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8.5.1898 Zweites Blatt
 
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9it. 107 Zweites Blatt

Sonntag den 8. Mai

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Gießener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblntt fiw den Uveis Giefzen

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

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ungen der Bundesstaaten zurückbleibt.

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Gießener Ritnit überführt.

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Reboction, Expedition und Druckerei:

Achulftraje Mr. 7.

in deutschen kleinbürgerlichen Verhältnissen ab, während Con­rad Tellmann unter dem gleichen Titel das eigenthümliche bigamische Verhältniß, das in beiden Fällen durch die Kinder­losigkeit der rechtmäßigen Ehe hervorgerufen wird, unter italienischen Himmel versetzt. Franz Lind he im er bleibt mit seinen Gestalten völlig im Rahmen des biblischen Ori­ginals, nur, daß er die epische Naivität, welche in diesem waltet, mit Reflexionen vertauscht, die kaum jenen Menschen angehören und das Ganze in die Schwüle erhitzter Erotik bringt, welche das Problem wohl interessanter, aber nicht gerade tiefer erscheinen läßt. Daß ihm die Hagar die Hauptperson werden sollte, deutet schon der Titel anHagars Liebe". Frl. Landsri kam für die Rolle der schönen Sklavin ihr warmes Temperament in hervorragendem Maße zu statten. Dem Erzvater Abraham geht es bei Lindheimer

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anstellen, die nicht zu Gunsten des deutschen Tondichters aus­fallen, weil dieser mit seiner glatten, süßen Melodiensprache die H rbheit des dramatischen Stoffs nicht deckt. Der Librettist Weinberg, der sich für sein Textbuch die An­regung aus einer Bleibtreuschen Novelle geholt, und der Komponist Eberk rrdt wandern auf verschiedenen Straßen.

Kürzlich ist wieder ein Frankfurter Poet auf der Bühne seiner Vaterstadt zu Wort gekommen, Franz Lindheimer. Diesmal handelt es sich nicht wie bei FabersEwige Liebe" um ein modernes Sujet, sondern um die dramatische Ver­arbeitung eines altbekannten biblischen Themas: Da» 93er* hältniß de» Erzvater Abrahams zu seiner rechtmäßigen Gattin

Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze».

Fernsprecher Nr. 51.

in unserer Gegend bedeutende Darlehen au» der Landes- creditkasse erhielten abgesehen von Privaten ist in dieser Zeitung schon früher gemeldet worden. Aber anq aus der LandeSculturrentenkasse werden hohe Be­träge gegen geringe Zinsen und Tilgungsrenten gegeben. Hungen erhielt au» dieser Kasse 18,000 Mk., Obbornhofen 19,300 Mk. und Utphe 11,000 Mk. Daran- ergibt sich, daß der Staat für Landwirthschast und Verbesserungen wehr thut, al- manche Leute wissen.

U. Ulrichstein, 5. Mai. Bor einigen Jahren wurde einmal in Ihrer Zeitung mitgetheilt, daß unser ©teuer* bezirk in Bezug auf da-Zahlen einer der besten tm ganzen Lande wäre. Diese- Lob hat sich der Bezirk auch für do- Steuerjahr 1897 verdient, denn es ist auch in diesem Jahre kein einziger Posten zahlungsunfähig geworden. So etwa- macht un- nicht leicht ein anderer Bezirk nach.

X. Darmstadt, 5. Mai. Bon der heutigen Stadt- verordneren«Versammlung wurde eine Vorlage der Bürgermeisterei, die eine Ruhegehalt- und Hiuterbliebeuen- Bersorgung der städtischen Bediensteten und Arbeiter regelt, einstimmig angenommen in Erkenntniß der namhaften social- politischen Bedeutung. Die Pension beträgt nach lOjahriger Dienstzeit (Minimum) 25 pEt. des letzten DiensteinkommenS, mindestens aber 240 Mk. und kann bis zu 75 pCt., und zwar jährlich um 71/» pCt. steigen- der Bezug der Wtrtwen und Waisen 25 pCt. beS letzten DiensteinkommeuS ihres Er­nährers, mindesten- aber 180 Mk. Autographirte Wähler­listen für den 16. Juni herzustellen wuroe der Bürgermeisterei überlassen.

