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Nr. 295 Drittes Blatt. Freitag den 16. December
1898
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demnächst bei verschiedenen zwischen New-Aork und dem Westen bez. Süden der Bereinigten Staaten verkehrenden DurchgaugSzügen eingeführt werden. Man gedenkt nämlich, diese bereit« mit jedem Comfort der Neuzeit und rasfiuirtem
stand darin, daß er unter dem ersten Paar noch ein zweite« hatte. An einer bestimmten Stelle seine« See«, iu dem keine Fische waren, hatte ein alter Farmer eine Tafel auggehängt mit der Inschrift: „Hier ist da« Fischen verboten." Natürlich fischtea die Sommergäste dort erst recht, tu der Meinung, gerade an der Stelle wimmele e« von Fischen. Der alte Farmer krunte kein größere« Vergnügen, al« oben am Ufer zu fitzen, seine Pfeife zu rauchen uod zu beobachten, mit welcher Geduld die Angelnden nicht« fingen.
flen Borsttllungen sollen, von kurzen Pausen unterbrochen, schon um 10 Uhr vormittag« ihren Anfang nehmen und bi« 12 Uhr Nacht« fortgesetzt werden. Tine halbe Stunde vor jeder Aufführung sollen Diener den Lorridor de« Harmonika- zuges entlang gehen und tu jedem Coups einige Programme vertheilen. von diesen dienstbaren Geistern erhält man auch die Btllet« für die bevorstehende Vorstellung, sofern man nicht schon mit einem Paffepartout versehen ist, da« man zugleich mit der Fahrkarte lösen kann. Die „Theater-Car«" beab- fichtigt man außerdem noch zu einigen anderen Zwecken zu verwenden. Durch fiunretche Vorrichtungen soll die Bühne an Sonntag-Vormittagen tu einen kleinen Altar nebst Kanzel verwandelt werden, wo ein für die Sonntagsreisen engagirter Prediger Gottesdienst abhalten kann, bei dem das Ptanino die Orgel vertritt. Ja schroffem Gegensätze hierzu steht dann die nächste Metamorphose, die der vielseitige Theaterwagen durchzumachen bestimmt ist. Mit wenig Mühe sollen.nämlich die Sitze zu entfernen und die Bühne zu einem Podium zu- sammenzurücken sein, so daß auf Wunsch ein regelrechter kleiner Ballsaal zur Verfügung steht, in welchem die Reisen- den nach den munteren Weisen de« Orchester« die unter weniger amüsanten Umständen oft endlosen Stnnden langer Eisenbahnfahrten durchtanzen können. Echt amerikanisch,
' Eine der ergötzlichsten Formen de« vielgestaltigen und oft etwa« derben amerikanischen bttaßenhumors ist der „practical jocke", der „practische Scherz". E« ist unter allen Umständen ein böser Streich, deffeu Kosten ein Anderer zu tragen hat, und der von einer solchen Derbheit ist, daß er oft bedenklich an Rohheit streift. Am nächsten verwandt ist der „practical jocke" den deutschen Studenteustreichev, nur mit dem Unterschied, daß selbst die ältesten Leute in Amerika dabei find, wenn e« gilt, einen derartigen Ulk zu machen. Zu den beliebtesten Scherzen gehört, ein glühend heiße« Vierteldollarstück auf die Straße zu legen und fich daran zu weiden, wie der vorübergehende da« Geldstück ergreift, um e« mit fabelhafter Schnelligkeit wieder fallen zu laffen. Die Mitglieder eine« Clubs, lauter gereiste Männer, haben sich schon stundenlang mit diese« Scherz unterhalten, indem fie vor den Fenstern des Club« auf ihre Opfer warteten. Ein anderer Scherz besteht darin, einen allen Hut auf die Straße zu legen und darunter einen schweren Stein. Der vorübergehende läßt sich daS Vergnügen natürlich nicht nehmen, den Hut mit dem Fuß in die Luft schleudern zu wollen, statt beffen stößt er sich seine Zehen entzwei. Hierher gehört auch der Blumenstrauß, der, an einer dünnen Schnur befestigt, auf die Bühne geworfen und, sobald fich der Schauspieler mit strahlendem Lächeln danach bückt, blitzschnell zu« rückgezogen wird. Ein anderer alter Kauz machte fich den ständigen Witz, auf Landpartieeu Plötzlich za erklären, daß e« ihm zu heiß sei, um fich aldann zum Entsetzen der Anwesenden seiner Beinkleider zu entledigen. Der sogenannte Witz br-
