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3.2.1898 Zweites Blatt
 
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Nr 28 Zweites Blatt. Donnerstag den 3. Februar

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erscheint tägNch mit Ausnahme des Montags.

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Bekanntmachung.

betr.: die Zahltage deS evangel. LenrralkirchenfoudS.

Wir bringen hierdurch zur allgemeinen Krnutniß, daß die Zahltage des Rechners des evangelischen Lerttralk'rcheu- sondS und Hauptrechners der allgemeinen geistlichen Wittwen- kaffe auf Dienstag, Donnerstag, Freitag, Gamstag, vormittags von 8 bis 12 Uhr, und Nachmittags, außer Samstag, von 2 bis 5 Uhr, festgesetzt worden find.

Gießen, den 1. Februar 1898.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen, v. Gagern.

Die Lage in Spanien.

Aus den gegenwärtig tu Spanien herrschenden Ber- hältuiffea ist sehr schwer klug zu werden, und zwar sowohl waS die iunerpolitischen Zustände avbelangt, wie seine Stellung in den Colonieo. Wir Haden gesehen, daß das Labinet Sagasta allgemein ganz gut ausgenommen wurde, da man fühlte, daß etue feste und kräftige Hand vor allen Dingen nöthig war, uw dal StaatSwrock seeklar zu halten, und daß der alte Sagasta der einzige Manu Spaniens war, dem man diese schwierige Aufgabe mit einigem vertrauen auf Erfolg anvertrauen konnte. Man hoffte, daß der jetzige Cabinetsches die Situation der großen Oeffeotlichkeit nicht tu dem Maße verschleiern würde, wie dies seitens der vorigen Regierung systematisch geschehen war. Daß aber in dieser Beziehung ein Fortschritt zu verzeichnen wäre, kann nicht gerade behauptet werden, denn das Gros der Spanier be­findet fich auch beute noch über den wahren Stand der Situation im Unklaren.

Sagasta hat einen riazigen Erfolg gehabt, auf den er aber selbst wenig Einfluß ausüben konnte: das ist die Unter­drückung der Insurrektion auf den Philippinen. Im Aus­lände hat man fich darüber gewundert, daß man hiervon in Spanten so viel Aufhebens gemacht hat, aber es ist den offiziellen Kreisen deS Landes wohl zu gönnen, daß fie auch einmal einen Steg feiern können, und es ist begreiflich, daß fie die erste Veste Gelegenheit hierzu benutzten. Daß die Lage der Spanier auf den Philippinen sehr schlimm hätte werden können, insbesondere wenn dort Japan die Rolle übernommen hätte, welche die Bereinigten Staaten von Nord­amerika auf Cuba gespielt haben und noch spielen, ist nicht zu leugnen. Aber der Aufstand hat fich dort doch nur in

geringen Grenzen gehalten, und Spanien hatte genügend Mannschaften auf den Inseln zur Verfügung.

Bon Cuba treffen, wie wir es schon seit mehreren Jahren gewohnt find, bald Stegesnachrichten, bald Hiobs- postrn ein. ES ist so oft schon von der Gefangennahme von Führern der Insurgenten ober von deren Tödtung die Rede gewesen, daß man annehmeu sollte, die Rebellen müßten nun bald ganzführerlos" sein, aber immer tauchen neue Ge­stalten auf, welche die Organisation der Banden übernehmen. Die letzteren führen anscheinend den Guerrillakrteg noch immer fort und suchen den spanischen Truppen aus alle mögliche Weise Schaden zuzufügen, zu welchen Zwecke fie bekanntlich auch den Gebrauch des Dynamits nicht verschmähen. Wenn man behaupten wollte, Marschall Blanco, der Nachfolger General Wählers, habe bereits Erfolge aufzuwetseu, und die Gewährung der Autonomie an Cuba habe irgend welchen Eindruck auf die Insurgenten gemacht, so wäre das unbe« rechttgt. Die Wunden, welche General Weyler durch sein System" geschlagen hat, find doch zu tief, al- daß fie so schnell geheilt werden könnten. Und mit der Disciplin unter den spanischen Offizieren auf Cuba scheint e- auch nicht weit her zu sein, wie die letzten Ereigniffe in Havanna bewiesen haben. Die Urheber der Tumulte find bereit- anläßlich deS Geburtstags deS jungen Königs begnadigt worden, was in vielen Kreisen ungünstig ausgenommen und als ein Zeichen der Schwäche der Regierung angesehen wird. Diese Eile, welche die Regierung mit der Begnadigung batt:, machen fich besonders die An­hänger deS Generals Weyler zu nutze, dir überhaupt jetzt recht provokatorisch austreten. Und auch diesem General gegenüber zeigt fich daS Labinet sehr schwächlich- man erkennt den energischen, schon so oft für sein Vaterland kräftig ein- getretenen Sagasta gar nicht wieder- denn General Weyler hatte e- wohl verdient, daß gegen ihn wegen seines unbot­mäßigen Verhalten» die ganze Strenge de- Gesetze- Platz gegriffen hätte. Aber die Regierung wagt es anscheinend nicht, dieselbe zur Anwendung bringen zu laffen. Der Ober- procurator hat bekanntlich gegen Weyler die Verhängung einer zweimonatlichen Gesängnißstrafe beantragt, und man nimmt an, daß derMioifterrath dem Anträge ftattgeben wird- aber Niemand glaubt daran, daß man über den General auch wirklich die Strafe verhängt. Jedermann ist davon über­zeugt, daß die Königin-Regentin sofort bei Verkündigung de» UrtheilS die Begnadigung ausspricht.

