Ausgabe 
15.12.1898 Zweites Blatt
 
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-rr. 294 Zweites Blatt Donnerstag den 15. Deeember 1898

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Gießener Anzeiger

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General-Anzeiger

RR« Injeigta-BrnDittlunglttlen bei «6 WHM e>*m Inynes-x ben Giktzev« leyigrt »MM

Amts- und Anzeigeblatt für den Urei» Gieren.

~T.S^r, S.T-* Gr-tisbrilagk: Glkßrnn F°MimbMer. - ILL-'LL"

Amtlicher Theil.

Gießen, den 12, Deeember 1898.

Vetr.: dcmUttlung der landwirthlchaftlichen Bodenbenutzung und bei Ernteertrag! tm Jahr 1898.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

MM die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Soweit Ihnen die rubeteirten Ueberfichten wieder zu­gehen, wollen Tie die dazu erhobenen AnsiLode erledigen, bei in Ihren Meten befindliche Toneept ebenfalls richtig stellen und bte Ueberfichten mir den Berne,kangeu längsten! binnen 8 Tagen an uni zurücksendeu.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

@4 wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach $ 6 del Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht tm Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eine» Auf­schlags von Fünf vom Hundert, pro Monat November 1898 für den Lieferungsoerband Gießen pro 100 Kg betragen: Hafer Mk. 16,20, Heu Ml. 6,00, Stroh Ml. 4,70.

Gießen, den 12. Deeember 1898.

Großherzoglichei Krellamt Gießen, v. Bechtold.

lieber das Ende der Friedensconferenz

wirb derRöln. ßtg/ aus Madrid geschrieben:

Mau war hier darauf gefaßt, daß fich dal ganze Un­glück bei betroffenen Krieges mit allen leinen für Spanien so üblen Folgen noch einmal in der McKinley^chen Botschaft Widerspiegeln würde. Was man aber nicht erwartet hatte, war, daß der Prüfident von Neuem auf die Maine-Sala strophe zurückkommen, und, auf ein einfeitigel Gutachten un­bestimmtester Art gestützt, fich zu der Behauptung versteigen würde, daß dal Unglück durch eia äußertl Mittel herbetge- führt worden fei. Dal heißt den Gegner nicht nur bt» siegen, sondern ihn auch entehren I

Der diesseitige Wunsch ist daher begreiflich, gegen solches Vorgehen nicht nur energisch zu protrstiren, sondern auch Schritte zu thun, um die Verdächtigung wenn möglich ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Montero R os erhielt daher den Auftrag, den amerikanischen Delegirteu folgenden Vorschlag zu unterbreiten, den man nach der Lage der Dinge nur als billig bezeichnen kann.

Die Union ernennt drei technische Sachverständige, je einen Nordamerikaner, Franzosen und Engländer, nnö Spanien je einen Spanier, Engländer und Franzosen, die ihrerseits einen Obmann deutscher Nationalität wählen. Diese siiben begeben sich nach Havanuah, untersuchen den Fall au O,t und Stelle aufs S ugeheudste und fällen dann ein llr- iheil, dem fich Spanien von vornherein unterwirft. Die beiden Staaten tragen vorläufig die Kosten zur Hälfte.

