Verhandlung über den Artikel: „Pudel-Majestät". Der | Gerichtshof beschließt demgemäß.
Berlin. 31. October. Der „Local-Anzeiger" meldet aus ' Bückeburg: Der Archivrath Berkemeier ist suspendirt ( worden. Die Regierung verlangte von ihm amtliche Schriftstücke, welche verschwunden waren. Berkemeier erklärte dieselben für Privat-Schriftstücke, worüber er frei hätte verfügen können. Die Schriftstücke befänden sich zeitweise in Bückeburg. Ein gerichtliches und Disciplinar-Verfahren wird das Weitere ergeben. Berkemeier ist unter der Regentschaft des Prinzen Adolf zum Archivrath ernannt worden.
Berliu, 31. October. Der deutsche Cousul in Jerusalem v. Tischeudorff dürfte, wie gemeldet wird, nach dem Kaiser- besuch seinen Posten verlaffen, da seine Beförderung zum General'Consul bevorsteht und er einen anderen Wirkungskreis erhalten soll.
Berliu, 31. October. Die Reichs - Commission für Arbeiterstattstik ist sicherem vernehmen nach zum 17. November vom Vorsitzenden UnterstaatSsecretär Dr. Fleck ein- berufen. Die Tagung wird sich auf etwa vier Tage erstrecken. Wie verlautet, sind an etwa 60—70 Personen au« dem GastwtrthSgewerbe Vorladungen ergangen zu dem Zwecke, ihre Aussagen über die Brrhältn'sse im GastwirthSgewerbe eatgegenzunehmeu. ES ist dabet der Modus gewählt, daß der von der Commission früher eingesetzte Ausschuß sich an die einzelnen verbände behufs Präsentation von Sachverständigen gewendet hat- es dürften daher auch weibliche im GastwtrthSgewerbe beschäftigte Personen vor der Commtsfiou erscheinen. Wie wir ersahren, dürste ein Gesetzentwurf betreffend den Schutz der Angestellten im HavdelSgewerbe al« Ergänzung der Gewerbeordnung in Vorbereitung sein und znr Erledigung im BuudeSrath und Reichstag bestimmt sein. Der Weg einer einfachen Verordnung ist bei dieser Materie ausdrücklich auSgeschlofltN.
Berlin, 31. October. Ein neue« BerufSconsulat. Die Umwandlung de« bisherigen Wahlcousulat« zu Philadelphia in ein BerufSconsulat ist in Aussicht genommen - nach dem Tode de« bisherigen Inhaber« ist der Consul Landgerichtsrath Marheintcke in Montevideo mit der Leitung betraut. Philadelphia, die drittgrößte Stadt der Union, hat mehr al« 200000 Deutsche unter seinen Bewohnern. Damit steigt die Zahl der BerufSconsulate auf 104, seit einem Jahre waren nicht weniger als sechs neue errichtet, nämlich zu Prag, zu Curitiba, Desterro und San Paolo in Brasilien, zu Bagdad in Mesopotamien und zu Hankau in China. So ist das Consulatöwesen in einer dauernden erfreulichen Eat- wicklung begriffen.
Berlin, 31. October. Zur Deportationsfrage. Wie der „Hamb. Corr." hört, hat die Colonialverwaltung nn die Gouverneure unserer afrikanischen Colonien von Togo, Kamerun, von Südwest-Afrika und von Ost-Afrika die Frage gestellt, inwieweit sie e« für zulässig, finanziell durchführbar und im Jntereffe der Colonien, andererseits aber auch im Jnterrffe der Sträflinge erachten würden, wenn man die Deportation in gewissen Grenzen in da« deutsche Strafshstem einführen wollte. Die Antworten der Gouverneure sind sämmtUch verneinend ausgefallen.