Ob die Regierung nun gut daran thut, in diesen Fällen solche Milden walten zu laffen. kann bezwetselt werden, da fich die Anzeichen von Unbotmäßigkeft im Heere mehren. Und die Regierung, insbesondere Ministerpräfident Sagasta hat

doch genügende Erfahrung zu sammeln Gelegenheit gehabt, welche Folgen es nach fich zieht, wenn die höheren spanischen Offiziere sich allzu sehr durch die Politik leiten laffen. Die PronuneiamemoS der spanischen Generale find ja in großer Zahl in der Geschichte ausgezeichnet. (xx)

Deutsches Reich»

Berlin. 1. Fedruar. DerRetchSanzeiger" veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, in welchem der Monarch seinen Dank auSdrückt für die ihm anläßlich seine- Geburtstage» zugegangenen Glückwünsche. Er habe eS mit außerordent­licher Befticdtgung gesehen, daß die jüngsten Erfolge der Förderung der deutschen Jatereffen im Au-laude einen aus­reichenden Schutz einer gesunden Fortentwickelung zu sichern im Stande seien. Sein Sinnen und Denken sei auch fernerhin dahin gerichtet, die Sicherheit und Wohlfahrt de» Reiche» zu kräftigen und zu hegen.

Berlin. 1. Februar. Auch derLocal'Anzeiger" bezeichnet die Meldung al» unrichtig, daß ein Duell zwischen dem Grafen BiSmarck und demOberpräsidialrath v. Maulbach stattgesuuden habe.

Berlin, 1. Februar. Entgegen englischen Blättermeld- ungen constatirt die »Post", daß Deutschland bezüglich der kretensischen Gouverneurfrage stricte au der Neu­tralität festhalte und durch keinerlei Schritte auS derselben herauSzutreteu geneigt sei. ES scheine fich ein revolutionärer Act vorzubereiteu, durch welchen der Prinz nach Kreta kommen soll.

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Arrsknrd.

Wien, 1. Februar. Ein gewaltiger Orkan wütdet seit einigen Tagen sowohl hier, al» auch in der Umgegend und richtet großen Schaden an. Zahlreiche UuglückSfälle aus den Provinzen werden gemeldet.

Teplih, 1. Februar. Hier herrscht ei« furchtbarer Sturm, der enorme Verwüstungen anrichtet. Biele Mauern und Häuser sind eingestürzt.

Connel, 1. Februar. Bei Gladstone stellten fich in der vergangenen Nacht dreimal ErsttckungSanfälle ein, infolge dessen große Aufregung in der Umgebung deS Ex- ministers herrscht.

Havanna, 1. Februar. In dem Hause deS Präfecten von Havanna ist heute eine Bombe explodirt. Der Urheber konnte sofort verhaftet werden. Menschenleben find nicht zu beklagen.

Fernlleton.

Herrn Pieper» Mondsucht.

Humoreske von S. Halm.

(Nachdruck verboten.)

K. 0. Frau Auguste Pieper oder auch Frau Rentiere Pieper, wie sie fich gerne nennen ließ, saß am Fenster ihrer Berliner Stube und strickte. Aber an der Art, wie fie dieser nützlichen Beschäftigung oblag, an dem lauten Klappern der Stricknadeln, an dem Zittern ihrer Haubenbänder und nicht zuletzt an ihren bald auf die Zmmerthür, bald auf die Straße spähenden Augen sah mau eS an, daß der würdigen Dame Stimmung nicht gerade die rosigste war.

Endlich wurde draußen Stimmengeräusch, ein stampfender Männertritt laut.

Na, endlich," knurrte die Rentiere und die fleißigen Hände sanken in den Schooß. »Bist Du endlich da, Jottlieb?" rief fie dem eintretenden Gatten nicht eben sanft entgegen. ®tc Ojen hab ick mir schon au» dem Koppe jeguckt! Und jerode heute, wo tck Dir so Ville zu sagen habe, läßt Du mir fitzen."

Der behäbige Gatte murmelte ein paar beschwichtigende Worte.

