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Nr, 52 Zweites Blatt. DonncMag den 3. März 1898
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Das Attentat
auf den König von Griechenland.
Unsere Zeit ist reich an Angriffen auf da- Leben der gekrönten Häupter und StaatSchef», besonder» in solchen Staaten, in denen die Parteigegensätze besonder- scharf ausgeprägt find, wo in dem Kampfe um die Herrschaft die Achtung und Ehrfurcht vor dem Gtaat-oberhaupte immer mehr untergraben wird. Zu denjenigen Staaten, in welchen die Dynastie anf sehr schwachen Füßen steht, gehört auch Griechenland.
Es ist noch in frischer Erinnerung, welch schweren Insulten die königliche Familie nach den Niederlagen der griechischen Armee au-gesetzt war- aber tu der letzten Zett war wieder eine Beruhigung der Gemüther eingetreten, so daß man allgemein überrascht war, al- die Meldung eintraf, am SamStag Nachmittag fei auf den König Georg ein Attentat verübt worden. Der Vorgang selbst ist ja bekannt, wir haben darüber im Depeschrntheile ausführlich berichtet. E- scheint ein Cowplott vorzvliegen, da mehrere Personen an dem An- schlage betheiligt find- ob aber ein politische- oder sonstiges Motlv für die That vorliegt, steht noch nicht fest. Bei dieser Gelegenheit wurde b-rkarutt, daß schon einmal der König daS Opfer eines Meuchelmordversuch- gewesen ist, al- er während des letzten Kriege- auf seinem Schlöffe Tatoi weilte, wo andern Hinterhalte auf ihn gefeuert wurde. Man hat die Suche bisher verschwiegen, fie wird aber jetzt über Kopenhagen, wo «an über die Vorgänge in Athen immer gut orienttrt ist, mitgeihellt.
Wir sagten vorhin, daß während des letzten KriegeS König Georg von seinem getreuen Bolle heftig angefetndet wurde. Man machte ihn unkluger Weise verantwortlich für den unglücklichen AuSgaug der Kriege- mit der Türkei, trotzdem der König lauge gmug gezögert hatte, ehe er dem stürmischen Drängen des Volkes nachgab und den Krieg erklärte. Eigentlich war es nur der Athener Pöbel, der den Krieg verlangte, da alle einfichtigen Elemente die Waghalfig- keit einer Herausforderung der Türket von vornherein erkannten. Daß der König die Gefahr nicht auch vorhergesehen hätte, läßt fich unmöglich annehmen, und deshalb muß ihm immer der Borwurf gemacht werden, daß er nicht mir aller Macht den Provocationen an der thessalischen Grenze, welche schließlich zum Kriege führten, Einhalt gethau, daß er ins- besondere nicht den Zug der Obersten Buffo» nach Kreta verhinderte, wodurch daS Völkerrecht dtrect verletzt wurde und fich Griechenland die Sympathien Europa» verscherzte. Wohlgemerkt, diesen Vorwurf kann da- Ausland gegen den König Georg erheben, aber nicht das Gro» de» griechischen Volker. Und wie dieses für seine Leichtfertigkeit schwer ge- büßt hat, so dürsten auch die Stunden de» Unglück- den König hart mitgenommen haben, welcher bereit» mehrmals den Gedanken an eine Ntederlegung der Krone ausge» sprachen hat.