Frl. Boch war die kühle, verständige Sarah zugefallen.

Zu den bedeutendsten Werken auf dem Gebiete des socialen Dramas, an welche die Frankfurter Bühne sich in den letzten Jahren gewagt hat, gehörtBartel Tu ras er" von Philipp Langmann. Die Nachbarschaft von Haupt­mannsWebern" schadet dem Schauspiel nicht einmal, und das will schon etwas heißen. Der Ausstand der Färber in einer Baumwollenfabrik, der hier geschildert wird, nimmt weniger al» Massenbewegung wie von seiner rein menschlichen Seite das Interesse gefangen. Weder sociales Tendenzstück, noch sentimentales Rührstück ist derBartel Turaser" und doch werden uns im 3. Act die Augen feucht, ohne daß wir uns der Thränen nachträglich zu schämen brauchten. Ein Character zu bleiben, wenn das Nothwendigste im Hause

totale» an» proolttjieUe.

Aus dem BogelSberg, 5. Mai. Zu Anfang des dies- jährigea KartoffelyandelS war die Meinung verbreitet, die Kartoffeln würden, da in der Wetterau geringere Bor- räthe vorhanden, sehr theuer werden. Wenn auch in der That die ersten Kartoffeln zu hohen Preisen abgesetzt wurden, so find doch jetzt letztere beim Hauptverkaus auf normalem Staub stehen geblieben. Dabet ist daS Angebot aus dem Hauplkartoffelmarkt zu Grünberg so stark, daß ost die Nach­frage überboten und viele Kartoffeln bi- zum nächsten Markte zurückqestellt werben. Durchschnittlich wiro der Dopprlceutner mit 6,50 Mk. bezahlt, daS ist gewiß kein ungewöhnlicher Preis. Wer die Ausdehnung de» Ankauf- von Sctzkartoffeln in jedem Frühjahr m unserem westlichen und nordwestlichen BogelSberg kennt, der muß sich sagen, daß für Beschaffung dieser Kartoffeln alljährlich eine recht respektable Summe aufgewandt muß, muß die der Wetrerauer eben nicht bloß nicht aufzubringen braucht, sondern dafür auS seinem Kar­toffelverkauf noch eine ganz erkleckliche Einnahme zu erzielen Gelegenheit hat.

TraiS-Horloff, 4. Mai. Heute verunglückte da­hier der Maurer Gerhardt von Inheiden, welcher an einem Neubau beschäftigt war, indem er von dem Gerüst fiel und dabei da- eine Bein brach und zwar so unglücklich, daß dasselbe im Hungener Krankrnhause, wohin er verbracht wurde, amputirt werden mußte. In diesen Tagen wurde die in unserer Pfarrkirche befindliche Orgel renovirt. Die­selbe ist jetzt 120 Jahre alt, besitzt jedoch noch immer einen guten Klang und gereicht unserer Pfarrkirche zur Zierde.

-g- Hungen, 5. Mat. Daß die verschiedensten Gemeinden

Die Militärstrafproceßordrrung.

