Ausgabe 
18.11.1898 Zweites Blatt
 
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Freitag den 18. November

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General -Anzeiger

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Zlints» und Anzeigeblatt für den Kreta Gieren.

-r GntirbkUage: Gießener FamilienblSIter.

Atntlichev Theil.

Gießen, den 11. November 1898.

Bete.: (trmtttelnng der landwirthschaftlichen Bodenbenutznvg und des ttmtcntrafll Im Jahre 1898.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

«» die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche ovierer Auslage vom 17. Mai 1898 (Gießener Anzeiger Nr. 117) noch nicht nach- gekommen find, werden an deren Erledigung mit Frist von drei Tagen erinnert.

v. Bechtold.

Gießen, den 15. November 1898.

Betr.: Den Wieleogaog.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

<m die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, wtlche unserer Auslage vorn 5. October L I. (Gießener Anzeiger Nr. 235) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung hiermit erinnert.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

betr.: Den Schutz junger Obstbäume gegen Hasevsraß.

«tr machen die Laudwirlhe unsere« Kreises daraus auf­merksam, ihre jungen Obstbäume in gehöriger Weise gegen Hasenstah zu schützen. Da« Umwickeln der Bäume mit Stroh «der Ginstern, wie e« vielsach üblich ist, ist nicht genügend, da der Hase diese beiden Schutzmittel leicht durchnagt- auch nisten sich im Stroh gern Obstbaumschädlingr ein. Einen wirklichen Schutz gewahrt vielmehr nur ein dichte« Umbinden der Bäume mit Dornen. Bei der großen Bedeutung, welche der Obstbau zur Zett hat, liegt e« im dringenden Interesse der Laodwirthe, ihren Bäumen diesen leicht und billig zn be­schaffenden Schutz angedeihen zu loffru.

Besonder« bemerken wir hierzu noch, daß nach Art. 2 de« Gesetzes vorn 1. Juni 1895, den Ersatz de« Wildschaden« betreffend, Wildschaden nicht ersetzt wird, wenn derselbe fich ereignet an Obstbänrnen, deren Eigenthürncr nnterlaffen hat, dieselben mit den unter gewöhnlichen Umständen au«reicheudeu Schutzvorrichtungen zu versehen.

Gießen, den 15. November 1898.

Großherzogliche« Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Deutsche» Reich.

Balte, 16. November, lieber eia neue« Soloui- satiousprojeet io Deutschostasrika brrichteo die Berk Reuest. Nachr.*: Wit einem Sesellschast«capital von 500000 Wai! gedenkt da« Syndikat für Gründung einer Dentschasrikanischen Handel«- nnd L-mdwirthschaft«gesellschaft^ im nördlichen Theil von Deutschostasrika von Wuhesa nach Woschi einen regelmäßigen Wagevverkehr etuzurichtev aus Gruud eine« vertrage« mit dem Gouvernement, der de« Syndicat da« «egebaurecht sichert, die von ihm gebauten Straßen zu seinem Eigenthum erklärt, da« Gouvernement verpflichtet, in Form von Laad die Ausgabe sür Wegebau zurückzuvergüten und den Transport seiner Güter de« Syndicat zn übertragen. In eior« zweiten vertrage hat da« Syndicat da« vorkaus«recht aus etwa 7000 Heetar in Süd-Pare und 28000 Heciar am Kilima-Ndscharo erhalten. Zunächst wird beabsichtigt: 1. Anlegung einer Station sür Viehzucht nnb Lavdwirthschaft in der Landschaft Tschomrue in Süd Pare. 2. Bau von neun Rasthäusern zu je 250 Wk. auf der Strecke Muhesa-Moschi. 3. Verbindung von drei Rasthäusern mit kleinen Viehwirthschaften nuter einem Araber brzw. Inder zn Zwick-n de« Vorspann« sür den «ageuverkehr. Und Alle« da« «it einem Sapital von 500 000 Wait.

XusUmÖ

Biei, 16. November. Nachdem die Parlaments-Majorität de« Grasen Thun die bindende Zusicherung gegeben hat, die An«gleich«verhandlnngen zu vottren, sollen nun# «ehr die Debatten iw Abgeordnetenhause durch lange Sitz­ungen sorcirt werden, damit die Au«gleich«berathungen bi« spätesten« 26. November beendet find. Darnach soll dir Ausgleichsvorlage sofort vor da« Plenum kommen und, fall« die Oppofition keine besonderen Schwierigkeiten macht, da« Parlament bi« zum 18. Deeember tagen. Sndernsall« ist Graf Thun entschlofleu, den § 14 sofort in Anwendung zu dringen.

Pari«, 16. November. Die Blätter weifen darauf hin, daß gestern genau ein Jahr verstrichen war, seitdem der Bruder de« Exeapitän« Drryfu« dem Justizmtnister al« wahren Schnldigeu Esterhazy bezeichnete.

