Ausgabe 
20.9.1898 Erstes Blatt
 
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General Chanoine zum Krieglministrr und den Senator Baud io zum Minister der Arbeiten. DerTempi" billigt den Revifionlbeschlnß, mahnt aber zur Ruhe.

Par!, 18. September. General Chanoine, welcher bereits gestern am Mtoistrrrath theilnahm, wird von der DrehfuS'Sache vollkommen fvspeudirt, um sich lediglich den Reffongeschäften widmen zu können und zwar zunächst der Reorganisation des GeneralstabeS.

Paris, 18. September. Mehrere Blätter verfichero, Zurlinden habe dem Miuisterrath vorgeschlagen, den Obersten Picquart vor da» Gericht zu stellen, all Urheber del Schriftstückes, auf Grund besten hin Esterhazy zur Ver­antwortung gezogen wurde. Die andern Minister feien hiermit nicht einverstanden gewesen, woran Zurlinden seine Demission gab. Der gestrige Abend ist ruhig verlaufen. DaS Militär, welches in den Kasernen configuirt gehalten wurde, brauchte nicht einzuschreiten.

Petersburg, 18. September. Dem gestrigen Requiem für die Kaiserin Elisabeth wohnten zahlreiche Mit- glteder bei ZarenhauseS und dal gejammte diplomatische Corps bet. DaS Publikum strömte in Schaareu in die Kirche vor den Gedächtniß-Katafalk.

Kopenhagen, 18. September. Hier wurde gestern eine große Lrauerfeter für die Kaiserin Elisabeth in der Herz.Jesuktrche abgehalten. Au derselben nahmen der König von Dänemark, der König von Griechenland, der Herzog von Cumberland und zahlreiche andere Fürsten und Prinzen Theil.

Zur Frage der Ueberwachuug der Anarchisten in der Schweiz kommt aus Rom die höchst befremdliche Nachricht, die dortige Polizeibehörde habe seiner Zeit den Schweizer Behörden alle Ränke LuccheuiS uud seiner Ge­nossen mitgetheilt, sogar die Berichte der Militär-Comman- bauten, daß aber trotzdem nichts geschehen fei, den gefährlichen Menschen unschädlich zu machen oder auch nur zu überwachen! Die italienische Regierung will nun energisch auf die Ein­schränkung deS schweizerischen Asylrechtl dringen und die Aus­lieferung aller Derer verlangen, welche, in Italien wegen anarchistischer Umtriebe verfolgt, in die Schweiz flüchteten. Bet einem mündlichen Gedankenaustausche, welcher dieser Tage wegen Ermordung der Kaiserin von Oesterreich zwischen den Mitgliedern der Bundesregierung gepflogen wurde, hat sich Bundespräsident Ruffy sehr bestimmt für eine schärfere Ueber- wachung uud Verfolgung der Anarchisten ausgesprochen. Ruffy ist Bürger deS CantonS Waadt, deshalb ganz besonders empört, daß die Kaiserin, die gerne an dem waadtläudtschen Ufer del Genfer SeeS weilte, in Genf durch Mörderhand fallen mußte. Uebrtgens meint man im BundeSrath, daß die bestehenden Gesetze genügen; die schweizerische Fremden­polizei brauche einfach zu einer schärferen Praxis betreffs der Ausweisungen überzugehen.

Locales and ^provinzielles.

Gießen, 19. September 1898.

