‘Stelly Nung ’tMe*
Ducert,
b Mtittfui,
Mllag.
dm Unttrjei^neta
Arbeitszeit «fc l für dieselbe glei^
Mörtels, ©aha werben auf Wirrung vorbehaltni.
8671 'öder Seeger Seum Streit j Thomas Fopkeo Uhlmann & C. Weib Walluf Zillinger in & Kreh Eyssen Heilmann Hermann Hämel Jungels Knecht brüder Leite ' Schwartz Schnabel
N. Reinhardt i. Thoma Steyer.
M
jun,, Leip j pomade und indes?» 1 nicht an haltenden* tänden in °°Id' L • etc. ein ..
Vussehen verleg „d. « 5 6en‘* seine» vot» enäctafte» sännt Büxub»bel
elfen
U\ s: r\ «’
Li 5?
I 8:
\k
'M s:
O nj
fcÄ r
ALr. 208 Erstes Blatt.Dienstag den 6. September
1S98
triftet tägNch
■ut Luönahmk dr»
Blontagl.
Die Gießener >amtrten • f Atte r Werden dem Anzeiger »dcheutlich viermal kiflekflt
Meßmer Anzeiger
gtn*6*yrcU vierleljihrlich
2 Mark 20 Plg. monatlich 76 PsG. mit vrmgerloß«.
Bei Postbezug 2 Mark 60 Ps,. nirNrljshrNch.
Annatzm« Anzeigen zu der Nachmittag» für den gntgeodev Tng erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.
Keneral-AnMger
Alle Anzeigen.Bermittlungsstellen de» In- und flulleebtl nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger -nkgeHW.
Amts- und Zluzeigeblutt füv den Kreis Gieszeu.
BrtTrt—, Expedition und txndrm:
Och-tSr.ß« Nr. 1.
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Fernsprecher Nr. 51.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
betr.: Die Großh. DistrictS-Etnnehmerei Grünberg.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kevntniß, daß in« folge Beurlaubung bei Großh. Districts-Einnehmers Rendanten Müller zu Grünberg durch Bersügung Großh. Ministeriums der Finanzen, Abiheiluna für Tteuerwesen, vom 25. v. Mts. der Großh. Steucrassessor Kuab mit der interimistischen Verwaltung der Großh. Districts-Eionehmerei Grünberg be- austragt worden ist.
Gießen, den 3. September 1898.
GroßherzogltcheS Kretsamt Gießen. ____________________v. Bechtold.____________________
Bekanntmachung.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntntß, daß die der Oksterreichischen Versicherungsgesellschaft „Donau" in Wien ertheilte Erlaubntß zum Betrieb des Lebensverficherungs« ge chästes im Großherzogthum Heflrn erloschen ist.
Gießen, den 3. September 1898.
Großherzogliches KreiSantt Gießen. ____________________v. Bechtold.____________________
Gießen, den 1. September 1898.
Betr.: Die Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschulen.
Die
Grotzh. Kreis-Schnlcommission Gießen
an die Schulvorstände des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche mit unserer Auslage vorn 9. August d. I. (Anzeiger Nr. 187) noch im Rückstände find, werden an deren Erledigung mit Frist von acht Tagen erinnert.
v. Bechtold.
Zum rusfischeu Abrüstungsvorschlag
schreiben die ,M. N. N.".
Die „Daily News" bringen folgende, angeblich aus -erster Quelle stammende Mittheilung zur Geschichte der Czaren Botschaft. Der Czar thetlte darnach persönlich Kaiser Wilhelm seine Absicht mit, der indeffen seine Metnung reser- ttirre. Oesterreich und Frankreich wurden vorher gewonnen End deren Unterstützung gesichert. Überhaupt gor nicht be« echtet wurden Großbritannien, Italien und die Türkei (sowie natürlich die kleinen Mächte), sodaß diesen drei Mächten der Vrlaß vollständig überraschend kam und unter ihren Diplomaten große» Aufsehen erregte. Der Czareo-Vorschlag sei in Wirklichkeit nicht», al» die Wiederaufnahme eine» alten Projekts Alexanders III., da» dem Kaiser Friedrich einige Zett vor seinem Tode mitgetheilt, der Oeffeotlichkeit aber »amals vorenthaltev wurde, weil der leidenschaftliche Zustand »er Bolksmeioung in Frankreich bezüglich Elsaß Lothringen Itc» aussichtslos erscheinen ließ.
