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onntag den 15 Mai
Erstes Blatt
Nr. 113
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Alle AnzeigeN'BcrmittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgege».
Erscheint täglich mit Ausnahme deS MonlagS.
Die Gießener MamitieaVkätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.
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Redaction, Expedition und Druckerei:
LchukSraße Zlr. 7.
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.
Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hieße».
Fernsprecher Nr. 51.
Lbeil.
Gießen, den 13. Mai 1898.
Betr.: Maßregeln gegen tit San Josö Schildlaus.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
«s die Sr»hh. Bürgermeister eie« des Kreise-.
Sie wollen innerhalb 8 Tagen ein Verzetchntß der In Ihren Gemeinden vorhandenen:
a) HandelSgärtnereieu,
b) Baumschulen jeder Art,
c) Pflanzungen, welche in den letzten Jahren mit auS Amerika stammenden Pflanzen angelegt oder ergänzt worden find,
vorlegeu oder berichten, daß Anlagen der vorbezeichneten Art sicht tu Ihren Gemeinden bestehen.
v. Gagern.__________________
Gefunden: 1 Geldstück, 3 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Zwicker, 1 Ctgarren-Etut, 1 Corallen-Armband, 1 Kinder« spazterstock, 1 Päckchen Wolle, 1 Hrnkelkorb, 1 Porzellan- 5eilet und eine Lhaisenkapsel.
Zugelaufen: 1 Huhu und 1 Kanarienvogel.
Gießen, den 14. Mat 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.___________________
deutsches tUMt»
«flen, 12. Mat. Aus Beranlaffung des Oberbürger- meisterS wurde gestern Abend unter dem Borfitz des Beigeordneten König tu einer zahlreich besuchten Versammlung über die Nothweudigkeit von Maßnahmen zur Bekämpfung der Lungenschwindsucht berathen. DaS Centralcomitv tn Berlin hatte als Berichterstatter seinen Geschäftsführer, Stabsarzt Dr. Pauuwitz, belegt«. Es wurde beschlossen, für den Stadt und Landkreis Comitss zu bilden, welche zunächst die Errichtung einer Heilstätte für unbemittelte Lungenkranke betreiben sollen. Die Stadt hat einen erheb« Heben Zuschuß bereits in AuSficht genommen. Bergwerks« Besitzer Funke ficherte in der Versammlung einen namhaften Beitrag zu. Auf Anregung des RegierungSpräfideuten von Rhetnbaben-Düffeldorf finden ähnliche Berfammlungeu tn den nächsten Tagen in M. Gladbach, Mülheim und Ruhrortstatt.
Ausland.
Wafhiugtou, 13. Mai. Das Mariuedepartement erhielt folgende Depesche des Admirals Sampsov von St. Thomas von gestern: „@tn Theil des unter meinem Befehle stehenden Geschwaders traf heute bei Tagesanbruch vor San Juan de Puerto Rico ein. Im Hafen wurden keine tn Dienst gestellten feindlichen Schiffe angetroffen. So« bald es genügend hell geworden war, begann ich den Angriff auf die die Stadt verthetdigenden Batterien. Der Angriff war drei Stunden im Gange und richtete bet den Batterien und auch in dem den Batterien benachbarten Theile der Stadt vielen Schaden au. Die Batterien erwiderten unser Feuer, jedoch ohne wesentliche Wirkung. An Bord der New York" wurde ein Mann getödtet und auf dem gejammten Geschwader fieben Mann leicht verwundet. Kein Schiff ist ernstlich beschädigt. Sarnpson."
rund
Gießen, 14. Mat 1898.