* Gießener Volksbad. Wie wir bereit! tu voriger Nummer mtuhetlen konnten, fand am SamStag Nachmittag 3 Uhr die Eröffnung des BolkSbadeS statt. Zur Feier hatten sich eine größere Anzahl Damen und Herren, unter Letztere» die Vertret^ dir Behörden, eingefunden. Herr Architekt Meyer übergab, zugleich im Namm der Firma Schaffstaedt, nach einer Ansprache, in welcher er del glücklichen Beginnes und der glücklichen Vollendung bei Baue! gedachte und den Wunsch anlsprach, daß dal Unternehmen auch ferner vom Glücke begünstigt sein und Zeuguiß ablegen möge von dem Gemeinfinn der hiesigen Bürgerschaft, den Schlüffrl dem Vorsitzenden der Actiengesellschaft, Herrn Dr. Fuhr. Herr Dr. Fuhr dankte Namen! de! Vorstandes und betonte besonders die Harmonie, die während de! Baue! zwischen den Unternehmern uud der Gesellschaft bestanden. DaS nun vollendete Werk werde den Meister loden. Er dankte den Handwerksmeistern und ihren Gesellen, die an dem Bau mit Fürsorge uud Beschick gearbeitet, die An­erkennung der Bürgerschaft werde der Lohn für die geleistete Arbeit fein. Ferner erstattete Redner einen kurzen Bericht über die Geschichte deS Baues, woran! u. A. ersichtlich, daß derselbe 191,100 Mk. gekostet. ES stelle dem Gemetnsinn der Gießener Einwohnerschaft ein schönes Zeugnitz aus, daß diese Summe aufgebracht werden konnte, und er danke allen Denen, die in dieser Beziehung zum Gelingen de! Werkes beigetragen. DaS Gebäude sei ein Zeichen von Bürgerfinn, reger Thättgkeit uud Können von Handwerk und Industrie. Herr Dr. Fuhr gab schließlich dem Wunsche Ausdruck, daß unserer Bürgerschaft noch oft Gelegenheit zur Wohlthätigkeit im Sinne deS nun vollendeten Werke! gegeben werden möge, welche! nicht nur dazu bestimmt sei, da! Wohlbefinden Aller zu sörderu, sondern auch zur gegenseitigen Annäherung in socialer und gesellschaftlicher Hinficht beitragen werde. Der darauf erfolgenden Einladung zur Besichtigung folgte ein Rundgang durch die Anstalt. Manch anerkennende! Wort und mancher Ausdruck der Verwunderung über da! dem Ange de! Beschauer! Dargebotene legte Zeugniß dafür ab, daß Gießen in feinem BolkSbad eine WohlthätigkeitSanstalt besitzt, um die fie manche größere Stadt beneiden wird. Am Abend wurde die Anstalt bei Beleuchtung besichtigt, und von mehreren Anaben zur Erheiterung der zahlreichen Zuschauer eine Schwimmprobe vorgenommeu. Wie man un! mittheilt, haben die in voriger Nummer erwähnten, _u beiden Seiten de! großen Spiegel! in der Schwimmhalle angebrachten Porzellaubtlder in der Person bei Herrn Commerzienrath! Heyligenstaedt bereit! einen Stifter gefuuben.

Todesfall. Gestern (Sonntag) Nachmittag verschied der 1. Vorsitzende beiBteßener Rabfahrervereiu! 1885", Herr Gustav Ruppel, infolge einer Gehirnerschütterung. Der verstorbene, eine burch Liebenswürdigkeit und Zuvor­kommenheit in weiten Kreisen der hiesigen Bevölkerung so- wohl, al! auch in Sportkreiseu burch seine lebhafte und sach­kundige Antheilnahme an sportlichen Veranstaltungen bekannte

uud beliebte Persönlichkeit, wird nicht allein von seinen Ber- einSmitgliederu tief betrauert, sondern e! nehmen auch wettere Kreise von Bekannten und Vereinen, denen er angehörte, an dem so schmerzlichen Verluste der Betroffenen innigste Antheilnahme.

Ueberfahren. Cigarrenarbeiter I. Abel au! Wißmar wurde gestern Abend auf dem hiesigen Bahnhofe überfahren und getödtet. Derselbe wollte den von Frankfurt kommenden Zug verlaffen, bevor derselbe vollständig stand, kam hierbei zu Fall und unter die Räder. Der Kopf wurde ihm buch­stäblich zermalmt. Die Leiche wurde vorerst tu die Leichen­halle auf dem Friedhöfe gebracht, von wo fie die Angehörigen heute nach Wißmar abholten.

Hessische Waiseuschutz-Lotterie. Am SamStag wurden folgende Gewinne gezogen: 5. Nr. 125760 3000 Mk., 8. Nr. 21714 1000 Mk., 9. Nr. 147349 500 Mk., 10. Nr. 43 703 500 Mk., je 100 Mk. Nr. 17260, 81179, 37 432, 112264, 24484, 20865, 32033, 39883, 101995, 124763, 56 686, 28496, 88 651.

