Ausgabe 
28.12.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1897

Nr. 304

Dienstag den 28. December

Erstes Blatt

Amts- und Anzeigeblntt für den T!veis Gieren»

Hratisbeikage: chießener Aamilieubtätter.

860 «gefertigt

7.

essen

Teilung zu

>»»«h«r Dow Anzeige» zu der Nachmittags für den folg enden Lag erscheinende» Nummer bi» Bonn. 10 Uhr,

Alle Lmroacen-Bureaux d«S Iu- und LuZlaodr» ach«» «azeioe» für de» ,Vieße»er «»»riger^ <**»*

vierteljährig« ASowwementsprei»» 2 Mark 20 Pfg. «tt Bringerloh«. Durch die Poft bezog«

2 Mark 50 Pfg. j «edactiou, Lp»ediÜ«»

und Drucker«: I -chukstratze Ar.7»

Fernsprecher 61«

tu nehm

Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin io den Mnschel* aal, wo auf langen Tafeln die Geschenke für die Majestäten, die kaiserlichen Kinder und die nächsten Umgebungen des kaiserpaareS aufgebaut waren. An den Schmalseiten deS m Glanze aller Kerzen erstrahlenden prächtigen Saale» stand je ein riesiger Weihnachtsbaum, für die Majestäten und Ür die Mitglieder de- Hofe-, an der langen Gartenseite hatte die große Tafel für die serS Prinzen und die Prin- iesstn Aufstellung gefunden, wiederum geschmückt mit sieben lichterfllmmerndeu TannenbSumen, die sich dem Alter der kaiserlichen Kinder nach in ihrer Größe abstusten. Gegen 6 Uhr endete die Festlichkeit.

Berlin, 24. December. Der Kaiser nahm gestern im Auswärtigen Amt den Vortrag des StaatSsecretärS von Bülow entgegen. Heute Nachmittag 4 Uhr wird im Neuen Palai» baß Weihnachtsdiner stottfinden, an welches sich um 4*/< Uhr die Bescheerung im Mnschelsaale für die königliche Familie sowie die nächste Umgebung deS KatserpaareS an- schließen wird.

Berlin, 24. December. DerReichs-Anzeiger" ber* öffentlich» eine königliche Verordnung, der zufolge die beiden Häuser des preußischen Landtage- auf den 11.Januar

Z;it bevor.

Wien, 24. Zeitung" zviolge fatton, daß heute Präsidenten deS

Vorfalls zu ersuchen. m .

Chicago, 25.December. Da- Lolosfeum-Gebäude, in welchem zur Zeit eine Gewerbe-An-stellung stattfanö, ist heute ein Raub der Flammen geworden. Neun Per- f0Ben find bet dem Brande uwgekommen und gegen vierzig verätzt. Der Sacksrbadrn wird aus 7OO OOO Dollar geschätzt.

stellung für Prozeßkosten. m ,

Berlin, 24. December. DieBerl. Neuest. Nachr.

melden, daß die chinesische Regierung noch nach der Besetzung von Kian-Tschu deutsche Jnstructeure engagirte und augenblicklich mit Anordnungen für den würdigen Empfang des Prinzen Heinrich in den von letztere« zu be­rührenden chinesischen Häsen beschäftigt ist. ______________

Kopenhagen, 24. December. Die Stettiner Bark Mo- bau, Capitän Arentz von Trangsnnd in Schweden kommend, liegt bei Dragoer vor Anker. Heute Vormittag entspann sich eine Schlägerei an Bord. Der erste Steuermann wurde durch Schläge am Kops verletzt- er ging nebst acht Mann der Besatzung an Land, um die Polizei und dm deutschen Eonsui um Hülfe zu bitten. Der Eapitän und ein krank darntederliegender Neger biteben allein an Bord- da» Schiff zeigte die SignaleAufruhr" undMeuterei".

