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19.10.1898 Erstes Blatt
 
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Nr. 245 Erstes Blatt.Mittwoch den 19. Lrtobcr

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Deutscher Reich.

Berlin, 17. Oktober. Die von öngianb hierher gelaugten Angaben über ein gegen Kotier Wilhelm geplante» Attentat werben, wie dieNordd. Allgem. Zig." meldet, dnrch die amtlichen Nachrichten tu allen wrseutlichev Puukteu bestätigt. Ja»beioudere steht fest, daß die beschlagnahmten Bomben eine sehr starke Laduog von Schießbaumwolle ent- hielten uud mit großcaltbrigro Revolverkugelu gefüllt waren und zwetfello» etne äußerst starke Sprrogwtrkuag entwickelt Haden würbeu. Ebenso ist festgestellt, daß die Verbrecher, nachdem dte Ausführung der That in Aegypten unmöglich Geworden, dte uäihtgeu vorberettoogeu getroffen hatten, am dte zur Berweuduug fertig gemachten Bomben nach Jaffa zu fchaffro. Dte r$oft* sagt am Schluffe etuer Besprechung de» beabfichitgteu Attentat», daß es nun aber auch für alle Staatru gelte, gegen dte anarchtsttsche Gefahr Front zu macheu uud grwetusam auf Mtttel und Wege zu finneu, um dtese Pest de» Jahrhundert» zu vernichteu. Dte »Kreuz- Zeitungs erwartet voa der geplauteu tnreruatioualen 6on» fereuz, daß e» dieser gelingen wird, der anarchistischen Be­wegung ein Z'el zu setzen.

Berlin, 17. October. Der frühere Oberfactor Gr üu ent Hal stürzte fich heute vormittag, al» er dem Richter vorgeführt werden sollte, im Moabiter Grricht»gebäude über da» Treppengeländer. Er brach da» Genick und war sofort tobt.

Berlin, 17. October. Zam Selbstmorde de» Oderfaetor» Grünenthal wird noch gemeldet, daß dieser nicht erfolgte, al» Giüoevthal zu etuer Vernehmung vor den Richter geführt werden sollte, souderv, al» Grünenthal von dteser kam uud wieder tn seine Zelle gebracht werdeu sollte. Gr stürzte fich vou der Gallerte der vierten Etage htoab.

M P C. SetliM, 17. October. während bt» vor Kurzem aageoommtu wurde, der Buude»rath werde fich tu der ltppescheu Frage für unzuständig erklären, zeigt fich jetzt immer mehr, daß dte Mehrzahl der verbündeteu Regierungen aus dem Staodpuukt steht, der Buude»rath wüffe fich tm Gegentheil im vorltrgeadeu Fall schon um deswillen für zu- staubig erklären, weil er nach der verfaffuog dte einzige In­stanz bilde, an dte fich BuubeSregtervogeu wenden können. S» ist damit selbstverständlich noch ketueSweg» gesagt, daß der BaadeSrath der lippeschea Regierung Recht geben «erde.

MP.C. Berlin, 17. October. Gutem Verurhmeu nach wird dte io der Novelle zum Jovaltdität»- uud Alter»verficherung»grsetz vorgesehene Drerntralisatiou der verficherung»aastalten um deswillen auf nicht ganz ge­ringen Widerstand stoßen, weil rin Thetl der Utztereu ziem« ltch erhebliche vermögra»bestäude besitzt uud fich ungern mit dem Gedanken vertraut «acht, e» liege die Ansammlung voa folcheu Summen außerhalb de» Rahmen» der betr. Gesetz- grbuag.

