Ausgabe 
3.11.1898 Zweites Blatt
 
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die kleine englische Enclave der Walfischbai, deren Hafen immer mehr und mehr der Versandung eutgegeugeht, hat jetzt für Deutschland gar keinen Werth mehr. Früher, in den ersten Anfängen der Entwickelung von Drutsch-Südwestafrika, wäre die Walfischbat für uns von größter Bedeutung ge­wesen ; aber heute, wo der Auebau des Hafen- von Swakop- «uud rüstig fortschreitet, wo für diesen Ort bereit- bedeuten­de- deutsche- Capital geopfert ist und wo von Swakopmund au- die Bahn in- Innere geht, bedeutet die Walfischbai für Deutschland nicht- wehr. Für England selbst ist sie lediglich eine Last, da fie kein Hinterland besitzt und dem Hafenplatz der Anschluß an die deutsche Bahnstrecke von Swakopmund verwehrt ist. Die Walfischbai in englischen Händen kann jedoch unter Umstanden für uu- sogar werthvoller werden, als in deutschem Besitz, insofern nämlich fie für spätere Zeit al- Compensattousobject für den Anschluß einer zu erbauen­den deutschen Bahn bi- zur Grenze de- LaplaudeS dienen kann. Aber auf ein solche- Tauschgeschäft, wie dieFort- nightlh Review" vorschlägt, wird in Deutschland kein einziger Colouialpolitikrr einzugehrn anrathen.

Die Fafchodafrage scheint mitten in der Lösung be« griffen zu sein. Major Marchand hat bereit- da- von ihm besetzte Land verlaffen. Er ist auf dem Wege nacb Kairo, und da er von dort direct nur mit englischer oder ägyptischer Hilfe nach Faschoda zurückgeheu könnte, so dürfte wohl al» au-geschloffeu gelten, daß er vilaufwärts zurückkehreu wird. Der Weg vom Congo au-, den er mir solchem Erfolge und mit solcher Ausdauer zurückgelegt hat, dürfte ihm zum zweiten Male wohl zu umständlich sein. Die frauzöfische Regierung läßt zwar versichern, daß fie drm Major Marchand nicht den Befehl gegeben habe, Faschoda zu verlaffen, daß er vielmehr auf eigene Hand gebandelt habe- um so will« kommener wird ihr also jetzt diese E genwächtigkeit de« unter­nehmenden Offizier- sein, denn fie kann jetzt vor der Kammer die Verantwortlichkeit sür diesen Schritt ablehnen, und auf der anderen Seite ist ihr jetzt um so leichter die Möglichkeit geboten, fich mit England zu verständigen, ohne daß da- Kriegsbeil allzu sehr geschwungen wird. Der ganze Verlauf der Angelegenheit bestätigt, wie recht alle unbefangenen Beobachter de- großen SäbelraffrlnS in London und Pari- Hatten, als fie fich dadurch in der Ueberzeugung nicht beirren ließen, daß die Fafchodafrage nicht zu einer Friedensstörung führen werde.

