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15.9.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 246 Zweites Blatt. Donnerstag den 15. September

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Gießener Anzeiger

Keneral-Nn^eiger

nahmt von Lnzeigr» zn brr Nachmittag» für »en lelgrabni Lag ^scheinenden Nummer bl» Norm. 10 Utzr.

Be Rnzeigen.BermiNlllngsfteÜen be» In- mib ÄuilenM «khmen Nnj.ngen für den Gießener «ngciger ratgryu

»rpgMrrU vierlelttdriich

S Mark SO Psg monaUich 75 VfB mit Vringerlvtz«.

©et Pc-Ndezug

8 Warf 50 Psg. »ierleltLhrltch.

f04Hnf tLgNch it Ln»nahme de» Montag».

Die Gießener WamittenbtLtter Werden dem Anzeiger WöcheuN.ch viermal beigelegt.

Amts- und Zlnzsigeblatt für den "Kreis Gieszen.

Rdcenoti, (tpebitien und Druckerei:

Achnlstra-e Mr. 7.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.

Adreffe für Depeschen: Anzeiger Dietzen.

Fernsprecher Rr. 5L

Amtlicher Tbeil.

Gießen, den 12. September 1898.

Bttr.. Die Ableistung de» Huldigung« und Berfassung«etde«. Das Grobherzogliche Kreisamt Gietzen NU die Gr. Bürgermeistereien der Amtsgerichts- bezirke Grünberg und Homberg.

Die Ableistung de« Huldigung«- und verfassuug«etde« der tu Ihren Gemeinden neu aufgeoommeneo Ort«bürger, sowie derjenigen Großherzoglich Hesfischen Uaterthaoeu, welche pch, ohne Ort«bürger zu werden, verbe,rathet haben, soll EamStag, den 1. October d. I., vormittag« r Uhr, io de« Rathhause zu Grüuberg fiattfioden.

Wir beaustragrn Sie hierdurch, di« betreffenden Per­sonen zu dem Termine vorzuladeu und wie geschehen unter Angabe der Namen der Vorgeladeneu aozuzrtgen oder zu derichten, daß Niemand vorzuladen war.

Halten fich derartige Personen au«wärt« auf, so wollen Sie deren Aufenthalt«ort ongebeo.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Nach Ausführung der BezirkStbierschau für Simmen­taler Vieh, Schweine und Ziegen, wird

Montag den 19, September 1898, Nachmittags 3 Uhr, za Hungen, i« Gasthose zur Traube, eine Heneral-Fersammlung

LeS landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen

obgehalten werden.

Zu dieser Versammlung werden alle Mitglieder de« Verein« und der laodwirthschastlichen Localvereine und Zucht- Rereive, sowie olle Freunde der auf Hebung der Landwtrth- Haft gerichteten Bestrebungen hierdurch freundlichst ein- geladen.

Die Herren Bürgermeister werden ergebeost ersucht, den hn ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern de« Verein« von

dieser Einladung Kenrttniß zu geben und auf recht zahlreichen Besuch der Versammlung htvzuwirken.

TageS'Ordnuogl

1. Wahl eine« SrcretSr« de« landwirthschaftlichen Bezirksverein« au Stelle de« vou hier versetzte» Herrn RegierungSrathS Dr. Wallau.

2. Wahl des AuSschuffe« de« laudw. Bezirksvereins (18 Mitglieder).

8. Vorlage der Rkchnung de« laodw. BezirkSvereio« pro 1897/98.

4. Vorlage de« Voranschlag« de« landw. BezirkSvereio« pro 1898/99.

5. Subvention der Gemeinden, welche Bollen reiner Raffe (vogel«berger oder Simmeothalrr Raffe) anschaffen.

6. Vortrag de« Herrn Dr. v. Peter von Friedberg über Schweinezucht.

Gießen, dea 26. August 1898.

Der Director de« landwirthschaftlichen BezirkSvereio«.