Berlin, 17. Oktober. Zu dem Auarchtsteuauschlag. Au» Alexandrien find durch da» »R. 8.* noch folgende Meldungen vom Sonnabeud veröffentlicht wordeu: »Heute find «eüere Verhaftungen von Luarch sten vorgeaommeu wordeu. Dir beschlagnahmten Bombeu waren mit knall- saurem Quecksilber gefüllt und wurdeu tu dcm Easv auf einem Ttsche in einer hölzernen Büchs« vorgefaodev, neben der zwet Flaschen wem lagru, so daß da» ganze wie Reise- Proviant au»sah. Dte Bomben sollten auf etn Schiff ge­bracht werden, da» heute uach Jaffa tn See geht. Etuer der verhafteten Anarchisten war al» Kellner für etu Gasthau» tu Jerusalem engagtrt." Ueberrtustimwend damit meldet dte »Trtbuoa^, daß der verhaftete Kuffeewtrth de» Quartier» Moharrru Bch versucht haue, deu Koch etue» uach Syrien abgehenden Schiffe» zu bestechen, damit er heimlich eine Ktste mttuehme. Man glaubt, daß dariu die gefuudeoeu Bomben drsördert werden sollreu. Da» Verdienst der Ent­deckung wird hauptsächlich de« italienischen Eonsul und Polizei- director Harrington Bcy zugeschrteben. Ob unter den später verhafteten auch die beiden betheiligten Anarchisten find, deren man bet der ersten Festnahme von neun Personen nicht habhaft werden konnte, wird noch nicht gemeldet. Die htmtgru Londoner Meldoogeu bringen noch folgende Swzrl- heilen: Rach einer Meldung der »Daily Mail" au» Alexan­dria wächst dte Wichtigkett der auarchtftischen Verschwörung stündlich. Fünfzehn Personen find bereit» verhastet, man glaubt, daß e» lauter Italiener feien, dazu wird noch dte wettere Verhaftung etne» Uhrmacher», nahe der Hauptstraße gemeldet. E» besteht keiu Zwetfel mehr, daß der Zweck dte Ermordung des deutschen Kaiser» war. Der Plan war, von einer Straße Kairo», durch welche der Kaiser pasfiren mußte,

Bomben zu werfen. Liu weiterer Plan war auf Syrien gerichtet. Eta verschworener verschaffte fich etue Stelle al» Steward auf eiaem Sch ffe der Khedtvie-Ltote, welche» Sonn- abend von Alexandrien uach Jaffa ging. Er tollte Bomben an Laub schmuggeln und fie einem anderen verschworenen geben, welcher fich al» Kellner in da» Bristol Hotel in Je­rusalem eingeschmuggelt hatte. Der Mordauschlag sollte bei der Einweihung der Kirche stattfiuden. Dte beiden tm Easä gefundenen Bomben waren zehn Zoll lang, zwei Zoll dick und vou bequemer Fotzou zum Trau»port. Dte Hülle war vou Etseu mit Porzellan gefüttert, um eine chemische Wirkung de» Inhalt» zu Verbindern, der au» Knallfilber- Bomben, fest mit Draht urnwick-.lt, bestand. Beide Bomben waren In einen BiScuitkasten gepackt, der mit Sägespänen gefüllt war. Dteser Kasten war mit Eßwaaren und zwet Weirflaschen tn einen harmlo» au»srhendrn Beutel gesteckt, der oben auf einen Tisch gelebt wurde. Dte Bomben waren groß genug, um eine tödtliche Wirkung zu erzielen. Neunzehn Personen sollen an der Verschwörung betheiligt und Schrift­stücke gefunden sein, welche eine Verbindung der Verbrecher mit Anarchisten tn London uud Madrid bewetseu, sowie auf eiueu wetteren Plan htndeuteo, den König Humbert uud die gelammte italienische Herrscherfamilte zu ermorden. Dem »Bureau Reuter" zufolge tst der al» Kellner verkleidete Anarchist in Jerusalem verhaftet wordeu. Tägl. Ruodsch.

Braunschweig, 17. October. Am SamStag Nachmittag ersolgte im Keffrlhause der städtischen Gaswerke zu Helm­stedt eine furchtbare Ga»-Explosion. Wte dte »Braunschweiger Neuesten Nachrichten" melden, find dret Personen verschüttet und dte umliegenden Häuser stark be­schädigt wordeu.

AnsUn»-

Wien, 17 October. In der heutigeu Sitznug de» ««»gleich»-Ausschüsse» erklärte der Finaozmtuister Katzl, daß dte österreichische Regierung auf die Erhöhung der Quote Ungarn» bestehe.

Wien, 17. October. Nach Meldungen einer Local- eorreipoudenz soll die Prinzesstu Gisela vou Bayern dte Universal-Erbto der Kaiserin Elisabeth sein.

