Ausschußsitzung waren außer Breslau, Köslin und Metz sämmtliche Bezirke vertreten.
lieber den Mitgliederstand machte Oberpostassistent Fischbach, der zweite Vorsitzende, Mittheilungen. Die Mitgliederzahl beträgt 13800. Acht Bezirksvereine sind neu gegründet worden. Es bestehen ferner 84 Ortsvereine (gegen 63 im Vorjahre). In den Vorstand wurden wiedergewählt: Oberpostasfistent Kaffnitz (1. Vorsitzender), Oberpostassistent Fischbach (2. Vorsitzender), Oberpoflassistent Hoffmann, Oberpostassistent Grunert, Obertelegraphenasfistent Keisenheim, Postassistent Cuvry (sämmtlich zu Beisitzern gewählt).
Das Andenken des Altreichskanzlers ehrte die Versammlung durch Erheben von den Sitzen.
Oberpostassistent Funk, der Leiter des Verbands- Waarenhauses, gab über dieses einige Mittheilungen. Es ist durch Gründung von neun Zweiggeschäften erweitert worden und hatte 1897 einen Umsatz von 607000 Mark, gegen 412000 Mark im Vorjahre, d. h. eine Steigerung von 50 v. H. Im Jahre 1898 dürfte der Umsatz voraus« sichtlich wieder um 100000 Mark Höher sein. Das Maaren- haus hat gegenwärtig außenstehende Forderungen in Höhe von 430000 Mark. Den Käufern werden gewöhnlich sechs Monate Ziel gewährt, aber mit der Maßgabe, daß in jedem Monat Vs der Summe abzuzahlen ist. Die Vorbereitungen zur Loslösung des Geschäftes vom Verbände und zur Umwandlung in eine Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht sind bereits im Gange. In Berlin hat der Verband ein Casino eingerichtet, dessen wohlthätige Wirkungen dankbar anerkannt werden.
Es folgten dann noch verschiedene Berichte und zum Schluß ein Commers.
Cocales und j-rovinzielles.
Gießen, den 10. August 1898.
** Kirchliche Dienstnachrichten. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 30. Juli dem Pfarrer Ludwig Hein zu Trais-Horloff die evangelische Pfarrsttlle zu Dreietcheuhain, Decanat Offenbach, zu übertragen.
•• Postperfovaluachrichten. Angestellt find al» Post« asfistenteu die Poftauwärrer Hepp tu Offenbach (Main) und Krell in Bingen (Rhein). Uebetragen ist zunächst probeweise dem Postsecretär Rettig au» Berlin die Post« metfierstelle in Lauterbach (H-.sseo), dem Postkasfirer Ockel au» Lüdenscheid die Postduectorstelle tu Alzey. Auge- vommeu find al» Postagenten der Postverwalter t. P. Lukin» tu Jugenheim (Rheinhessen), der Sattler Martin Mayer io Hecvtßheirn, der Beigeordnete Graf tu Heuseu« flamm, der StatiouSverwalter t. P. Stahl in Kailbach, al» Postauwärter der Feldwebel Herbert tu Mainz. Aus- geschieden find die Postagenrru Herberg tn HechtSheim, Bölztng tu Groß-Felda, Lesse! tu Kostheim. — Ja den Ruhestand versetzt ist der Postmeister Rappolt tu Lauterbach (Hessen). Gestorben tst der Burrauassisteut Hofmann tn Darmstadt.
•* Radsport. Bei Gelegenheit eine» großen Radfahrer« feste» hat am Sonntag in Herborn ein PreiScorso statt- gefunden, tu welchem auch dte hiesigen „Wanderer" mit« coucurriiteo. Sie erhielten den 1. Pret» im Corsofahreu, den 2. Preis im Retgenfahrev. Indem wir unseren Radfahrern zu diesem neuesten Erfolge herzlich Glück wünschen, bemerken wir, daß dte gewonnenen Preise im Schau« finster des Herrn Kürschner Kretzschmar am Markt ausgestellt find.
** Lahuthal«Zither«Bund. Gelegentlich der vom 13. bis 15. August tu Aschaffeuvurg tagendeu 16. Hauptversammlung de» Süddeutschen Zither-Bunde» findet am 14. ein größere» Zither.Eoncert statt, an welchem u. a. auch der Gießener Zither-Verein sich bethet- ligrn und dessen Dirigent, Herr Arnold, al» Solist mtt- wtrkeu wird. In Anbetracht dessen, daß dem Buade ein Theil der bedeutendsten Ztthervirruoseu aogrhört, wünschen wir dem htefigen strebsamen Verein besten Erfolg.
