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Donnerstag den 17. Februar
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Kchulstraße Nr. 7.
Rußland und die Lage auf dem Balkan.
Mehrere Jahre hindurch hat die russische Regierung die Dinge aus dem Baikan an^ehienb ganz au» dem Auge verloren und sich nicht darum gekümmert. Da« halte thetlweise seinen Grund in der mit Bulgarien eingetreteneu Entfernung, dessen Fürst und Regierung bekanntlich lange Zeit für den Zarenhof „Luft" waren, theils lag eS auch darckN, daß der Sultan von Rußland protegirt wurde und mit seiner In- tereffensphäre nicht allzusehr eingeengt werden sollte. Diese | Theilnahmlofigkeit Rußlands war auch noch bemerkbar wahrend I ifl ganzen Verlaufs deS griechisch.türktschen Kriegs, wo eS sich ganz auf den Standpunkt des geschriebenen Rechts stellte, | ohne durch irgend eine «ciion feiner Sympathie für da» verwandte Griechenland Ausdruck zu geben. Auch als der Krieg beendet war und die Kretafrage ernstlich wieder die europäische Diplomatie beschäftigte, da verhielt fich Rußland noch vollständig passiv und ließ z. B. einen Candidaten für I den Gouverueurpoften nach dem anderen aufmarschtreu, ^hue I daß eS — so weit bekannt geworden ist — irgend einen I Einspruch erhoben oder eine besondere Fürsorge für einen I Candidaten gezeigt häite. Schien doch mit der Aufstellung | JeÄ montenegrinischen Großwojwoden Petrowitsch die Ange» | legenheit einen befriedigenden Verlauf zu nehmen, da gegen I d'ese Candtdatur von keiner Seite ernste Einwendungen er» I hoben werden konnten! Da aber erhielt das Bild plötzlich rin ganz anderes Aussehen, indem Rußland mit einem Male eia großes Interesse an der Angelegenheit bezeigte. Man erzählt sich, daß Petrowitsch selbst durchaus bereit gewesen sei, eine auf ihn fallende Wahl anzunehmen, aber er habe vach einer Unterredung de» russischen Vertreters in Cettinje mit dem Fürsten NckolauS schließlich doch abgelehnt. Man geht wohl nicht fehl, wenn dieser Entschluß auf den Einfluß | Rußland» zurückgesührt wird, dem also daran gelegen war, ' fcte Kretasrage noch nicht zur Erledigung kommen zu lasten, die denn nun auch wieder längere Zeit schwebte, bis von Petersburg aus die Candidatur de» Prinzen Georg von Griechenland aufgestellt wurde. K r M r
Zwar ist bisher in Abrede gestellt worden, daß Ruß» land officiell den Mächten diesen Vorschlag gemacht und den Sultan um Anerkennung ersucht habe- daß aber die Candtdatur wirklich bestand, kann nicht geleugnet werden, das geht ja auch aus den Erklärungen, welche StaatSsecretär v. Bülow im deutschen Reichstage über die Kretasrage gab, unzwet» heutig hervor. Von officiöser Petersburger Seite wird nur zugegeben, daß „Besprechungen" mit der Pforte wegen der Gouvernturfrage stattgefuuden haben.
Genug, wir wiffen, daß vorläufig die ganze Angelegenheit wieder ruht- von der einen Seite wird gemeldet, daß Prinz Georg definitiv zurückgetreten sei, auf der anderen Seite heißt e», nur vorläufig. Mau spricht von einem provt« sorischen Gouverneur, der dem Prinzen die Wege ebnen solle, und von einer Reise des letzteren nach Konstantinopel, um dem Sultan die heiligsten Derficherungen zu geben, daß der Prinz eventuell durchaus loyal als Gouverneur auf»
gegen Frankreich. . r t _
Director Wörner entgegnet, die Sacye sei schon im BundeSrathe zur Verhandlung, aber noch nicht zu einem Ab»
schließlich Verweisung an eine besondere Commission vor. (Bravos.)
Nunmehr vertagt fich das Haus.