Berlin, 31.Oktober. Rechtlosigkeit derDeutschen in Frankreich. Au« oberelsäsfischen Fabrikantenkreisen erzählt die „Straßb. Post" folgende Geschichte: Ein Mül- Hauser Fabrikant hatte einem Fabrikanten in Lille eine Erfindung verkauft. Der Verkauf wurde vertragsmäßig fest« gelegt, der Kaufpreis auf 17 000 Fr. festgesetzt. Monat auf Monat aber verging, ohne daß der Mülhauser Fabrikant etwa» von der Angelegenheit hörte. Auf briefliche Mahnung theilte der Käufer ihm mit, daß ihm die Sache nachträglich leid geworden sei. Der Mülhauser wollte sich aber den Vertragsbruch nicht gefallen taffen und beauftragte einen der ersten Atvocateu Lille« mit Führung de« Rechtsstreite«. Al« er dann aber auch hier Woche um Woche ohne wettere Nachricht blieb und auf all seine Anfragen keine Antwort erhielt, reiste er selbst nach Lille. Dort erklärte ihm der Advocat kurz und bündig, daß er den Proceß nicht übernehme- denn die Sache sei von vornherein auSfichtSlo«, da fich kein Richter in Frankreich fände, der einen Proceß zu Gunsten eine« Deutschen entschiede. Dar Straßburger Blatt bemerkt, daß ihm Namen und Einzelheiten verbürgt mttgetheilt seien- der Fabrikant gehöre einer der bekanntesten und angesehensten altelsässischen Familien an.
Wielbaden, 31. Oktober. Wie der „Rhein. Courier" meldet, kommen vom 1. April nächsten Jahre« ab für die Benutzung de« canalisirten Mainstromes Abgaben zur Erhebung und zwar: für vollwerthige Güter 6 Pfg. und für winderwerthige Güter 3 Psg. pro Tonne.
Frankfurt a. M., 31. October. Der große Erfolg, welchen der Ausschuß für BolkSunterhaltuug im vergangenen Jahre mit zwei Volks-UnterhaltungS-Abenden erzielte, hat denselben veranlaßt, für diesen Winter vier Abende zu veranstalten. Die erste dieser vortrefflich inscenirten Veranstaltungen fand gestern Abend int großen Saale de» Daalbaue» statt und zwar bei dollem Hause. Die lautlose Stille, m t welcher die Zuhörer die voealen declamatorischen und instrumentalen vortrefflichen Leistungen verfolgte und der nicht enden wollende Beifall haben gewiß die uneigennützigen Veranstalter dieser Abende reich belohnt.
ArrsUrnd.
Wien, 31. October. In dem Befinden der Wärterin Göschl ist keine Aenderung eingeirrten. Dir Körpertemperatur betrug heute Mittag 36,7, der Pul« 84.
Wien, 31. Oktober. Sonntag Vormittag hat die endgültige Beisetzung der Kaiserin Elisabeth in der Wiener Kaisergruft bei den Kapuzinern stattgesunden. Bis dahin ruhte die Leiche der Kaiserin noch im Vorraum der Kaisergruft. Der Sarkophag wurde, da ein Mittelraum nicht mehr frei war, knapp neben dem Sarg des Kronprinzen Rudolf an der Stirnwand de« neuen Grufttheil« aufgestellt. Um für den Sarg der Kaiserin Platz zu gewinnen, mußten dir
recht« und links vom Sarg de« Kronprinzen Rudolf stehenden Särge des Kaiser« Max vou Mexiko und de« Erzherzog« Karl Ludwig etwa« weiter zu beiden Seiten quer gestellt werden. Der Sarkophag der Kaiserin wurde Donnerstag Abend in die Kaisergruft gebracht. In diesen Sarkophag, der an« Kupfer angefertigt wurde und von außen stark versilbert ist, wurde der Doppelsarg, in dem gegenwärtig die Leiche der Kaiserin ruht, gestellt, worauf der Sarkophag nach wiederholter Einsegnung verlöthet wurde. Auf dem Sargdeckel befindet sich ein große« vergoldete« Kreuz. Unterhalb ist, von einem auSgeführten Reliefkranz umgeben, eine Kupfer» ilatte mit folgender Inschrift angebracht: Elisabeth Amalia Eugenia, Imperatrix Austriae et Regina Hungariae, Maximilian! Josephi et Ludovicae, Ducum in Bavaria, filia. Nata in villa Possenhofen Die XXIV. Mensis Decembris Anni MDCCCXXXVII. Nupta Francisco Josepho I. Imperatori Vindobonae Die XXIV. M, Aprilis A. MDCCCLIV. Coronata Regina Hungariae Budae Die VIII. M. Junii A. MDCCCLXVII. Denata Genevae Die X. M. Septembris A, MDCCCIIC. H. 8. E.