2. Jost, Recht«anwalt.

Zum Arbeitermaugel auf dem Lande

schreibt dieftölm Ztg.":

Die dte«jährige Ernte, nicht blo« für eiozelne, sondern für alle Ackerbau-Erzrugoisse so reich, daß durch fie die besten Ernten diese« Jahrhuodert« in den Schotten gestellt werden, Hai wegen des immer fühlbarer werdenden Mangel« an länd­lichen Arbeitern die Freude über den Erutefegen oft sehr ge- dämpft. Dar au«gezetchoete Wetter hat allerdiog« die Sorgen gehoben. Die schon seit Jahren erörterte Frage der länd­lichen Arbriterooth ist aber dadurch nicht von der Tages­ordnung der landwirthschaftlichen Vereinigung abgesetzt. Auch tu einer Versammlung de« rhetotscheu Bauernvereins ist fie schon besprochen worden, allerdings in einer wenig au«- gereiften Art und Weise. Ganz in Uebereiostimmuog mit der recht« der Elbe vorherrschenden Auschauuug bezeichnete hierbei Graf HoevSbroech al« Ursache der ländlichen Arbeiter- voth die Freizügigkeit. Der Westen, au ländltchru Arbeitern ärmer al« der Osten, dankt nur dem durch die Freizügigkeit möglich gewordenen Zustrom von Arbeitern de« OstenS, die

hier bester gelöhnt und ganz erheblich bester gehalten werden al« dort, eine weua auch nur sehr karge Deckung de« Arbeiter­bedarfs. Da« FreizügigkeitSgesetz ist ein oaturnothwendiges Ergebuiß unserer ganzen wirthschaftlichen Entwicklung. Au fie die Axt aulegeu zu wollen, wäre ein au«fich»«loseS Be­ginnen. Nicht die Freizügigkeit hat die Arbeiteruoth geschaffen, sondern die Umgestaltung de« landwirthschaftlichen Betriebe«, insbesondere die unausgesetzt fortgeschrittene Technik, erst tu zweiter Linie die gewaltige Blüthr unserer Industrie. Da« löbliche Streben, den Reingewinn durch verrtngeruug der Be­triebskosten zu erhöhen, hat die menschliche Arbeitskraft tu weitem Umfang durch die Kraft der Maschtneo verdrängen lasten. Die früher die langen Wintermonate ausfallende Arbeit de« Dreschflegel« wird schon seit Jahren vou der Dresch­maschine tu wenig Tagen gethan. Der Dreschmaschine ist der Dampspflug, die« und die Mähmaschine gefolgt. Selbst im inneren WirthschaftSbetrieb werden zahllose Kletohoutlrungeu bi« zur Futterbereilung herab anstatt vou Menscheohäudeu vou Maschinen besorgt. Der Bedarf an Befinde hat fich da­durch verringert. Ein größere« Aufgebot vou Menschenarmen wird nur noch in der Zeit der Saat und besonder« in der Zett der Ernte gefordert. Eden dann finden die ländlichen Arbeiter hohe Löhne. Abgesehen von dieser verhältnißmäßig kurzen Zeit, wären zahlreiche Arbeitersamilieu, auf die Land» wirthschaft angewiesen, beschäftiguog«- und brotlos. Da« hat den ersten und Hauptstoß dazu gegeben, die Arbeiter zur Industrie abzudrängen. Manche Schattenseiten werden gern in den Kauf genommen, weil die Industrie ununterbrochen lohnende Arbeit zu bieten vermag. Der Beschäftigung iu der Industrie durch Beseitigung kleiner Fahrtbegüuftigungen entgegentreten zu wollen, wäre wirkungslos. Entweder würde da« Verdienst der Arbeiter nutzlos um ein Geringe« gekürzt, oder aber mau würde zum Schaden der Landwirthschaft die jetzt noch auf dem Lande wohnenden Arbeiter-Familien nöihtgen, tu die Großstädte überzusiedeln und dort vielleicht der Social- demokratie zu verfallen. Da« platte Land würde dann noch mehr entvölkert werden. Die ländlichen Arbeiterfamilien dr« Westen« find iw Gegensatz zu denen de« Osten« seßhaft. Nach dieser Richtung ist nur in den wenigsten Fällen Etwa« zu thun. Die Arbeiter find so gehalten, daß in dieser Be­ziehung eine Steigerung unmöglich ist. Von sonstigen Schutz­mitteln ist wenig zu hoffen. Das Einzige, wa« zu tbun bleibt, ist, dahin zu streben, daß da« landwirthschaftliche

Feuilleton.