•* Der 13. deutsche Schuetdertag findet am 15 und 16. August mit etner Borversammlung am 14. August in Cassel statt. Da» Programm tst wie folgt frstgestellt worden: Sonntag den 14. August, Morgen» von 8 Ühr ob: Empfang der au»wärtigeu Collegeu auf dem Bahnhofe uad Wohnungsuachwetsung durch dte au blau-wetßer Schleife krnutltchen Mitglieder de» Empfaug»«Au»schusse». Abend» 7 Uhr: Borversammlung tn Schaub» Garten, Wolf»- schlucht 23. Hierauf Concert daselbst. — Montag den 15. August, Morgens 9 Uhr : Hauptversammlung tu Schaub» Garten. Mittag« 2 Uhr: Gemeinsame» Festeffeu mit Damen, ä Couvert 1,75 Mk. ohne Wetnzwang ebendaselbst. Nachmittags 4 Uhr: Spaziergang nach der Aue und dem Zoologischen Garten. — Dienstag den 16. August, Morgens 9 Uhr: Fortsetzung der Hauptversammluug. Nachmittags 3 Uhr: Dampferfahrt nach SptckerShauseu. — Mittwoch ben 17. August, Morgen» 9 Uhr: Spaziergang nach Wilhelmthöde.
•• Das vroßh. Ober-Confistorium hat an dte evangel. Dekanate und Pfarrämter de» Großherzogthuw» folgeude» AuSschretben erlassen: Im September ds. Jahres wird etu halbes Jahrhundert verflossen setn fett jener denkwürdigen Rede Wichern» auf dem Wittenberger Kirchentage, welche dte Innere Mtffton al» LebenSSußeruug und Pflicht der Kirche der Gegenwart darstellte und Bieler Herzen und Hände zur Lösung der mit Meisterschaft vorgezeichncteu Aufgaben tu Bewegung setzte. Wenn sich daher dte Innere Mtsfiou tn dank- barem Gedenken au ihre unter Gotte» gnädigem Beistand und Segen seitdem immer mächtiger erfolgte Ausbreitung und Ausgestaltung anfchlckt, ihren JubiiäumStag am 21. Sep- t.mbrr d. I. in Wittenberg zu begehen, so will e» fich für dte evangelischen Landeskirchen gleichfalls geziemen, dieses Tages tu feterltcher Wetse zu gedenkeu. Ihnen tst dte Innere Mission unftretttg zum großen Segen geworden, indem fie
ein neue» Leben de» Glauben» und der Liebe wecken half, die freiwillige Mitarbeit der Laien in der Kirche auregte und so eine Menge von Kräften und Gaben frei machte, dte sonst größtenthetls ungekannt und ungenutzt gebltebeu wären, ganz zu geschwetgen von den ungezählten Liebesdiensten, dte durch dte Arbeit der Inneren Mission den Armen und Elenden, den Gefährdeten und Verlorenen tn der Volkskirche erwiesen worden find. Wir ordnen daher an, daß am 18. September d. t. dem 15. Sonntag nach Trinitati» d. I. in allen Kirchen im Hinblick auf die am 21. September in Wittenberg statt- fiudende Jubelfeier über die Innere Mission, ihre Geschichte, die von ihr au-gegangenen Segnungen und die von ihr noch zu lösenden Aufgaben gepredigt, dabei in den Gebeten Gott dem Herrn für den auf solche Arbeit gelegten Segen gedankt und feine Hilfe für die Zukunft erfleht, den Gemeinden aber tiefe» Werk aufs Neue an» Herz gelegt werde. Hierbei wird e» nahe liegen, die von der Inneren Mission in Hessen gerade fitzt augefangenen Arbeiten, wie die Anstalt für Epileptische, die Fürsorge für die verwahrlosten Jugendlichen, besonders zu erwähnen und der öffentlichen Theilnahme zu empfehlen. Zugleich ist die übliche Collecte zum Besten der Inneren Mission (sogen. Auguficollecte) diesmal mit dieser gottesdienstlichen Gedenkfeier zu verbinden, also am 15. Sonntag nach Trinitati» zu erheben. Wenn die Gemeindeglieder diesmal in Anbetracht der in allerlei Weise auch ihnen zu Theil gewordenen Segnungen der Inneren Mission ihre Opfer als Dankopfer ausehev, so steht zu hoffen, daß der Ertrag der Collecte reichlicher al» gewöhnlich auSfalleu werde. Ein etwaiger Ueberschuß über den Durchschnitt der letzten Jahre soll als Jubiläumsgabe an den CentralauSschuß für Innere Mission tn Berlin überwiesen werden.
