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1.12.1898 Drittes Blatt
 
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Heneral-Anzeiger

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Zltnts- und Anzergeblutt für den Kreis Gieren.

Uchimtmt, Brprbihen ur.b Druckerei:

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GnErbeilage: Hießemr Amilintblätkt. T""" *- *KSÄC

Locale, tinb provinzielle».

Stehen, den 30. November 1898.

ttfenlt^ieenetllirtei. Da dte Monatskarte», welche te Bereiche der preutzf-rea Staatsbahuen verausgabt werden, nur während des betreff ubcn Kalenderjahres Gültigkeit haben, so ergaben sich fflt solche Leute Uazuträgltchketteo, die, na» bekannt ett dieser Bestimmung, eine Monatskarte gegen den Letzte» zu lösten. Dte Handelskammer Frankfurt ersuchte deshalb dte Etseobahndtreetion um eine Festlegung der Gültigkeitsdauer von Datum zu Datum event. um Einführung von Hsaldmonatskartea. Dte Ltfeobahndtrrettou leh re jedoch, den Mttthetluogeu der Handelskammer zufolge, das erste Ersuchen ab, da, wie dte frühere Einrichtung bewies, die Fahrkarten oft über die Gültigkeitsdauer hinaus benutzt morden und bet der gegenwärtigen Einrichtung die Eootrole hierfür schneller und sicherer auszuführe« sei. Zu einer Aeoderuug sei dte Dtrectiou nicht befugt, nab für einen Antrag beim Minister ist der gegenwärtige Zeitpunkt für sie nicht geeignet. Es kann deshalb auch der Einführung von Halbmovatskarteo nicht näher getreten werden. Dagegen sind sämmiltche Fahrkartenausgaben angewiesen worden, das Pu» bliku« bei der Entnahme von Mouatskarten stets über die Gültigkeitsdauer derselben aufzuklären.

t Sich. 28. November. Anläßlich des Gebnrtstages Ihrer Königlichen Hoheiten wnrde von feiten der Grohherzog» licheo Präparandenan ftalt im Heilandt'fcheu Saale eine Schülerfeter abgehalten, bei der Herr Vorsteher Wagner unter Hinweis auf dte in Darmstadt stattstndende Enthüllung«- feier den Lebeusgaog des hochsrltgeo Grohherzogs Ludwig IV. den Zuhörern im Geiste spannend vor Augen führte. Zum Gedächtotß des verstorbenen Großherzogs als Sriegsheld im Jahre 1870/71 trugen 6 Schüler der Anstalt 5 Gedichte vor, die den Zuhörer an Eretguiffe und Stimmungen im großen Srtegsjahre erinnerten. Außer diese« patriotischen Thetle war dte Feier durchaus musikalischer Natur, indem Gesangchöre mit Orchesteraufführungeu, Trios und Solo» stücken wechselten. In dem instrumentalen Thetle wirkten anher de« Schülerorchester, das gute Schulung und wohl entwickeltes musikalisches Gefühl verrteth, noch Herr Lehrer Zimmer (Klavier), Herr Lehrer Lorentz (Geige), Herr Lehrer Alt (Erllo) und Herr Musiker Roth (Baß) mit. Die dies» jährige Feier ist die zweite derartige. Der zahlreiche Besuch, dessen sie sich erfreute, zeigt, welchen Aoklang solche Beran» staltungro finden.

B Sich. 28. November. Am Sonntag hielte Herr Lehrer Reiche lt, Lehrer an der Obstbauschule in Friedberg, einen Vortrag über Oostbaumdüvgung und Obstverwerrhung im Haushalte im gnt besetzten Saale des Gastwirths Stein ad. In seinen schönen Ausführungen behandelte der Referent sehr ausführlich die Düngung der Obstdäume, daß nach richtiger Düngung auch gute Erträge zu erwarteu seien, daß den väumru sehr vsr das Waffer fehle, und wie dieses deu Bäumen in leichtester Weise zuzubriuzen sei. Dann folgte dte Berwerthuug des Ödstes in der Hsushaltuog, über das Linmachen, dte Lonservtrung und die Verwerthuog der Kb» fälle unter vorzetgeu von Mustern. Es wurde der allgemeine Wunsch ausgesprochen, im nächsten Jahre hier einen Lnrsus für Llch und Umgegend über dte Ovstverwerthuog im Haus» halte abznhalteu. Zum Schluß sprach Bürgermeister Heller Herrn Lehrer Rr'chelt für den sehr lehrreichen Vortrag den gebührenden Dank ans und betonte, daß er alles ans» bitten werde, daß ein Carsus t« nächsten Jahre hier adgehalten »erde. _________________________________________________

Vervrlschte».