LnrnS aukgestatteten Schnellzüge noch mit einem eleganten kleinen Vaud eville-Theater zu versehen, da« mit allen Requifiten einer modernen Bühne auggestattet ist. Der erste Theaterwogen, der für den bekannten Theater-Manager John F. Harley gebaut wird, soll dem „Schwarzen Diamanten- Expreß" einverleibt werden und bereit« am 1. April 1899 in Function treten. Da die auf Schienen fahrenden Bühnen nur klein sein können, muß man fich allerdings an Vaudeville-Aufführungen, Spee'.alitäten - Produktionen, Coueerten und dergleichen genügen laffen. Da« Innere eine« Theater- wagen« wird so viel al« möglich einem regulären Muier- tempel gleichen- die Stze sollen stufenweise ausstetgend angebracht werben und ungefähr für 50 bi« 60 Personen ausreichend sein. Ein Orchester, bestehend au« Piano, Piston und F'.öte, wird vor der mäßig erhöhten Bühne seinen Platz finden. Die verschieden-
Ibrtffc für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 5L
Verrtfches Reich.
M.P.C. Berlin. 14. December. Der von der englischen Regierung nach Wet-hai-Wei gesandte Oberst Lewi«, der den Auftrag hatte über die eventuelle Einrichtung einer britischen Garnison zu berichten, giebt folgende günstige Schilderung de« Platze« und de« Hafen«: E« ist die allgemeine Anficht Aller, die Wei-hai-Wei gesehen haben, daß, wa« den militärischen Standpunkt anbetrifft, dieser Ort unsere früheren Hoffnungen bei weitem übertrifft. E« ist in England vielfach der Borwnrf erhoben worden, daß die Regierung noch zu wenig für Wei-hai-Wei grthau habe. Die« stimmt durchau« nicht, denn seit der Befitznahme ist alles Erdenkliche gethan, nm eine günstige Entfaltung de« Platze« zu gewährleisten, von der Admiralität find neue Seekarten ausgenommen worden, und die Landeßvermeffung befindet fich in vollem Gange. Die Regierung hat jetzt die Vorschläge der Marine, der Landoffiziere und der Beamten in Händen, welche zur Lösung de« Problem« nach China geschickt waren. Wei-hai-Wei, sagt Lewi«, ist ein weit befferer Hafen al« Port Arthur, die Gründe «e«halb, entziehen fich der öffentlichen Besprechung. Oberst Lewi« zeigte eine Photographie, auf welcher 2 englische Panzer, 1 Kreuzer I. Kl. und einer II Kl., ferner 6 andere Kriegschiffe verschiedene Größen im Hafen vor Anker liegen, während noch genügend Platz für eine größere Flotte vorhanden ist. Wa« die Sicherheit de« Ankerplätze« anbetriff», heißt e« weiter: Bei einem Teifun, deffen Centrum 30 eugl. Meilen vom Hafen entfernt war, kamen furchtbare Seeen iu den westlichen und auch östlichen Eingang zum Hafen. Die Insel gewährte jedoch vollständigen Schutz, so daß die größeren Schiffe gar nicht vom Unwetter berührt wurden, während btt kleineren nur heftig rollten, ohne jedoch Schaden zu nehmen. — Zur Zeit bestehen die Wohnungen nur au« den alten chinesischen Gebäuden. Zur Unterbringung europäischer Truppen ist keine Gelegenheit. Die Einrichtungen im japanischen Lager find zwar gute, allein ebenfall« nicht für europäische Truppen, namentlich nicht im W nter, ausreichend. Für da« zu errichtende Regiment von Eingeborenen wird da« Lager jedoch vorzügliche Dienste leisten. Da« Mauerwerk der Befestigungen aus der Insel ist völlig intakt, jedoch find sämmtliche Thüren und Fenster vor dem Einzug der Engländer herou«genowmen worden. Die Geschütze waren ebenfall« entfernt bezw. unbrauchbar gemacht. Auf dem Festlande find alle Fort« und Befestigungen von den Japanern in der gründlichsten Weise zerstört worden. Wie fich der Chinese al« Soldat eignen wird, ist noch gänzlich unbekannt, jedenfall« ist eine« sicher, daß wenn Wei-Hai Wei gehalten werden soll, eine europäische Truppe unbedingt röthig ist. Bestimmte Entscheidungen in diesem Sinn find von der Regierung bi« jetzt noch nicht getroffen worden.