I>ie AäMel des Meeresgrundes,

«u Vtleiiworl zur deutschen Tieffee-Expedltion de« Fahre« 1898.

Von Dr. Hans Körte.

(Schluß.)

vegleiten wir einmal im Geiste die kleine Armee von Forschern, welche eben zu Ehren der deutschen Wiffeuschast RinauSdompsieu, bei ihren mannigfaltigen Arbeiten.

In erster Linie ioteresfiren uns die Tiefseeweffuogen. Die ursprünglich dazu benutzten Lothe bestanden nur au« eoem langen Hanfseil, an welchem man eine Kanonenkugel ^festigte. Dieser Apparat erwte« fich aber bei größeren Liefen al« sehr unzuverläifig. Ein physikalische« Gesetz be- I«cgt, daß jeder in eine Flüsfigkeit eintaucheude Körper um I* viel leichter wird, al« da« Gewicht de« von ihm ver- hingten Wasser« beträgt. Bei dr« großen Volumen de« Seile« war nun der Gtwicht«verlust de« Lothe« im Waffer iejr bedeutend.

Man vermochte nicht mit Sicherheit den Moment fest- ».stellen, in welchem da» Loth den Meeresspiegel berührt. Außerdem bewirkten die Meeresströmungen, welche daS Seil >«ch einer Seite hin ausbauchten oder da« Schiff von der nsprüngltchru Stelle sorttriebeu, daß man regelmäßig eine iÄßrre Tiefe lothete, al« wirklich vorhanden war. Ein w-derue« Tttfseeloth, welche« von einem Dampfschiff abläuft, >31 durch seine Maschtnenkraft ziemlich genau an einer und derselben Stelle fich halten kann, trägt außer dem eigentlichen Lcchgewicht selbstregistrtrende Thermometer, Vorrichtungen |ii Entnahme von Bodenproben und Waffrrproben au« be- NVvten Tiefen und hängt an eine« feinen Stahldraht, wie tt zur Herstellung von Elaviersaiten benutzt wird, der auf utur großen Trommel an Bord aufgewickelt ist. Da« mit dmsicht in« Waffer gelassene Loth läuft nun mit einer Ge- tzvindtgkeit von etwa 150 Meter in der Minute in die tiefe. Da« Hrraüfholeu geht natürlich langsamer, indem ms der mit einer Dampfmaschine verbundenen Trommel nur

etwa 100 Meter Draht in der Minute ansgewundeu werden können. Sine Lothung von etlichen tausend Metern Wasser- tiefe nimmt daher immer mehrere Stunden in Anspruch

Außerordentliche Tiefen hat man bisher im Stillen Ozean gefunden, wo fich östlich vou Japan gegeo die Kurilen und Aleuten zu die nach dem VermessungsschiffTuSkarora" benannte Tußkaroratiefe befindet, die bi« zu 8518 Meter herabreicht Noch größere Tiefen fand da« englische Schiff Pengutn" im Jahre 1895 östlich von den Tongaioselo, wo auf 30° 28' südlicher Brette und 176® 89' westlicher Länge von Greenwich mit 9429 Meter die größte bi« heute be­kannte Tiefe gelothet wurde. Auf dem Wege, welchen die deutsche Expedition nimmt, ist aber die Ausstellung neuer Ttefenrecorde nicht zu erwarten, weil da« Meer dort nur eine mittlere Tiefe von 4000 bi« 6000 Meter hat. Die Fahrt geht zunächst von H-mburg nach Eapstadt, wobei Kamerun und die Congo Mündung angelaufen werden, um die Menge der organischen Substanzen zu untersuchen, welche durch die Flüsse der Tropengegendeu in« Meer geführt werden, von dort wird ein Vorstoß in da« südliche Eis­meer gemacht, iu welchem fich in diesem Jahre mehrere Expeditionen befinden, und bann der EurS auf Zanzibar genommen. Die weitere Fahrt führt dann längs der Küste von Madagaskar nach Colombo ood durch das Rothe Meer und Mittelmeer nach Homburg zurück, welche« man im Mat 1899 wieder zu erreicheo hofft.