Wien, 31. October. Nach einer Zuschrift der „Pol. Corresp." au« Cairo ist dort neuerding« eine Gruppe von Anarchisten eingetroffen, eine wettere ist signalisirt, deren Namen jedoch der Polizei bekannt find. Die Gefangennahme der drei au« Alexandrien nach Palästina geflohenen Anarchisten ist bisher nicht erfolgt, doch hofft man, daß e« den türkischen Behörden gelingen wird, dieselben festzunehmen.
Wien, 31. October. E ne Belgrader Zuschrift der „Pol. Corresp." dementirt da« Gerücht, daß die Anwesenheit de« serbischen Ministerpräsidenten Grorgiewitsch in Wien mit rolitischen Motiven in Verbindung stehe.
Wien, 31. October. Nach einer Pariser Meldung der „Pol. Corresp." find die Gerüchte, daß die Anwesenheit de« italienischen TtaatSmanue« Luccati eine Abänderung der handelspolitischen Beziehungen mit Italien Herbriführen werde, mindesten« verfrüht.
Prag, 31. October. Nach Meldungen tschechischer Blätter soll der Zeitung«stempel demnächst aufgehoben werden.
Rom, 31. October. Die Regierung hat beschlossen, zur Petersburger FriedeuS-Conferenz als militärischen Delegirteu den derzeitigen Botschafter in PiterSburg, den General Morra sowie einen Diplomaten zu entsenden.
Rom, 31. October. GS verlautet, das deutsche Kaiserpaar werde seine Rückeeise wiederum über Venedig nehmen und dort nochmal« mit dem italienischen KönigSPaar zufammeutreffen.
Rom, 31. October. Der „T^ibuna" zufolge wird Kreta statt tu vier io fünf Zonen getheilt werden, wovon eine mit Kanea international bleiben soll.
Paris, 31. October. Da« neue Ministerium hat fich wie folgt constituirt: Dupuy Inneres, Freycinet Krieg, Delcasse Aeußere«, Lthgue« Unterricht, Lockroh Marine, Lebrrt Justiz, Peytral Finanzen, Delombre Handel, Krantz öffentliche Arbeiten, VIger Ackerbau, und Guillain Colonien.
Pari», 3 i. Octoder. Der „StScle" fragt, wo eigentlich Prinz Laut« Napoleon stecke. Man weiß nur, daß er Genf verlaffen habe. Da« genannte Blatt deutet an, daß er fehr wohl die mysteriöse Persönlichkeit sein könne, die aüf dem Mort vale: beherbergt werde.
Pari», 31. October. Bi« gestern Abend war die Cabinetskrisi« noch nicht vollständig gelöst. Dupuy hatte eine zweistündige Unterredung mit dem wahrscheinlichen Kriegsminister Freycinet. ES werden Bedenken laut, daß in dem neuen Cabiuet zwei wichtige Portefeuille« durch zwei Protestanten besetzt werden sollen, nämlich die Justiz durch Ribot und der Krieg durch Freycinet. Infolge dessen soll da« Justiz Ministerium wahrscheinlich einem Anderen übertragen werden.
Brüssel, 31. October. Die Mahnung de« König« Leo« pold zur Schaffung einer belgischen Handelsflotte findet mit jedem Tage mehr Anklang in der Bevölkerung. So haben denn auch Antwerpener Rheder und Capitalisteu unter dem Schutze des König» eine Gesellschaft zur Herstellung einer belgischen Handelsflotte unter belgischer Flagge und mit rein belgischer Besatzung gegründet. Um da» Unternehmen volksthümlicher zu gestalten, sollen Actien von 25 Fre». und 50 Frc». ausgegeben werden. Die erste rein nationale Linie soll Antwerpeu Congo sein. Die Regierung wird der Kammer ein Gesetz unterbreiten, da« die Ausbildung und Aushebung der Seeleute sichert, die Errichtung vou Schiffswerften 6e* günstigt, den Unternehmern belgischer Linien besondere Vorrechte zubilligt, auch staatliche vorschüffe und Zuschüsse ermöglicht. — Bon den 55 Dampfern, über die gegenwärtig der belgische Handel verfügt, find nur 17 belgisch, und von den 2101 Manu ihrer Besatzung find nur 721 Belgier. Die übrigen find Engländer und Deutsche, sodaß Belgien« Handel von dem AuSlaude abhängig ist. Allerdings ist auch ein gewaltiger Thetl de« Verkehr» der belgischen Häfen deren ge- werbflethigem deutschen Hinterlande zu danken.
