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Wertheim hat nämlich als Erster Pfennigpreise, wie 38 Pfg., 24 Pfg. rc. eingesührt. In Schaaren ging's natürlich auch ,am Hause Hertzog. Selbst die Kleinsten waren nicht zu haus geblieben, und meistens war es „Vater", der die süße Last trug. — Eine resolute Bürgerssrau, die stark ins Gelänge kam, fährt einen neben ihr stehenden Herrn mit den Dorten an: „Sie, hier wird nicht „verdrängelt", hier sind Dir nicht bei die Chinesen in Kiautschau", worauf der Andere prompt erwidert: „Schade vor Ihnen, mit die „Schnute" mären noch Viele ausgerissen und wir hätten „Port Arthurn" vielleicht noch dazu gekriegt". Den Ausruf einer jungen Dame von außerhalb über die schöne Ausschmückung beant- märtet ein Großstadt Philosoph lakonisch mit: et ist ja Aliens ba, et is ja nich wie bei arme Leute. Aengstlich ruft eine : iltere Frau, nach ihrer, ihr im Gewühl abhanden gekommenen
Tochter. Ein baumlanger Jüngling wendet sich tröstend an bte aufgeregte Mutter, indem er sagt: „wehre man nich, schlimmsten Falls kriegst sie auf die Polizei wieder, dorthin nehmen sie jetzt alle anständigen Mädchens mit". Dann reckt er sich über die Köpfe der Menge hinweg und brüllt: „Klara, ftlttra — wo mag das Mädchen sein?" Ein Schutzmann fLhrt ein paar Droschkenkutscher in denkbar kürzestem „Arnts- tM* an. „Du", sagt da ein Berliner Junge, „wenn der jo fort macht, wird er och mal in ein Amt jleicher Jüte mit llinzugSgelder versetzt. Na, so armer Schutzonkel". „Wie dunkel das Schloß ist", meinte ein kleiner, etwa 10jähriger
iei solchen Anlässen zeigt sich der für so unliebenswürdig verschriene Berliner von seiner besten Seite, nämlich der humorvollen. „Ach", meinte eine mir gegenübersitzende Arbeiterfrau treuherzig, „was sie doch dem alten Kaiser fttr’n . .nobles" Denkmal gebaut haben, wenn er's doch wenigstens blos einmal sehen könnte, namentlich heule". Am dichtesten tift das Gedränge vor dem Wertheim in der Leipzigerstraße, ' dessen Prachtbau durch mächtige Lichtbogen eigenartig beleuchtet Dirb. Aber da oben wollen zwei Flammen partout nicht -rennen, und sofort hat das eine echte Berlinerin bemerkt and erklärt: „Du Vater, der will andeuten, daß er's auch :rt der neuen Kluft nicht mit die Decimalstellen hält".
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-- -c geribsikt sein. Bursche zu seinem noch jüngeren Schwesterchen. „Na, Kaisers
itr bei Frachmtk «tnö doch in's Opernhaus", lautete die prompte Entgegnung
>trb rin T)u|enb lau« bei zukünftigen „sparsamen Hausfrau". Der einzelne Ber
liner illuminirte gestern auf ganz besondere Art: kleine Laternen, die auf den Straßen feilgeboten wurden, fanden nefigen Absatz und wurden ingeniös am Hute befestigt. Ein -lgenartiges Bild, das einen feisten Budiker zu der Bemerkung (veranlaßte: „So'n „unlauterer" Wettbewerb. Am Kopf sind fie auch illuminirt, aber, wo bleibt die „Bettschwere" für's viele Jeld". Auf dem Nachhausewege hörte ich eine behäbige dtdsWznU/,Jch < öLrgersfrau ihren neben ihr daherhumpelnden Ehegatten J, tu btm er dna fragen: „Na Vatern, war's nicht scheen, die „Kaserlumi-
tem Braibt bü§ta natton" ? worauf er — dem man das schönste Hühnerauge
cb bei vmbtl h-«r Ordentlich getreten — stillseufzend antwortete: „Mutter, Du
nb fetynt chnst es nicht!"
Üaüi m fianft k* * «uftichtig. Stammgast: „Fritz, war ist denn aus rr Tir M 8500fflt bem Kaier geworben, den Sie hier immer harren?" —
Kellner (dem Gaste in» Ohr flüsternd): „Hasenbraten!"