Rußland war benachrichtigt worden — immer nach den „Daily News" — daß Großbritannien durchaus eotschloffen fti, China eine vollständige militärische und navale Organi« frtion auszuoctroirrn. Die Demonstration der britischen Flotte vor Taku stand dem Ezaren vor Augen- dazu kam noch laß das dorausgesehene Erscheinen der vereinigten Staaten dl eines aktiven Theilnehmers in der internationalen Politik L:r Zukunft, und das Erwachen der japanischen Macht, von cerschiedenen europäischen Großmächten all nicht ohne Gefahr für den zukünftigen Frieden Europol in Bctracht gezogen war, sofern das gegenwärtige System beibehalten würde. Der Czar wollte deshalb die Zukunft schirmen, und dal mög- licht Uebel au der Wurzel treffend, el beseitigen. Daher der Glan einer neuen heiligen Allianz zwischen den Großmächten, tut den Eifer der Neuen Welt, ihren älteren Genoffen nach- zrstrebrn, abzuschwächen. Rußland appellirt an Europa im Allgemeinen einschließlich Großbritannien», eben weil e» einen Lonflict mit England in China zu vermeiden wünscht. Sollte tme Verständigung erreicht werden, so würde ein Vorschlag ti: gleichzeitiger Abrüstung folgen. Fall» vier Großmächte einig würden, so heißt e», würde die Conferenz stattftaden, se bst ohne Zustimmung der übrigen. Darin möchten in diesem Kille die Elemente weiterer Schwierigkeiten sich finden um bie lichten Visionen, welche die Czarenbotschaft geboren, zu verscheuchen.
Uuser Loukouer Correspondrnt übermittelt un» ein Ge
spräch, da» er mit einem alten Diplomaten über die Czaren« botschaft hatte. Er schreibt un»: Ich hatte eine Reihe ver«
Stotz. Nachdem der Reichscommiffar einen Urberblick über den gegenwärtigen Stand der Au»stellung»vorbereitungen ge«
geblicher Versuche gemacht, einige der wenigen leitenden Diplomaten zu sprechen, die gegenwärtig noch in London sich befinden, als ich einen der Bedeutendsten schließlich zu Hause traf, der, wie kein Anderer, in voller Sachkeuntniß sich zu äußern vermochte, da er selbst über 14 Jahre lang Nico« laus II. aus nächster Nähe kennen zu lernen Gelegenheit hatte. „Der Grundgedanke del Documentel ist zweifellos ganz und gar des Czaren Eigenthum", sagte er mir. Nicolaus II. ist nicht demonstrativ, aber auf seine Weise ein Philosoph, der zu fühlen versteht. Bor einigen Jahren befand ich mich in de» damaligen Czarewitsch Privatzimmer in Zarskoft-Sselo während deffen Abwesenheit. Ich sah au» dem Fenster, als plötzlich eine Hand mich leicht berührte- der Czarewitsch stand neben mir. „Ich dachte eben", bemerkte ich, „welche Gefühle mögen einen 24jährigen jungen Mann bewegen wüffen, der diesen Palast, diese wundervollen Gärten sein Eigen nennt, der die schönste Frau unter den Prinzes« sinnen Europas nur zu wählen braucht, der weiß, daß früher oder später Millionen seinem leisesten Winke gehorchen werden". Der Czarewitsch blieb einen Augenblick stumm, dann sagte er: „Haben Sie auch an die Verantwortlichkeit gedacht, die alle diese große Macht mit sich bringt?" und Thränen brachen au» seinen Augen. Denn Nicolau« II. ist äußerst sensitiv. Am Abende jene: schrecklichen Catastrophe in Moskau ge« legentlich seiner Krönung, war er wie vollständig schmerz- und schreckenzerschmettert. „Ich Hobe ein Gefühl, als hätte ich Jeden dieser armen Leute getöbtet, wir ist, als ob jeder Tod auf mich fällt." Eine« Tage«, al« wir von den Schrecken des Krieges sprachen, wärmte einer der Höflinge die alte Theorie wieder auf, daß gewisse Krankheiten und Epidemien in zwei Monaten wehr Menschen dahinraffen, al« der schrecklichste Krieg in einem halben Jahre. „Da« ist wahr", warf der Czarewitsch ein, „aber Epidemien wirken nach dem Grundsatz, daß der Tüchtigste und Kräftigste sie überlebt, während der Krieg, offenbar im geraden Gegensatz hierzu, die Blüthe einer Nation dahinrafft".