London, 31. October. „Daily Graphic" schreibt: Alle« was möglich war, einen Bruch zwischen England und Frankreich zu verhüten, ist geschehen. Wenn nun trotzdem ein Bruch entstehen sollte, so werde Frankreich die volle Verantwortung zu tragen haben, denn England habe alle Zugeständniffe gemacht, die gefordert wurden. Frankreich wußte sehr gut, als es seine Expedition nach dem Nilthal unternahm, daß England Ansprüche auf da» Nilthal machen würde. Frankreich solle fich beeilen, den Fehler wieder gut zu machen.
London, 81. October. Obgleich e» letzter Tage den Anschein gewann, al» ob Frankreich gegen eine augemeffeue Entschädigung Faschoda räumen und als ob eS nicht zu einer Ausrollung der ägyptischen Frage kommen werde, melden jetzt die Londoner Blätter, daß fich infolge des letzten Cabinet«- rathes vom Donnerstag die Admiralität über eine große SchiffSkundgebung schlüssig gemacht habe und umgehend die Küsten- und Hafeu-WachtschiffS-Geschwader zusammen mit anderen Schiffen zu mobilifiren beabsichtige. Au« allen diesen
Schiffen solle ein für alle Fälle bereitstehende« Geschwader gebildet werden. Der genaue Zweck und die mit diesem Befehl verbundene Abficht seien nicht bestimmt bekannt, dieselben würden aber in Marinekreisen mit der englisch-französischen Streitfrage in Verbindung gebracht. Man nehme aa, da« Geschwader werde im Plymouth-Sund zusammengezogen werden, verschiedene Schiffe seien unerwartet in Plhmourh eingetroffen. Nach einer anderen Meldung wird e:n gewal tige« fliegende« Geschwader von neun großen Schlachtschiffen und einer erheblichen Anzahl anderer Kriegsschiffe gebildet werden. Ferner meldet ein Telegramm au« Shanghai, da« britisch-ostafiatische Geschwader habe Befehl erhalten, nach Hongkong zu gehen und dort weitere Ordre« zu erwarten. Ein andere« Telegramm au« Halifax (Neuschottland) sagt, auf den dortigen Werften werde Tag und Nacht gearbeitet, die Schiffe sollen fich bereit halten, jeden Augenblick in Ser gehen zu können. Auch ein Telegramm au« Barcouver verdient Beachtung, welche« berichtet, daß auf der Werft von ESquImault in Canada ununterbrochen gearbeitet werde- fieben britische Kreuzer seien zur sosortigen Abfahrt bereit.
Tägl. Rdsch.
Petersburg, 31. October. Dar Zarenpaar trifft am 26. October aus Livadia in Petersburg ein.
Warfchau, 81. October. Nach einer Blättermeldnng wurde in dem Sp.tal Zum Kindletn Jesu an einer 56jährigen Frau, welche 24 Stunden nach ihrer Ankunft im Spital verstarb, die sibirische Pest constatirt. Da« Spital und die Wobnnng der ftvati wurden deHnficirt.
Locales unb provinzielles.
vietzeu, 1. November 1898.
• • Kirchliche Dienstnachrichten. Seine Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 29. October die Berufung de« evangelischen Pfarrer» Johanne» D egg au zu Heuchelheim al« Pfarrer de» DiakoniffenhaustS „Elisabethen- stift" zu Darmstadt zu bestätigen.
AnS dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Groß- herzoglichen Ministerium» der Justiz vom 29. Octoder d. I. wurde der GerichtSaffeffor Sellheim in Nirda vom 1. k. Mt». an bis auf Weitere« mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eine« Amtsrichter» bei dem Amtsgericht Offenbach beauftragt.