Verkehr, £an6« VoUrwirlhschaft.
eutm, 8. Februar. Marktbericht. Auf dem heutige« Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. vM 0,80-095, Hühnereier pr. 6t. 7-0 4b, 2 St. 13—154b, Enteneier 1 St. 0—004b, Gänse eier pr. 6L 00-00 4b, Käse pr.6t.4-9 4b, Käsematte pr. St. 3 4. Erbsen pr. Liter 18 4b, Linsen pr. Liter 32 ,4, Tauben pr. P-m JL 0,93 bis 1,00, Hühner pr. Stück 0,90 bis 1,10, Hahnen pr. 6töd X 0,60-1,00, Enten pr. Stück JL 1,60-2,00, Gänse pr. Pfu». X 0,00-0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 4 Kuh-und Rtndstefftz pr. Pfd. 60—66 4b, Schweinefleisch pr. Pfd. 72 bte 76 4, Schweine fleisch gesalzen, pr. Pfd. 80 4b, Kalbfleisch pr. Pfd. 60—64 A Hammelfleisch pr. Pfd. 50-66 Kartoffeln pr. 100 Kilo 6,006b 7,00 X, Weißkraut pr. Stück 0-00 4b, Zwiebeln pr. Centnei 6,00—0,00 X, Milch pr. Liter 16 4b.
Neueste Nachrichten.
Depeschen de« Bureau „Herold".
Berlin, 8. Februar. Redakteur Trojan vom „Kladderadatsch" dementirt die durch Provinzblätter verbreite-e Nachricht, der Verein Berliner Presse beabsichtige, in Verbindung mit literarischen Körperschaften au« Anlaß der Ver- urtheilung TrvjanS ihm zu Ehren ein Festbavket zu veranstalten.
Brunn, 8. Februar. Infolge des SemesterschlusieS wollea viele Studenten ihre Studien in Deutsch land fortsrtzen.
Pari«, 8. Februar. Esterhazy erschien gestern kurz vor Schluß des ersten VerhandlungStagcs im Sitzungssaale. Er war erdfahl und scheint sehr krank. Kriegsminister Billot erschien nach einer halben Stunde im Zeugenzimmer. Er sprach mit General Gouse und entfernte sich, im Eorridor mit Senator Scheuerer einen kalt höflichen Gruß austauschend. Während der Pause ließ eine Dame Zola Ehocoladeboabons reichen. Zola nahm sie an und offerirte auch Clewenceau und Cabori davon. Abends wurde von Verehrern ZolaS ein Kranz an der Statue VoltairS niedergelegt, mit der Inschrift: „Vertheidiger CalaS Dein leuchtendes Beispiel findet Nachahmung."
PariS, 8 Februar. Prozeß Zola. Labori legt die Gründe dar, welche ihn veranlassen, auf den so wichtigen Zeugen Paly du (Siam nicht verzichten zu können, welcher genaue Auskunft über die verschleierte Dame ertheilen soll. Hier sei der Angelpunkt der ganzen Affaire. Der Gerichts Hof vertagt die Beschlußfassung. Außer den bereits genannten als Zeugen geladenen Personen weigerten sich zu erscheinen!: Madame de Boulaicy, die frühere Freundin Esterhazys, Capitän Lebrun Renauld, General Mercier und General BoiSdeffre. Labori erklärt, daß ter auf das Erscheinen der Mitglieder des Esterhazy Kriegsgerichts verzichte, aber das Erscheinen der Frau de Boulaucy und der Mitglieder de« KciegSgerichtS gegen Drehfu« fordere. Nach einer kurzen Pause verlas Labori seine Anträge, worin er verlangt, daß die Zeugen gezwungen werden, zu erscheinen. Der Gerichts- Hof wird heute über die Anträge beschließen. Sodann verkündet der Präsident, daß die Verhandlung auf heute vertagt ist. Während der Sitzung gingen Zola unzählige Telegramme zu, Als Zola und Labori nach Schluß der Verhandlung
ihre Wagen bestiegen, rief die Menge thells «.Hoch Zola , theil» „Nieder Zola".
Paris, 8. Februar. In der Kammer hat gelegentlich der DiScusfion über den gegenwärtigen Etat gestern eia Meinungsaustausch über die internationale Lage stattgefunden. Delafoffe bemängelte daS französisch.russische Bündniß, au« dem Rußland bis jetzt allein Vortheil gezogen habe. Hanotaux antwortete, daß er über das russisch-französische Bündniß feine Erklärung abgeben könne. DaS Bündn ß sei aber eine historische Thatsache, welche bte internationale Lage Frank- reitß gebessert habe. Er theilt ferner mit, daß Frankreich die Candidatur deS Prinzen Georg als Gouverneur von Kreta unterstützen werde. Mehrere Redner warnten vor einer frühzeitigen Theilung Chinas, welche der Anfang vom Ruin Europas sei. Die Debatte wurde sodann geschloffen.