Pari«, 16 November. Dreysu« wird dnrch den Staat«anwalt in Soyenne verhört werden. Der Advokat der Familie ist bereits vom Easiationshofe ermächtigt worden, Kenntniß von allen Schriftstücke« zu nehmen. Sr hat noch gestern darüber mit de« Eolonienministtr eonferirt.

Nizza, 16. Rovr«ber. Ja der hiesigen Notre-Dame- Kirche fand gestern die Vermählung der Prinzessin Maria von «onrbon mit dem ehemaligen Kaufmann \ Fr um an n statt.

Laidon, 16. November. E Hamb erlain eit S<te, e« seien im legten Jahre viele Streitfragen zwischen Frankreich nnb England aus der Tagesordnung ge­wesen. England habe in der Madagaskar Frage, in Siam, Tunis und Im Nigersalle den Forderungen Frankreich« nach- gegeben. E« sei aber jetzt entschloffen, diese Nachgiebigkeit nicht weiter fortzusetzen. England sei jetzt gerüstet und könne mit bewaffneter Hand seinen Wünschen Geltung verschaffen. Frankreich dagegen sei nicht gerüstet, die französischen Küsten seien den englischen «rieg«schiffen preisgegeben. Er sei daher überzeugt, daß England jetzt alle Fragen, die noch zwischen den beiden Lindern schwebten, regeln werde, damit ein für allemal die beiden Nationen freundschaftliche Beziehungen zn einander haben könnten. »Daily Shronicle* bemerkt zn der Rede, die ftavzösischen Politiker sollten fich ganz besonder« den Theil der Rede Ehawderlain« zu Herzen nehmen, wo er von der unznreichend vertheidigten französischen Küste spricht. Weiter meint da« Blatt, England wolle keinen Lonflict mit einer europäischen Nation. Sobald die jetzt schwebenden Streitftagen geregelt sein würden, werde kein Grund zu wetteren Streitigkeiten vorliegen.

Lvcvle» mtO provinzielle».

= «llendotf a. d Lda., 16. November. Die Verlegung unsere« Herbstmarkte« vom 16. auf den 30. November LI. wurde durch den heutigen preußischen Bußtag veranlaßt. Witbestimmend für die Verschiebung um zwei Wochen war der nächste Woche In Gießen stattfindende Markt, vielfach ist der Wunsch laut geworden, die schon mehr nölhig ge- wesenr unliebsame Hiuau«schiebung unsere« Herbstmarkte« möge in Zukunft durch regelmäßige Abhaltung am ersten Mittwoch de« Monat« November vermieden werden.

Friedberg, 16. November. Große Weihnacht«sreuke war Friedberg« Einwohnerschaft bereitet worden, al« vor nunmehr fast eine« Jahre bekannt wurde, daß die hohe Staat«regierung bei den Landständen die Erweiterung de« hiesigen Proghmnafium« zn einem vollghmnafiurn be­antragt habe, nachdem fich die Stadtverwaltung verpfl'chtet hatte, der erweiterten Schule einen Neubau herzustillen. Nach harten Kämpfen in beiden Sammern wurde oben ge­nannte Vorlage verfassungsmäßig verabschiedet nnb e« trat die Frage des Neubaues in den Vordergrund. Schon jahre­lang war man von der Nothwendigkett eine« solchen Baue« durchdrungen und manche Verhandlungen waren gesührt worden. Darüber war «an einig, daß ein den Erforder­viffen der Neuzeit entsprechender Bau herzustellen fei, der neben praetischer Anlage im Gmvdr'ffc auch äußerlich gefällige Formen zeige. Ein hochherziger Friedberger Einwohner, der untetanni geblieben ist, hat, um tiefe« Z'el besser erreichen 1 zu können, im vergangenen Sommer 8000 Mark zur Brr-

Feuilleton.

J)ie Zwischendecken^nserer Wohnungen.

(Sine gesundheitliche Betrachtung.

Bon Dr. W. Nullmann-München.

(Fortsetzung.)

Um die an« untersuchten Fehlböden erhaltenen analytischen Resultate verwerthen zu können, muhten Untersuchungen flQni »einer Materialien vorangehen. Diese zeigten, daß Sind, Kie«, Backsteine und Mörtel keine Spur von Stick« stoff Koch alz, Salpetersäure nnb Ammoniak enthalten, wo- gegen die entschieden zu verwerfenden Kohlenschlacken schon recht bemerken«werthen Gehalt von den beiden erstgenannten Körpern befitzen.