GebranchSmnster-Sintragnngen. Acetylen • Droschken- Laterne mit unter der Laterne befindlichem Wasser- und Carb'draum. Rudolf WelkoborSky, Gießen, 2. 7. 98. — Nach zweitheiligem Modell hergestellcer Guß-Siulauf mit plötzlicher Verengung. Eisenwerke Hirzenhain und Lollar, Lollar, 11. 7. 98. — Auf der Innenseite Mt Täschchen ausgerüstete«, mehrfach zusammenklappbare« Taschen- Neeeffaire. Anna Ermu«, Friedberg, 18. 8. 98. — Zusammenlegbarer Buch- und Notenständer mit Grund- und Auflegeplatte verbindender, beweglicher Stütze und auf der Grundplatte angeordneter, die Auflegeplatte einstellender Leiste. I. P. Sann, Gießen, 10. 8. 98. — Durch Federdruck fich schließende», durch beweglichen Stift zu öffnende« Ueberdruck-- Ventil. Rudolf WelkoborSky, Gießm, 16. 6. 98.
* • Stadttheater. Die am Mittwoch den 2. d. Ml«, fiattfindeude dritte BolkSvorstelluug bringt da« au«- gezeichnete dreiactige Lustspiel „Der Herr Senator". Die Eintrittspreise belaufen fich auf 40 Pfg. für Saalplatz und 20 Pfg. für Gallerte. — Frau Anna Führt», gastirt am 8. und 9. November am hiesigen Stadttheater al« Jungfrau von Orleau« und al« Messalina in Wilbraudt« „Arria und Messalina".
• • Felix Weingartner in Frankfurt a. M. Unserer Nachbarstadt am Main steht ein Kunstgenuß ganz einziger Art bevor. Der berühmte Dirigent Felix Weingartner wird dort im Saalbau am 16. und 17. November mit dem vollständigen Kaim-Orchester au« München zwei Con- certe geben. Ueber den Verlauf eine« solchen Weingartner' Abend» in München schreibt die „Münchener Allgem. Ztg.": „ES war eine originelle Idee Felix Weingartner», gestern Beethoven» erste und letzte Symphonie zur Aufführung zu bringen.....Wenn ein Dirigent die rare Gabe besitzt, die
stelle, schlichte Größe unserer Klasstker richtig zu ersoffen, dann leben erst unsere Alten wieder auf, in und mit ihm, dann erfahren auch wir an un» die verklärende Wirkung jenes ewig unwandelbaren Gesetze« vom wahrhaft Schönen, und zündend schlägt der BegeisterungSfunke in unser Herz. Ein solcher Dirigent ist Felix Weingartner. Wer dak nicht schon längst wußte, der konnte fich gestern aus» Nachdrücklichste überzeugen: eine geradezu mustergiltige Aufführung der beiden Symphonien, Chor, Orchester und Solisten vorzüglich, Alle« gebannt, entzückt, begeistert, alle» Jubel, donnernder Beifall, Tücherschwenken, unzählige Hervorrufe, da« ist so ungefähr da« Bild de» gestrigen Abend»." Diese« mufikalifche Ereigniß wird ohne Zweifel auch in Gießen viele Kunstfreunde veranlassen, nach Frankfurt zu pilgern.
* • eine neue herrliche Prachtserie hat diese Woche da» Kaiser-Panorama ausgestellt: „Die Reise de« Präsidenten Favre nach Rußland". Da« find keine verschwommenen Abbildungen mit gezwungenem Colorit und unmöglicher Plastik, wie man wohl da und dort zu sehen bekommt; nein, die Bilder find wie au« dem Leben genommen, so scharf und deutlich tritt Alle« hervor. Wir sehen die verschiedenen Feierlichkeiten, den Empsaug de» Präfidenien in Kronstadt durch den Kaiser, sowie Minister rc., die Abfahrt nach Petersburg, Abschreiten der Ehrencompagnie, die große Truppenschau in KraSnoje - Sselno, Parade, Luftschifferab- theilnng. vou großartiger Wirkung ist der Abschied de« Präsidenten Favre auf dem Kriegsschiff „Pothuau" in Kronstadt. Außerdem werden wir mit den öffentlichen Gebäuden, sowie dem Inneren der Schlöffet von Peterhof und den großartigen Gartenanlagen und Wasserkünsten bekannt gemacht. Da« Gedränge in den geschmückten Straßen, die An- und Abfahrten de« Präsidenten und de« Czaren rc. geben un« ein Bild davon, welche Summe die Festtage Petersburg gekostet haben.