Vermischtes.
• Lämmergeier in der Schweiz. Aus dem Wallis, 9. December, schreibt man den „M. N. N.": Das Vorkommen von Lämmergeiern in den schweizerischen Alpen gehört zu den größten Seltenheiten. Letzter Tage nun hatte der Gemsjäger Stefan Bayard von Baren das Jagdglück, einen Lämmergeier in dem Augenblicke zu erlegen, als dieser auf den Hund des Jäger« niederstoßen wollte.
♦ Wie groß ist Berlin? Da« Weichbild von Berlin hat einen Gesammiflächeuinhalt von 6339 Hector: da« find 63 Quadratkilometer, nach früheren Maaßen 41/» Millionen Ruthen oder 25,000 Morgen oder I V, Quadratmeilen. Bon dieser Fläche ist ungefähr der fünfte Theil noch unbebaut und kann bebaut werden. Ungefähr ein zweite« Fünftel wird von Patkanlagen (z. B. Thiergarten mit 2^ Millionen Friedrich«- hain 520,000, Humboldhain 850,000, «ellevuepark 296,000 Quadratmeter), Güter- und Rangirbahnhöfeu, Kirchhöfen und Ex-rcierplätzett u. f. w. in Anspruch genommen, sodaß rund 39,000,000 Quadratmeter für die eigentliche Stadt in ihren jetzigen Bebaungsgrenzen verbleiben. Hiervon entfallen, wie da« „Vrundeigenthnm" mlttheilt, auf Waffer 1,896,000, Straßendamm 5,402,709, Bürgersteige 3,615,208, öffentliche Plätze 2,106,783 und auf 24,370 Grundstücke 25,979,300 Quadratmeter. Unter den wehr al« 100 öffentlichen Plätzen
dichten Brrfchluffe« durch Kork u. dgl.- Dr. W. Nägeli, . Moabach, 1. 3. 98. — Gebrauchsmuster-Eintragungen: Hosenklammer sür Radfahrer an« einer gebogenen Feder und einer an eine Zunge derselben ongenleteten Blatt- feder geringerer Dicke nnd von anderem Härtegrad- Wein- traud u. Co., Offenbach a. M., 7. 10 98. Gewichtßzug für Zimmerkeonen mit an einem al« Ranchfang dienenden Rohr geführtem Gegengewicht - Franz Fischer, Mainz, 27. 8. 98. Bier in FührungSbahaeu laufende Gleitbahnen für da« Druckfundament bei Schnellpreffen mit Eisenbahnbewegnug- Schnell- preffenfabr'k Worm«, Ehrenhard u. Gramm, Worm«, 4.10. 98. Fahrrad-Acethlenlampe mit Schitbervorrichtung für die Waffer- tropfung- August Schiepe, Offenbach a. M., 21. 9. 98. Bunsenbrenner mit einem da« Brennrohr umgebenden zweiten Rohre und doppelter Laftznführung- Franz Fischer, Mainz, 10. 10. 98. Luftdicht verschließbare« Gesäß mit angebogenem Rand zur Aufnahme einer auflörbaren Masse, die durch überzuschiebende Kapsel verdeckt wird- Weintraub u. Co., Offenbach a. M., 7. 10. 98.
hat der König-Platz 120,000, Lustgarten 42,000, Gendarmen- markt 45,000, Mariannenplotz 50,000, Laufitzer Platz 26,000, Pariser Platz 14,500, Dönhoff-Platz, Bellealliance Platz, Leipziger Platz, A-kandischer Platz je 12,000 Quadratmeter. ! Unter den 24,370 Grundstücken gehören 810 der Krone dem Staate und den verschiedenen Behörden, 310 der Stadt, 23,250 find in Privatbefitz. Rechnet man diese Grundstücke mit 9,296,000 Quadratmetern von der Gesammtfläche ab, 1 so ergiebt fich sür die verbleibenden Grundstücke 16,683,000 Quadratmeter oder durchschnittlich 725 Quadratmeter. Der verfaffer giebt auf Grund umständlicher Berechnungen die Summe von 6,181,556,327 Mk. al« tatsächlichen Werth der 28,250 im Privatbefitz befindlichen bebauten Grundstücke im Weichbilde Berlin« au. Diese 6181 Millionen bilden
**• prot>itt$ua«e.
Gießen, 15. December 1898.
Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Todt- geborenen, betrug in der Woche vom 27. November bi« 8. December in Main» 27, in Darmstadt 21, in Offenbach 3, in Wo-m« 8 und in Gießen 5, zusammen 64, davon 18 im ersten Leben-jahre. Tode«fälle pro Jahr und 1000 Ein- wohner kamen auf Mainz 17,6, Darmstadt 16,1, Offenbach 3,8, Warm« 12,5 und auf Gießen 10,8. — D e Tode«ursa ch e anbelcngenb, verstürben au Keuchhusten 1 (Mainz), an Lungenschwindsucht 2 (Mainz), an acuten entzündlichen Krankheiten der AthrnungSorgane 8 (5 in Mainz, je i in Darmstadt, Worm« und Gießen), au Gehirn-Apo« plexie 1 (Darmstadt), an sonstigen Krankheiten 49 (je 19 in Mainz und Darmstadt, je 3 in Offenbach und Gießen, 5 in Worm-)- gewaltsamen Tod erlitten 3 Personen (2 in Worm«, 1 in Gießen)
Patente- und Gebrauch-mn-er-Vnttagnu-en von im Großherzogthum Heffen lebenden Erfindern. -Patent- Anmeldungen: Papiertranßportvorrichtungen für Schnell- preffen mir stillstehendem Fundament und hin- und her- bewegtem Druckchl'.nder zum Druck von Rolleupapier - Schnell- preffenfabrik Worm« Ehrenhard u. Gramm, Worm«, 16. 8. 97. — Patent-Ertheilnngen: Maschine »nm Aufrauhen der Haare au Hasenfellen- Bloch n. Hirsch, Offenbach a. M., 28. 11. 77. Verfahren und Vorrichtung zum Abgießen bei der Herstellung von Schaumwein - O. Henkell, Mainz, 5. 5 98. Fahrbare Tragbahre - Gebr. Giese n. Co., Offenbach a. M., 21. 8. 97 Schraubendrehbank mit Vorrichtung zur «ende- rung der Drehrichtung der Arbeit«spindel- A. Schmitt, Offenbach a. M., 7. 1. 98. Filterpreffe- Filter- und Brau- technische Maschinenfabrik, A.-Ges., vor«. L. A. Eozinger, Worm«, 80. 1. 98. verfahren zur Herstellung eine« lost-
Frankreich den Act mit einem Bande schließen, das die fran- zöfischen Farben trugen 'ollte. Sofort machte man fich im Palair am Quai d'Orsey auf die Suche nach einem solchen Band. Vergebene Mühe! Im Ministerium des Auswärtigen der französischen Republik war es unmöglich, ein Stückchen Band mit den Farben Frankreichs aufzutreiben. Glücklicher, weife hatte ein hoher Beamter einen Einfall — wie findig doch diese Diplomaten find! „Gehn Sie doch", sagte er zu seinem Bureaudiener, „in die X.'sche Zuckerbäckerei, Rue Saint Honorö, und holen Sie mir ein Pfund Backwerk. Aber bitten Sie, daß man Ihnen das Packet mit einem weiß-roth-blauen Bande verschnürt.".....Und mit dem
Bande des Zuckerbäckers aus der Rue Saint Honors wurde der spanisch-amerikamsche Friedensvertrag gesiegelt.
die Unterlage oder Sicherheit für tie eingttragenen Hypo- • Geduld die Angelnden ntqt« stngen.
'8(ä6teu d.« L-bm- bü.ftt, »t,b '
I zcichnung des spanisch amerikanischen Friedsnsvertragt.s im • französischen Ministerium des Auswärtigen die Commiffäre ! der beiden Nationen aus Erkenntlichkeit für das gafisreundliche