Fulda, 28. October. Aus Anlaß der heute stattgefun« denen Btfchof-wethe hatte, wie dieKöln. Bztg." aus­führlich berichtet, unsere Stadt reichen Festschmuck angelegt. Um 8 Uhr setzte fich heute Morgen der Festzug von der Stadtpfarrkirche au- in Bewegung. Au demselben bethei- ltgten sich die oberen Klaffen der Schuljugend, die katholi­schen Vereine mit ihren Fahnen, die Bürgerschaft, auswärtige Festtheiluehmer und Vereine, ein Musik-Corps, die höheren Schulen, Barmherzige Brüder, der Franziskaner Convent, da- Alumnat, die Patre- Oblaten von Hünfeld, der Curat« eleru-, da- Domcapitel und die fremden Dignitare, Dom« decan Walter und Dowcapitular Hilpisch von Limburg, Dr. Otto und Dr, Werthmanu von Freiburg und Dom- capitular Dr. Raich von Mainz. Der lange Zug ging an der Fassade de- Dome- entlang durch den Hof des btschöf« ltcheu Palais. Hier begaben sich der Herr Confecrator, der Fürstbischof von Breslau, Cardinal Kopp, die hochw. Herren Vuffraganbischöfe Haffner von Mainz und Willi von Limburg al- Asfisteuten, sowie der neu zu weihende Bischof Adalbert unter den Baldachin. Unter Musik und Gesang ging der Zug zum hohen Dome, der heute sein Frstgewand angelegt hatte. Von weltlichen Würdenträgern hatten fich zur Feier im Dome bereit- eiugefunden der Herr Oberpräfident der Provinz Hessen« Nassau, Magdeburg, von Caffel, ein Vertreter der großherzoglich-weimarischeu Regierung, mehrere Ober- ReaierungSräthe usw. und eine große Menge von Gläubigen. Nach der Beendigung der bedeutungsvollen Ceremouien der heiligen BtschosSweihe folgte die Inthronisation der neuen Oberhirten und die Huldigung der zahlreich anwesenden Dtöeesau-Geistlicheu, worauf Bischof Adalbert die Kanzel bestieg, um die ersten oberhirtlichen Worte au seine Heerde zu richten. Nach Vollendung der kirchlichen Feier wurde der neue Oberhirt in Procesfion zum Portale der Caihedrale ge­leitet, wo die Wagen bereit standen, welche die Herren Bischöfe tu ihre Wohnungen bezw. zum bischöflichen Palais zurück« brachten. Von 1 Uhr ab nahm Herr Bischof Adalbert die Gratulationen der Vertreter der Regierungen, der Behörden, Vereine und einer größer« Anzahl Privatpersonen entgegen, wobei er für Alle freundliche und liebevolle Worte hatte. Um 3 Uhr begann im RefectoriumS«Saale der Priester- Seminars da- Festessen mit 160 Gedecken. Au demselben nahmen die anwesenden Bischöfe, die Vertreter der Staats- regteruug, zahlreiche Mitglieder des CleruS und der Spitzen der Behörden aus hiesiger Stadt Thetl. Im Hintergründe waren, prächtig mit Blattpflanzen und Blumen geschmückt, die Statue des h. Bonifatius und zu beiden Seiten die Büsten von Papst und Kaiser gruppirt. Es entwickelte fich gar bald eine festrSfrohe Stimmung, die durch die aus- gebrachten officielleu Toaste des neu geweihten Bischofs Adal­bert, de» Oberpräfideuten Magdeburg, des Cardinals Kopp, de- Oberbürgermeisters Dr. Antoni, des Vertreters der weimartfchen Regierung usw. ihren Höhepunkt erreichte.

* bluttgart, 29. Oktober. Heute Nachmittag fand im königlichen Refidenzfchloß nach vorauSgegaugener Ctviltrauuug die feierliche kirchliche Trauung de» Erbprinzen Friedrich zu Wied und der königlichen Prinzessin Pauline in Anwesenheit des KönigSpaare», sämmtlicher Prinzen und Prtnzrsfiunen deS königlichen Hause», der beiden Königinnen von Holland, der Herzogin von Albany, de» Fürsten Karl von Bentheim und anderer fürstlicher Gäste statt. Beim Rtngwechsel ertönte von den Bergen ein Kanonen« salnt und alle Glocken der Stadt läuteten. Das Neuvermählte Paar begab fich am Nachmittag nach Bebenhausen. Der

rStaatSanzeiger" meldet, der König hat «1t Ordre von heute den Erbprinzen Friedrich zu Wied zum Secoudelieuteuant ernannt und ihn A la suite de» Dragouer-Regimevt» König, Nr. 25, gestellt. Der König hat durch allerhöchste Ent­schließung dem Fürsten Wilhelm zu Wied und dem Erbprinzen Friedrich zu Wied da» Großkreuz deS Orden» der württem- bergischen Krone, sowie den Prinzen Wilhelm und Victor zu Wied daS Großkreuz des Friedrichorden» verliehen.

Als Opfer der Pflichttreue fielen, wie man au» BueuoS-Ahre» uuterm 30. September meldet, im Juni d. I. fünf argentinische Briefträger in den Schneeregionen der Cordilleren de Io» Aude». Da dieselben au ihrem Be­stimmungsorte in Chile nicht anlangten, so glaubte man all­gemein, fie seien allesammt mit dem Inhalte der Postsachen durchgebranut. Jetzt kommt die Bestätigung, daß alle acht Postsäcke in einem Anden-Paffe neben fünf Leichen aufgefuudeu wurden. E» steht daher fest, daß sämmtltche fünf Postboten entweder erfroren oder verhungert find.