Nächste Sitzung morgen 2 Uhr. SchwerinStag. Antrag Auer betr. CoalitionSrecht, Antrag Müller-Wald eck betr. staatliche Prüfung deS privaten Versicherungswesens.
Schluß 5*/4 Ubr. .
süßer zu machen. . , ,
Referent Abg. Paasch e (nett.) drückt seine Genugthuung über die sachverständigen Aeußerungen gegen da» Saccharin
schluffe gekommen.
Der T'tel wird genehmtgr. , lfK
Beim Titel Beausteuer plaidirt Abg. Rösicke (wild- liberal) für ein Surrogate Verbot und verbreitet fich weiter über die Bierpautscherei. Komme e» doch in Berlin vor, daß den Braueretkutscheru Fläschchen mit Saccharin mit-
amtlich publicirt. M
Berlin, 15. Februar. Herrenhaus. Berathung bei »ro^ Tollte doch begünstigt I Antrages des Herzogs von Ratibor,
i. Geboten sei auch eine Erhöhung des Celluloidzolles eine schleunige Vorlage zu ersuchen, ^welcher die erforder ’ - ' ltchen Mittel bereitgestellt werden zur Verhütung künf-
tiger Hochwasserkatastropheu durch dauernde 8er» besterung der Abflußverhältnisse und Regulirung der Fluß- läufe. In der heutigen Sitzung bei Herrenhauses erklärte ber Minister Freiherr v. Hammerstein, von ber Einbringung der Vorlage beim Lanbtage abzustehen, weil dal erforderliche Material noch nicht vollstänbtg vorhanben sei. Wenn dieselbe im Sommer von dem schlesischen und brandenburgischen 0M otn BraU!lc,iUl|u)„u O1U1U)U).„ —--------- , Provinz,°ll°ndl»gk vorbrrathm fei, könne dem L-md-ng ür
gegeben würden, um je nach Bedarf de, Rauben das Bier nächsten Winter der Gefetzentwu.f zugehen. (8e*W 18 ' I g,fich,, der befanderen Lage werde der Staat finanziell ein-
abreffe für Depeschen: jUjtigtt $<<!<*• Fernsprecher Nr. 51.
tingentirung zu.
Der Titel wird genehmigt.
Beim Titel Branntweinsteuer beklagt Abg. Basser» mann (natl.), daß fich seit 1875 der Status unserer Celluloidsabrikatton sichtlich verschlechtert habe. Namentlich habe fich auch der Export nach Frankreich wegen de» hohen dortigen CellulotdzolleS verringert. Die Verwendung von
Nczagspreis vierretjährlich
2 Mark SS yfg. monatlich 75 Pfg, mit BrMPerlohu.
Bei Postbezug Mark 50 Psg. ierteljährlich.
VeUtsches Neich
Berlin, 15. Februar. Heute Vormittag 10 Uhr fand im Königlichen Schlosse unter dem Vorfitz des Kaiser» ein Kronrath statt, an dem sämmtliche Minister theilnahmen. Wie e» heißt, find Maßregeln zur Vermeidung von Hochwasser- katastropheu wie im letzten Jahre berathen worden.
Berlin, 15. Februar. Der Kaiser hörte heute Bor» mittag von 9 Uhr ab den Vortrag de» Chef» del Militär- eabinet», General» v. Hahnke.
Berlin, 15. Februar. Die Verleihung de» Rothen Adlerorden» erster Klaffe mit Eichenlaub au den StaatS- seeretär deS Auswärtigen Amt», v. Bülow, wird heute
Ausland.
Wien, 15. Februar. Die Beisetzung der Leiche de» Grafen Kalnoky findet am Donnerstag tuLettowitzstatt.
Budapest, 15. Februar. Aus dem Theiß gebt et und verschiedenen anderen Bezirken laufen alarmtrende Nachrichten
ufßeWM*»
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Deutscher Reichstag*
41. Sitzung vom Dienliag den 15. Februar 1898.
Tagesordnung: Fortsetzung der Etatsberathung. Etat der Verbrauchssteuern. Zuckersteuer.