Berbaudstag. Zur Feier deS 25jährigen Bestehens de! Verbandes der laudwirthschaftlichen Genossenschaften, welche an den Tagen vom 29. und 30. September tu Mainz stattfiudet, an dem Orte, an welchem der Verband gegründet worden ist, wurde folgende! Festprogramm festgesetzt: Donnerstag den 29. September, Vormittag! 10 Uhr: Fest­versammlung in der Stadthalle; 1. Eröffnung durch den Ver- bandSdirector, 2. Festbericht desselben, 3. Die Entwickelung bei Düngermarktes und der Düngungslehre während der letzten 25 Jahre. Berichterstatter: Geh.-Rath Prof. Dr. Paul Wagner-Darmstadt. 4. Die genossenschaftliche Organisation deS Absätze! laudwirthschaftlicher Erzeugniffe. Berichterstatter: Generalsecretär Dr. Müller-Offenbach. Nachmittag! 2*/z Uhr: Festmahl in der Stadthalle, 6 Uhr Nachmittags Garten- coucert und 8 Uhr Abends FestcommerS imHeilig Geist". Am zweiten Festtage, am 30. September, findet mit zwei gemieteten Dampfern ein Ausflug nach dem Nationaldenkmal auf dem Niederwald statt. Die Abfahrt erfolgt Vormittags 10 Uhr und die Ankunft in Mainz um 7 Uhr Abends.

Wohnnugs-Beaufsichtigung. Die in Köln tagende Versammlung des Deutschen Verein! für öffentliche Gesundheitspflege wählte in ihrer Schlußsitzung den 1. Bürgermeister von München, Borscht, zu ihrem neuen Borfitzendea und nahm nach längerer Erörterung folgende Resolution an:Der verein erachtet eine durchgreifende Wohnung! Beaufsichtigung für ein dringliche! Bedürsniß und hält zur Zeit Anträge auf reichlgesetzliche Regelung für erfolg­los. Ec empfiehlt einen Erlaß von Lakdelgesetzen, bezw. eine ortspolizeiliche Regelung oder allgemeine polizeiliche Verord­nungen. Die Versammlung beauftragt den Ausschuß, dieser- halb bei den zuständigen Behörden vorstellig zu werden."

** Eine Allgemeine Coufereuz der deutschen Sittlichkeits- vereine wird vorn 4.6. October tu Stuttgart abge­halten mit Männer-, Frauen-, Studenten- und Soldaten- Versammlungen.

* Wetterbericht. Der Kern de! barometrischen Moxi- mum! verlegt fich allmählich weiter nach Osten, während gleichzeitig oom äußersten Nordwesten bei ErbiheilS her langsam niederer Dr^ck fich nähert. Derselbe wirb zunächst noch keinen Einfluß auf bte centralen Stellen Europas ge­winnen. Mit seinem weiteren Vorbringen dürfte aber all­mählich eine Verschlimmerung der Wetterlage eintreten. Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch heiter und «arm, dann allmähliche Zunahme der Bewölkung.

An» bete Aeit für die Seit»

Vor 25 Jahren, am 20. September 1863, starb in Berlin der Sprachforscher Jakob Grimm, der die ver­gleichende Sprachwissenschaft im Verein mit seinem Bruder Wilhelm in Beziehung auf die deutsche Sprache der höchsten Vollendung entgegenführte und durch tiefe Forschung, schöpfe­rischen Genius, sinnvolles Eingehen auf Gefühl!- uud Phantafie- leben der Völker neue Gesichtskreise eröffnete. Er wurde am 4. Jauuar 1785 zu Hanau geboren.

Vermischtes.

