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8.6.1898 Erstes Blatt
 
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allmählich zahlreicher werdenden Heirathen zwischen Euro- päerinnen und Chinesen zu warnen. In diesem Ausruf ist gar nicht einmal von Männern mit schurkischen Absichten die Rede, sondern es wird nur darauf hingewiesen, was eine junge Frau, die einen Chinesen ins Reich der Mitte begleitet, dort im besten Falle zu gewärtigen hat. Da heißt es mit klaren Worten:Die Aussichten auf eine glückliche Ehe oder auch nur auf ein einigermaßen behagliches Leben sind, wie die Dinge in China zur Zeit noch liegen, sehr gering. Das wird sich auch nicht so bald ändern. Selbst wenn ein Chinese, der eine Europäerin heirathen will, ein durchaus ehrenwerther und gebildeter Mann ist, dem genügende Mittel zur Ber- fügung stehen, so ist dennoch abzurathen von einer solchen Heirath. So lange das junge Paar in Europa oder Amerika bleibt, mögen die Verhältnisse zwar erträglich sein, besonders wenn ein junges Mädchen ihre gesellschaftliche Stellung auf diese Weise zu verbessern glaubt. Aber jeder Chinese kehrt über kurz oder lang in seine Heimath zurück, meistens schon, nachdem er nur wenige Jahre im Auslande gewesen ist. Dann aber harrt der jungen Frau unter allen Umständen eine bittere Enttäuschung. Denn ihr Gemahl ist selbst beim besten Willen nicht in der Lage, ihr bei dem gegenwärtigen Zustande der chinesischen Gesellschaft das nöthige Ansehen zu verschaffen." Das sind wahre Worte. Da nun solche Ehen nicht gesetzlich verboten find, so ist es gut, wenn die Presse von Zeit zu Zeit auf deren unerfteu- liche Folgen hinweist.

* Wieviel Christen gibt eB? Darüber find viele Zahlen im Umlauf. Die ZeitschriftDie evangelischen Missionen" von Richter (1895 Nr. 1) geben, gestützt auf die Arbeiten de- berühmten englischen Geographen Ravenstein folgende Statistik und Bemerkungen dazu:

Europa

hat

381200000

Einwohner

Asien

//

854000000

n

Afrika

//

127 000 000

ff

Australien

n

4 730000

rf

Amerika

//

133 670000

h

Nach dieser Berechnung hat die ganze Erde eine Bevölkerung von 1500 600000 Einwohnern oder rund P/g Milliarden. Nach derselben Schätzung vertheilen sich die wichtigsten Relt- gtoll-btkeuntniffe wie folgt:

Evangelische Christen 200000000

Römische ,, 195000000

Griechische 105000000

Christen in-gesammt 500000000

Juden 8000000

Mohammedaner 180000000

Heiden 812 000 000

Nichtchristen in-ges. 1000000000

Vergleichen wir die Gesammtsumme der Chrrsteu und der Nichtchristen mit einander, so sehen wir, daß die Christen bereit- ein Drittel der Gesammtmeaschheir ausmachen.

Nrnest« Nachrichte«.

Depeschen de- BureauHerold".

Berlin, 7. Juni, Die ?Berl. Reuest. Nachr." ver­öffentlichen eia Schreiben des StaatSsecretärS Posadow-ky an einen notablen Politiker, welcher fich an den Staat-- secretär um eine gutachtliche Aeußeruug über da- bei den Wahlen zu beobachtende taktische Verhalten gewendet hatte. In dem Antwortschreiben empfiehlt der Staatssekretär eine geschlossene Frontstellung gegen den revolutionären Socialt-mus.

Wien, 7. Juni. Diegesternim Abgeordnetenhause erwartete Beantwortung derInterpellation über die Grazer Vorgänge wird heute erfolgen.

Wien, 7. Juni. Die hiefige Polizei verhaftete gestern den Mechaniker Josef Holzbauer und die Modistin Hedwig Pieper, beide aus Berlin. Dieselbe hatten dort daS zwölfjährige Mädchen Hedwig Lamsried entführt, um da-, selbe der Schande zuzuführen. Auch de- Kinde- wurde die Wiener Polizei habhaft. DaS Kind wurde In Privatpflrge gegeben.

Brussel, 7. Juni. Gestern Abend ging ein surchtbare- Gewitter über die Stadt und Umgegend nieder. Der Blitz richtete in den Vororten an verschiedenen Stellen erheb­lichen Schaden an. Mehrere Pachthöfe wurden durch Blitz- schlag in Brand gesetzt. Der Schaden wird auf eine halbe Million Francs geschätzt.

Brüssel, 7. Juni. Im Borstadt-Theater Anderlecht ereignete fich ein großes Unglück- bei der Darstellung eines Militärstücke- feuerten Comparsen scharfgeladene Flinten wodurch ein Zuschauer getödtet wurde. Mehrere andere find schwer verwundet.

Pari», 7. Juni. In den Kammerdebatten wird nicht nur der Abgeordnete Caftelin, sondern auch der frühere Justtzministrr Trarieux die DreyfuS-Angelegenheit zur Sprache bringen. Man ist auf Enthüllungen und un­vorhergesehene Ereignisse gefaßt.