Nur kurze Zeit '.st es her, da schienen die Aussichten auf eine Durchführung der Reform des Militärftrafproceffes gleich Null zu sein. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie zahlreich die Differenzpunkte waren, welche in der erst n Commissionsberathung zwischen den Anschauungen der Re­gierung und den Wünschen der Reichstagsmajorität hervor­getreten waren, dann ist die Genugthuung um so größer, daß das schwierige Werk doch noch gelungen, daß ein ConflictS- punkt von der Tagesordnung verschwunden ist, welcher an­gesichts der bevorstehenden Wahlen von großer Bedeutung und man kann es ruhig zugestehen auch verhängniß- voll hätte werden können. Mit großer Freude wird jeder wahre Vaterlandsfreund den Beschluß des Reichstag» am Mittwoch ausgenommen haben, umsomehr als die Majorität 177 gegen 83 Stimmen angesichts der besonderen Umstände immerhin erheblich genannt werden kann. In letzter Stunde war bekanntlich noch ein Compromiß zu Stande gekommen zwischen Centrum, Nationalliberalen und den beiden conservatioen Parteien, wodurch die strittigsten Punkte be­seitigt wurden und eine Einigung über den ganzen Entwurf erzielt worden war. Die vereinbarten Anträge betrafen hauptsächlich die militärgerichtliche Zuständigkeit während des ersten Jahres nach der Entlassung aus dem Militärdienst- verhältniß für Beleidigungen und Herausforderungen mili­tärischer Vorgesetzten wobei eine Ausnahme für Beleidig­ungen durch die Presse gemacht wurde, ferner die Be- fchränkung de» juristischen Elements in den Kriegsgerichten auf einen Kriegsgerichtsrath, jedoch mit Ausnahme der schwersten Fälle, und den Ausschluß der Festnahme von Offizieren in Uniform, soweit es sich nur um Vergehen handelt.

Die Zuversicht, welche der Kaiser in der Thronrede bei Eröffnung de» Reichstags am 30. November v. I. aussprach, daß die Abgeordneten dem Bestreben, ein gleichmäßiges gerichtliches Verfahren für die gelammte bewaffnete Macht einzuführen, ihre Mitwirkung gewähren würden, hat sich erfüllt; die Regierung hat einen großen Erfolg errungen, und der Reichstag hat sich ein Denkmal weiser Mäßigung und politischer Klugheit gesetzt.

Bekanntlich datiren die Wünsche nach einer Reform des MilitärprocesseS weit zurück - seit Jahrzehnten wird eine solche angestrebt, aber erst in den letzten Jahren waren die For­derungen so dringlich geworden, daß die Regierung ans Werk ging und das jetzige Gesetz ausarbeiten ließ. Es war nur zu natürlich, daß mit der Fertigstellung des Bürgerlichen Gesetzbuches der Wunsch reger wurde, auch dem im Militär-

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verhältniß stehenden Staatsbürger die Segnungen einer Rechtsprechung nach modernen Anschauungen zu Theil werden zu lassen, und das Bürgerliche Gesetzbuch wäre schwerlich so glatt zu Stande gekommen, wenn nicht der Reichskanzler am 18. Mai 1896 jene bekannte Erklärung abgab, die den nun glücklich unter Dach und Fach gebrachten Entwurf in bestimmte Aussicht stellte.

Die schweren Kämpfe, welche sich in unserer inneren Politik an jene Erklärung knüpften, sind noch in frischer Erinnerung; sie werden aber vergessen werden angesichts der Thatsache, daß Deutschland jetzt ein anderes Recht für Heer und Marine hat. welches auf die besonderen militärischen Verhältnisse Rücksicht nimmt. Hoffentlich führen auch die Verhandlungen mit Bayern wegen de» obersten Gerichtshofes zu einem guten Ende, ohne daß ein Stachel in den Bezieh-

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Vermischtes.

* Fronhauseu, 4. Mai. Da- einjährige Söhnchen eine- hier bei Herrn Lauer bediensteten Knechte-, welche- auf dem Hofe des Hrrrn L. einen Hund verfolgte, wurde von diesem derart in die Hand gebissen, daß der herbeigerufeue Arzt Blutvergiftung feststellte. Der beißende Hund hielt eine Ratte in der Schnauze, die vergiftet worden war. Durch den Biß wurde die Vergiftung übertragen. Kurz vor Einlaufen eine» Zuge- in beo hiesigen Bahnhof fiel ein jeden­falls tm Schlafe gewesener Bremser von semem Sitze. Der Arme, welcher schwere Verletzungen erlitt, wurde in die

Schisssnacherchte«.

