Ausgabe 
11.12.1898 Drittes Blatt
 
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Nr. 291

onntag den 11. Deccmbcr

1898

Drittes Blatt

Gießener Anzeiger

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General -Anzeiger

Zlrnts- und Anzeigeblatt ffir den Kreis Gieszen

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

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deutschen Postorte Zahl mgen bet jeder Postaostalt gemacht werden, für die möglichst einfache Berechauogsforwen etuzv« führen find- unb ebeofo können auf Anweisung de» E'.eck- Inhabers biS zu« Betrage feine» Ehrckcouto», »et t» durch üebertragong aus audere Eheckeootos, fei < durch direkte Auszahlungen bet jeder beliebigen deutjchro Postaustalt, Zrh- luogeu geleistet werden. Kl» Muster für diese 9 nrtchruog soll, natürlich unter voller Berückst-Lt'vua, der Eigenart de» beotfcheu Verkehrslebeos, da» fett 1883 voa der österreichliLea Postverwaltung etngeführte Verfahren dieoeu. Der glävzeude Erfolg de» Postcheckverkehr» In Oesterreich ergibt fich darau», daß bereit» tm vo fahre über 3 Milliarden Gulden tu dtefe» Verkehr umgefetzt sind, gegenüber ungefähr 600 Millionen Gulden, dir auf Postauweisungen au»gezahlt «irden find. Der Hauptrrtz für die Benutzung folcher Eheckeonti liegt n den de« vortheil der größeren Bkquewltchkett und der Ersparuna von bann Geldmitteln in der Billigkeit de» Ver­kehr». Die Gebühren für jede einzelne Postauwetfung müfien natürlich tm Lyeckoerkehr al» folche fortfallen- dte Berech­nung der einzelnen Einzahlungen und Auszahlungen hat viel­mehr mit dem jedr»maltgrn Inhaber de» Eheckeoutos zu er­folgen, und e» ist selbstverständlich, daß dadurch dte Gebühren tm ganzen wesentlich ermäßigt werden können, zumal der Post au» der Summe der Stammetnlagrn, dte in irgend einer zuoerläjfigen Form zin»bar anzulegen fein werden, nicht un­beträchtliche Zin»etnnahmeo erwachsen werden. 6» dürfte vielleicht sogar möglich sein, auch drn Conteninhabern für ihre Guthaben eine kleine Zinsvergütung zu berechnen, wenn diese auch nicht so hoch sein dürfte, daß dadurch irgendwie der Verkehr dieser Postkunden mit den etrzrlnev Banken be­einträchtigt werden könnte. Dte Wirksamkeit unserer Pro- vtnztalbanken darf unter keinen Umständen geschädigt werden.

von ganz besonderem vortheil dürfte die Nenetnrichlung für unser Spalkafieuwesru werden. Für jede Sparkaffe, dte sich etn Eheckeonto bet etve« Postchekamie anlegt, würde da­durch dte Zahl der Annahmestellen und Auszahlungsstelleo fast tu» Unendliche vermehrt werden, denn jeder kleine Mann, der einen kleinen Betrag bei seiner Spar koste einzahlen «ächte, braucht fortan nicht mit seine» Sparkaffenbuche den umständ­lichen und zeitraubenden Weg tu dte S-adr und zur Spar- k^ffen'Aonahmestclle zu machen- er würde an jede« Poftorte mir der größten Leichtigkeit unb ohne nenneniwenhe Soften die Einzahlung auf da» Eheckeonto seiner Sparkaste bewirken können, unb ebenso würde ihm von dieser Sparkaste durch Urberwetsnug von diesem Eheckeonto jede beliebige Summe seiner Ersparmffe an jede« Postorte ansdrzahlt werden können. Da«it wäre einer der wesentlichsten Bonheile der tu anderen Ländern wit große« Erfolge wirkenden, aber tn Deutschland leider unerreichbar schetnenden Postsparkassen erreicht.