ES wäre irrig, zu glauben, daß der Meeresgrund etwa solche schroffe Unebenheiten von Berg und Thal enthalte, wie unsere GebtrgSgrgrndeu. Der Uebergaug von der Höhe zur Tiefe vollzieht sich dort vielmehr in sausten Wtllenlinieo, nachdem die Niederschläge seit Millionen von Jahren die Abgründe ausgeglichen haben, welche dort vor undenklichen Zeiten auch bestanden haben, und r« ist höchst wahrscheinlich, daß man, wenn heute plötzlich der Atlantische Ozean au«- trocknete, von Europa nach Amerika mb einem schweren, von Pferden gezogenen Wagen fahren könnte, ohne ein einzige« Mal genöthigt zu sein, der Steigung wegen Vorspann zu nehmen.

Der größte Theil der wissenschaftlichen Bemühungen wird aber dem Studium de« Th erleben« in den Tiefen ge­widmet sein. Nicht auf dem Frstlande, sondern im Reiche Neptun« hat die Wiege de« ersten animaltichen Leben« ge- ftauden, und die Forschung findet hier ein bartbare« Feld für ihre Thätigkeit. Rund eine Haide Million Arten von Thieren bevölkern und zwar zum größten Theile iu uu- gezählten Milliarden von Exemplaren die Tiefen, tu welche nie ein Strahl de« Sonnenlicht« dringt und wo die empfindlichsten photographischen Platten trotz stundenlanger Expontrung auch nicht die leisesten Spuren einer Licht­einwirkung zeigen. Die Summe dieser größteutheil« nur niedere Formen aufweisenden Organismen bezeichnet man nach Häckels Vorschlag mit dem seit einigen Jahren viel gebrauchten AusdruckPlankton".

Wunderbarer Weise gedeihen diese zarten, meist durch- fichtigen Lebewesen, welche auch für uoS wirthschaftlich wichtig find al« Ernährer der Fische, in Tiefen, wo ein Druck von Hunderten von Atmosphären herrscht und bei Temperaturen, welche um den Gefrierpunkt be« Süßwaffer« liegen. Fische, welche da« Netz au« diesen Tiefen herauSholt, sterben ge­wöhnlich, ehe fie an die Oberfläche kommen, weil ihre Luft­blase sich unter dem geringeren Drucke der Oberflächeschichteu bl« zum Platzen auSdehut und dem Fische tödtliche Verletzungen zufügt. Auch der Srundhai, ein Fisch von cowpactestem Körperbau, der In Tiefen vou 6001000 Meter vorkommt, erreicht nie lebend die Oberfläche.

vielfach find die Augen dieser Geschöpfe der Tiefe ver- kümmert. Andere dagegen haben normale oder uuuatürlich große Augen, deren fie fich nach einem unanfechtbaren Gesetze der EntwickelungSlehre nicht erfreuen würden, wenn e« nicht dort doch etwa« zu sehen gäbe nämlich da« Licht, welche« die meisten Fische und namentlich fast alle niedrigen Orgavl«meu selber auSstrahleu.

Da« wer weiß wie oft beschriebene Meeresleuchten, welche« in warmen Meeren nicht selten ist, wird hervor- gerufen, wenn diese Lebewesen tu gewissen Perioden ihrer Entwicklung zur Oberfläche emporsteigen- aber auch die meisten