Da» am SamStag verübte Attentat wird von allen Kreisen lebhaft verurtheilt und dürfte geeignet sein, dem Könige die Sympathien seines Landes und der auswärtigen Staaten wieder zuzuweudeu. Jedenfalls liegt die That nicht im Interesse de» griechischen Volkes, deffeu ganze Zukunft gegenwärtig mit der Person seines Souveräns zusammenhängt, denn es ist ja genugsam bekannt, daß da- europäische Eoncert nur aus Rückficht auf die griechische Dynastie so große Anstrengungen gemacht har, dem Sultan milde Friedens- dedingungen abzuzwingen und ihn dadurch fast ganz um die Früchte seine- Steges zu bringen. Das griechische Volk an und für fich hat solche Rückfichten nicht verdient, da eS sich bisher des Vertrauens Europas in keiner Weise würdig zeigte und der europäischen Diplomatie schon so manche Ber- tegenhett bereitete. Im Uebrigeu scheinen die Angelegen- heiten Griechenlands einen guten Verlauf zu nehmen, nachdem e» so vernünftig gewesen war, fich der Finanzkontrolle Europa» zu unterwerfen. Und daß man an einflußreicher Stelle bedacht war, daS griechische Nationalbewußtsein zu heben, beweist die Aufstellung der Candtdatur de» Prinzen Georg für den kretenfischen Gouverneurposten feiten» Rußlands. Es konnte doch a!S sicher vorausgesetzt werden, daß diese Gouverneurschast nur ein Uebergang zur definitiven Einverleibung der Insel in Griechenland gewesen wäre — trotz aller beabfichttgten LohalitätSverficherungen de» Prinzen gegenüber dem Sultan.
Wie schon oben gesagt, kann der meuchelmörderische Anschlag die Beranlaffong werden, daß die Sympathien deS griechischen Volkes fich wieder dem Könige zuwenden, wenig- stenS laffen die Kundgebungen in Athen das Beste erhoffen. ES muß das Hauptbestrrben des Monarchen sein, fich vor
Allem da» Vertrauen der Bevölkerung zurück zu erobern, wa» ihm Angeficht» der bereit- oben erwähnten Thatsache, daß mächtige Etnflüffe in Europa für Griechenland arbeiten, nicht allzuschwer sein kann. Ist da- Attentat wirklich auf antidhnastische Bestrebungen zurückzusühren, so steht zu hoffen, daß die Anhänger derselben fich belehren laffen, daß die Jn- rerefsen Griechenland» gerade in der jetzigen Zeit auf» Engste mit denjenigen de» König» verknüpft find. (xx)
Aus de« Verhandlungen der Zweite« Kammer der hessische« Stände.
G. Darmstadt, 1. März 1898.
Die Berathung über Capitel 59, Landwirthschaft, Obere landwirthschaft liche Behörde, wird heute fortgesetzt.
Bor Eintritt in die Tagesordnung fragt Abg. Graf Oriola die Großh. Regierung über das Schcksal des Bahnp.rojectS Ranstadt — Friedberg — Butzbach. Die Nothwendigkeit dieser Bahn stelle fich täglich mehr heraus und sei e» daher bedauerlich, wenn Großh. Regierung mit der Durchführung des Projrcte» noch zögere.
Zur Weiterberathuug de- Budgets übergehend, erklärt Abg. H a a S»Offenbach, daß e- sehr zweckdienlich gewesen sei, daß eine |o ausgiebige Debatte über die Landwirthschaft stattgefunden habe. Damit sei nach einer langen Pause wieder einmal die Lage der Landwirthschaft besprochen und ein Nothstand derselben vom Hause anerkannt worden. Namen» der Hesfischen Landwirthschaft spricht er der Großh. Regierung und der Kammer seinen Dank für daS entgegengebrachte Wohlwollen aus. Einer Reorganisation der oberen landwirthschaftlichen Br Hörde stehe er ebenso sympathisch gegenüber, wie verschiedene andere Mitglieder de- Hause-. Er sei aber kein Freund von vielen Ministerial-Abtheilungen. Wenn der Mttgliederstand der landwirthschaftlichen Vereine nicht in dem Maße, wie man eS gewünscht, gestiegen sei, so hoffe er, daß durch Herabsetzung de- Jahre-beitrage- eine Zunahme der Mitgliederzahl erfolgen werde. Die landwirth- schaftltchen Vereine entfalten für den gesamwten hesfischen Bauernstand eine rege Thättgkeit und ihre Arbeitslast sei eine sehr umfaffende. Wenn die Kammer die angeforderten Mittel