Bismarcks Ssttin. Maximilian Harden hielt In Le'pzig einen Vortrag über Bismarck, dem wir an der Hand eines Berichts in den ,8. R. N.' folgende Bemerkungen Hardeos über vismarcks Gattin entnehmen, .diese Fran', wie der Vortragende sagte, ,flbct die eigentlich wohl kein Wort des LobeS zu viel gesagt werden kann. Es wird kaum möglich sein, eine Frau zu finden, die es so verstand, so gar nicht »orhaoben zu fein, und doch durch ihren Geist, aber nicht ihre Intelligenz das wollte fir nicht sein ihr Gemüth tob ihren Ta et das ganze Haus zu durchdringen. E umal, als ich das erste Mal dort war, durfte ich sie zu Tisch füh» reu und bemühte mich krampfhaft, als Nachbar eia leidliches Gespräch zu führen. Nach den ersten Versuchen aber sagte Ik Fürstin einfach: ,Ach Gott, lassen Sie «ich doch, es kann Sie nicht ivieresfiren, waS ich sage, sehen Sie lieber, was Otlo'chrn faßt!* Ihre Aufgabe bestand darin, den Lärm

abzuhalten, wenn Otto sprach. Sie sah nur ihn, nur ihre Sinder, seine Freunde waren ihre Freunde, seine Feinde waren sicher, von ihr mit eine« Ingrimm gehaßt zu »erden, von dem er selbst, der doch Haffen konnte, keine Ahnung hatte. Sie war auch deshalb niemals tn's Parlament gegangen. Ich erinnere mich, wie, als ihr ältester Sohn als Reichstags» abgeordneter debütirte, und eine Rede gegen dte Militär- Vorlage über die zweijährige Dienstzeit gehalten hatte, dieser Abends noch nach FriedeichSruh kam mit fe ner jungen Frau, und erzählte, er fei stark besch mpft worden. Sein Vater empfing ihn da mit deu Worten: ^Dein R ck ist ja noch gar nicht zerrissen, da kann es so schl mm nicht gewesen fetal' Und als die junge Fürstin sagte, sie sei in der Sitzung ge­wesen, war die alte Fürstin sprachlos und faßte: »Das ver­stehe ich nicht! xIch bin nie hingegangeu, ich hätte da mit Stuhlbeinen geworfen!' Diese Frau war also der beruhigende und zugleich erfreuende Genius des Hauses unb wenn fte Abends so saß, fie »ar kränk! ch und schlummerte, saß er in seinem Lehnstuhl nab laS einen ganzen Stoß Zeitungen. Fast an Alles knüpfte er bann Bemerkungen unb die Fürstin fuhr bann an» ihrem Schlummer unb übertrumpfte diese scharfen Worte durch etwa- noch außerordentlich viel Schärferes. Mau kann nicht sagen, daß fie in ihrem Udhetl mild war über Leute, die ^Otto'cheu' gek Snkt hatten, und da sich diese Leute in den versch ebensten Regionen befanden, scheute ihr Ingrimm auch nicht davor zurück, in diese R gionen »» fol­gen.' Tod der Fürstin', erzählte Harden weiter, fflber dessen Wirkung ans den Fürsten ungeheuere Legenden erfunden wurden man ließ ihn völlig gebrochen sein ist Gott sei Dank nicht von solcher Wirkung gewesen. In diese« Alter und mit dieser Ruhe der pdi'osophiichen Aus- faffuug wirken die Ereignisse, nach die schmerzlichsten, nicht «ehr so zerschmetternd, wie auf jüngere, weniger großartig veranlagte Menschen. ES soll ein sehr ergreifender Anblick gewesen sein, als der Fürst noch der Beisetzung seiner Fran an den großen Haufen der Siänze der antrat und mit seiner feinen, wundervollen Hand eine weiße Rose herausbrach, fie nah« und still io feto Zimmer ging. Es war al'o von eine« außerordentlichen Zusammenbruch und dergleichen, das ihm völlig fremd war, nicht die Rede. Immerhin aber war es wie ein Wächterruf, der ihm sagte: .Tie ist fort, nun kommst

; Du auch!'