Fällt das Uriheil zu Unguvftcu Spaniens aus, so ver­gütet es nicht nur alle entstandenen Kosten, sondern schicke auch ein Sriegssch ff nach einem von McKinley zu bezeichnen- den amerikanischen Hafen, um die amerikanische Flagge durch 21 Schuh zu salutiren. Erklärt die Lommisfion dagegen, daß es fich lediglich um einen unglücklichen Zufall gehandelt har, womit Spanten nichts zu thuu habe, so tragen die ver- einigten Staaten die Kosten des Schiedsspruches und Spanien giebt fich damit zufrieden, daß der Piäfident den Wortlaut ia einer an die Volksvertretang zu richtenden neuen Botschaft wiederholt und anerkennt, daß Spanien nicht an der Sata- st.ophe Schuld ist. Ss ist uicht abzusehen, weshalb eine bona fide handelnde Partei einen solchen Vorschlag nicht anmmmt. Tatsächlich ist er aber von den amerikanischen Delegirteu zurückgtwieseu worden. Mr. Day erwiderte, daß diese Angelegenheit nicht weiter berührt werden dürfe, damit die Gemürher nicht von Nene« wieder erregt werden. Da v-rließ Herrn Montero Riol, wie der Berichterstatter des .Jmpercial* ^^det, die bisher mühsam behauptete Ruhe, und er konnte fich nicht enthalten, auszurufen:Dann ist es sehr bedauerlich, daß der Präsident der Bereinigten Staaten nicht dieselbe Sorge gehabt Hot, wie die Lommisfion, um den neuen Ausbruch gegenseitigen Grolles zu verhindern, und in einem amtlichen Aktenstück die gehässige Anklage gegen Spa- Uten wiederholt hat, die dieses nothwendi^er Weise in seiner Ehre «td Würde verletzen ntufe!* Mr. Doy entgegnete, daß rr die Botschaft überhaupt noch nicht gelesen habe, worauf

Mootero S o» den ,New York Heralb« aus der Tasche zog und ihm die roth angrstrlchrne Stelle hinreichte.

Doy blieb einige Augenblicke stumm, worauf Montero Riol ansstand und die Sitzung für beendet exLärte. Als man bann gestern wieder znsawmenkam, drück en die ameri­kanischen Delegirteu ntuerdirgs den Wunsch aus, Spanien möge eine der Karolineninselu abtnten und Rel gionsfreiheit dort gewähren. Montero Rios verlangte darauf eine end­gültige Antwort auf seinen Vorschlag bezüglich des Maine- Falles und auf die andern noch schwebenden Fragen, nament­

lich über Anerkennung der Dtpofita, die fich in den vffent- j Heben Soffen Eubas in Gestalt von Seitens Unternehmer, Beamter, Procehführender n. s. w. hinterlegten Bürgschaften befinden, die also reines Privateigenthum da,stellen. Die Gegenpartei erwiderte, daß sie bet ihrer ablehnenden Haltung bleiben müsse, worauf spanischerseits die Erklärung abgegeben wurde, unter solchen Umständen auch die amerikanischen Wünsche nicht betückfichtigen zu können; falls man sonst keine weitern Forderungen zu stillen habe, wäre es also am besten, die Conferenz zu schließen, allerdings nicht, ohne vor­her noch einen feierlichen Protest gegen die nnqual ficirbare Vergewaltigung Seitens der Bereinigten Staaten zu den Acten zu geben, worauf weder eine Antwort erwartet werde, noch nvthig sei. Die amerikanischen Delegirteu, von dieser Wendung der Dinge überrascht, nahmen nach cem Bericht des Jwparcial nuvorfichtiger weise da» Document entgegen, woraus die Sekretäre der Eommission, Ojeda und Moore, mit der endgültigen Abfassung des vertrag! beauftragt wurden, sodaß er morgen oder spättstens Montag unter­zeichnet werden kann.

In dieser Protestnote soll fich Montero Rios für alle Demütigungen der letzten beiden Monate schadlos gehalten haben. Er coustatirt darin, daß die Verhandlungen nicht von einem Geiste der Gerechtigkeit geleitet worden seien, sondern unter dem Drucke der Gewalt gestanden hätten. Er bezeichnet die verweigerte Auslieferung der Privatdepots als eine Beraubung und sagt, daß ein derartiges vorgehen völlige Uakeuntuiß des.kerrechts offenbare und in die Zeiten der Barbarei zurücksühre. Ohne triftigen Grund hätten die Amerikaner den Bewohnern der aunectierteu Ge­biete sogar das Recht verweigert, für die spanische Na­tionalität zu optiren. Er stellt daun dal Verhalten der vereinigten Staaten in der Maine-Frage an den Pranger, die von Mc Kinley trotz Tagung der Friedenskoufereuz in der rückfichtslosesteu Form wieder hervorgezerrt fei. Es heißt, daß die amerikanischen Delegirteu über den Inhalt dieses Dokuments nicht etobe sehr erbaut find und fürchten, baß es in be« zu veröffentlichenden Rothbuche aafgenommen wird. Daß die Preffe in den schärfsten Ausdrücken das amerikanische Verhalten verurtheilt, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Die meisten B'Stter sprechen es offen aus, daß die Weigerung der Bereinigten Staaten, den Maine-Fall durch Unparteiische untersuchen zu leffen, nur die Auffassung bestätigen könne, baß bas Schiff von ben Amerikanern selbst in Abwesenheit des Osfiziereorp» in die Luft ge­sprengt worden sei, um einen Bo,wand zu« Kriege zu haben.