Pari», 24. December. Infolge der schlechten Ernte herrscht unter den Eingeborenen In Algerien Hunger»* lloth. Seiten» der Behörden werden die erforderlichen Maß*

h außerhalb rechuung der uauWen.

nahmen getroffen.

Baiente a. d. Rhone, 25. December. Auf einem Bankett, welche» heute hier stattfand, hielt Leon Bourgeois eine Rede, in welcher er der Regierung vorwarf, sie habe sich mit dm Reaktionären, Elericalen und Monarchisten ver­bunden, und in der er au-führte, die wahren Republikaner mußten vor dieser Verbindung, die nicht allein der Republik, sondern dem Vatorlande selbst verhängnißvoll werden könnte, aus der Hut sein. Am Schluß seiner Rede führte Bourgeois als uothwendige Reformen an Arbeitergesetzgebung, Ein* kommensteuer und Revision der Berfaffung.

Athen, 25. December. In dem Augenblicke, als das griechische KanonenbootActium" den Meerbusen von Ambrakia verlaffen wollte, feuerte da» türkische Fort Preveza einen Kanonenschuß gegen dasselbe ab. DieActium ging zurück und auch die ihr folgenden Kanonenboote mußten um- . , kehren. Daraufhin hat die griechische Regierung ihren Ge- sandten in Konstantinopel, Fürst Mavrocordaio, telegraphisch

Arr-Urud.

Wim 24 December. Da» Verbot der Einfuhr von Sacharin steht für beideReichShälftm für die nächste

De^mber. DerWiener Allgemeinen erregt in Prag die Nachricht größte Sen* Mittag 2 Uhr da« Standgericht vom Strafgerichtes ein beruf en wurde. ES die letzte Wrfchowitzer Affaire, wo in der Fenster eingefchlagen und zwei Personen

Wolff» telegraphische- Ssrrespondm»*«Me«r.

Madrid, 26.December. General Weyler wird morgen der Königin-Regentin unter der Form einer Adresse feinen Protest gegen die Botschaft de» Präsidenten Mac Kinley Übersenden. Der Protest, der in sehr ehrerbietiger Form abgefaßt ist, nimmt auf da» Gesetz Bezug, da» jedem An­gehörigen deS Heere» gestattet, sich persönlich an da» Staats­oberhaupt zu weudm. ___________

Depesche» de» Buxe** .HeralL/

Berlin, 26. December. Die hiesigen bekannten Führer der Bauarbeiterbewegung erklären die Nachricht, daß im kommenden Frühjahr ein großer Bauarbeiter* Ausstand in Scene gesetzt werden soll, als unbegründet. Die Organt- fattonen der betreffenden Branchen wtfien von derartigen Abfichten nichts, noch daß irgend ein Ausstand vorbereitet

Berlin, 26. December. Von den süddeutschen Bäcker­verbänden ist dem Centralverbande de» deutschen Bäcker* VerbandesGermania" neue» wichtige» Material in Sachen des MaximalarbeitStageö ^gegangen. Daffelbe soll mehreren Reich-tag»abgeordneten zugestellt werden. Der Central-AuSschuß des Germania-BerbaudeS theilt mit, daß Ansang Januar das Normal-JnnungSstatut von der Regierung veröffentlicht werden wird. E» ist daher beschlossen worden, den Gesammtvorstand der deutschen Bäckerinnung nach Berlin einzuberuieo, um die neue Organisation und die Wohlfahrt»- einrichtungen zu berathen.

Wien, 26. December. Bon insormirteu Kreisen wird bestätigt, daß die Regierung demnächst die Verhandlungen wegen der Lösung der Sprachensrage wieder auf- nehmen und den leitenden Persönlichkeiten beider Parteien neue Vorschläge machen wird, welche geeignet find, den modus vivendi und die Wiederaufnahme einer normalen parlamm- tarischen Thätigkeit herzustellen.