Die Reifevipntdien bei Kaiserlich Archäologischen In­stituts, deren fünf alljährlich in Beträgen von je 3000 Mk. i vergeben werden, gelangen demnächst wieder zur Vertheilung. : Sie haben den Zweck, die archäologischen Studien zu beleben und die anschauliche Kenntniß de» klassischen Alterthum« 1 möglichst zu verbreiten, namentlich aber leitende Kräfte für das archäologische Institut und Vertreter der Archäologie für die vaterländischen Universitäten und Museen heranzu­bilden. Vier dieser Stipendien werden solchen Bewerbern : verliehen, die an einer Universität des deutschen Reiche» oder an der Akademie zu Münster die philosophische Doclorwürde erlangt oder die Prüfung pro facultate docendi bestanden und dabei die Befähigung zum Unterricht in den alten 1 Sprachen für die oberste Gymnafialklasse erlangt haben. < Für da» fünfte Stipendium, welche« in erster Reihe bestimmt j ist, die Erforschung der christlichen Alterthümer der römischen Kaiserzeit zu fördern, wird verlangt, daß der Bewerber an . der theologischen Facultät einer Universität des deutschen Reiches den Cursu» der protestantischen oder der katholischen Theologie absolvirt bat. Für die vier ersten Stipendien darf zwischen dem Tage, an welchem promooirt oder da» ; Oberlehrer Examen absolvirt worden ist, und dem Tage, an welchem da» Stipendium füllig wird (1. October) höchstens ; ein dreijähriger Zwischenraum liegen. Der Bewerber um ' da» fünfte Stipendium darf an dem Fälligkeitstage das i 30. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Die Bewerber haben weiter die gutachtliche Aeußerung der philosophischen bezw. theologischen Facultät einer deutschen Universität oder ' der Akademie zu Münster oder auch einzelner bei einer solchen Facultät angestellter Professoren der einfchlagenden wissen- ! schaftlichen Fächer über ihre bisherigen Leistungen und ihre Befähigung zu erbringen und, fall» sie schon literarische Leistungen aufzuweisen haben, auch diese womöglich mit ! einzusenden. Eine» der vier Stipendien für klassische Philo- ! tagte kann mit Wegfall der oben angegebenen Ausschlußfrist auch an Gymnasiallehrer vergeben werden, welche an einem öffentlichen Gymnasium innerhalb de» deutscheu Reiche» fest angeftellt und in Lehre und Wissenschaft besonder» bewährt sind. Da» Stipendium kann zu diesem Zweck in zwei halb­jährige jede» zu 1500 Mk. zerlegt werden behufs einer im Wintersemester anzutrelenden halbjährigen Studien­

reise. Bewerbungen find vor dem 1. Februar an bce Vorsitzenden der Centraldirection Professor Dr. Eouze, Berlin W., Corneliusstraße 2, einzuftnden.

* etumutelbungeu anl Senne unb Lugano liegen vor. In Genua wurden durch einen heftigen Sturm dte Mole de» Außenhafens beschädigt. Dem deutschen Kreuzer .Hertha', welcher dort vor Anker liegt, r>ffen die Ankerkelten. Infolge dessen stieß der Kreuzer gegen den Dampfer ^Scilla', welcher leichte Havarien erlitt. Luf der ^Hertha" wurden zwei Krähne zertrümmert und andere leichte Beschädigungen ver­ursacht. Personen wurden nicht verletzt; auch zerstörte dort der Sturm die Mauer de» L<uchtthurm» auf dem äußersten Ende der Galliera-Möle in einer Länge von 200 Metern. Die Bahnverbindungen von Genua mit beiden Revieren find unterbrochen. Cämmtliche Häuser am Ufer de« Meere» haben erheblichen Schaden erlitten. Eine Anzahl Schiffe scheiterte. Menschenleben find nicht verloren gegangen. Ebenso wüthete ein heftiger Sturm auf dem LuganerSee und warf die beiden dort liegenden DampferEloezia' und «Milano' gegen da» User. DieElvezia' sank nach einigen Minuten. Ferner wurden Dutzende kleiner Fahrzeuge, welche fest gemacht waren, gegen bat Ufer geschleudert und zerstört. An der ganzen atlantischen Küste von Washington bis nach Boston hinauf und landeinwärts bi» gegen Pätsburg wüthete ein orkanartiger Schneefturm, wie er in gleicher Stärke seit Jahren, auch im November, nicht vorgekommeu ist. Der Verkehr ist unterbrochen und die Schiff'ahtt hart mit­genommen. 30 Barken sollen Schiffbruch erlitten haben; bei Boston allein sollen mehr al» zwölf Personen um» Leben gekommen sein.