@o, bet ist mcht so schlimm, meenste? Det steht Dir ähnlich! Wat ist denn det übrijen» schon wieder sor 'ne Pulle? Kornv»? Jottlieb, Du säufst Dir noch ins Jrab, hör uf mir I Und nun leg erst mal Deine Kledaschen ab und dann setz Dir her ick bin bis hierher voll von all den Aerjer, ick muß mir Lust machen oder ick krieje die Jelb- fucht oder ick platze."

^Nu, nu, Inste, nu b-ruhije Dir man!" meinte der phlegmatische Gatte. »Wat ist denn nu wieder passirt?"

Wat wird denn wieder pasfirt find!" höhnte die Frau, die de» Gatten Ruhe reizte. »Aerjer hier und Aerjer da und ick kann mir rvmkratzbaijeu nit det Volk, Du aber jehst schpazieren und schpielst den Noblijen. Dhu man nid) so, Männeken, ick kenne meeue Pappenhemer, det jlobe mir man!"

Hbcr Juste, wat hat denn det nur mit Deeuem Aerjer zu schaffen? Ick verstehe Dir nid)."

Wat ick mir dasor kose! So 'n oller Quäsenkopp wie Du--"

«Aber Häseken!"

Nu laß mir doch endlich reden oder ick berschte! Die Jalle sitzt mir ohnehin in die Kehle!"

Nu dann schieß doch Io»!"

Jedulde Dir doch jefälligst! Also denke Dir, als Du heute eben fortjejangen bist, hör ick die Jette us dem Flur und nu jtebt der en Gekreische und Gequickse, bat et mir jleich in die Finger juckt, benn bet paßt mir ntch! Warte, ick will dir zeijen, wat 'ne Harke i»! denke ick un jeh mir die Jeschichte zu besehen. Und wat sehe ick? Die Jette, bet verdrehte Jöhr, in den Armen von unser« jüngsten Zimmerherrn. Du kannst Dir denken, bat ick ntch Ville Um­stände machte mit die Zwee. Doch wat meenst Du, wat mir der jrüue Bengel in» Jefichte schreien dhut?"

Frau Pieper sah ihren Eheherrn, die feisten Arme in die Hüften gestemmt, herausfordernd an.

Ne, Muddern, wie soll ick det wissen?"

Det jlob ick Dir, Jottlieb!Bon Sie olle Zieje laß ick wir noch langst nischt sagen!" hat er jesagt, und als det Jöhr, die Jette, zu seener Frechheit jrinst un ick ihr zur Belohnung davor en kleenen Katzeukopp versetzen will, sagt der Windhund so janz obenhin mit einem janz infamen Ojen- zwinkern:Sparen S'-e fich die Koppnüffe lieber for Ihren Herrn Jemahl, Madam Piepern!" Un wie ick ihm nu uff'n Leib rücken dhu, meent er so jauz paffaut:Sie sollten eneu

I Doctor zu Rathe ziehen, Frau Rentiere, mit Mondsucht und begleichen iS uich zu spaßen, wer weeß, wat daraus ent­stehen kann!"

Die Jette drückte fich sachte, det dhat sie vielleicht auS Angst for ne Maulschelle, aber ick sah doch, daß das Mächen sich krümmte sor Lachen, ick Srjerte mir nich wenig über das dumme Ding.

Hören Sie, Männrken," sagte ick endlich zum Wind­hund,noch heute zeigen Sie mir Ihre werthrste Rückansicht aber fixe, mein Lieber!"

Nu bitt ick Dir, Jottlieb, erkläre mir jefälligst, wat bet Heeßen soll mit die Mondsucht. Ick habe noch nicht davon jemerkr"

Herr Pieper sah verlegen zur Seite.

Der Müller wird 'nen dummen Witz gemacht haben, Muddern!"

Seine Ehrhälfte sah ihn durchbohrend au.

Det iS doch komisch, mein Jutester! Soll ick den Müller vielleicht mal frajen?"

Jott mau bloß uich, Muddern!" entsuhr es dem biederen Pieper, dann senkte er ängstlich den Kopf. Frau Auguste sagte nichts mehr, fie warf nur noch einen ver­nichtenden Blick auf den Gatten, dann ging fie hinaus.

Herr Pieper kraute fich den Kopf, als er allein war.

Det wäre noch jlücklich abjegangen diesmal. Jottlieb, da heeßt e» fich vorseheu!" Und er nahm einen Schluck an­der Flasche.

Der Miether war au-zezogen. Jette schien wieder zu Gnaden ausgenommen- keiner der beiden Ehegatten rührte an dem Vorfall, und daö war bedenklich- c» zeugte davon, daß Herr Pieper Ursache hatte, die Geschichte todtzuschwelgeu und daß Frau Auguste ihre Hintergedanken hatte.

(Schluß solgt.)