Wim, 26. December. Die Wiedereröffnung der Ver- Handlungen der Regierung mit der Süd bahn wegen einer Eonversion 5 procentiger Obligationen wird Anfang- nächsten Monat» erfolgen.

R»m, 26. December. Die Meldung, England habe bei ter ttaUenifdjen Regierung ein gemeinsame« B o rgehen io China angeregt, jedoch einen abschlägigen Bescheid erhalten, wird aas der Eonsulta all Erfindung bezeichnet. Ebenso wird in hiesigen RegierungSkreisen bestritten, daß Rußland einen europäischen Songreß zur veraihnng der ostasiatische« Frage in Vorschlag gebracht habe.

Lmrdon, 24. December.Daily Ehroniele" will wissen, England beabsichtige, wenigstens vorläufig, keinen chlne* fischen Hafen zu besetzen, doch werde der britische Ge- andte in Peking sehr deutliche Vorstellungen an China machen bezüglich einer englischen Action in bestimmten eben- tueQen Fällen - ferner gewähre England der japanischen Re* giernng seine moralische Unterstützung. Japan wolle energisch I gegen die deutsche Action protestiren.

Der #U4t«n jUqtigor erscheint täglich, rit Ausnahmk bt» Montag».

Ihr «ießener ><*tne»ir4tUr pem Anzeiger »öchwttlich dreimal bergclegt.

etnberufen werden.

Berlin, 24. December. DerBerl. Local-Anz." laßt fich au» Schillingsfürst telegraphiren: Die Leiche der Fürstin Hohenlohe ist heute Mittag 1 Uhr hier ein* getroffen, und mit Glockengeläute wurde der Trauerconduct durch den Ort geführt. Die Prinzen schritten hinter dem Sarg. Der Kirchenchor sang ein Miserere. Der Reichs- Kt | MW br.

Capelle waren nur der Kanzler mit seiner Familie, die Geist- n* 1U ,r " lichkeit, die Beamten und die Dlrnerschast de» fürstlichen Hause» anwesend. Nach 2 Uhr war die Feier beendet.

Berlin, 24. December. DerReichsanzeiger" veröffent- licht die Bekanntmachung betreffend die wechselseitige Befreiung der Angehörigen de» Deutschen Reiches oder Oesterreich» bon der ihnen als Ausländern in bürgerlichen Rechtßstreitigkeiten obliegenden Verpflichtung zur Sicherheit-*

Meßmer Anzeiger

Henerat-Wnzeiger.

<. w--"5';,5*35xä

AM«

***%& H Lerlange" ! erbeten »vier -

|)|Ä

» «'n®

tfsJ- 'k'

handelt sich um deutschen Schule berwuudet wurden.^

Wim, 24. December. DerN. Fr. Pr. wird au» London telegraphier: In den Ministerien der Marine und des Amßeren herrscht wegen der chinesischen Frage eine lebhafte Tätigkeit, indeß ist e» noch nicht entschieden, wie fich die engli'che Regierung in dieser Angelegenheit berhalten wird. Man erörtert berschiedene Allianzcombinationen und glaubt, Lord Salisbury wolle die Sache gründlich erwägen, ehe er bindende Beschlüffe faßt. Es find Unterhandlungen mit Japan im Gange, auch wird wieder eine Annäherung an Frankreich erwogen. Besonder» wird PacÜren mit Ruß­land gewünscht, wofür auch die Hoskreise einzutreten scheinen. Ferner wird die Möglichkeit einer ganz neuen Gruppirung aller großen Staaten ins Auge gefaßt.

Basel, 24. December. Die nöthigen 30,000 Referendum»- Unterschriften gegen da» Eisenbahn-Rückkauflgesetz find jetzt beisammen, so daß die aus den 20. Februar in A«,ficht genommene eidgenösfische Volksabstimmung statt*

Oefuudeu: 1 Paar Ohrringe, 1 Busennadel, ein Herrenhemd, ein Stück Stlberband, 1 Gummischuh, 8 ein­zelne Handschuhe, 1 Paar Ktnderstrümpfe, 1 Eimer mit Marmelade, 1 Wagenkapsel, 1 Mütze, 1 Laterne, 1 Taschen­tuch, 1 Kamm, 1 Jäckchen, 1 Peitsche, 1 Notenheft und 2 Borhanghalter.