bewilligen werde, so sei da- für die ganze hesfische Landwirthschaft von großem Vortheil. Er bespricht die ganze Organisation de« hessischen landwirthschaftlichen G-noffen- schaftSwesenS, insbesondere die landwirthschaftlichen Schulen, die Organisation der Landesviehzucht, den Obst- und Gemüsebau, Bienenzucht, und Molkereiwesen, Bodenmeltoratton und Feldbereintgung. Dabei hebt derselbe die Verdienste deS früheren GeneralsrcretSrS Weidenhammer noch besonders hervor. Eine ganze Reihe von nützlichen Einrichtungen sür die Landwirthschaft sei daS Verdienst Weidenhammers. Ein Haupt- verdieust sei die Organisation de» landwirthschaftlichen Unter- richtSwesenS in Heffen. Dem Andenken des Verstorbenen sei man eS schuldig, daß seine Verdienste um die Landwirthschaft gebührend hervorgehoben würden. Es sei aber nöthig, daß neben der Staatshülfe auch die Selbsthülfe am Platze sei. Aber auch dem Handwerk sei in gleichem Maße wie der Landwirthschaft geholfen, denn eS sei nicht zu leugnen, daß auch ein Nothstand im Gewerbeftand vorhanden sei. Die Kammer wöge die Forderungen der Regierung bewilligen, ^dte Landwirthschaft werde dafür in reichem Maße danken. — Nach einigen persönlichen Bemerkungen deS Abg. Fried- rich wird sodann für daS „Capitel 59, Landwirthschaft" „Tit. 1, Obere landwirthschastliche Behörde", ein Staats- zuschuß von 128591 Mk. bewilligt mit dem Aufügen, daß diese Bewilligung fich hinfichtlich deS Gehaltes des administrativen Rathes der Oberen landwirth'chaftlicheu.Brhörde nur auf die Inhaber bezieht.
Ein Ersuchen, die BereinigungS-Geometer nur nach Bedarf und nicht die volle Zahl anzustellen, wird eben- falls genehmigt.
Zu Tit. 2, Landwirthfchaftliche Vereine und Genossenschaften, ist ein Staat-zuschuß von 42000 Mk. vorgesehen. Der LaudeSauSschuß der landwirth- schaftlichen Vereine hat eine Erhöhung um 10000 Mk. erfahren, während dem Pferdezuchtverein 6000 Mk. gestrichen werden, da man die jetzige Leitung bemängelte, weil sie die Interessen deS Sports und deS Militärs vor die der Landwirthschaft stelle, noch 5000 Mk. zuwenden will. — Abg. Köhler.Langsdorf wünscht, daß die Thätigkett des hesfischen LandeSauSschuffeS mehr an daS Licht trete als I bisher und daß deffen Reden stenographirt und tu der „Franks. Zeitung" veröffentlicht werden möchten. — Abg. Hirsch weist die Bemerkungen deS Ausschusses bezüglich de» Pferde-
zuchtvereioS, soweit sie Rheivhrffen betreffen, zurück, da der Verein vollauf seine Schuldigkeit gethau habe.—In gleichem Sinne spricht der Abg. Schmeel, der die Bestrebungen de» PferdezuchtvereinS für sehr nützlich und werthvoll hält. — Abg. Heidenreich glaubt, daß der Pferdezuchtverein sehr gute Resultate erzielt habe. Er wird für die ganze Summe stimmen. Der Pferdezuchtverein möge jedoch auf Haltung eine» besonderen Organ» verzichten. — RegierungS-Commiffar v. Will ich tritt in warmer Weise für die Bestrebungen deS Pferdezuchtvereins ein. Durch die Einführung einer rationellen Pferdezucht in Heffen durch den Verein sei der Landwirthschaft ein wesentlicher Dienst erwiesen worden. Jeden Strich an dem seit Jahren bewilligten Betrage müffe er bedauern. — Abg. Werner und Abg. Hetdenretch wünschen ein friedliches und einmüthigrs Zusammengehen deS Pferde- zuchtvereiuS mit den landwirthschaftlichen Vereinen. — Die Abgg. Bähr und Brauer bestätigen auch die Nützlichkeit deS PferdezuchtveretnS. — Abg. Weidner wünscht, daß an die Spitze der landwirthschaftlichen Vereine nur solche Leute gestellt werden sollen, welche Sinn und Verständniß für die Landwirthschaft haben. — Abg. Euler ist sür Bewilligung deS vollen Betrags von 11 000 Mk. — Berichterstatter Köhler-Langsdorf theil mit, daß der Au»schuß den Strich für die Pferdezuchtvereine zurückziehe, und bewilligt das Haus einstimmig die angeforderten Beträge in der Höhe von 42 000 Mk.