•• Uuiverfitatsbauteu. Nachdem in den letzten Wochen die Baugerüste am Neubau des chemisch-physikalischen Instituts vollständig beseitigt worden find, ist es jetzt dem Beschauer ermöglicht, diesen Neubau in seiner ganzen AuS« dehnung und Schönheit zu bewundern. Man darf wohl behaupten, daß dieser Bau nicht allein bezüglich des hierbei verwendeten gleichmäßigen, prächtigen Materials, als auch feiner künstlerischen Form, da« immerhin stattliche Gebäude der UniverfitätS'Aula übertrifft. Vergleicht man nun gar diesen Neubau mit dem Gebäude der 1839 errichteten Aula auf dem Brandplatz, so möchte man glauben, daß zwischen zenem nüchternen Bau und diesem Neubau nicht Jahrzehnte, sondern Jahrhunderte verfloffen seien. Mau muß eS fast bedauern, daß auS Gründen der inneren Zweckmäßigkeit dieser Neubau nicht in die Straßenflucht der Goethe« und Stephanftraße eiugerückt wurde, sondern wegen de« Lärms und der Erschütterung bei späterem lebhaften Wagenverkehr in augemkffeoer Entfernung von der Straße angelegt wurde.
Daß unsere UniverfitätS«Neubauten, welche unter Berück« fichtiguug der neuesten Ergebniffe der Wiffenschaft hergestellt wurden, zum vermehrten Besuch unserer Hochschule beizutrageu geeignet find, bedarf wohl keines Beweise«. Ein naheliegendes Beispiel bietet unsere Nachbarstadt Marburg, wo ebenfalls tn jüngster Zeit auf diesem Gebiete für die UniverfitätS- zwecke viel geleistet wurde, und welche jetzt die stattliche Anzahl vou über 1100 Studenten aufzuweisen hat. Darum Dank unserer wohlwollenden und kunstfiunigen Regierung, welche die Mittel zur Verfügung stellte- Dank den Behörden und Künstlern, welche die Ausführung förderten und leiteten! Leider find wir in dieser Beziehung noch nicht am Ziel aller Wünsche. Erst vor Kurzem hat unser LaudtagSabgeordueter, Herr Rechtsanwalt Metz, an Großherzogliche Regierung die wohlmotivirte Anfrage gerichtet, ob nicht auf eine baldige Verlegung der in der alten, 1818 gebauten, ehemaligen Kaserne in der Liebigstraße untergebrachten Kliniken, in einen zweckmäßigeren, nach wiffenschastlichen Anforderungen errichteten Neubau zu hoffen sei. Nur noch wenige Jahre trennen un« vou dem Zeitpunkt, an welchem es unserer Stadt vergönnt sein wird, daS drethundertjährige Jubiläum der Stiftung der hiesigen Univrrfität zu feiern. Möchte bi« dahin allen berechtigten Wünschen, in Beziehung auf die Ausstattung unserer Hochschule, Rechnung getragen sein.
•• Ernannt wurde am 7. Mai der Kanzleigehilse Karl KleeS in Gießen zum Bureaubeamlen der LaudeS-Untverfität, mit Wirkung vom 1. April 1898 an.
•» Neber Cullur und Shripenthum in Opafien sprach gestern Abend in „Steins Garten" Herr Prediger Lehm- v fn 1)1, Secretär hr« ^ÄUgemtinen l^angelffch-Protestantischerr MisstonsvereinS". In dem ferner! Oftafien, als welches Ehina, Japan und Korea zusammengefaßt find, führte Redner auS, haben wir es mit einer der ältesten und geistig hoch entwickelten, aber auch im Verfall begriffenen Lultur zu thun. 400 Millionen Menschen, die bisher für sich fast abgeschlossen gelebt, wurden uns infolge der neuen Vorgänge zugeführt, und mit dem Eintreten dieser vielen Millionen tn den Völkerreigen müssen wir wohl rechnen. In Oftafien staden wir die älteste Eultur, Ackerbau, Viehzucht, Handwerk, Kunst, Kriegskunst, Literatur und Wiffenschaft seit nahezu drei Jahrtausenden v.Chr. ES ist daher begreiflich, daß daS Eindringen unserer Cultur in Oftafien der heftigsten Opposition begegnet, und e« wird ein Kampf entbrennen auf allen Gebieten des religiösen, sittlichen und materiellen Lebens, wie ihn die Weltgeschichte noch nicht gesehen, und da ist eS für un« deutsche evangelische Christen