Große Bortheile würden diese Eheckeonto» vor Alle« auch unseren Landwirthen bieten- sie würden die Eiunahwe, dte fie vorzugsweise i« Herbste au» ihrer Ernte ziehen, nicht zu Hanse tn baare« Gelbe aufznbewah en brauchen, bi» fie einen Theil davon am Ende de» Jahre» für Zinsen, Löhne u. f. w. an»zugeben haben- fie würben vielmehr dte etn- gegcmgenen Gelber auf ihr Eheckeonto bet ber Post gntschreiben lasten nnb von demselben später dte fälligen Zahlungen leisten. Diese Erletchterung wirb um so größer werden, wenn auch die staatlichen nnb Gemetudekaffenverwaliungen sich ber Einrichtung solcher Eheckeonto» bedteoen, so baß jeder Steuerpflichtige auf diesem Wege beqne», billig nnb zu- verlä fig auch seine Stenern nnb Abgaben würde bezahlen köanrn. Schließlich barf nicht unberücksichtigt bletbeo, baß auch die Regelung de» Geldumlauf» t« Reiche durch eine folche Ehrckeinrtchtuug wesentlich gefördert und erleichtert werden wirb. Sie wird nicht unerheblich bazu beitragen, wett «ehr al» bi»her den Versteifungen bei Geldmärkte» ent- gegenznwtrken, unb fie wirb somit auch thrersetl» dte Ver­billigung de» Geldmärkte» fördern.

Dte Etuzelheiteu der neuen Einrichtung find noch un­bekannt. E» würde viel darauf ankommen, daß fie von vornherein fich bin praetischen Bedürfnissen anpaffrn, die rein fiskalischen Geficht»puukte znrückdrävgen und möglichst vor dureanklattscher Verknöcherung bewohn bleiben. Ieeeufall» aber ist ber große lenende Gedanke, der diese neue Ein­richtung in» Leben zu rufen beabfichtigt, so gefund nnb erfreulich, daß wir ihm allseitigsten Widerhall tn den weitesten Schichten unserer Bevölkerung wüuichen. Je mehr fich die Eikenntmß von den Fortschritten und vortheileu Bahn bricht, die diese umwälzeubb Neuerung für den Geldveikehr jede» Einzelnen, wie für die gefameie vo ks- und Fmanzwirrhschaft unsere» Vaterlandes »ach fich ziehen wtrd, n» so rascher

Dtrmifdyiet.

ger Veodachinug von Vteenfchnnppevfällen hat ber französische Astronom Janffeu jetzt auch dte Lustschtfsahrt angewandt. Bet Siernfchnuppeufällen braucht ber Himmel nur durch einen leichten R bei oder Dunst bezogen zu fein, um da» Schauiptel dem menschlichen Auge völlig zu entziehen. So würbe auch ber Zustand de» Himmel» tu Part» dte Be­obachtung de» Leonivinschwarm» vo« 18. auf den 14. No­vember nicht gestattet haben. Da Jausten Vorsitzender der ständtgen Eommiffion de» Luftfch ffe,-Eongreste» von 1889 ist, fiel e» ihm leicht, die nötigen Mittel für den Ballon- aufstieg zur Beifügung zu stellen. Der bekannte Luftichlffer Brfa yon gab einen Ballon von 1200 Kubikmeter her, nab die Astronomen Hau»ky und Dumuntet von der Sternwarte zu Meadon nahmen neben dem Ballonführer Eabalzar darin Platz. Der Aufstieg erfolgte um 2 Uhr Morgen». Raum hatte fich der Ballon 160 bl» 200 Meter erhoben, al» die Herren bie Au»ficht auf einen wunberbar klaren Sternhimmel erhielten. Hanskh Überwachte besonder» da» Sternbild de» Löwen, «oyer die «elften Meteore zu erwarten waren, die andern Jnfoffen den Übrigen Theil de» Himmel». Hausky zählte 14 Sternschnuppen, wovon 13 an» dem Strahlung»- puvcle der Leontden kamen, die andern Beobachter sahen 10 bi» 12 Leouideu unb ebenso viele ber Herkunft nach nnbe« stimmt' Meteore. Die Beobachtungen tm Ballon dauerten von 28/4 bl» 4f/s Uhr Morgen». Leiber konnte wegen bi» Verlustes an Ga» unb Ballast nicht baten gedacht werben, ben Ausstieg tu ber nächsten Nacht zu wieberholen. Mau kann wohl erwarten, baß biese» Beispiel auch tu ander» Länbern befolgt werben wirb, namentlich z u Beobachtung ber Leoniden Meteore, dte t« nächsten Jahr tn größter Fülle zu erwarten find.