Paris, 8. Februar. Sämmtliche Morgenblätter beschäftigen sich an erster Stelle mit den gestrigen Verhandlungen im Zola-Prozeß. „Radikal" schreibt: Man habe gehört, daß sämmtliche Vorsichtsmaßregeln und List ange- wandt wurde, um daß Licht in dieser Sache zu unterdrücken. Der Gerichtshof habe sich selbst vor dieser Arbeit geschämt und wage eß nicht, die Beschlüsse der Vertheidigung zu ver- werfen. „Petite Rtpubl'que" führt au«, die Franzosen müßten sich sagen, daß Bolsdkffre, Pathy du Clam und andere Generäle und Offiziere befürchten, daß einer den anderen vcrrathen könnte, sonst wären sie wie gewöhnliche Leute vor den Assisen erschienen. „Rappel" sagt, ber gestrige Tag war für die Republik ein Tag der Schmach und ein Tag de« Schmerzes. Ehemalige Offiziere find vor den Assisen erschienen, aktive Offiziere, welche eine verächtliche Meinung haben für alles, was nicht Militär ist, find einfach nicht erschienen. — „Störe Parole" sagt, Frankreich werde eine große Erleichterung empfinden, wenn eß von der Zola- Krankheit, von der eß seit 14 Tagen befallen, befreit werde. — „GauloiS" meint, die Geschworenen werden nicht die einzige Frage, die von Bedeutung ist, auS dem Auge verlieren. Ihre Pflicht ist eß, baß Vaterland, die Armee und die Gesellschaft gegen die traurigen Elemente zu der- theidigen, denen Zola seine Unterstützung gewidmet hat. — „Autorits" führt au«: Man hat die gestrigen Antworten gehört, aber noch niemals hat man einen so dummen Staatsanwalt gesehen. — „Figaro" sagt, man müsse erst da« Ende deS Prozesse« abwarten, weil sonst die Angelegenheit zu politischen und Wahlzwecken auSgenützt wird.
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BeratmtMrLch««g.
Der Voranschlag der Gemeinde Odeuhauseu für 1898/99 iegt vom 10. Februar an acht Tage lang zur Einsicht der Interessenten auf dem Bürgermeisterei-Bureau offen.
Odenhausen, am 6. Februar 1898. 1416
Grohh. Bürgermeisterei Odenhausen.
Lan g.__________________________
Bekanntmachung.
Bei der unterzeichneten Behörde ist die Stelle eines jüngeren Bureaugehilfe«
alltbald zu besetzen. Hierauf Neflectirende wollen ihre Meldung unter A ngabe ihres Lebenslaufes, ihrer bisherigen Beschäftigung und der GehaltS- arnsprüche bis zum 20. l. Mts. unter Beifügung von Zeugnissen bei uns sinreichen.
Gießen, den 7. Februar 1898.
Großherzogliche Bürgermeister:! Gießen.
Gnauth. 1419
Nebenbahn Niedek.«em»nben— Nleber-Oflelde«.
Die Lieferung von 640 Stück Bahn» srenzstelnen und 400 Stück Weg« grenzveinen soll öffentlich vergeben werden.
Die Verdingungsunterlagen liegen in dem Amtszimmer der unterzeichneten Eisenbahn - Bauabtheilung zur Einsicht aus. Dieselben können gegen poft- und bestellgelbsreie Einsendung von 50 Pfg. (nicht in Briefmarken) von dorr bezogen werden Angebote mit lentsprechcnder Aufschrift find bis zum Eröffnungstermin am 19. Februar d. I, Vormittags 10 Uhr, post- und bestellgeldfrei einzureichen. 1252
ZuschlagSfrift 8 Wochen.
Grünberg (Hessen), den 3. Febr. 1898.
Großh Eisenbahn,Bauabtheilung.
BehördlicheAnzeigen
Berdintzung.
Die zum Ausbau der Moltkestraße Mchen der Grünbergerstraße und bwr Wieseck erforderlichen Maurer-, Ghaufsir- n. Pfiafterarbeiten, svoie die Steiuzeuglieferuvg, {den im Wege des öffentlichen Angebots
Samstag den 19. d. Mts., Vorm. 11 Uhr,
I v'irdungen werden.
Pläne, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Oenststunden auf unserem Bureau, Ammer Nr. 7, zur Erficht offen, mselbst bis zum Verdingungstermin bne Angebote auf Vordruck und ver schlossen einzureichen sind.
Zuschlagsfrist 18 Tage.
Gießen, 5. Februar 1898.
Das Stadtbauamt.
Schmandt. 1410
Versteigerungen.1
Versteigerung.
Donnerstag den 10. Aebruar, Vormittag« 11 Uhr, werden auf dem neuen Güterschuppen herrenlos lagernde Güter, als: 1 Ballot Unterrockstoffe, 1 Kiste Kerzen u. Sago, 1 Ballen Hopfen, 1 Kiste Würfelzucker, 1 Sack Kartoffeln, 1 leeres Spritsaß, verschiedenes altes und
neues Eisen, sowie eine Korbflasche, anscheinend Gasstoff, öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung versteigert.
Gießen, den 8 Februar 1898.
Großh. Güterabfertigung.
Räuber.1418
: Mpsklilimykn
ZWt. MaHthMZ.
Freibank. 1417
Heute ««d morgen:
Rindfleisch, aicht ladenrein, per Pfd. 52 Psg. Kinder-Nährmittel ©prls Nähr-Dikbaill (Kalkphosphathaltiges Nährmittel). Arrow-root Viseuit Hafermehl
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