Nachdem wir nun gesehen haben, wie Fehlböden her- gestellt nnb zusammengesetzt sein sollen, wollen wir auf Grund von analytifcheu Ergebniffen zeigen, wie fie häufig zusammen- 8<l<*BMr*enb bie jetzige strenge Bauleitung daraus sieht, daß verwendete« reine« Material nicht durch die dlrbetter seldst verunreinigt wird, suchten früher die bei« van beschäftigten Arbetter nicht die ihnen zugewieseuen, oft etwa« unbequem gelegenen Aborte auf, sondern überließen ihre Ausleerungen ruhig de« anfsaugungSfähigen Fehlbodenrnaterial. Hier be­gann aber erst bann die schädigende Einwirkung, wenn nach Verschalung der Böden durch ba« Aufwaschen ber Dielen Waffer in erstere gelangte nnb so ein Zersetzungen be- gftnfHgenber Btseuchtangszustand be« Füllmaterial« herbei- gesührt würbe.

Weit schlimmer aber ist noch bie verwenbnug alten Bauschuttes. Wenn ein solche« Han«, welches möglicher Weise im Laufe ber Jahrhunberte burch verschiedene Seuchen heimgesucht wurde, endlich dausällig geworden ist, findet in der Regel der Bauschutt und mtt ih« ba« Fehldobenmaterial ta dem an seinen Platz kommenden eenen Gebäude zur Zwischendeckensüllung wieder Verwendung. So wird der Schmutz au« grauer Vorzeit in die neuen Wohnungen Über­tragen, nnb e« ist nur zu wahrscheinlich, baß burch bleie leiber noch so vielsach geübte Unfitte kravkheiterregenbe Bakterien an« alten Gebäuden in neue hinübergeschleppt werben.

Gtmz unglaubliche Borkommniffe beobachtete E««erich in einer unterer größten deutschen Handel«- und Wohnstädte. .Da« betreffende Han«/ so schreibt genannter Gelehrter, .war in Anfang vorigen Jahrhundert« erbaut worden. Zur Decken- füllung ist bamal«, wie die Untersuchung de« Fehlboden« bei« Abbruch zeigte, auch schon alter Bauschutt verwenbet worden. Daffelde Material nun, da« fich auf diese «eise wohl schon fett Jahrhunderten in menschlichen Wohnungen befand und welche« fich stärker «tt Hamsalzen und anderen künstlichen Abwässern imprägnirt zeigte, al« der «oth auf den ©traben der Stadt oder der Inhalt der «ehtichtgrubeu nnb der Boden in ber Umgebung durchlässiger Wtrittgruben tub tWeufcen, mürbe mit dem übrigen Bauschutt zur Fehlbodenfüllnng be« Nenbone« verwendet. Die« an und für sich schon sehr nn- reine Material wurde aber noch weiter verunreinigt, indem bie aus bem Bauplatze befindliche, bl« zu« Raube gefüllte Abtritt«grübe nicht aufgeräumt, sondern «it de« Bauschutt gefftHt wurde, welcher dieselbe austrockutte. Diese« mtt

Jauche vollkommen imprägnirte und mit menschlichem Koth beschmutzte Schuttgervlle wurde allbann, mit dem übrigen Bauschutt mehr oder weniger vermengt, in dem Neubai zur Fehlbodensüllung benutzt. Ein ekelhafter Modergeruch erfüllte dann bald die Luft der hohen Säle deS Renbaue«, nab ob­gleich Fenster nnb Thüren noch offen waren nnb bie Luft Tag unb Nacht burch bie einzelnen Räume ungehindert hin- burchpreichen konnte, wurde Jedermann ein an faulenden Harn erinnernder Gestank bemerkbar. Die später naan«- dleibliche Untersuchung ergab, daß ans diese unerhörte Art etwa gerade so viel faulende« organische«, stickstoffhaltiges Material in die Fehlböden gelangt war, wie e« in 200 Leichen von erwachsenen Menschen enthalten ist."

Solche Mtttheilungen mit den vergleichenden Zahlen sprechen zur Genüge. Sehnliche und ebenso abschreckende Bei­spiele an« neuester Zett anzuführen, hält gleichfall« nicht schwer, hat doch auch verfafftr diele« in einem au« eine« Staat«gebäude stammenden Feh hoben so viel Kochsalz er- mittllt, daß solche» be« brüten Theil normaler Abtritt«jauche entspricht, unb in 21 Eubikmeter dieses Fehlboden« so viel stickstoffhalttge« saulenbe« Material ermittelt, daß es be« Eiweißgehalt von 14x/t menschlichen Leichen gleichkonnnt. Mit eine« dritten berartigen Beispiel wollen wir e« bann genug sein lassen. Bei eine« sehr bebeutenben großstädtischen Neubau fand fich ein so stark verunreinigte« Material, baß der ermittelte Stickstoff, vorau«gesetzt, daß da« Füllmaterial in allen Räumen ba« gleiche war, 27,168 Kilo Eiweiß reprä­sentiere, eine Menge, welche runb 3000 Menschenleichen entspricht.

Der Umstaub aber, baß man so wenig von solchen