Zu Titel 3, Landwirthschaft!. Unterricht, hat e» der An-schuß für angezeigt gehalten, wettere Subventto- nirnngen der landw. Winterschulen zu beantragen. — Abg. Heidenreich und Genoffen beantragen, noch wettere 6000Mk. für Errichtung einer zweiten Molkereischule einzustellen. — Lande-öconomterath Müller stellt fest, daß schon früher die Errichtung einer Molkereischule in Lauterbach in Aussicht genommen u ter gemeinschaftlicher Subvention von Preußen und Hefftu, da auch Schüler des Regierungsbezirks Raffel diese Schule besuchen sollten. Die Verhandlungen hätten jedoch zu keinem Resultat geführt. Nun sei man in Heffen selbstständig vorgegangen und habe eine solche Schule in daS Budget eingestellt. Der Antrag Heidenreich sehe zwei solcher Schulen und zwar eine für Starkenburg und Rheinheffen und eine für Oberheffen vor. Die Regierung fei auch mit diesem Antrag einverstanden.
E» wird hieraus bewilligt für landwirthfchaftliche Winterschulen 48 350 Mk., für Unterricht im Hufbeschlag 3000 Mk., für Haushaltungsschulen 3000 Mk., Wein- und Obstbauschulen 33 495 Mk., Winterschule und Obstbauschule Friedberg 17 400 Mk., für zwei Molkereischulen 12 000 Mk., Jurgesammt 117 245 Mk.
Damit wird die Sitzung um 1 Uhr geschloffen.
Arr-laud.
Wien, 1. März. Der 21jährige Schuhmacher Josef Hrd liczk a, der Obmann-Stellvertreier des hiesigen tschechischen Arbiitervereins, stand gestern vor den Geschworenen wegen Verbrechens gegen das Sprenggesetz, weil bei ihm anarchistische Druckschriften und zur Herstellung sogenannter Brandröhren erforderliche Chemikalien gefunden worden waren. Die Geschworenen erkannten den Angeklagten, nach geheim durchgeführter Verhandlung, schuldig, sprachen dagegen seinen Mitangeklagten Genoffen frei. Hrdliczka wurde zu zwei Jahren schweren Kerker verurtheilt.
Prag, 1. März. Da» Farbentragen-Verbot soll am nächsten Donnerstag aufgehoben werden.
Paris, 1. März. Bei dem Vorstände deS Ad v o kat en- BereinS ist eine Klage gegen den Advokaten Demange eingereicht worden. Demange, welcher im Jahre 1894 DreyfuS verrheidigte, wird beschuldigt, die Actenstücke des ProceffeS dem Advocaten Labort außgeltefert zu haben. Gegen den Advokaten Barboux ist ebenfalls eine Anklage wegen unbefugter Auslieferung eines Briefes, der ihm auf indirectem Wege in die Hände gelangt war, beim Justizminister erhoben worden.
Vermischtes.
* Paris, 27. Februar. Die Stieftochter des bei dem Brande im WohlthätigkeitSbazar umgekommenen Generals Warney, die am 8. dS. MtS. den Sohn des früheren KriegSmintsterS General Lewal geheirathet hatte, stürzte gestern, als fie nach ihrem Gemahl, Unterlieutenant Lewal, anSschaute, so unglücklich auS dem Fenster, daß fie starb. Ihr Gatte wollte au» Verzweiflung Selbstmord begehen, wurde aber daran verhindert.


