1898
Samstag den 21. Mai
Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gietzen
GratisbeUllge: Gießener Faimiienblätter
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ergehen.
I. V.: Dr. Wagner.
Feuilleton.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den felynbtn Tag erscheinenden Nummer bis Sonn, 10 Uhr.
Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Äu#«*» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger rMGGW.
«edaciion, Expedition und Druderei:
FchnkArnte Nr. 7.
Gießen, den 17. Mat 1898.
Berr.: Ermittelung der laudwirthschaftlicheu Bodeubeuutznug und des Ernteertrags im Jahr 1898.
1. Juli d. I. Wir bemerken noch, daß aus der Bestandsliste ersichtlich sein muß, welche Mitglieder dem höchstbesteuerteu Drittel angehSren.
An Diejenigen von Ihnen, in deren Gemeinden nach Abhaltung der Gemeinderathswahlen die regelmäßige Er- gänzungswahl des Bürgermeisters und Beigeordneten erforderlich ist, wird seiner Zeit noch besondere Verfügung
Adresse für Depeschen: Anzetger £tc|<«<
Fernsprecher Nr. 51.
Die nächsten Jahre brachten wiederum verschiedene neue Veröffentlichungen, von denen ich hier nur die hauptsächlichsten hervorhebeu will: ^Ausführlicher Lehrgang der deutschen Stenographie" und das allgemein bekannte „Stenographische Lesebuch".
Inzwischen war aber so gut wie Alles fehlgeschlagen. Die Hoffnungen, die mau auf die Unterstützung des preußischen Ministeriums gesetzt hatte, hatten sich nicht erfüllt- die Privat- stunden wollten nicht zum Lebensunterhalt ausreichen, so daß fich Stolze's Frau geuöthigt sah, einen kleinenPofamentenhaudel zu eröffnen, um so wenigstens vor der allergrößten Noth gesichert zu sein.
Das Stolze'sche System, wie man es seit seinem Er- scheinen nannte, hatte jedoch immer mehr Anhänger gefunden. Die Nothdurst der Erfinders wurde bald feinen Jüngern bekannt- man verschaffte ihm neuePrivatstunden und bemühte sich nach jeder Richtung für eine Verbefferung seiner Existenz. Im Jahre 1852 wurde er schließlich als Vorsteher des stenographischen Bureau» in das Haus der Abgeordneten berufen, eine Stellung, in welcher er bis au sein Lebensende verblieb. Das Ableben des für feine Mitwelt so außerordentlich der« dienten Mannes erfolgte am 8. Januar 1868 in Berlin.
Ich glaube, hier nicht auf den unermüdlichen Eifer eines Mannes näher eiugehen zu brauchen, dessen Freunde die folgenden Worte von ihm gesagt haben : „Richt nur die prächtige, leserliche Handschrift tu ihrer Gedrungenheit und Rundung macht auf den Fachmann, der da weiß, wie schwer eS ist, im Fluge der Rede auch noch schön zu schreiben, den tiefen Kuustetudruck, sondern auch die ebenso geniale und doch maßvolle Art, mit der Stolze zu kürzen verstand, reißt zu aufrichtiger Bewunderung hin!"
Stolze'- Ziel war es, eine Erleichterung für jede mehr oder weniger ausgedehnte Schreibthätigkeit zu schaffen, ohne dabei die Vollständigkeit und Genauigkeit der Lautbezeichuuugeu aus dem Auge zu verlieren. Zu diesem Zwecke benutzte er die sonst überfiüsfigeu Binde- und Haarstriche zu Bocal- bezetchuungeu und schaffte so eine ganz wesentliche Kürze seines Schriftshstems. Ans den wetteren Ausbau der Stolze'sche«
Dieser harte Kampf mit dem Leben ließ bald alle hoch- fliegenden Pläne betreffs eines Studiums finken. Man
mußte fich so bald al» möglich nach einer festen Existenz umsehen. Auf Auratheu der Mutter ergriff der junge
Stolze die erste fich bietende Gelegenheit und trat im Jahre
1817 in da- Bureau der „Berliner FeuerverficherungS-
Gesellschaft" ein, tu welcher Stellung er fünfzehn lauge Jahre trotz seiner geistig anstrengenden Nebenbeschäftigung tu nie ermüdender Pflichttreue verblieb.
Die Mußestunden seiner Dienstzeit widmete Stolze der Erlernung des damals sehr gebräuchlichen Mosengetl'schen KurzschrtftshstemS. Allein daffelbe konnte ihn nicht sehr befriedigen. Er versuchte sich selbst darin, Schrift- und Lautkürzungen zu finden und studirte zu diesem Zwecke die verschiedensten älteren und neueren Systeme, unter denen namentlich folgende hervorzuhebeu find: Horstig, Leichtlev, Stark, Brede, Dutertre und die „ttronischeu Noten", eine bekannte Kurzschrift der Römer.