doppelte Pflicht gewordkn, mit tn diesen Kampf einzutreten. Redner verbreitete sich hierauf über da« religiöse Leben in China, daS sich in den Lehren de« Tao, ConfuciuS und Buddha bewegt, und wies ferner darauf hin, daß trotz des Verfalls der Cultur die Bevölkerung sich in einer Weise verwehrt, die große Gefahren für die übrige Welt iu sich schließt, die besonder« mit der Auswanderung der Kuli« mit ihrem Pessimismus und Materialismus, ta ihrer sittlichen Haltlosigkeit, nach anderen Welttheilen wachse, zu bedenken gebe. Den vom Redner eingehend geschilderten Gefahren könne nur durch christliche MissionSthätigkett begegnet werden, hier sei eS Pflicht der evangelischen Deutschen, zu zeigen, daß wir nicht nur vorzügliche Kriegswaffen, sondern unser schönes deutsche« Evangelium haben, und in dieser Hinsicht mitzuarbeiten, hat sich der „Allgem. Evangelisch-Protestantische MisfionSverein" zur Aufgabe gestellt. Redner begrüßte die Besitznahme KiautschauS für die Entfaltung der christlichen MisfionSthättg« feit im fernen Osten als in hohem Grade förderlich, und schilderte dann eingehend die Thätigkeit der Misfionsoerein«. Derselbe sei die einzige von allen deutschen MisstonSgesell« schäften, der seine ganze Kraft auf Oftafien concentrhe. Der Verein hat bereit« Schulen in Japan errichtet, Gottesdienste, Versammlungen, Bortrage, offene Abende für Studirende in Tokio, Btbelklaffen, Taufunterrtcht ufw. eingerichtet und zwar mit gutem Erfolge, wenn man dabei berücksichtigt, welchen schweren Kämpfen, Verfolgungen, Derfpottungen und sonstigen Schädigungen junge Japaner ausgesetzt find, die fich zum Chriftenthum bekennen. Für die Mission der Frauenwelt ist bereits eine Lehrerin ausgebildet, die demnächst nach Oftafien abreisen wird. In Japan arbeiten 35 MiffionSgesellschaften mit 600 Missionaren, in China 44 Gesellschaften mit Über 2000 Missionaren. Hohes Verdienst um die Verbreitung der christlichen Cultur legte der Vorsitzende der Preffe bei, groß seien die Erfolge mit der Verbreitung guter Bücher. Auch in China und Japan vereinzelt wohnender Deutschen hat fich der „Allgem. Evangelisch-Protestanttsche MisfionSverein" angenommen, in Tokio steht eine deutsche Kirche, sür Shanghai i ist bereit« ein deutscher Prediger gewonnen, zur Errichtung
einer Kirche daselbst hat Se. Maj. der Kaiser 6000 Mk. gespendet, die Errichtung von deutschen Schulen wird rüstig fortgesetzt, und daS von Pfarrer Hartmann geleitete Seemann«- heim wirkt segensreich. Redner verbreitete fich über die 14jährige Thätigkeit des Vereins, und zeichnete die Aufgaben, die dem Verein noch bevorftehen. Herr Prediger Lehwpfuhl schloß seinen mit großem Beisall aufgenommenen Vortrag mit einer Mahnung an da« deutsche Volk, eingedenk zu sein der Pflichten, die e« in Oftafien sowohl seinen Glauben«« brüdern wie den Heiden gegenüber zu erfüllen habe.
H. Sportplatz an der Hardt. Die am Sonntag den- 22. Mai d. I. auf der Rennbahn zum AuStrag kommenden Concnrreuzen versprechen einen sehr intereffanteuVerlaus zu nehmen, da nach den bisher schon vorliegenden Meldungen die anerkannt besten und leistungsfähigsten Amateurfahrer de« In« und Auslandes fich dem Starter stellen werden. Wir neunen heute nur die Deutschen Opel und Albert, sowie die Italiener Cisotti und De Rosst. Besonder« gespannt ist man auch auf daS Abschneiden deS Gießener Carl Duill, der in Folge seines fleißigen Trainings unter Leitung des Herrn Franz Verheyen jetzt in besonder« guter Form zu sein scheint. DaS Programm hat insofern eine Aeuderung erfahren, als zu dem ElöffnungS-Rennen nur solche Fahrer zugelaffen werden sollen, die um den Damen«WanderpreiS nicht in Wettbewerb treten.