** Der Deutsche Radfahrer-Bund hielt in diesen Tagen seinen 15. Bundestag in Dortmund ab. Der Gau 9 war dabei durch folgeude Herren als Delegirte vertreten: Seiffer- mann, Wämser, Schäffer-Weiffenbach, Nickel au» Frankfurt a. M., SameS-Darmstadt, Homberger-Gießen, Beck-Wte»baden, Klemmrath und Ktlbtuger-Höchsta.M.,Rompel-Homburg v.d.H., Meckel-Bad-Nauheim, Heuke-Maivz, Am 4. August, Abends, fand große» Begrüßungsfest der Delegirteu auf der Kronenburg statt. Dte Uebergabe des BundeSbanner» erfolgte Freitag Vormittag 8 Uhr im Stadtverordneten Sitzungssaal tn Gegenwart der städtischen und sonstigen Behörden. Die Sitzungen der Delegirten folgten tm Anschluß im Saal des „Kölnischen Hofe»". Die Verlesung und DiScuffion der Rechenschaftsberichte der verschiedeneu Abrheilungeu füllten diesen Tag au». An» dem Rechenschaftsbericht ist zu entnehmen, daß der Bund jetzt über 46000 Mitglieder zählt und ein Baarvermögen von 105500 Mk. befitzt. Einen Sturm der Entrüstung rief der Bericht der Rechtsschutz- Commission hervor (Vorsitz: Herr RrchtSauwalt Dr. Scharlach- Straßburg), welcher über da» Vorgehen der preußischen Etsenbahnverwaltuug in einer Verordnung über dte Beförderung der Fahrräder berichtete. Noch dieser neuen Verordnung sollen keine Fahrräder mehr mit Schnellzügen befördert werden, der Fahrer hat dte Pfl cht, sein Rad selbst ein- und auSzuladen und außerdem auf den preußischen Bahnen, dte 25 Kgr. Freigepäck gewährt, noch 25 Pfg. Beförderungsgebühr zu zahlen. Es wurde etusttmwtg eine Resolution angenommen, nach welcher da» uumottvirte Vorgehen der Eisenbahn-Verwaltung aufS schärfste mißbilligt und tn welcher dte Zurücknahme dieser Verordnung verlangt wird. — Am Freitag Abend hatte große» Gartenfest mit Feuerwerk im „Fredeubaum" statt- gefunden, au welchem fich auch dte Dortmunder Bürgerschaft lebhaft bethetltgte. SamStag fand Fortsetzung der Berath- uugen statt, bet welcher unter 42 Anträgen der wichtigste war: Die Beschaffung einer UeberfichtSkarte in vier Sektionen und einer Wegekarte in Profilwauier in größerem Maßstäbe. Es wurde beschlossen, diese Karten zu beschaffen und an sämmtliche BuudeSmitglieder gratis zu vertheilen. — In Anerkennung seiner vorzüglichen Verwaltung wurde der Ge- sammtvorstand wiedergewählt. Bet den Samstag Nachmittag stattgehabten Rennen errang im Hauptfahren Becker den 1. Preis, Fritz Opel den 2. Pret». Dte 100 Kilometer- Meisterschaft errang A. Köcher-Berlin mit 800 Meter Vorsprung gegen Fischer-München, Gerger Graz wurde mehrere Runden zurück dritter. Die Concurrenzen im Kunst- und Reigeusahren fanden im großen Saale des „Fredeubaum" statt. Dte gebotenen Leistungen waren vorzügliche, doch können die Leistungen unserer heimischen Vereine, deS Darm- städter Btchcle-ClubS, de» Offenbacher Btchcle-Club», der Höchster, Wiesbadener und Aschaffenburger denselben würdig au dte Seite gestellt werden. Bet dem Einzeldauerfahreu deS Gau 9 erzielte Herr Karl Schmitt vom Darmstädter Btchcle-Club die beste Zeit über 300 Kilometer. Als nächster Festort wurde vom Radfahrerbund München gewählt.