Aus demselben Jdeengang ist die Czarenbotschaft hervorgegangen, denn man mag sagen, was man will, die Last der Rüstung wird io Rußland weniger gefühlt, als irgendwo sonst in Europa. Rudini wollte vor einigen Jahren die italienische Armee reduziren- aber Italien ist nicht in der Lage, einen solchen Vorschlag zu wachen, viel weniger durch- zusühren. Dem einzigen Souverän, dem man in dieser Frage noch Gehör schenken würde, dem Deutschen Kaiser, ist aus vielen Gründen die Zunge gesesselt. Der erste derselben ist keineswegs, wie Sie meinen, die Rücksicht auf Frankreich, obwohl e« auf der Hand liegt, daß die Frage Elsaß-Loth- ringens in irgenb einer Weise geregelt werden müßte, ehe man auch nur an die Vorbesprechungen der Abrüstung herantreten kann. Der Hauptgrund für den Kaiser und seine Räthe ist, daß der dreijährige Dienstzwang mit seiner Disziplin in der Hauptsache nichts Geringeres ist, all ein prophylaktische! Mittel gegen den SocialiSmu». Ich sage dal nicht leichthein. Während ich in Petersburg war, hörte ich eines Abends Herrn v. Bülow, den gegenwärtigen Minister des Aeußern, sich in diesem Sinne aussprechen."
Deutscher Reich.
Berlin, 3. September. Weltausstellung 19 00. Am 27. v. M. fand unter dem Vorsitz des ReichScommtssars für die Weltausstellung in Paris, Geh. Regierungsrath» Dr. Richter, eine Sitzung des Arbeitsausschusses der kunstgewerblichen Commission behufs weiterer Berathuog über die Ausgestaltung der deutschen kunstgewerblichen Abtheilung in Paris statt. Außer den Mitgliedern des ReichscommissariatS nahmen an derselben folgende Herren Theil: aus Berlin: Geh. RegierungSrath Dr. Heinecke, Director der königl. Porzellan-Manufactnr, Geh. Hofbaurath Ihne, Director Dr. Jeffert, Professor Kips, Baurath Kullwanu, Wirklicher Geh. Oberregierungsrath Lüders- ans Bonn: Commerzien« rath Guilleaume - auS Söln: Direktor Ziegler- au» Dresden: Geh. Hosrath Direktor Professor Grass, Hoftath Professor Gurlitt- au» Hamburg: Direktor Professor Dr. Brinckmann- au» Karlsruhe: Geh. OberregieruugSrathBraun- aus Leipzig- Direktor Dr. Graul - au« Mettlach a. d. Saar: Commerzien- rath v. Boch - aus Meißen: Oberbergrath Brunnemann, Direktor der königl. sächs. Porzellan-Manufaktur in Meißen - au» München: Direktor Profrssor v. Lange, Professor Emanuel Seidl, Professor v. Thiersch- aus Planen i. B.: Hosrath Professor Direktor Hofmann- aus Stuttgart: Fabrikant
geben, machte er nähere Mittheilnogen über die in großer Zahl eivgkgaogeveo Anmeldungen auf dem Gebiet be» Kunst- gewerbes, bie schon jetzt erkennen lassen, baß in allen Theileu des Reichs mit regem Eiser und vollem Derständniß für bie Bebeutung der Deutschland» auf der Ausstellung zufallenben Aufgaben gearbeitet wirb. Im Anschluß hieran erläuterte Professor Hoffacker an der Hand der kürzlich von der französischen AuSstellungsleitung eingesandten Pläne für bas zur Aufnahme der Erzeugniffe des Kunstgewerbes bestimmte, auf der „Esplanade deS Invalides" belegene Gebäude ben von ihm ausgestellten Entwurf für die Platzeintheilung und die räumliche Gestaltung der deutschen kunstgewerblichen Ab- theilung. Der Deutschland zugewiescne Raum ist theil» im Erdgeschoß, theil» auf den durch da« ganze Gebäude sich erstreckenden Galerien belegen. Deutschland beabsichtigt, eine geringe Verschiebung der sranzöfischerseits geplanten, zur Galerie emporführenden Treppe vorzunehmeo und diese nach einheimischen Motiven in dekorativ gefälliger Form auszugestalten. An den eingehenden Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Besprechung an, an der sich zahlreiche Herren beteiligten. Die Grundideen de« Hoffacker'schen Plane» fanden einstimmige Anerkennung, und e» wurde dem ReichScommissar der dringende Wunsch ausgesprochen, sich baldigst der Zustimmung der französischen AuSstellungrieitung zu diesem Plan — soweit eine solche Zustimmung überhaupt erforderlich sei — zu vergewissern. An die mehrstündige Sitzung schloß sich ein Frühstück, bei welchem Professor v. Thiersch au» München iu warmen Worten der Thätigkeit des Reichscomwissars gedachte und der Ueberzeugung Ausdruck gab, daß auf den gewonnenen Grundlagen dank dem einmüthigen und vertrauensvollen Zusammenarbeiten der kunstgewerblichen Kräfte aus allen Theilen de« Reiche« ein erfolgreiches Auftreten Deutschlands in Paris zuversichtlich erhofft werden könne.