Budapest, 17. October. Ju der gestrigen Versammlung der Möbeltischler wurde beschloffeo, soll» dte Lohvforderuugeu nicht bewilligt würden, tu den allgemetoeu Strtke ein- zutreten.

Budapest, 17. October. Ju der heutigen Sitzung de» Abgeordnetenhause» setzte die Oppofitioo dte Odstructtou fort. Bei Kenotuißnahme de» Protocolle» der lrtzreu Sitzung kam e» zu stürmischen Scenen.

Budapest, 17. October. Al» der Kaiser am SamStag Nachmittag vou der Ofener Burg zum Ostbahohofe fuhr, warf fich der au BerfolguvgSwahnfina leidende Privatier Anton Hrgedu» vor dte Pferde der Equipage. Der Kutscher, welcher dte Pferde rasch zum Stehen brachte, übergab den Geisteskranken eine« Polizisten. Dieser Vorfall gab hier Anlaß zu AtteutatSgerüchteu.

Budapest, 17. October. Die Poltzet verhaftete den Bauzrichuer Leopold Schwalbe sowie deffeu Geliebte Josefine Jobsch, welche seit längerer Zett englische Bank- noten sadrtctrteu und tu Umlauf setzten. Dieselben hatten hier eine vorzüglich eingerichtete Werkftätte zur Fälschung der Banknoten.

Pari», 16. October. Nach einer dem Ministerium feind­lichen Quelle, der8ibett6*, seien Verschwörung», gerüchte auf Machenschaften politischer Freunde Brissons zurückzuführen, welche hierdurch dem Ministerpräsidenten zu nützen glaubten. Ein der Kanzlei eine» Minister» zugetheüter Beamter habe in einer Nachbarstadt folgende Depesche an General Zurlinden aufgegeben: .Halten Sie sich für Samstag bereit, gez. Ein General." Die Depesche sei vom Haupt- Telegraphenamt angehalten und dem Ministerium de» Innern übergeben worden, welche» eine große Aufregung geheuchelt habe. Diese Lesart klingt indeß nicht gerade wahrscheinlich. Der Ministerrath beschäftigte fich mit der Angelegenheit de» Obersten Picquart, der noch immer in enger Haft gehalten wird und der den Competenzconflitt zwischen der Civil- und Militärjustiz erhoben hat. Es giebt keine Gesetzes- steüe und keine Präcedenz für diesen Fall.

Konstantinopel, 17. October. Jafolge der Aufdeckung de» AtteutatSplaue» tn Alexandrien hat sowohl dte htefige Polizei al» auch die in Palästina dte strevgsten Weisungen erkalten und ihre vorficktSmaßregeln verdoppelt.

Afieu. Da» geistige Bild der Kaiserin-Wittwe von China stellt fich neuerdings doch wesentlich ander» dar,

al» englische Zeichenstifte e» umriffen hatten. So erklärte der Vorfitzende dr» Tsung-li Pawen, Prinz Tsching, dcm englischen Gesandten Macdonold gegenüber, die Kaiserin- Wittwe widerstrebe nicht ernsten Reformen, fie sei nur gegen gewaltsame, undurchführbare Neuerungen. In der That hat fie am Samstag eine Verfügung erlaffen, in welcher ver­sprochen wird, für die Wohlfahrt und da» Gedeihen de» Volke» zu sorgen, und durch-welche zwei Handelsräthe, einer für Schanghai und einer für Hankau ernannt werden, deren Amtsbefugmffe fich auf ganz Süd-China erstrecken sollen. Obgleich der Nutzen dieser Maßregel zweifelhaft erscheint, bildet fie doch, nach einer Meldung aus Peking, ein Anzeichen für die Politik der Kaiserin, die auf die Einleitung von Reformen gerichtet ist. In die geheimnißvolle Dämmerung, welche die Person de» thatsächlich seiner Macht entkleidetm Kaisers enthüllt, will noch kein rechte» Licht dringen. Prinz Tsching hat allerding» soeben dem britischen Gesandtenbe- friedigende Verficherungen über den Gesundheitszustand de» Kaisers" erthellt. Im Uebrigen erwartet man aber, daß Kaiser Kuang- am Geburtstage der Kaiserin, am 22. No­vember, abgesetzt und ein Enkel de» Prinzen Jun, ein Knabe von 13 Jahren, zum Kaiser ernannt werden wird. An weiteren Nachrichten liegt noch vor, daß nunmehr auch fran- zösische Marinesoldaten in Ptking eingetroffen sind und daß die chinesische Regierung Japan gestattet, in Han kau tn der Nähe der deutschen Niederlassung eine japanische Niederlassung zu errichten.