♦♦ Sehr richtig! Der Herr Landrath tn Wetzlar erläßt folgeude Bekvulmachung: Seitdem ich mich au Spitze der Verwaltung des Kreises befinde, habe ich beobachtet, daß e» bei den Landwirthen des Kreises vielfach Sitte ist, da» geschnittene Getreide sehr lange tu Haufen auf dem Feld stehen zu lassen. Nicht feiten sieht man, daß baß Stroh schließlich schwärzlich geworden ist. E» tst mir wohl bekannt, daß für diese Gewohnheit verschiedene Gründe angeführt werden, die aber meist ganz und gar nicht stichhaltig find. Denn eß kann keinem Zweifel unterliegen, daß da» Stroh durch diese» Stehenlassen sehr evtwerthet wird,- e» werden au» ihm so viel Futterstoffe durch Sonne und Regen aus- gelaugt, daß der Nährwerth bedeutend herabsinkt. Nicht geringer tst der Schaden an den Körnern. Schon vor der Ein- erntung und bet dieser selbst fallen dte Körner in großer Anzahl aus. Besonder» schlimm ist die», wenn eine anhaltende Regenzeit etutritt, davon zu schweigen, daß die Körner dann auch zu keimen beginnen. Der angebliche Vortheil, daß daß Außdrescheu de» Getreide» nach dem langen Stehen leichter sei, kann gegenüber jenem Schaden doch gar nicht tn» Gewicht fallen. Indem ich darauf Hinweise, daß in anderen Gegenden mit kletubäaerltcher Bevölkerung der hiesige Gebrauch längst abgeschafft ist, lege ich e» jedem Laudwtrth dringend an» Herz,
। daß geschnittene Getreide keinen Tag länger al» uöthig draußen steheu zu lassen. Jeden Augenblick kann starke» Regenwetter, Hagelschlag, Sturm usw. eintreteu und dann ist da» Versehen nicht wieder gut zu machen.
•* Wetterbericht. Hoher Druck dringt zwar von Westen her vor, doch steht fast noch ganz Europa unter dem Ein« flösse eine» umfangreichen Depressionßgebiete». Innerhalb desselben treten geschlossene Ceatra auf, so daß die Luftdruck- Bertheiluog sehr unregelmäßig geblieben ist. Ein Minimum erstreckt sich von Südschwedeu biß nach den dänischen 3 fein und der Ostsee über ganz Deutschland biß zur süddeutschen Grenze, ein zweite» umfaßt da» südliche Alpengebiet und Oberttalien. Die Witterung ist allenthalben trübe und find stellenweise erhebliche Niederschläge gefallen, welche noch au- dauern. Dte Temperaturen haben einen bedeutenden Rückgang erfahren. — voraussichtliche Witterung: Zunächst noch wolkige», kühle» Wetter mit zeitweisen Nieder« schlägen, daun wieder Besserung.
Gambach, 9. August. Sonntag deu 21. August soll im hiesigen Gemeindewald eine mit Tanzmusik verbundene Festlichkeit abgehalten werden. Veranlassung zu diesem Fest gibt die vor 50 Jahren erfolgte Erwerbung de» Walde». Derselbe war vor dieser Zeit Mark-Wald und wurde durch Kauf Befitzthum der Gkweinde. Al» Fefipiatz ist der freie, schattige Platz an der Linde, unweit de» Bahnübergangs, in Aussicht genommen.
Ans der Zett für die Kett.
Vor 120 Jahren, am 11. August 1778, wurde zu Lanz bei Wittenberg FriedrichLudwigJahn, der deutsche „Turnvater" geboren. Er nahm 1806 an den unglücklichen Kämpfen des preußischen Heeres theil, und war während des Friedens durch Betreibung des Turnwesens für Kräftigung der Jugend und Wiedererhebung des Vaterlandes thätig. Die letzten Jahre weilte er zu Freyburg a. 11., geachtet als lebendiges Denkmal einer großen Zeit. Jahn starb dortfelbst am 15. October 1852.
Vermischter.