— Großes Aufheben wie von einem SensationSereigniß ersten Ranges macht die englische Presse von der aus London stammenden Nachricht, daß soeben ein politisches Abkommen zwischen Deutschland und Großbritannien getroffen worden sei. Es gibt kaum eine Frage, die nicht al« Vertragsgegenstand genannt wird. Aegypten, China, bie Delagoa-Bai, Elsaß Lothringen, ber Abrüstungsvorschlag, Erwerbungen Deutschlands in Kleinasien und endlich sogar ein allgemeines deutsch englisches Schutz- und Trutzbündniß spielen in der kühnen Einbildungskraft der englichen Bermuthungl- politiker eine hervorragende Rolle. In Deutschland sehen unterrichtete politische Kreise die Angelegenheit viel ruhiger und kühler an. Die Thatsache, daß in London Besprechungen zwischen dem deutschen Botschafter Grafen Hatzfeldt und dem englischen Auswärtigen Amt stattfanden, ist unbestreitbar. Die Möglichkett, daß sie zu bestimmten greifbaren Ergebnissen geführt haben, ist nicht ausgeschlossen. Nach Mittheilungen, die offenbar aus Kreisen stammen, die Fühlung mit dem Berliner Auswärtigen Amt besitzen, handelt e« sich nur um eine einzelne Abmachung colonialer Natur, durch welche die Stellung der Mächte im Uebrigeu nicht berührt wird. Auch dürfe insbesondere als gewiß gelten, daß russische Interessen dabet in keiner Weise verletzt werden. Ausdrücklich wird bestritten, daß die Palästina-Reise des Kaisers und angebliche deutsche Gebietserwerbungen in Palästina, von denen natürlich gar keine Rede ist, Gegenstand des Vertrages bildeten. Es liege dagegen die Bermuthung nahe, daß der Vertrag eine Auseinandersetzung der englischen und deutschen Inter« essen in Afrika enthalte. Die ägyptische Frage sei indessen nicht damit gemeint, was ja auch erklärlich sei, da England einerseits seine Herrschaft über Aegypten In einer Weise befestigt habe, daß es der deutschen Unterstützung dort völlig entrathen könne, und andererseits der Dreibund ja auch niemals Miene gemacht habe, den Engländern in Aegypten Schwierigkeiten zu machen. Dagegen könnte der Hinweis englischer Blätter auf die Delagoa-Bai vielleicht das Richtige getroffen haben, zu deren Abtretung an England die portu« giesische Regierung in jüngster Zeit größere Geneigthett als ftüher zeigte. — Wir geben diese Mittheilung zunächst rein berichtigend wieder, ohne derzeit die naheliegende Frage beantworten zu können, ob bei der bezüglichen Abmachung mit England auch das colonialpolitische Interesse zur Genüge gewahrt werde. Bezeichnend ist jedenfalls, daß die öffentliche Meinung auf ben Schritt vorbereitet ist unb bie Meldung allgemein mit Befriedigung begrüßt, wobei nur Bedauern geäußert wird, daß es sich wahrscheinlich nur um ein theil- weises Abkommen und nicht um ein allgemeines Bündniß handelt.