* Mehrere TyphuSfalle wurden in jüngster Zeit durch den abnorm niederen Wafferstand und sonstige besondere Berhältniffe tu Sebentco (Dalmatien) und Umgebung ver­ursacht. Durch zum Waschen de» Schiffe» verwendete» See- waffer erkrankten, derPol. Corr." zufolge auf dem Bchifft- jungenschulschiffSchwarzenberg" in der Zeit vom 21. Sep­tember bis zum 17. Ociober von 288 Schiffsjungen elf am Typhus. Sämmtliche Fälle find leichter Natur- die meisten Erkrankten befinden fich bereits in RecouvaleScenz. Seit dem 17. October fand keine wettere Erkrankung statt- die getroffenen Vorsichtsmaßregeln waren vom besten Erfolge begleitet.

Die lepraahuliche Erkrankung einer Fran tu Ltpiue in Oberschleficn äußert fich, wie dieBrest. Zig." meldet, in knotenarttgen Erscheinungen au Armen unb Beinen- auch find die Finger und Zehen theilweise abgefallen. Nach dem gegenwärtigen Stande der Untersuchung, die aber noch nicht abgeschloffeu ist, handelt e» fich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nm die Lepra, sondern blos um eine lepraähnltche Er­krankung, wie fie häufiger vorzukommen Pflegt.

* Mehrere gefährliche Verbrecher find au« Strafanstalten ausgebrochen. Der Mechaniker Friedrich Böngartz aus Dorp ist an» dem Zuchthause zu Stegburg entwichen- er hatte noch bis zum 26. Februar 1903 zu fitzen. Aus der­selben Anstalt entkam der Schneider Michael Bucher zu Geislar, der noch sieben Jahre zu verbüßen hatte. Beide find sehr gefährliche Einbrecher. Auch der Gaftwtrth David Neumann au» Mühlbach, der wegen Morde« in vtriegan saß, ist noch nicht wieder festgenommen.

Aus dem Laude Tells. Neulich wurde in Atting- Hausen ((Santon Uri) ein Gemeinde-Schützenfest abgehalten. Die Gemeinde zählt etwa 500 Einwohner, wovon 184 de» Schießen- kundig find. Unter diesen 185 find 43 weibliche Schützen. Manche Frauen machten schöne Treffer, während ihre Männer fehlten. Den ersten Prei- errang Jungfrau Katharina Wirsch von 50 Punkten (Zweckschuß), fie ist die 14jährige Tochter de» Matthias Wirsch, der mit sieben Söhnen und drei Töchtern am Schteßstaud erschienen war. Diese SchützeusamUte hat nenn Gaben errungen.

* Die außergewöhnliche Wärme bei verflossenen September» bildete den Beanstand einer Untersuchung des belgischen Meteorologen B. Lancaster. Hiernach gleicht dieser Monat in Bezug auf Temperatur und Trockenheit drm September 1895, allein die Thatsache, daß au drei nacheinander folgenden Tagen, dem 7., 8. und 9., die höchste Tage-temperatur 30° C. überstieg, steht einzig da. Zwischen dem 5. und 10. September überstieg die mittlere Temperatur die normale um volle 5 bi» 6°, dann sank die Wärme, stieg aber vom 14. an für mehrere Tage wieder auf 30° C. und sogar darüber. Die höchsten in Belgien beobachteten Temperaturen des verfloffenen Sep­tember» waren: in Ostende 32,7°, ia Gembloux 33,0°, in Hechtel 34,00 in Haffelt 32,7°, in Lüttich 32,4°, an der Gileppe 32,0°, in Spa 30,8°, in Brüssel 31,9°. Nach dem 24. nahm die Temperatur erheblich ab und gegen Ende de» Monat» kamen in Belgien sogar Nachtfröste bi» zu3° E. vor. Hoher Barometerstand, heiterer Himmel und schwache Winde herrschten während de» September» vor und bildeten eben die Ursache der starken Temperatursteigerung.