London, 7. Juni.Daily Mail" berichtet an- New- York, daß da großes Gefecht vor und um Santiago

Verkehr, Land- ttttfc Volkswirthschaft.

totMl, 7. Juni. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmartt kosteten: Butter pr. Pfd. X 0,650,90, Hühnereier pr. 6L6-0 X 2 St. 1011 X Enteneier 1 St. 6CO X Gänse- rier pr. St. 1012,$, Käse 2 Et. 9-15 $, Käsematte pr. St. 3 X Erbsen pr. Liter 20 $, Linsen pr. Liter 32 $, Tauben pr. Paar X 0,75 bis 0,90, Hühner pr. Stück !,tO bis 1,20, Hahnen pr. ®töd X 1,20-1,70, Enten pr. Stück X 1,802,CO, Gänse pr. Psunl, X 0,000,00, Ochsenfleisch pr. Psd. 66-74 X Kuh- und RindfleisL pr. Pfd. 62-66 X Schweinefleisch pr. Pfd. 64 bis 72 X Schweim- fleisch, gesalzen, pr. Psd. 76 X Kalbfleisch pr. Pfd. 62-64 4 Hammelfleisch pr. Pfd. 6070 3i, Kartoffeln pr. 100 Kilo 7,00 biß 7,50 X, Weißkraut pr. Stück 000 4, Zwiebeln pr. E-ntner 10,0012,00 X, Milch pr. Liter 16 X Kirschen pr. Psd. 60 X

Dauer der Marktzeit von 7 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nach­mittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden.

stattgefunden habe, welche- den ganzen gestrigen Tag an­dauerte. Die Landung der Ämeritaner fand bei Aqua« tere- statt.

London, 7. Juni. Auch hierher wird gemeldet, daß die Amerikaner bei Punta Cabrera, sechs Meilen westlich von Santiago 4000 Mann auSgeschifft haben sammt den zur Belageruog nothwendigen Geschützen. 3000 Insurgenten marschiren mit ihnen unter Garica vereinigt nach der Hafenstadt.

London, 7. Juni. Zu der Landung der Ameri­kaner bei Santiago und ihrer Vereinigung mit den Insurgenten unter Garcia wird noch gemeldet, daß die Landung direkt bei Santiago erfolgte und die Vereinigung stattfand, nachdem die Amerikaner die spanischen Truppen vertrieben und die Batterien zerstört hatten. Der Angriff auf Santiago steht bevor.

New-York, 7. Juni.Hrraldo" meldet ou8 Washing­ton, Mac Kinley habe gesagt, wenn noch zwei Siege bei Santiago und Portorico erfochten werden, bann werde s zum Frieden kommen.

New-York, 7. Juni. Depeschen au- Cap Haiti ver­zeichnen das Gerücht von einem Kampf zwischen drei spanischen und vier amerikanischen Kriegsschiffen an der Nordküste von Haiti.

New-York, 7. Juni. Aus Port-au-Prince wird gemeldet, die vereinigten Insurgenten und amerikanischen Truppen hatten vorgestern Morgen neuerdings einen Angriff auf di e Stadt Santiago gemacht. Die Spanier, welche auf den Kampf vorbereitet waren, sollen den ersten Angriff mit Erfolg zurückgefchlagen haben. Die Angreifer erlitten bedeutende Verluste, wogegen die Spanier, welche durch vor­treffliche Erlwälle geschützt waren, nur geringe Verluste hatten.

Hongkong, 7. Juni. Die letzten Nachrichten aus Manila besagen, daß die Rebellen alle G.frnbahnen in unb um Manila herum zerstört haben. Die Insurgenten befinden fich 4 Meilen von der Stadt entfertt

A Mainz, 7. Juni. Die Hinrichtung de- Haus- burschen Simon Merz von Bonn, der seine frühere Ge­liebte in LeiselSheim erstochen, sand heute früh im Hofe des hiefigen GerichtSgebäudeS durch den Scharfrichter Brand au« Gorhs statt.

z. Notiz, daß m. Kuren g. Zwangs- JSI ervosen gedanken, Angst,Schlaflosigk.,Asthma, Herzerreg.,Schwäche,Magenvers1imm- ung, Darinirägh., des Gicht rc. wieder v. AprilOct. in Auerbach, Hess. Bergstr., stattfinden. Prospecie üb. Eigenart u. Wirkung gratis. 2133 Dr. Bor eher dt.

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Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Bäcker, 1 Drechsler, 1 Installateur, 2 Krankenwärter, 23 Gerber, 1 tücht. Bauschlosser, 1 Schmied, 2 Schuhmacher, 1 Möbelschreiner, 2 Taglöhner, 4 Hausburschen, 1 Fuhrknecht, 2 Dienstmädchen, 1 Lauffrau, 1 Kindermädchen, 2 Lumpensortirerinnen.

Lehrlinge: 3 Bäcker, 2 Barbiere, 2 Buchbinder, 1 Drechsler, 1 Drucker, 1 Kupferschmied, 3 Lackirer, 1 Sattler, 1 Schmied, 2 Schneider, 2 Schreiner, 2 Schriftsetzer, 4 Schuhmacher, 1 Spengler, 1 Wagner.___________________________

Mchtseuerwehr.

Uebung der Rotten 3 und 4 Montag d. 13. Juni,

Abends 8V2 Uhr, im Hofe des Thurm haus es am Brand.

Gießen, 7. Juni 1898. 5771

Der Branddirektor: Traber.

^UersteismmM

Grasverstrigerungkn

Dienstag den 14. d. M.:

1. Groß-Rechtenbach, BeginnGroße Weide" Vormittags 8 Uhr,

2. Kl.in-Rechtenbach,BeginnHinter dem Hof" Vormittags 11 Uhr, 3. Hochelheim, Beginnoben im Moor" Nachmittags 2 Uhr.

Groß-Rechtenbach, 6. Juni 1898.

5759 Das Bürgermeister-Amt.

ML Mchthans.

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