Apolda t Hit., 13. December. Die Bestrebungen bei hiesigen Bürgerausschufsel, iubustrielle Etablisse­ments nach hier zu ziehen, stob uicht ohne Erfolg gewesen. Die Thüringer Drahtweberei ist von Schwarzhausen nach Apolda übergefiebelt. Die Geweinbebehörben find insofern bereitwilligst entgegengekommen, als fie bie nicht unbebauten» ben Uwzuglkosten auf bte Gemein belaste übernommen haben. Mit anderen größeren Firmen werden betreffs Ueberfiedelung Berhandlnugen gepflogen, bte einem günstigen Abschlüsse nahe sind. Auch in diesen Fällen find bestimmte Zusicherungen weiten Entgegenkommens der Gemeindebekörden gemacht worben. Dieselben stellen außerdem ben Fabrikanten, bie hier Fabriken erbauen, günstig gelegene Bauplatz; zu mäßigem Preise zur Bersüguug. Es find auch mehrere größ-.re nnb kleinere Fabrikgebäude, Familienverhältnisse halber, preis- würdig zu verkausen bezw. zu vermiethen. Zahlreiche Arbeit!- kräfte find am Platze vorhanden. Vielleicht werben buech diese Thatsache noch mehrere Fabrikanten veranlaßt, bei etwaigen Aenbernngen im Geschäft und Reuanlagen Apolda in» Auge zu fassen. Nähere Mitthetlung giebt sehr gern A. Bärin ger, Dorfitzender des Bürgerausschufsel.

ein reuiger Dieb. Durch eine mtverhoffe Gelb- fenbung an! Amerika wurde be« Maurermeister Jacob in Deutschen eine große Freude beultet Er erhielt von einem ihm gänzlich unbekannten Absender aus New Kork einen

Bries, bet mit 60,078 Mark belchwert war. Die Angelegen- . heit bürste nach Anficht des glücklichen Empfängers folgender- ' maßen zusammrnbängen: Im Ja^te 1869 wu'be sein (Som» pagnon unter Mitnahme von 12,000 Maik flüchtig, ohne baß seitdem eine Spur bei Defraudanten erm.ttelt werden konnte, vor längerer Zeit traf nun Jacob aus einer Reise «it mehreren Amerikanern znsommen, mit denen er fich in ein Gespräch einlieh. Dabei gedachte er auch seines ehe­maligen untreuen Tdeilhabers. Bei Nennung del Letzteren : erklärten die Amerikaner, baß ihnen in Ehicago eia «ehr- facher Millionär dieses Namens bekannt sei. vrmuthlich tabtn fie nach ihrer Rückkehr in bie Heimaih ben B trist n- ben an seine alte.Schuld" erinnert, weßhald er fie jetzt «it Zinseszins abgetragen hat

" Ein Million Shristbaume wandern jährlich aus ben ober fränkischen Wälbern nach Rordbeutschland. Der versandt hat bereits begonnen. Bon der S>a'<on Kronach allem gehen jährlich etwa 200 000 junge Tannen und Fichten ab. Man fürcht,t bereits für die Eehalmng des Wrldb standes

lieber die weiße Bevölkerung i« Schutzgebiet von Deutsch Ostafrika wird demDeutschen Golonialblatt* eine genaue Statistik mitgetheilt. Aus ihr ergibt fich, daß in dem ganzen großen Gebiet, das fast doppelt so groß wie das Deutsche Reich ist, überhaupt nur 880 Weiße leben. Unter diesen find 655 Deutsche, von denen mehr als bie Hälft«, 338, zum Gouvernement, zur Schutztruppe und zur Post gehören. In den Misfionsanstalten befinden sich 83 Miffionare, 53 Frauen, 38 Kinder, 22 Pflegeschwestern und 3 Missiona- rinnen. Die übrigen 113 Deutschen sind 48 Pflanzer, 39 Kaufleute, 11 Handwerker, 5 Gastwirthe, 4 Bergleute, 2 Arbeiter, 2 Bauunternehmer, sowie 2 Berufsjäger.