Ein Hunde Testameut, da» in feiner Art ohne Beispiel dastehen dürste, hat eine au- zwei kinderlosen Eheleuten be­stehende Familie im Westen Berlin» deponirt. Die ge­dachten Eheleute haben dem Berliner Thierschutzverein die Summe von 60,000 Mk. zugedacht. Au» den Zinsen diese» Betrage- soll die gewiffenhaste Verpflegung de- Hunde», welcher in Privatpenfiou zu geben ist, bestritten werden. Natürlich nur sür den Fall, daß die Besitzer de- Hunde- da» Zeitliche segnen und dieser somit herrenlos würde. Stirbt schließlich der Hund auch, dann fällt sein Vermögen deffeu Verwalter, also dem Thierschutzverein, anheim. Ob die Schenkung der begeisterten Hundeltebhaber nicht von den Verwandten angefochten werden dürfte, steht auf einem anderen Blatt. Wie e» heißt, richtet da» Testament feine Spitze nicht ohne Absicht gegen die Verwandtschaft der Erblaffer. Der gedachte Hund ist ein kleines Thier, das einige 100 Mk. gekostet hat.

* DaS Land der Hohlen und Grotten. Palästina ist, wie kein andere» Land auf der Welt, mit Höhlen und Grotten gesegnet, welche theils von der Natur gebildet, theils durch Kunst hergeftellt sind. Schon im alten Testament werden zahlreiche Höhlen erwähnt: so die, in welchen die Kinder Israels sich vor den Midianitern verborgen hielten, ferner die, in welchen der Stamm Benjamin vier Monate lang im Gebirge Ephraim vor seinen Feinden gesichert blieb, dann die, welche in Jdumäa als beständige Woynungen dienten, sowie die, wohin Lot nach dem Untergang von Sodom floh, oder die bei Engeddi, wo David und Saul zusammen kamen, und zahlreiche andere. In der christlichen Zeit find dann noch viele hinzugekommen: so die Felsgrotten, welche als Geburt«, und als Grabstätten Christi verehrt werden, ferner unzählige Felsgrüfte der Patriarchen des Geschlechte« David,

der Könige von Juda, dann die Geburt«- und Grabeshöhlerr von fast allen heiligen Personen, wie St. Johannes, St. Maria, St. Anna u. f. w., dann die Höhlen, die bei der Verklärung, Himmelfahrt Jesu u. s. w. eine Rolle gespielt haben sollen, u. a. m. Dazu kommen noch die vielen Höhlen, in welchen Bäche plötzlich verschwinden oder aus welchen Quellen hervorsprudeln, wie Siloah, St. Saba u. a. Ein großer Theil dieser Grotten ist mit Kapellen und Altären bebaut, die manchmal wirklich Prachtbauten find; andere wieder dienten früher den Klausnern als Herberge. Die meisten Grotten werden noch heute von den frommen Pilgern bewallfahrtet.

* Hebet bettSachfmwald" bei Tar-eS-Salaam werben derDeutschen Col.-Ztg." folgende Mtttheilnngen gemacht. Zwischen bet von Dar-eS-Salaam nach Westen ziehenben Pugu-Straße unb der nach Süden gehenben Rustyl-Straße dehnt fich ein mächtige- Waldgebiet aus, seht mannigfaltig, hier hochstämmige Bestände, dort Buschwalb, dort wieder Lichtungen unb Wiesenstreifcn. Von diesem Walde hat die Forstverwaltung de- Gouvernements neuetding» eine Fläche von etwa 1500 Hektaroccupirt" und sür ihre Zwecke ein­gerichtet. Zwei Waldwärter find angestellt, die in hübschen mit Forstgatten umgebenen Forsthäusern den Wald hüten und zumal das Brennen verhindern. Die Eingeborenen er­achten jeden Wald als frei, und da fie mit ihrer primitiven Landwirthschaft den Boden rücksichtslos aufibeuten, fo brennen sie Jahr für Jahr ein angrenzendes Stück Wald ab unb be­nutzen bas frisch gebrannte vnb durch die- Asche gedüngte Neuland als Feld. Hierdurch kommt e-, baß einerseits der Wald immer mehr verschwindet, aubererseits selten ausge­wachsene alte Stämme zu finden find, da die Bäume durch Brand verkümmern ober eiugehen. Nur in einem unter steter Beaufsichtigung stehenden Waldgebiet ist eS möglich, die volle Entwickelung der Bäume zu beobachten, gute, brauchbare Holz­arten von schlechten zu sondern, Samen zu gewinnen unb sv mit der Zeit gute Bestände zu erzielen. Die- allrS wird in demSachsenwald" benannten schönen Walde avgrstrebt. Die Eingeborenen werden fern gehalten, keine Axt darf mehr an di? Bestäube rühren, Samenbeete find angelegt für werth­volle Holzsorteu, da» ganze Gebiet ist m.t Schneisen durch­zogen und so der Controlle leicht zu unterziehen. Die schönen Waldwege aber, die so entstanden find, kommen auch noch anderweit zur Geltung. Sie find al- Reitwege trefflich zu benutzen unb sinb da- Ziel der Europäer bet Hauptstadt, die zu Pferbe, zu Maulthter ober Maskatesel die in den Tropen fo notdwendige Bewegung hier fich zu verschaffen suchen. Wilde Thiere sind in der Nähe der Küste nicht zu fürchten. Da- Wild, da- sich hier dauernd hält und häufig angetroffen wird, ist da» Wildschwein. Die- ist zwar e ne Liebling-speife und Lockmittel für den Löwen- doch verscheucht der starke und laute Verkehr auf den beiden großen Straßen den Röntg der Thiere, und höchst selten wird ein Löwe in der Nähr Dar- eS-Salaam» gespürt. Dagegen streifen de- Nacht» Hyänen und Leoparden herum. Auf letztere übt der Biehkraal von Pugu eine starke Anziehung, unb häufig werden fie dort in Fallen gefangen. Selbst Schlangen von einiger Größe find zur Seltenheit geworben, und nur die Vogelwelt bietet dem Naturfreund unb dem Jäger Interesse.