Ließen, den 27. December 1897.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

____________I. V.: Roth.___________________

Der Dreibund

und die ostafiatische Angelegenheit.

Mehr als man gedacht, nimmt baß Vorgehen Deutsch­lands in Ostafieu das Interesse fast der ganzen Welt in An­spruch, und ganz neue Gruppirungeu der Mächte werden durch die deutsche Action hervorgerufen. Mehr al» je tritt insbesondere die Thatsache zu Tage, daß England ziemlich isolirt im Kreise der Völker dasteht, und eS ist schon lange nicht borgekommen, daß Old England so eifrig nach Bunde»- genoffen auSschaut, wie e» jetzt der Fall ist. Vielleicht sehen die englischen Staatsmänner jetzt ein, welchen Fehler fie ge­macht haben, als fie nicht rechtzeitig fich einer Gruppe Mächte anschloffen, denn auch fie werden erkennen, daß ein einzelner Staat heute wenig gilt im Rathe der Völker, daß einzig ein Zusammengehen mit anderen Nationen einen Erfolg in der internationalen Politik bedeuten kann. Zweibund und Drei­bund find heute die Factoren, mit denen gerechnet werden muß, und wenn fich England bisher weder der einen noch der anderen Seite hin entschieden hat, so muß e» eben damit rechnen, daß ohne sein Zuthun über die wichtigsten inter­nationalen Angelegenheiten entschieden wird. E» befindet fich eben in einer eigenthümlichen Lage: Deutschland mißgönnt es jeden Erfolg, eifersüchtig berfolgt e» jeden Fortschritt, d-n wir im Ansehen und im Ruhm machen, und Rußland darf e» im ureigensten Jntereffe nicht unterstützen, denn es ist ja fein fruchtbarer Rivale in Ostafieu. Schon jetzt hat Eng- lang fein Prestige in jenen Regionen eingebüßt, schon jetzt sucht nach einem Schutzwall, um seine Besitzungen in Indien vor etwaigen Uebergrtffen Rußland» zu vertheidigcn, und doch muß einsehen, daß aller Schutz nichts nützen wird, daß Rußland langsam aber sicher sein Ziel verfolgt und über kur» oder lang England auf Indien verdrängt haben wird.

($« tft eigrnthümlich, daß bei dem Borgeheu Deutich- lanif In Ostafieu immer nur oon dem «-'halten Eng and», Rußlands und Frankreichs di- Red- ist und niemae» von der Stellungnahme der Drelbundstaateu gesprochen wird. Man mag e« al« s-lbstberständlich hinstellen, daß Oesterreich. Ungarn und Italien di- Action Deutschland« gutheißen und oocher von den Abfichten der deu.sch.n R-g'-rung unter. richt«, worden find. Und in Wirklich--» haben beide ikunde«. ftaateu in Ostafieu nicht da« Jntereffe, um etwa dem Plane, welchen wir in China versolgen, fich hinderlich tu, denl Weg zu stellen. Oesterreich Ungarn« Jnt-reff-nsphäre ist aus den europäischen Orient beschränkt und bon l-h-r h°b°° i»>' »« Maßnahmen der Wiener Regierung aus der Baltanbalbiul-l niemals Schwierigkeiten bereitet, sondern fie tmm- - ? f3c6= »sucht. Und Italien hat erst recht keinen Grund, unse Attion mit neidischen «licken zu b-t-°4»°.. «*°°

e-ääfs Unterstützung, welche Italien damals von Deutschland erfuhr, kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden, und d

k-s ä»

8U ^M^stad der festen Ueberzeugung, daß unsere Bundes- blicken.__