* Ein bedauerlicher UngluckSfall hat fich in Danzig zugetrageu. Da» dortige städtische Gymnasium ist im vorigen Jahre umgebaut worden- e» wurde ein Stockwerk aufgesetzt und die Thürmchen, welche da» Dach zieren, entsprechend- erhöht. Die Thürmcheu find auS Ziegeln erbaut, die Spitzen, welche von Blitzableitern gekrönt werden, find aus Cemeut bergestellt. Auf dem Gymnasium wehte auS Anlaß de» Todes de» Fürsten Bismarck die Trauerflagge, welche tief auf Halbmast gezogen war. Bei dem herrschenden Winde flatterte die Flagge hin und her und verwickelte fich schließlich tn dem Blitzableiter auf der Cemeutspitze. Kurz vor halb 11 Uhr Vormittags löste fich am Mittwoch Plötzlich die Cemeutspitze sammt Blitzableiter uud stürzte nach vorn zu mit großer Wucht auf da» Trottoir nieder. In btm'elben Moment pasfirte an dieser Stelle dte Straße eine Dame, da» 32jährige Fräulein Braud, welche mit ihrer Schwester nach deren dicht neben dem Gymuafium belegeneu Wohnung gehen wollte. Fräulein Brandt wurde von dem Stück getroffen uud stürzte blutüberströmt lautlos in die Arme ihrer Schwester- wenige Sekunden darauf war fie eine Leiche.
• Aus Bismarcks letzten Stunden. Heber dte letzten Stunden vor dem Tode Btßmarcks erfahren die „B. N. N." folgende Eiuzelhettev: Am Sterbetage Nachmittags war e», e wa um 3 Uhr- dte Familie hatte sich kurz vorher in das anstoßende Arbeitszimmer des Fürsten zurückgezogen. Gräfin Sibylla, die Gemahlin Wilhelm v. Bismarcks, kam lautlos hereingefchltchen, nach dem Kranken zu sehen, an dessen Beit der treue Pinnow saß. Ai» fie den Fürsten mit geschloffenen Augen, tote friedlich schlummernd, baltegen sah, eilte fie rasch zu den übrigen Familteuwitgliedern zurück und verkündete glückstrahlend, daß der Kranke endlich den schmerzlindernden Schlaf gefunden habe. Der vermeintliche Schlummer war in Wahrheit Erschöpfung der Kräfte. Bon nun ab traten nur wenige lichte Momente bei dem Kranken ein. Pinnow wich nicht von seiner Seite. Plötzlich schlug Bismarck die Augeu auf und wünschte zu triukeu. Der Diener reichte ihm, wie Professor Schweninger eS augeorduet hatte, ein Gläschen Mineralwasser uud Chawpaguer. „Mehr, mehr!" stöhnte der Kranke. — „Durchlaucht, ich darf nicht!" — Aber, lieber Pinnow, Chrhsauder ist doch jetzt nicht da." — Noch immer zögerte Pinnow, — „Lieber, guter Pinnow", kam es in flehentlichem Tone au» dem Munde des Fürsten, „bist Du al» kleiner Junge nicht auch einmal krank gewesen? Na, daun weißt Du doch, wie Einem zu Muthe ist, wenn man Durst hat und nicht trinken soll!" — Der besorgte Pfleger konnte der rührenden Bitte nicht widerstehen, er reichte dem Kranken ein große- Gla» mit dem labenden Trank, den der Fürst in gierigen Zügen hinunterschlürste, um dann langsam zu eutschlummem.
• Eine Hamburgerin erzählt folgende persönliche BiSmarck- Erinnerung: „ES war vergangenen Sommer am 12. Juli,« Fürst BiSmarck befand sich nach den Zeitungsberichten fehr wohl. Mein Mann, köutgl. preußischer Oberstltentenant, ich und einige Bekannte machten un» auf nach FriedrichSruh, um, wenn uns baß Glück holb, „unseren BiSmarck" zu sehen. Gerade alß der Zug am Bahnhof FriedrichSruh aulangte, öffnete fich das Thor deS Schlaffes und Fürst BiSmarck fuhr in feinen Wald. Wir erhaschten nur noch einen Gruß. Nun hieß es warten, bis de» Fürsten Fahrt beendet, wa» tn zwei Stunden, wie un» gesagt wurde, der Fall fein würde. Biele Menschen, wie ja stets, warteten auf da» Wiedererscheinen deS Allverehrten, die Damen mit Blumensträußen uud die Herren mit photographischen Apparaten. Ich hatte nichts, al» nur meine grenzenlose Erwartung uud meine Sehnsucht, mein Ideal eines deutschen Manne» so recht nah von Angesicht zu Angesicht sehen zu können. In
Schegs f («M * t[i a fflld)«' -■Ä iatteo! ihm und soS"' 61« l'f"
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