Da erschien im Anfang der 30er Jahre ein neues Kurzschriftsystem, welches den nächst Stolze am bekanntesten Stenographen Babelsberger zum Berfaffer hatte. Durch da- Aufsehen, da- diese- neue System allgemein erregte, fühlte sich Stolze trotz de- Abrathen- seiner Freunde im Jahre 1835 veranlaßt, die bisher innegehabte Stelle nieder- zulegen, um fich gänzlich dem Privatstudium der Stenographie und dem AuSarbeiten seine- System- zu widmen.
Bereit- da- Jahr 1841 brachte auch sein Erstlings- werk, das mit Unterstützung de- köuigl. preußischen Uutericht-. Ministerium- hrrau-gegebeu worden war und den Titel „Theoretisch-practischeS Lehrbuch der deutschen Stenographie" führte.
In einer iutereffauteu Einleitung berichtet der Berfaffer über die Ziele und Zwecke, die ihn bei der Abfaffuug diese- WerkeS geleitet haben. Es heißt daselbst: „Die Schrift müffe vielmehr als ein Bild vor unsere Augen treten, in welchem gleichwohl die beide« einander entgegengesetzten Sie« mente, Boeal und Eovsooavt, Au-laut und Anlaut, Endung und Stamm stet- deutlich unterschieden sein müffen."
NezugSPretB vierteljährlich
2 Mar! 20 Pf,, monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh«.
Bei Postbezug 2 Mark 50 PH. vierteljährlich.
Wilhelm Stolze.
Ein« biographische Skizze von Ludwig Lessen.
(Zum lOvjahrigeu SeburtStage des berühmten Stenographen.) (Nachdruck verboten.)
Unser au Srfiadnngen und Entdecknugeu so reiches Jahrhundert geht seinem Ende zu, und die Zahl der bedeutenden Männer, die innerhalb diese- Zeitraums gelebt haben, mehrt fich von Tag zu Tag.
Unsere Urgroßeltern würden gewiß die Hände über dem Kopfe zusammeuschlagen, wenn fie Gelegenheit hätte», unsere heutigen Wunderwerke des Dampfes, der Electrieität, des Fernsprechverkehrs, deS Phonographen u. s. w. zu Gesicht zu bekommen.
Und sehen wir uuS nun einmal die Kehrseite dieser Medaille an, die Rückwirkung dieser Erfindungen auf unser wirthschaftlicheS und politisches Leben, da- parlamentarische Staat-system, die Freizügigkeit, die ungeheure Entfaltung und Bedeutung der Preffe und der Fachliteratur, so wird uu- die Bedeutung de- MauueS, dessen Leben und Erfindung ich in den folgenden Zeilen ein wenig skizziren will, erst in ihrer ganze« Größe klar werden.
Wilhelm Stolze, der Erfinder der modernen, nach ihm benannten Schnellschrift, wurde am 20. Mai 1798 tu Berlin al- der Sohu schlichter Schnhmacher-leute geboren. Zuerst für da- ehrbare Handwerk seines Vaters bestimmt, nahm man jedoch «egen der Schwächlichkeit de- Knaben davon Abstand. Nun schickte man ihn auf da- JoachimS- thal'sche Gymuafium, nach dessen Absolvtrunz der junge Stolze da- Studium der Theologie ergreifen sollte. Aber anch hier machte da- unbarmherzige Schicksal frühzeitig eine« Strich durch die Rechnung. Noch vor Beendigung der Schulzeit starb der Bater und Ernährer und ließ die Familie in bitterster Noth zurück; der neunzehnjährige Wilhelm mußte nun fich und die Mutter durch mühselige- Stuudengebeu ernähren.
Nr. 117 Zweites Blatt.
Bekanntmachung.
Herr Secretair Leithiger vou Alsfeld wird Sonntag den 22. Mai l. I., Nachmittags 3 Uhr, einen Vortrag:
„Ueber rationelle Nindviehzucht und die Errichtung eines Zuchtveret«»"
in Hungen abhalteu.
Zu diesem Vortrage werden alle Viehzüchter und Interessenten freundlichst etugeladen.
Die Herren Bürgermeister von Hungen und den benachbarten Gemeinden werden ergebenst ersucht, dies tu ihren Gemeinden zur öffentlichen Kenutuiß bringen zu lassen und auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlung hin- zuwirkeu.
Gießen, den 18. Mat 1898.
Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins.
C. Jost.
Weßener Anzeiger
Heneral-Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des
Montags.
Die Gießener M««itte»stätter Werden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigrlegt.
Bekanntmachung.
Nachdem Stadt- und Landkreis Hanau nunmehr wieder frei vou Maul- uud Klauenseuche find, sollen die für die Stadt Hanau augesetzteu Vieh markte wieder abgehalten werden.
Wiederkäuer uud Schweine dürfen nur durch die vom hiesigen Oberbürgermeisteramte veröffentlichten Stadteiugänge (Coutrolstattoneu) dem Marktplatze zugeführt werden.