* Berlin, 18. September. Die Untersuchung gegen Grünenthal ist geschlossen, sodaß in der zwecken Schwurgerichtsperiode im October die Sache zur Verhandlung kommt. Seck Bekanntwerden des Verbrechens ist ein Theil der früheren Freunde G.'s in schwere Geldcalamitäten ge- rathen. Grünenthal, der stets mit Darlehen aushalf, hat, wie dasKl. Journal" berichtet, nur Schuldverschreibungen über größere Summen aufbewahrt, die bei der Haussuchung der Behörde in die Hände fielen. Vom Gericht wurden den Schuldnern die Darlehen gekündigt, einige ein­geklagt und sogar schon Pfändungen verfügt. Auch eine Hypothek, die Grünenthal auf ein Grundstück in Thale hatte, ist gekündigt und zu Anfang October Subhastationstermin angesetzt worden. Der Angeklagte ist aus dem Lazareth, wo­hin er seines leidenden Zustandes wegen verbracht wurde, wieder entlassen worden. Grünenthal protestirt ganz energisch gegen eine Untersuchung auf seinen Geisteszustand und fordert selbst seine Bestrafung. In einem Briefe, den er an Elly Goltz richtete, bittet er diese, fie möge ihm bei ihren Ange­hörigen die Verzeihung für das große Unglück, das er über ihre Familie gebracht habe, erwirken.Ich selbst", so schreibt er,will meine Strafe erleiden und habe mit dem Leben abgeschlossen; denn daß ich die hohe Strafe überleben werde, daran ist wohl kaum zu denken." Auch über die Zukunft Ellys macht er in dem Briefe noch eins bemerkenswerthe I Mcktheilung; er gibt an, daß, falls sie ihre dem Gericht! übergebenen Papiere nicht zurückbekomme, für sie doch noch ein Depot von 50000 Mark bei einer Berliner großen Verkehrs-Gesellschaft hinterlegt sei und ihr nur allein aus­gezahlt werde. Vor zwei Jahren habe er bei dem Verkauf eines größeren Postens von Werthpapieren dieses Geld ver­dient; der redliche Erwerb sei notariell bescheinigt, und das

Geld liege für Elly bei der Gesellschaft bereit. Diese Summe kann nicht mit Beschlag belegt werden und muß an Elly Goltz zur Auszahlung gelangen.

* Die in Ulm tagende 51. Hauptversammlung deS Gustav Adolf-Verein! erhielt vom Kaiser solgenbe! Telegramm au! Potsdam vom 16. b. M.:Herrn Geh. Kirchenrath Fricke in Ulm. Seine Majestät freute fich auf! Herzlichste, von ber Hauptversammlung bei Gnstav-Abolf-Derein! so freundliche Grüße und treue Segenswünsche für die Palästina­reise zu erhalten, läßt besten! danken und ber Gustav Adolf- sache eine immer weitere Ausbreitung im deutschen Bater- lanbe wünschen. Auf Allerhöchsten Befehl. Sucanu!.*

* Da! Denkmal zu Ehren der ZltiS-Maunschaft, die vor zwei Jahren im Taifun an der Küste von Schanlung ihren Tod gefunden hat, wird in den Parkanlagen von Shanghai aufgestellt werden. Der Norddeutsche Lloyd bewirkt die Ueberführung nach China ohne jegliche Kosten. Der feier­lichen Enthüllung des Denkmals wird dem Vernehmen nach auch Prinz Heinrich beiwohnen.

Neueste Nachrichten.

Depesche» bei BureauHerold".

Berlin, 19. September. DemKleinen Journal" wird au! Pari! telegraphirt: DerJnstizminifter Sarrien erklärte offen, da! Studium der Acten ergebe die sichere Unschuld Drehfus', jedoch die Existenz eine! Berräther!. Heute wird ber Mimsterraih die Maßregelung bei Generals Metzinger wegen der bekannten politischen Manöverrebe beschließen. Der gestrige Regen vereitelte die beabsichtigte patriotische Kund­gebung vor dem Ministerium bei Innern. Die Patrioten- liga und die Antisemiten planen, beim Prozeß Picqaart Un­ruhen vor dem Jnstizpalast hervorzurufen. Die Drehsnl- Proceßacten find bereit! ber Commission übergeben worden, die am Mittwoch zum ersten Mal tagen wird. Die Polizei Über­wacht scharf alle antisemitischen und chauvinistischen Verein!» locale. El stehen sensationelle Verhaftungen wegen staat!- gefährlicher Umtriebe bevor. Der neue Prozeß DreyfuS findet, wenn bte Revision angeordnet wird, in einer Provinz­stadt, und zwar entweder in Rouen ober Amiev! statt. General Zurlinben erhält nicht wieder den Posten all Militär- gouverneur von Paris. DieRSpublique fron$atfe", dal Organ MolineS, erkennt jetzt zögernd die Nothwenbigkeit der Revifion an.