Im Anschluß an dte Unterbringung inbtrculö» Erkrankter in lefeeberen Heilstätten hat fich bekanntlich nach zwei Rich­tungen eine bestimmte Fürsorge al» nothwenbig erwies n. Dieselbe betrifft bie Fürsorge für bie Familien btt tn Heilstätten befindlichen Pfleglinge unb bie @oräe für geeignete Arbeit für die au» ber Aafklt Entlassenen. Da fich diese beiden Thättgkcits-Richtungeu nicht zum geringen Thetl auf kommunalem Fürsorge-Gebiet bewegen, die Gemeinden vor Allem in denjenigen Fällen in diese Fürforge einzutrrten haben, wo die der Rrank: kaffen und B rficherungsaastalten nicht tu Frage komm» oder nicht ausreichr, so haben die Gemeinde-Verwaltungen fn der Entw ckclung Der Heilstätten- falie em h-rvorragende» Jatercffe. Diel ist in letzter Zeit insbesondere auch dadurch zum Ausdruck gekowm n, daß eine größere Anzahl von Gemeinden dem Deutscher Lrntral Komitee für Lungenveilstätieu tn Berlrn, welche» fich dte Bekämpfung der Tube culose al» Volkskrankheit zur Ausgabe gest-llt hat, al» Mttglteder beiqetreten sind. Aus der am 17. Deeember dtefe» Jahre» tm Rcichskatzler-Palat» tn Berltn stattfia^enoen Generaloersarnmlu g diese» Eomikee» wird dementsprechend die Stellungnahme ber Gemeinden zur Hetlstättensache beson­der» besprochen «erben.

Check- und Ausgleichungsverfahren bei der Reichspost.

Dte Thronrebe kündigt dte Absicht an, ein Eheck- nnb Au»gleichung»oerfahien durch Vermittlung der Postanstalten etnznrichte», um den breiten Schichten der Mtttelklaffen, die kein Giroeonto bet der Reichsbank halten fönnen, einen billigen enb bi q timen Weg für die Ausgleichung kleinerer Zahlungen zu schaffen. Die Durchführung Dielet Absicht dürfte in den Weitesten Steifen nnfere» Volke», am «elften natürlich In den gewerblichen nnb lavbwitthfchastltchen Steifen, mit großer Befrtebigung begrüßt nnb mit aller Thal kraft unterstützt werben. Sie würbe einen außerordentlichen Fortschritt auf de« Gebiet nicht blo» ber Zah!ung»ausgletchungeu, foebern de» gelammten Postverkehr» bedeuten, von dem wir sagen können, daß er den echten Stephau ichen Geist athrnet. Für die wirth chaftliche Entwicklung eine» Laube» ist e» von der größten Bedeutung, daß da» voehaodene Sapttal unb bie vorhandenen Geldmittel jeder Zeit thunlichst nutzbar angelegt nnb verwendet werben, daß sie möglichst wenig nntzlo» brach- liegen. Je mehr ber Einzelne gezwungen ist, baare Geld­mittel bei fich zu Hause zu haben, um alle erfotderltcheu Zahlungen de» täglichen Verkehr», der Löhne, ber Mietheu, der Zinsen jeder Zelt baar leisten zu können, um so unvoll­kommener und am so kost p eltger ist dte Befriedtguvg dtefe» Zahlungöbedarf», am so größer ist der Schaden, der au» dem Brachltegen dieser Kapttalien dem Volkswohlstand erwächst. Früdzeiitg find namentlich für Handel unb Verkehr Mittel unb Wege aufgesucht worden, die Barzahlungen zu erleichtern und, wenn mögl'ch, zu ortmeiden. De Einführung de» Papieroelde» diente d'ese« Zwecke, dann kam die veuntzung voa W chseln unb Zahlungsanweisungen h nzu- eine we'tere verbeffernng brachte ber Poftanweilungsverkrhr- schließlich bewährte fich in fast ungeahnter Weise ber Giro- nnb Ab- rechuunvsoerkehr bei der R:tchsbank. Die Summen, dte auf dtefe Weise statt der Barzahlungen lediglich durch gegenseitige Abrechnung ausgeglichen werden, haben einen ganz gewaltigen Umfang erreicht, fie zählen bereit» heute nach Milliarden. Aber je allgemeiner erkannt wird, welchen oußerorbentlichen Vo>theil diese biqaeme An der Zahlungsansgleichung oegen- über ben mit mannigfachen Gefahren (Diebstahl, Unter» fUa|t»j, verrechnen, verlieren, Zeit- unb Zinsvtrlusten, Seldfälschuagev) verbundenen Barzahlungen barbietet, um fo dringender macht fich bas Bebürfn ß geltend, diese Erleichte­rungen im weitesten Sinne, nicht bloß den im Besitze bi ber­ingten Personen nnb Uutnnecmujgen, fonbern vor Allem auch ben breiten Schichten ber Miitelklaffrn znzuwcnbrn. Schon seit längerer Z-it sind lebhafte Rügen darüber geführt »erben, daß namentlich für Zahlungen von kleineren Beträgen Rater 100 Mark der Postanweisaugsvetkehr zu thruer unb zn amstänblich fei. Während aber bisher bie öffentliche M.iuung fich bamit begnügte, eine Verbilligung und Vereinfachung dieser Postanweisungen zu fordern, hat Herr v. Psbbielsk,, der neue Staatsfrcretär des Reichspostamres, kein Bedenken getragen, den Stier bei den Hörnern zu ergreifen, und eine Umwälzung auf diese« Gebiete ta Angriff zu nehmen, deren Tragweite wir als eine außerordentl'che bezeichnen müssen.