M.P.C. Japan. Da», wie schon bekannt, von Japan in England bestellte große Panzerschisf wird bet der Firma Bidet» & Eo. gebaut. Der Prei» für da» cowplette Schiff einschließlich KriegSchargirung beträgt 930000 Lstr. Au» dem Prei» ist ersichtlich, daß da» Schiff alle» bi»her Da­gewesene in jeder Beziehung übertreffen muß. Die gesammte Fertigstellung erfolgt bei vckrr», fast ohne etne andere Firm, zu Hülfe zu ziehen. Da» Deplacement beträgt 16000 t. Der Panzergürtel wird an» ganz besonder» hartem Stahl hergestellt nnb reicht vom Sporn di» zum Stern. Die Armirung wird an» vier zwölfzöll. 60 t Kanonen von v cker» bestehen, welche eine Müodung»geschwindigkeit von 44573 Fuß ton» erzielen. Ferner eine große Zahl von anderen Schnell- fenergeschützev, von denen jede» mehr al» 5000 Foß ton» erreicht. Die Zwilling»!chraube wird dnrch eine Triple- Expanfion» Maschine getrieben, welche 15000 Pferdekräfte entwickelt. Die beiden anderen schon im Bau begriffenen Panzer für Japan, welche ungefähr dieselbe Größe haben, stehen auf den Werften in Clydebank bezw. auf der Werft der Thame»-Jron-Work».

Telegirtentag des Verbandes südweftdeutscher Tetaillisten-Bereiue.

(Schluß.)

Nach kurzer Pause wurde die Geschäst»ordnuug für die südwestdeutschen Detaill'ften - Lonferenzen durchberathen und nach den vorgeschlagenen Abänderungen angenommen.

Hierauf berichtete Herr Wilh. Lotz über die Mißstände, die fich beim verkauf von Strickgarnen herau»gestellt, seit vom alten Gewicht znm neuen übergegangen wurde. Er empfehle verkauf nach Kilogramm, bzw./s und Kilogramm. Auch im Eisenhandel seien derartige Uazuläsfigketten zu be­obachten, e» werde z. B. Draht vielfach nach Ringen, anstatt nach Gewicht verkauft. Auch Nähgarn auf Rollen werde unter Täuschung de» Publikl.m» nach unrichtigem Maß ver­kauft- e» müsse da» Maß auf dem Rolleuer^quett deutlich angegeben werden. Nach kurzer Debatte, an der fich dte Herren Almenrod-Hanau, Na f sau er - Gießen, Koch- Gießen, Sch mahl-Mainz, Tripp-Eaffel, Orbig-Gießen und KrÜger-WieSbaden und der Vorsitzende E. Balser, betheiligten, wurde etne Resolution i« Sinne der Lotz'scheu Darlegungen gefaßt.

An Stelle de» Herrn Hugo Hirsch selb-Frankfurt, welcher da» Referat Über ,bte Schäden der großkapi­talistischen Waarenhäuser und Bazare für deu Detailhandel^ übernommen hatte, aber am Erscheinen verhindert war, sprach Herr Schäfer-Frankfurt. Redner kann fich weder für etne höhere Besteuerung der Waaren­häuser, noch für etne Umsatzsteuer, ebensowenig für eine sog. Kopfsteuer anSlprechen, da damit den großen Waareuhäuseru schwerlich beizukommen sei, den Detailgeschäften aber nicht geholfen werde. Auch sei der Begr'ff ^Waarenhau»" schwer zu defintten. Er empfiehlt, die Frage vorerst ad acta zu legen, von den folgenden Rednern lprecheu fich die Herren Balser- Gießen, Tripp Cassel, Stamm- Wiesbaden, Lotz-