton nun jetzt wiederum — und zwar ernstlich — He Möglichkeit iu's Auge gefaßt worden ist, daß Sagasta seine Demlifion glebt, so kann es bafüt nur zwei Gründe geben: Entweder firht er gar keine Hoffnung, einen Ausweg aus den W xren zu finden, und et glaubt, baß ein Personen- wechsel unter allen Umständen dem Lanbe zum vorthell gereichen werbe, ober aber er hält bas Schwierigste für überwunden, so daß bie Leitung der SeschSste ohne größere vesorgniß um da» Schicksal des Staats auf andere Schultern abgewälzt werden kann.
Eine ber Hauptgefahren bildeten brkavntl'ck» bie Wühlereien ber Karlisten. und es wat eine Hauptiorge der ItUenben kreise, bas Umfichgreifen bet karlisti'chen Bewegu: g zu verhindern unb dieselbe womöglich noch im K me zu ersticken. Wie groß diese Gefahr war, davon hatte man im Auslände k-um einen Begr ff, aber man konnte auf eine sehr ernste Situation schon auS den Maßnahmen bet Regi ru g schließen, welche sehr nmsastenb waren und ein größeres Aufgebot an Militär erforberten. Nach Allem, was in brr letzten Zeit über ben Ernlismus bekannt geworden ist, scheint bte Bewegung im Rückgang begriffen zu sein, was wohl hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß Don Earlos im Auslände nicht die allergeringsten Syrpathieu für feine Pläne gefunden hat.
Giebt Sagasta jetzt thatsächlich seine Demisfion, so liest die verwu'hung nahe, daß er di- Lösung bet iunerpolitischen Schwierigkeiten für trvg'.ich hält, nnb man dars annehmen, daß er hierfür ber KVaigin-R-gentin werthvoll« Fingerzeige gegeben hat. Am Besten würde es unserer »- ficht nach sein, wenn von ber Bildung eines reinen Parteiminifteriums ab» gesehen und ein kte s von Männern an die Spitze ber Regierung berufen würde, welche nach ihrer inneren Beben- tnng unb nicht nach ben Partetstandpovke, wrlchev fir einnehmen, toxirt würben. (xx)
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Feuilleton.
Weihnachtswanderung.
von Earl Geißlet.
Weihnachten, die Zeit seligen Geben» unb Nehmens tn
Ein gar so heimliches Webcn liegt in bet Luft; Gerüche von Wachslichtern unb Tannenbäumen burchbtingen die ; Stuben, unb biese« stete Vertuschen unb Heimlichthun, diese» j emfige Rühren ber Hänbe, biese» Frübaufstehen nnb Nimmer- mübewetben; biese» Rüsten unb Schaffen ohne Snbe! —
Wochenlang pochen bie kleinen Herzchen bem ftöhlichen F.ste entgegen, unb wie träge schleichen bie Stunden bi» der langersehnte Shristabend mit seinem Ltchterglanz, seinen Freuden unb Ueberraschungm herankommt!
Wo» Alle» da» Christkinb bereit gehalten hat, ba» sehen ' wir in den Läden bei Heller Lichtfluth au»gestellt; da ist Richt», roa» nicht von Kindern und Erwachsenen eingehender Jnspection unterzogen, wa» nicht geprüft unb gewürdigt wirb. Ällabenblich brängen sich bie Menschen vor ben elegant her- gerichteten Schaufenstern ber fiäben, mit beifeem Verlangen : werben von ben Äinbern bie Au»lagen in ben Sptelwaa^n- lagern unb in ben Buchhanblungen angeftaunt unb mancher fromme Wunsch, biese» oder jene» von den herrlichen Sachen zu besitzen, wirb hier gezeitigt.
Aber nicht allein bie Ätnber finb e», bie nicht müde werben all bie hübschen Sachen unb Sächelchen zu beschauen, __ auch bei ben Erwachsenen regt sich bie Lust, bte Mühen enb Anstrengungen ber Seschästslente, Schöne» zum Weih- ' »acht»feste zu bieten, geziemenb zu belohnen unb Manche» der
gesehenen Stücke wirb auf den Wunschzettel gesetzt, der dem Christkind selbst noch in den letzten Tagen vor dem Feste eingehändigt werden kann, ba man ja ber — wenn auch manchmal nur theilweisen — Erfüllung solchermaßen ausgesprochener Wünsche immer sicher ist.