Der PostdampferNoordland" der »Red Star 2toe* In Ant­werpen ist laut Telegramm am 3. Mai wohlbehalten in New- Aork angekommen.

w Ostasieii sicher fernen. -^HLorstavd.

LV.

I fehlt, das von einem schweren Typhus langsam genesende > Kind kräftige Nahrung haben soll, die Mutter mit ein paar Kreuzern nach Hause kommt, während der Vater im Strike, ) das mag wohl recht schwer, wenn nicht fast unmöglich ! sein. Bartel Turaser hat dennoch das Zeug zu einem Mann j von festen Grundsätzen. Aber als die Versuchung zu stark an ihn herantritt, als es sich darum handelt, vor Gericht zu beschwören, ob es wahr fei, daß der Färbermeister Kleggl, der vor dem Fadrikherrn stet» katzenbuckelt und die Arbeiter schindet, tüchtige Arbeiterinnen deshalb entlassen habe, weil sie ihm nicht zu Willen gewesen, oder durch eine aus­weichende Antwort den Schurken, der 200 Gulden baar hin­zählt, entwischen zu lassen, erliegt er derselben und handelt gegen sein Gewissen. Die Nahrungssorgen ist er jetzt zwar los, ja Brod und Fleisch ist in Fülle in fein Haus ge­kommen, aber nun hebt anderes Leid an. Wenn der Vor­hang zum 3. Act aufgeht, sieht man aus Turasers Wohnung zwei kleine Särge hinaustragen. Den Kleinen ist der plötz­liche Ueberfluß, an den sie so gar nicht gewöhnt waren, zum Schaden gediehen. In stumpfem Brüten beugt sich Turaser dem Schlag. Er nimmts als gerechte Vergeltung dafür, daß er die Genossen vrrrathen hat, und läßt sichs auch nicht ausreden, als von diesen Einer nach dem Andern zu ihm kommt sein Unglück hat sie mit ihm versöhnt und ein paar TrosteSworte spricht. Seine Buße dünkt ihm erst dann vollendet, wenn er sich selbst vor Gericht des falschen Zeugnisses zeiht und auch die weltliche Strafe auf sich nimmt. Der Weg zu diesem Entschluß wird vom Dichter mit großer, ergreifender Wahrheit und Einfachheit vorgeführt. In seiner sittlichen Klarheit istBartel Turaser" ein Meisterstück, und man kann sich nur aufrichtig freuen, daß ein solches Schauspiel auch beim großen Publikum Eingang gefunden hat.

einflussung gar nicht die Rede fein kann, das Publikum wird, f ähnlich rote dem weisen König Salomo in dem Hcyseschen durch die Aehnlichkeit der Fabel verführt, doch^fofort Vergleiche i Drama. Aus dem Schwanken und der Unschlüssigkeit kommen beide biblische Helden nicht heraus. Mit der nicht eben dankbaren Aufgabe hatte Herr Bauer sich abzufinden.

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Sarah und seinem Kebrweibe Hagar. Romandichter haben sich schon vor längerer Zeit des Stoffs bemächtigt, den Eonflict aber in die moderne Welt versetzt. In der Novelle j von Julius GrosseDie neue Hagar" spielt sich die Geschichte !

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Feuilleton.

.frankfurter Theaterdrief.

Ortgtnalbericht für denGießener Anzeiger".

(Nachdruck verboten.)

Der Holling. Hagars Liebe.Bartel Turaser".

Dr. M.Der Halling" ist die dritte Opernneuheit, welche die Frankfurter während dieser Saison herausgebracht haben. Das Werk mit feinem veristifchen Inhalt hätte viel­leicht vor derCavalleria" einen aparten Reiz ausgeübt, jetzt trägt es an dem Loos der Epigonen. Mag der Musiker Anton Eberhardt mit der Partitur auch fast schon fertig gewesen sein, als der Einacter des italienischen Collegen feinen Siegeszug durch die Opernwelt hielt, mithin von einer Be-