Ein neuerKaspar Hauser". In Neßlau im Tog- genburg (Canton Sr. Gallen) ist ein etwa 6Ojähriger Mann gestorben, über besten Herkunft unb Jugend ein räthselhaste» Dunkel liegt. Er war seit 1853 Insasse der Armenanstalt tu Neßlau unb unter dem NamenSehmer" im ganzen Toggeudurg als geheimnißvolle» Wesen bekannt. Er wurde im Anfang der fünfziger Jahre al» etwa fünfzehnjähriger taubstummer und halb verwilderter Bursche auf dem Selun in Obertoggendurg aufgefangen und dann al» Hrimathloser der Gemeinde Neßlau zugeschrieben. A te Männer, die noch von seiner Auffindung wisteu, erzählen, daß dieselbe eine eigentliche Hetzjagd gewesen sei. Da er stumm unb taub war, konnte mau nicht» über seine Herkunft erfahren- man gab ihm den Namen Johannes Seluner unb im Volk-mund galt e- allgemein als sicher, daß ber Unglückliche ausgesetzt worden und da» Opfer eines Verbrechen» sei. Ueber sein Verhalten iu der Armenanstalt Neßlau bringt derToggen- burger Anzeiger" intenffaate Mittheilungen. In seine« ganzen Wesen glich er einem halb verthierten Menschen unb man hatte Mühe, au« der affrnähnlicheu Physiognomie mensch­liche Züge herauSzufiaden. Nur die Augen seien prächtig unb lebhaft gewesen. Bis ins vorgerückte Alter war e» nie möglich, Seluner in Kleidung unb Nahrung menschenähnliche Gewohnheiten beizubringen. Er besaß eine gerabezu herkolische Kraft, die er an den Bäumen unb an ben Wahren an der Thur erprobte. Im Toggenburg wird erzählt, daß vor etwa zwanzig Jahren ein vornehmer Herr inS Thal gekommen sei unb alle Armenhäuser abgesucht habe. Al» er auch in Neßlau eintraf, sei Seluner, frenbige unb unarticulirte Töne auSstoßenb, auf ben Fremden losgestürzt unb habe mit thierischen Zeichen freudiger Ueberraschung de» Besuchers Knie umfaßt. Dervornehme Frembe" aber habe sofort mit ber Post da» Toggenburg wieder verlaffen unb fich seither nie mehr sehen lasten.

Univerfitätr-Nachrrchten.

Greifswald. Der außerordentliche Professor Dr. Richard Schmitt ist in gleicher Eigenschaft in die philosophische Facultät der Universität zu Bonn versetzt worben. Der bisherige ordent­liche Honorar-Professor D. Dr. Friedrich Giesebrecht zu Greifs­wald wurde zum ordentlichen Professor in der theologischen Facultät der Universität Königsberg ernannt.

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