Abg. Graf Stolberg (cons.) erklärt zunächst, daß er nicht im Namen der Fraetion spreche. Er befürwortet so« dann die Beseitigung der AuSsuhrprämien, der Betriebssteuer und der Contingenttrung.
Abg. Rösicke (wild-liberal) betont al» Hauptsache die Beseitigung der Ausfuhrprämien und stimmt dem Vorredner auch bezüglich Wegfalles der Betriebssteuer und der Con»
treten.
Berlin, 15. Februar. Im Abgeordnetenhause stand heute all erster Gegenstand auf der Tagesordnung die CentrumSinterpellatiou betreffend den Mangel au ständigen Dienstboten und landwirthfchaftlichen Arbeitern tu den östlichen Provinzen. ES wurde Seiten» der Regierung erklärt, daß die Interpellation nicht beantwortet werden könne, weil die Angelegenheit noch Gegenstand der Erwägung im Schoße der Regierung fei. Alsdann wurde die erste Lesung der Vorlage betreffend die Erhöhung del GrundcapitalS der preußischen Sentralgenoffen- schaftSkaffe vorgenommen. Nach längerer Debatte wurde die Vorlage an die Budgetcommtsfion verwiesen. Morgen werden verschiedene Anträge auS dem Hause berathen.
Berlin, 15. Februar. Die Prtvatmeldungen über btt Verheerungen der Pockenseuche in Deutsch-Ost- afrika find übertrieben. Der „Post" zufolge ist hierüber an zuständiger Stelle nicht» bekannt, auch find dort keinerlei diesbezügliche Nachrichten etngetroffen.
Berlin, 15. Februar. Der „RetchSanzeiger" schreibt. Premterlteutenant Kielmeyer von der Schutztruppe fiel am 1. Februar 1898 im Kampfe gegen die meuterischen Waseguaa bei Muheune, Unteroffizier KarSjeu» am 17. Januar d. I. bet einem nächtlichen Ueberfalle durch die ^ftranlfutt a. M., 15. Februar. Baron Ludwig von Erlanger, Chef deS hiesigen Bankhauses v. Erlanger und Söhne, ist heute früh 5i/a Uhr gestorben. Da» Bankgeschäft wird wahrscheinlich nicht liquidtrt, sondern durch Beauftragte weitergesührt werden.
Frankfurt a. M., 15. Februar. Die „Franks. Ztg." meldet aus Paris: Im Procesfe Zola sagte heute Fräulein de Commiuge» unter ihrem Eide au», fie wtffe au» den Berichten über den Zolaproceß, daß man fich ihre» Namens Blanche zu Briefen an Picquart fälschlich bedient habe. Die Dame verweigerte die Auskunft über die Frage, ob Oberst du Path de Clam bedenkliche Manöver gegen ihre Familie verübt habe und ob dabei eine verschleierte Dame vorgekommen sei. Die Dame meinte, die» betreffe Familienangelegenheiten. Sie sagte aber doch, daß man in ihre« Hause thatsächlich den Hauptmann Lallemand einen „Halbgott genannt habe, weil er ein eifriger Wagnerianer sei.
in der Balkavpolitik abzulenken beabsichtigt, um ein wage- halfige Politik auf eigene Faust zu betreiben. (XX)
Gießener Anzeiger
Hmeral-Unzeiger
.entinseiie
„lebe"'''
Veto
SWe 2.
treten werde.
Un» intereffirt am meisten bei dieser ganzen Sache der Umstand, daß Rußland wieder activ in die Balkan-Auge» legenheiten eingreisen will, womit vielleicht die Meldung von ruffischen Truppenbewegungen an der türkischen Grenze in Verbindung gebracht werden können. Wir haben vor einiger Zeit schon einmal berichtet, daß der Zar erklärt habe, keine neuen Metzeleien von Christen in der Türkei dulden zu wollen. Daraus geht hervor, daß die Beziehungen zwischen Petersburg und Konstantinopel merklich kühler geworden find, und daß man in Rußland nicht mehr so große Rücksicht auf den Sultan nehmen wird, wie die» in den letzten Jahren geschehen ist. Daß der Zar ernstlich daran denken sollte, einen verhäugnißvollen Conflict mit der Türket heraufzubeschwören, halten wir bei seiner Friedensliebe und Angesicht» der internationalen Lage für ausgeschloffen.