Em Gang burch bie erleuchteten Straßen zeigt un» in ben Erkern eine Menge Dinge, die zu Weihn ach »gescheuten geeignet find. Ein Blick in die Zeitung aber belehrt uns, baß zur Weihnacht»zeÜ fich Alle» zu paffenben Geschenken ' eignet. Die unerläßlichen Requisiten de» Weihnachtsfeste», : bte Backzuthaten zur feinen Bäckerei, Christbaumschmuck, Leb- kuchen unb Wach»lichtchen bilben währenb be» Weihnacht», monat» eine stehende Rubrik in ben Blättern und nehmen einen breiten Raum ein. E» gibt überhaupt keinen Geschäst»- mann, der in dieser Zeit nicht irgend etwa» zn empfehlm । hätte, seien e» nun Epielwaaren, Kochgeschirre, Leber thran ober — Kinderwagen, auf welche zwei Störche empfehlend Hinweisen, Weihnachten ist eben die Zeit de» Kaufen» unb • Verkaufen», die ben Geschäftsmann für die stille Zett des Jahre» entschädigen muß!
Bei der Fülle der Weihnacht»empfehlungen thut Einem natürlich die Wahl wehe. Wer mit feinem Seide nicht ängst ; lich zu rechnen hat, der findet tn Gießen reichliche Gelegenheit zur Beschaffung prächtiger Weihnachtsgeschenke, selbstverständlich unter Vermittelung des Ehristkmbe», welche» tn steter Correspondenz mit den betreffenden Geschäftsinhabern steht. Ein schönes Piantno zu bcfitzen, wird wohl der Wunsch vieler jungen Damen sein, — eine treffliche Nähmaschine dürfte wohl such tn manchem Hause willkommen geheißen : werben; Uhren, Gold-, Silber- und Bijouteriewaaren find ebenfall« vorzüglich geeignete Festgeschenke, ebenso Porzellan- . ' unb Glaswaaren, sowie 61 f en b dn gegen ft änbe, bie in reichster i
Auswahl tn ben verschiedensten Geschäften zu haben und tn geschmackvoller Gruppirung tn den glänzend erleuchteten Läden zur Anficht gebracht find. Weniger kostspielige Geschenke finden sich in der Schuh- unb Manufacturwaarenbranche, aber auch in Möbeln, Teppichen, Vorhängen unb dergleichen haben die Verkäufer schöne und nicht zu theuere Sachen zur Ausstellung gebracht, bie da» Christkind verlocken können, diesbezügliche Wünsche in Erfüllung gehen zu lasten. Bei der bisher herrschenden gelinden Witterung find es die Pelzwaaren- Händler, die fich beflogen, daß das Christkind fie nicht so häufig, wie tn früheren Jahren, mit seinem Besuche beehrt, dagegen ist die Nachftage nach Regenschirmen und Gummischuhen Heuer eine ziemlich starke unb ba ba« naßkalte Wetter Erkältung unb Schnupfen im Gefolge hat, so finb Taschentücher ein sehr begehrter Artikel.
Um mit Pauken- unb Trompetenschall fröhlich in ba» neue Jahr hinüber zu gehen, haben die Spielwaarenhanb- lungen reichlich für die verschiedensten Musikinstrumente gesorgt, und auch die Verkäufer von Sherry, Malaga, Madeira ober Antillen Rum-Punsch find bemüht gewesen, ihr Lager fo reich zu affortiren, baß auch der verwöhnteste Geschmack -uftiedcnzestellt werden kann. Der Eintritt in ba» neue Jahr kann sich aber nur dann würdig vollziehen, wenn neben dem obligaten Punsch noch die verschiedensten Feuerwerks- körper vorhanden find, welche mit ihrem Getöse die Feier- lichkeit de» Augenblick» der Jahreswende erhöhen. Auch ik diesem letzteren Artikel ist in unserer Stad kein Mangel.
Lasten wir uns indeffen die stille Freude am schönen Weihnachtsfeste nicht vergällen durch den Gedanken an das Knattern der Frösche und Pulvermännchen in der Ren- jahrsnacht.