•• lieber den unter dem Proteetorate I. K. H. bet Großherzogin stehenden Verein zur Erhaltung der Ober- hessischen weiblichen Volkstrachten erfahren wir, daß derselbe neben 17 lebenslänglichen Mitgliedern, 80 außerordentliche Mitglieder (Jahresbeitrag 1 Ml.) und 367 ordentliche Mit- glieder (Jahresbeitrag 20 Pfg.) zählt und fich im Kreise Gießen auf die Orte Großeu-Lludev, Garbenteich, LougGön«, Leihgestern, Londorf, RüddingShauseu, Trei« a. b. Lumda und Watzenborn-Steinberg erstreckt. In den Jahren 1896 und 1897 wurden zusammen 220 Mk. an Brautpaare und Confirmandinnen vergeben und sollen zu Pfingsten die Gaben für 1898 zur Bertheilung kommen.
•• Eisenbahnverkehr wahrend der Pfingstfeiertage. Auf den Preußischen und Hessischen Staatsbahnen wird den am 26. Mai d. I. und den solgeudeu Tagen gelösten Rückfahrkarten vou sonst kürzerer Dauer verlängerte Gültigkeit bis einschließlich den 6. Juni d. I. beigelegt. Die Rückfahrt muß spätesten« an letzterem Tage um 12 Uhr Mitternacht angetreten und darf nach Ablauf diese« Tage« nicht mehr unterbrochen werden. Die gleiche Vergünstigung tritt auch ein im Verkehr mit der Cronberger-, Kerkerbach-, Bröhlthaler- und Main-Neckar-Bahn, der Sächfischen und Oldenburgischen Staat«bahn, der Lübeck-Düchener«, der Eutin- Lübecker-, Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn sowie im Verkehr mit den Holländischen, den Niederländischen und den k.k. Oesterreichischeu Staatrbahneu. Die directeu Rückfahrkarten nach und vou Badischen, Bayerischen, Württem- bergischeu, Pfälzischen und Statioueu der ReichS-Eisenbahuen erhalten diese verlängerte Gültigkeitsdauer (bis zum 6. Juni d. I.) nur auf den Preußischen und Hesstschen Strecken, während fich die Geltungsdauer auf den Strecken der vorgenannten Bahnen selbst nicht über Mitternacht de« zehnten Tages, vom LösungStage ab gerechnet, hinaus erstreckt.
•• Für Ansichtskarten-Sammler. Bei Versendung der Karten mit Austcht kann man sehr leicht, wenn auch nicht viel, so doch immerhin Geld sparen. Gegenwärtig werden die meisten Postkarten mit Ansicht al« gewöhnliche Postkarte mit 5 Pfg. frontal zur Absendung gebracht, was durchaus nicht immer ersordetlich ist, weil viele derselben al« Drucksache zu 3 Pfg. besördert würden. So z. B. alle Auficht«- farten, die lediglich den Zweck haben, dem Empfänger die Ansicht oder einen Gruß au« der Ferne zu übermitteln. In diesem Falle genügt eS doch, wenn der Absender auf die Rückseite der Karte seinen Namen und Wohnort vermerkt und jede sonstige schriftliche Mittheilung wegläßt. Die Karte erfüllt auch so ohne die überflüssigen sonstigen Bemerkungen vollständig ihren Zweck, und hat den Vortheil, daß sie vou der Post al« Druckjache zu 3 Pfg. besördert wird, wenn man auf der Vorderseite „Postkarte" durchstreicht und dafür „Drucksache" nieder schreibt. (Jede schriftliche Mittheilung auf der Rückseite, außer dem Namen und Wohnort de« Absender«, muß natürlich unterbleiben.) Bei 25 Karten spart man so 50 Pfg., für die man sich was andere« leisten kann.
△ Vom Laube, 13. Mai. Durch bo» starke Regen- weiter haben fich bie Herbstzeitlosen kräftig entwickel: Manche Wiesen find so dicht damit bewachsen, daß man vor lauter Herbstzeitlosen fast kein GraS mehr fieht. — Kaum find die Stachel- und JohanniSbeerfträuchrr belaubt, so be-