Dos Ziel geht In erster Linie dahin, de« Mittelftande die Mäg ichkeit zu gewähren, bin Vorrat an barer Saffa anf etn Mindestmaß herabzusitzen. Es dürste schwer fein, auch nur annähernd zu fchätzm, welche Summen dabei in Frage kommen können. Man braucht nur zu erwägen, daß bei- spielswe'fe bei der Reichsbank tm Jahr 1897 auf zusammen nur 13200 Girokonten die gewaUige Summe von 103 Mil- liarben Mark umgelitzt wurden, und daß davon bei nicht »cniger denn 83 M üiarben die Barzahlung erspart wurde. Allein der Postanweisungßverkehr hat tm letzten Iahte nahezu 7 Milliarden erreicht, so daß also täglich bei den deutschen Postanstalten I« Durchschnitt m ndestens 20 Millionen an barem Gelbe ein- ober ausgrzahlt würben. Auch bet diesem Poftanweisungsverkehr hat ja schon für einzelne größere Post- rnstalteu eine weitere Erleichterung dadurch stattgefunden, ) eine Abrechnung aus Giroverkehr mit der Reichsbank ,wischen einzelnen größern Postkunden und der Reichsbank irmöglicht worden ist. J'tzi aber will bas Reichspostamt eit einer gründlichen Umwälzung weiterlchretten. Es sollen m Reichspoftgebiete eine Anzahl großer Postcheckämter (so in Hin, Frankfurt a. M., Straßburg, Berlin, Breslau, Han- T>oöer, Hamburg, Leipzig, Danzig) errichtet »erben, welche Jedermann etn Postcheckconto eröffnen, bir fich verpfilchtet, sei dem bitnffenben Amte eine ziemlich niedrige, etwa ans ;00 Mark festznfeyenbe Stommeinlage zu unterhalten. Ans tziefes Eheckconto können alsdann von Jedermann in jedem

Wenn der Erfolg der

Annoncen ausbleibt

fo wirb der Inserent dir Gründe prüfen müfien. welche ben Miß­erfolg herbeigeiührt hoben.

War die Ausstattung der Annoncen unpracttsch und unauf» fällig? War Inhalt unb Fassung des Textes nicht geeignet bie L<fer zu tnterelftren? War die Wahl der Zeitungen Die richtige, in denen die Annoncen erschimen find? Waren die Zeiträume zwischen den Lrscheinungstagen der Sozeigm richtig verthetlt?

Diese und viele andere Beispiele zeigen die Fehler, welche so oft infolge mangelnder Fachkenntntß bei Aufgabe von Annoncen gemacht werden.

Die Annoncen - skrpedition Rudolf Stoffe, -rank- furt <u ®t. Kaiserftraße 1 übernimmt auf Grund reicher Er­fahrung die vollständige und gewifienhafte Ausarbeitung vcn Plänen unb Softenanichlägm für eine wirksame Reclame unb erthellt bereit» willigft jede gewünschte Auskunft.

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wirb der Poftch ckoerkehr fich in unserem Mittelstände Bahn brechen mb um io größer werten ferne Erfolge fein.

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