Neues vom Himmel. In der ZeU vom 6. bi» 19. November find auf der Sternwarte Königstuhl bei Heidelberg nicht weniger al» sechs neue Planeten mit Hülfe der Photographie entdeckt worden. Die Entdecker find Prof. Wolf, Dr Schwaßmamr und Dr. Billiger. Diese sämmtlichen Planeten find sehr lichtschwach, 12. bis 13. Größe. Sie haben die vorläufigen Bezeichnungen: 1898 DV, DW, DX, DY, DZ und EA erhalten, bi« die Bahnberechnungen eine endgültige Einreihung und Bezifferung gestatten werden. Der Sternschnuppenschwarm der Sieliben, bessert Meteore au« bem Sternbilbe der Andromeda aurstrahlen, ist nach den Rechnungen von Davidson und Abelmann am 24. November der Erde am nächsten gewesen, sodaß zwischen 3 Uhr 40 Mm. und 9 Uhr Abend» mittlerer Zeit von Greenwich eine Wieder­holung der glänzenden Sternschnuppenfälle von 1872 und 1885, wenn auch in ziemlich vermindertem Maße, zu erwarten stand. In Köln war der Himmel mehr oder weniger bedeckt; gegen 7 Uhr Abend», ebenso um 9*/, Uhr, ferner nach Mitternacht und m Den frühesten Morgenstunden trat theilweise Auf­hellung ein. Während dieser Zeit wurden jedoch größere Metcore nicht gesehen, schwache Sternschnuppen haben sich vielleicht wegen de» Mondscheine» der Wahrnehmung entzogen.

Citeratur und Arrnft.

Eine van Dyck-Ausstellung in Antwerpeu. Man berichtet der »Fiks. Ztg." au» Brüssel vom 24. be.: Die Stabte verordneten von Antwerpen haben den Plan, im nächsten Jahre au» Anlaß von van Dyck» breihundertftem Geduristag außer einer Gartenbau Ausstellung auch eine Ausstellung van Dyck'lcher Gemälde zu veranstalten, dem Anschein rach doch noch nicht aufgegeben. I» ihrer letzten Sitzung beichloffen fte vielmehr, die Frage gründlich zu untersuchen und eine briefliche Anfrage an da« OrganisationScomits der Amsterdamer Rembrandt-SuSstellung zu richten, dessen Erfahr­ungen in Bezug auf die Gewinnung und da» Derfichern der Bllder man gegebenen Fall» benutzen müsse. Wenn die Antwerpener, wie jetzt zu hoffen M, eine van Dyck Ausstellung doch noch zustande bringen, io soll ihnen ihre ansängltche Abneigung gern verziehe» werden. Daß man sich auch der Mithilfe der belgischen Regierung und de» Äömg« persönlich zu versichern sucht, ist schon deshalb zu billigen, weil bann bte fremden Höfe, in deren Besitz viele van Dyck'sche Gemälde find, wie besonder« der englische und der spanische, zum Herleihen ihre« Besitze» geneigter sein werden. Wichtiger aber noch al» dte Unterstützung von Hof unb Regierung ist die Mitwirkung tüchtiger Fachleute, die dafür forgen, daß bte atplante Ausstellung ein ebenso allseitiges BUd von dem Schaffen van Dyck» vermittelt, wie die Amsterdamer Ausstellung es von dem Lebenswerke Rem­brandt» zu geben vermochte.

Die Weihnachtsfreude wird er- fgrtfli" dadurch, daß man nicht versäumt, den Geschenkm auch * einen Earton » 3 Stück (Mk. 1.50) d:r bei der eleganten Damenwelt so sehr beliebten und unübertrrffenen Patent-Myrrholin- Seife beizusügen, welche überall, auch in Apotheken, erhältlich ist. Nach Orten ohne Niederlage versendet die Myrrholin-Gesellschaft m.b.H. in Frankfurt a. M. 2 EartonS franco gegen Nachnahme von Mk. S..