Nach § 3 der laudeSpolizeilicheu Anordnung vom 21. Juni 1897 ist das Ausbringen von Wiederkäuern uud Schweinen auf die Märkte nur daun gestattet, wenn den Marktpolizei- licheu Organen eine vou der zuständigen OrtSbehörde ausgestellte Bescheinigung vorgelegt wird, daß in der Ursprungs- gemeinde seit vier Wochen nicht die Maul- uud Klauenseuche — bei Schweinen: weder die Maul- und Klauenseuche, noch eine der Schweineseucheu — herrscht, und daß die Ursprungs- gemeinde in den letzten vier Wochen nicht zu einem Beobachtung»- gebiet im Sinne des § 59a der BundeSrathsinstruetiou gehört hat.
Diese Bescheinigung hat eine fünftägige Gültigkeit, den Ausstellungstag eingerechnet.
Ferner dürfen nach der laudeSpolizeilicheu Anordnung vom l7^D-c-^-r I89S aa, verseucht» Rachbsrgebteten (letztere 20. August 1896
Nr. 19 des ReichS-GesetzblattS, ausgegebeu den 14. d. M., enthält:
Nr. 2469. Gesetz, betreffend die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche. Vom 11. Mai 1898.
Nr. 2470. Bekanntmachung, betreffend die Einrichtung und den Betrieb vou Anlagen zur Herstellung electrischer Aacumulatoreu auS Blei oder Bletverbinduogen. Vom 11. Mai 1898.
Gießen, den 18. Mai 1898.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
__I. B.: Dr. Wallau.__________________
Gießen, den 17. Mai 1898.
Betreffend: Die regelmäßigen ErgäozungSwahlen des Gemeinderaths.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grotzh. Bürgermeistereien des KreiseS.
Nach Art. 12 der Land-Gemeiude-Ordnung vom 15. Juni 1874 haben im laufenden Jahre die regelmäßigen Ergänzung-- Wahlen de- Gemeinderaths stattzufiudev. Indem wir Sie wegen Beobachtung der für diese Wahlen bestehenden Bestimmungen im Allgemeinen aus unser ausführliche- Aus« schreiben vom 5. Juni 1883 (Anz. Nr. 181) und auf unser Amtsblatt Nr. 3 vom 8. Juni 1885 Hinweisen, heben wir besonder- hervor, daß auf Grund deS Gesetzes vom 15. Mat 1885 (Reg.-Blatt S. 95) nicht mehr die Zuziehung zur Einkommensteuer, sondern die Heranziehung zur Commuual- steuer Voraussetzung der Stimmfähigkeit ist. Die in der Wahlauleitung Anlage A angegebene Abteilung B der Stimmberechtigten fällt weg, die Stimmberechtigten find vor der Wahl zur Bemerkung der Steuerrestanteu nur dem Ge- metude-Einnehmer mitzuthetlev.
Sie wollen die Vorarbeiten zur Wahl alsbald beginnen und dieselben so fördern, daß die Wahlen selbst spätesten» im August vorgeuowmen werden können. Bevor Sie die Wahlen abhalten, wollen Sie jedoch zur Prüfung der Richtig- keit de- bis dahin eingehalteueu Verfahrens die erwachsenen Acten unter Beifügung einer Bestandsliste de- Gemeinderath- an un- etufeodeo, und erwarten wir diese Vorlage bis zum
Wie tu früheren Jahren, hat auch im laufenden Jahre wieder eine Ermittelung der laudwirthschaftlicheu Boden- beuutzung und de- Ernteertrags stattzufinden.
Unter Bezugnahme auf unser AuSschretben vom 23 Januar 1893 — Anzeiger Nr. 23 — fordern wir Sie auf, mit der Aufstellung der Ueberfichteu alsbald zu beginnen,
Zur Durchführung dieser dem Interesse der Laudwirth- schäft dienenden Erhebungen ist eine au- seid- uud sachkundigen Personen bestehende Commission zu bilden und empfiehlt eS sich, möglichst wieder dieselben Personen in die Eowmisfion zu nehmen, welche bereits früher bet Aufnahme des Ernteertrags thättg waren.
Das erforderliche Formular wird Ihnen in zwei Exemplaren für jede Gemarkung mit der nächsten Post -ugrheu. Das eine Exemplar dient als Coucepr uud ist bet Ihren Acten zur späteren Benutzung aufzubewahreu, das andere aber nach ordnungsmäßiger Ausfüllung bis spätestens 1. November d. I. an uns etnzuseudeu.
__________________I. B.: Dr. Wallau.
Bekanntmachung.
Die Maul- uud Klauenseuche in der Gemeinde Niederkleen, Kreis Wetzlar, ist erloschen uud find die Sperr- maßregelu wieder aufgehoben worden.
Gießen, den 17. Mai 1898.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. B.: Dr. Wall au.