Sonderbarer Umgang einer Pfändung. Bei der Frau eines Droschkenkutschers in Berlin erschien ein Gerichts­vollzieher, nm eine Pfändung sür eine Rlogefumme von 60 Mk. vorznnehmen. Da war wenig zn holen für den Mann des Gesetzes- die Fran maßte einen Wäscheschrank ansrLumen und hierbei kam ein Bündel alter B'iesschasten zu Tage. Der Gerichtsvollzieher war brlefmarlentunbig; er sah rasch, daß die Briefmarken der Briese großen Werth hatten und nahm nunmehr von der Pfändung des Schrankes Abstand, vielmehr belegte er ein altes Eouvert mit dem Siegel, welchkl eine eingedruckke altpreuhische Marke mit Seidenfadeu zeigte und von Briefmarkenhäadlern mit 150 Mk. bezahlt wird. Bei genauerer Durchficht fanden fich noch eine große Anzahl derartiger alter Louveris vor. Auf Ber- anlaffang des Gerichtsvollziehers begab fich die arme Fran zu einem Briefmarkenhändler, der die seltenen Marken nnb Couvert« für 3500 Mk. kaufte. So schlug ihr bie PsLadnng zum Segen aus.

Ja ben durch bie schönen Reste eines Eistercienser- SlosterS bekannten Dorfe Hude im Oldenburgischen lebte so erzählt man nach einer Familien-lleberleeferung in bet ersten Hälfte bes vorigen Jahrhunberts ein Pastor Str., von besten hünenhafter Stärke noch jetzt ein von ihm aus Findlingsblöckeu zusammengetragener, im Bolklmunbe nach ihm benannter Steinwall zeugt. Nun zogen nicht selten bie Huber Bauern, wie bas früher hier und da wohl mal vorgekomrnen sein soll, seiner Predigt ben Vierkrug vor. Eines Sonntags warb bas de« Pastor, nachdem alle Mahn­ungen nicht! gefruchtet hatten, zu arg. Geradenwegs eilte er aus der Kirche nach dem W rthlhause, warf dort ben geistlichen Talar mit ben Worten zur Erde: ar liggt

de Pap', hier steiht be Seerll* und setzte ohne weitere Umstände sämmtliche Bauern an die Luft, die nun, ein» geschüchtert und bewundernd, dorthin schlichen, wo sie von vornherein hätten sein sollen.

Sin Schlaumeier. Er: ^Jch habe «ich erkältet, Amalie ich möchte etwas Heißes trinken\" Sie:Gut ich werde Dir sofort heißen Thee bereiten 1" Er: Thee ist mir nicht heiß genug mach' mir lieber 'n G r o gl*

Perlest, Land« und

Stuttgart. 13. Decbr. (Allgemeiner Deutscher VerficherungS- verein.) Vom 1. Januar diS 30. September 1898 wurden 41 955 neue Versicherungen abgeschlossen und 8427 Schadenfälle regnltri. von letzteren entfallen auf die Haftpflichtversicherung 2 399 Ftte wegen «öiperverletzung und 1505 wegen Sachbeschädigung; auf die Unfallversicherung 3 986 Fälle, von denen 26 den sofortigen Tob und 54 eine gänzliche oder theUweise JnvalidULt der Berletzteu zur Folge batten. Bon den Mitgliedern der Sterbekaste find im gleichen Zeiträume 537 gestorben. Am 1. October 1898 waren 272 959 Policen ftber 2 002 921 versicherte Personen in ftroft.J