Noch eins bleibt bei einem aktiveren Vorgehen Ruß» lands auf dem Balkan zu erwägen: eS muß damit rechnen, daß auch Oesterreich dort große Jutereffen zu vertreten hat. Jedenfalls müßte fich ber Einfluß, den Rußland neuerdings zu erstreben sucht, auf Bulgarien, Montenegro und Griechenland beschränken- bet einem Uebergretfen auf die Verhält- ntffe in Serbien und Rumänien würde es mit Oesterreich colltdtren. Wir nehmen an, daß die Petersburger Regierung»- kreise fich darüber klar find und nicht etwa selbstsüchtige Zwecke verfolgen, ohne auf wohlerworbene Rechte anderer Nationen Rücksicht zu nehmen; denn e» ist kaum zu glauben, daß Rußland mit einem Male von den friedlichen Bahnen
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alS Malzsurrogat au«.
Der Titel wird genehmigt. I
Ebenso debattelos ber Rest deS Etat» der Verbrauch»- steuern und gleichfalls debattelo» der Etat der Reichlstewpel- abgaben.
Beim Etat deS Rechnungshöfe» richtet Abg. Piefchel (natl.) eine Anfrage an die Regierung wegen ber justtfiztrenden CabinetSorbre» in Armeeangelegenheiten.
Schatzsecretär v. Thiel mann erklärt, er schließe fich den letzten Erklärungen seine» AmtSvorgängerS hierüber an, er wiederhole, baß der Reichstag formell und materiell die Verantwortlichkeit völlig Übernehme.
Der Etat de» Rechnungshofes und der Etat de« ReichS- schatzamt» werden genehmigt.
ES folgt die zweite Lesung des Gesetzentwurf« Über die Angelegenheit ber Freiwilligen Gerichtsbarkeit.
Auf Antrag btfi Abg. Bassermann (natl.) wirb ber Entwurf in ber von ber Commtsfion beschloffenen Faffung en bloo angenommen.
El findet sodann die erste Lesung der Post dampfe r- k" SmatSsecretär v. Podbielskt begründet die Vorlage. Dieselbe enthalte gegenüber der vorjährigen eingehende Ber- bcffernngen namentlich wegen der VertragSbedingung betreffs eventueller Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit. Die Vorlage habe ferner eine erhöhte Bedeutung gewonnen durch die Er« i Werbungen in China. ,
Abg. Frese (frs. Vg.) bezeichnet die anderweit auf- gestellte Behauptung, daß durch die subventionirte Linie den anderen Linien erhebliche Concurrenz gemacht werde, al« unzutreffend. ES laffe fich ganz genau nachweisen, wie ber Verkehr nach Australien seit 1885 fich außerordentlich nur durch die Postdampfer gehoben hat. Nachdem Deutschland die ganz vortreffliche Erwerbung in Ostafien gemacht, sei die Vermehrung und Verbefferuug unserer Postdampserverbindungen zum Minbesten ebenso wichtig, wie eine Verstärkung unserer Flotte. Ohne eine Subvention laffe sich bas aber nicht ermöglichen. Rebner erklärt noch, baß er den mit dem Nord» deutschen Lloyd abgeschloffenen Vertrag für einen für da« Reich außerordentlich günstigen halte. Der Lloyd habe seinen Vertrag jederzeit gewiffenhaft erfüllt. Gerade der regel- mäßige Verkehr stärke da« Ansehen de« deutschenKaufmanns im Auslande und verschaffe dort da-'Vertrauen, daß !Deutsch- land eine wirthschaftlich tüchtige Ration sei. Redner w^er- spricht dann der Besorgniß, daß die sibirische Bahn den Der- I kehr auf den Lloyddampferu beeinträchtigen werde und schlagt
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