Wien, 19. September. Im Laufe bei gestrigen Tages fanben Besprechungen zwischen den hier weilenben Mit­gliedern bei Exrcutiv Comitöl der Rechten statt, wobei eS fich um die Modification ber Forderungen handelte, welche die Jungtschechen und Slowenen an die Regierung stellen werden, bezüglich welcher die Polen vermittelnd eingreifen.

Wien, 19. September. Der Bildhauer Franz von Hofer hat sich vergiftet. Die Ursache ist unbekannt.

Prag, 19. September. Die rabicalen tschechischen Blätter meiden, daß fich bte tschechischen Führer verpflichtet hätten, für den österrechisch - ungarischen Ausgleich zu stimmen unb daß aus diesem Grunde eine Spaltung inner­halb des jung-tschechischen Club! ftatifinden werde.

Paris, 19. September. Mehrere socialtstisch-radicale Blätter fordern den Präsidenten Faure zur Demission auf.

Paris, 10. September. General Mercier erklärte einem Offizier gegenüber, baß da! von ihm befehligte 4. Armeecorpl bereit sei, die Ehre ber Armen zu vertheidigen, wenn die Dreyful-Freunde diese Ehre anzugreifen wagten. Pettte Stepubl'que" erwidert hierauf, daß e! die Pflicht eine! jeden Soldaten sei, Offiziere, die ihn zum Bürgerkrieg führen wollten, einfach niederzuschießen.

Paris, 19. September. Wie verlautet, soll Präsident Faure seine Haltung gegen die Revision bei Dreyful-Pro- ceffel besonders infolge Einspruch! seiner Frau unb seiner Tochter genommen haben. Beibe Damen stehen in enger Berbinbung mit dem Clerul und der hohen Aristokratie.

Paris, 19. September. Eine große Feuerlbrunst hat 50 Häuser bei Dorsel Pont-Naguh bei Chartrel ein« geäschert. 230 Personen finb obbachlol. Der Schabe» ist enorm.

Pari!, 19. September. Die Generalität ist überaus empört über dal Vorgehen de! neuen Krieglministerl, welcher entschloffen sein soll, die Untersuchung gegen Picquart einzustellen, denselben avanciren zu laffen und mit einer hohen verantwortunglvollen Stelle zu betrauen.

Paris, 19. September. DerFigaro" meldet, dal Justizministerium werde einen Raum vorbereiten für die die Revision berathenden Ausschußmitglieder, damit die Commission ungestört tagen könne. Dieselbe kann vor Ablauf von 10 Tagen fich über die Revision nicht aulsprechen.

Paris, 19. September. General Chanoine erklärte Freunden gegenüber, er habe dal Kriegl-Portefeuille auf Wunsch bei Präsidenten Faure angenommen, unb er werde I für seine Aufgabe halten, die Rechte ber Armee zu schützen. Sobald er sehe, baß unter dem Vorwande der Revision etwas gegen die Armee unternommen werden soll, würde er sofort demisfiouiren.

London, 19. September. Ein hiesige! Blatt berichtet, seit 10 Tagen befinde sich Esterhazy in London. In einem Interview äußerte er fich, nicht Feigheit, sondern die Ueberzeugung, daß in seinem Daterlande keine Gerechtigkeit mehr zu finden sei, habe ihn hierher getrieben. Jetzt sei der Augenblick gekommen, Enthüllungen über seine Rolle in der Dreyful-Affaire zu machen. Von 1000 die Drehful-Acten umfassenden Doenmenten seien etwa 600 .gefälscht. Esterhazy will erklären, von wem unb unter welchen Umstänben bte Fälschungen begangen worben find.

Petersburg, 19. September. Der Czar pflegt zur Zeit einen per nlichen Briefwechsel mit anderen euro­päischen Souveränen behuf! Festsetzung eine! Programm! für die Friedeul-Conferenz.