Ausgabe 
28.9.1897 Erstes Blatt
 
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Budapest, 25. September. König Franz Josef richtete heute folgendes Handschreiben an den Miutster- präfidentrn v. Banffy:8on dem Wunsche beseelt, daß die geeigneten Plötze meiner ungarischen Haupt- und Refidenz- stadt mit Denkmälern versehen werden, welche als Zierde der Stadt zugleich das Andenken hervorragender Gestalten vergangener Zeiten verewigen, die sich auf den verschiedenen Gebieten des nationalen Lebens ausgezeichnet haben, bewillige ich zu Lasten der Kosten meines HofhalteS entsprechende Summen, auf mehrere Jahre vertheUt, zu dem Zwecke, daß Bildsäulen hergestellt werden, welche den als Märtyrer für die christliche Religion gestorbenen Csanad^Wsschof St. Ger­hard, dem glaubenSetfrtgen Grauer Erzbisc»^^ 'eter Pazmauy, die Fürsten von Siebenbürgen Stefan ®oleJtW( und Gabriel Bethlen, die heldeumüthigen Kämpfer für Vaterland und Ehristenthum Johans Hunyady und Nicolaus Zrinhi, den Generalissimus Ungarns Graf Johann Palffy, der sich um die Bertheidigung des Thrones große Verdienste erwarb, den anonymua regia Belae notariua, der die Geschichte der Landnahme schrieb, den hochberühmten Recht-gelehrten UogaruS Stefan Berböczy und den volk-thümlichen ungarischen Sänger Sebastian Tinody darstellen sollen. Ich betraue Sie mit der Durchführung dieser meiner Entschließung."

Fiume, 25. September. Die Stimmung ist hier wieder sehr erregt. Während bisher angenommen wurde, daß die Zahl der Verunglückten bei Untergang des Schiffes ^Jka" keine weitere Vermehrung erfahren würde, sind neuer­dings wieder zehn Vermißte von ihren Angehörigen an­gemeldet worden. Die Aussagen der Mannschaft derJka" lauten sehr belastend für den Kapitän.

Lüttich, 25. September. Der falsche Erzherzog Behrend ist gestern hier verhaftet worden. Der Poltzeichef von Lüttich erhielt vor drei Tagen die Nachricht, daß Behrend mit Marie Hu-mann von London in Lüttich etngetroffen sei, wo Behrend früher gewohnt hatte. Der Polizeichef entbot den Bruder der Marie HuSmann zu sich und stellte ihn dem Paare gegenüber. HuSmann erkannte auf der Stelle Behrend wieder. Behrend wurde infolge besten sofort wegen Führung eines falschen Namens verhaftet. In seinem Besitz fand man 7000 FrS. vor, welche Marie HuSmann gehörten. Diese ist mit ihrem Bruder unverzüglich nach Köln abgeretst. Hier will man wissen, daß die Ehe zwischen Behrend und der Marie HnSmann in London bisher nicht vollzogen wurde.

Paris, 25. September. Die Unthätigkeit des Setne- präfekten tu derBrodsteuer-Angelegenheit veranlaßte 40 Gemeinderäthe zu einem Aufruf, der zum Kampf gegen den Präfekten auffordert.

Bayoaue, 25. September. Heute fand die Leichenfeier für den General Bourbaki statt. Der Präsident Faure und der KrtegSmtnister General Billot waren bet derselben vertreten.

Petersburg. 25. September. Die Blätter bezeichnen den Besuch des LzarenpaareS bet dem Könige von Italien al- unbegründet.

Wolffs telegraphisches Eorrefpondenz-BureR«.

Aalen, 26. September. Gestern Abend 8i/i Uhr über­fuhr der Schnellzug von Stuttgart-Nördlingen zwischen Eß­lingen und Aalen bet dem Bahnwarterpoften 82 ein vier­spänniges Mühlenfuhrwerk. Die Frau des Bahn- Wärters, welche den Dienst verfah und e- unterlassen hatte, die Barrieren zu schließen, wurde überfahren und sofort ge- tödtet. Der Wagen wurde zertrümmert und die Pferde ge» tödtet. Der Fuhrmann, die Passagiere deS Schnellzuge- und da- Fahrpersonal blieben unverletzt. Die Locomotive wurde erheblich beschädigt. Der Zugführer versuchte vergebens, den Zug zum Stehen zu bringen. Durch das rasche Bremsen zerriß der Zug unbemerkt in zwei Thetle, so daß nur die Locomotive und drei Personenwagen in Aalen antamea. Die übrigen vier Wagen, welche auf dem Geleise stehen ge- blieben waren, mußten von einer Hilfsmaschine aus Aalen geholt werden.

Petersburg, 26. September. DieNowoje Wremja" meldet aus Ufa: Am 20. September, 4 Uhr Morgen-, brach tu dem Maschinenraum de- PaflagierdampferSAdmiral Gervais" Feuer au-, der, mit etwa 200 Passagieren an Bord, bei Ufa angelegt hatte. Das Feuer überraschte die Passagiere und die Schiffsmannschaft im Schlafe. Die Panik, welche entstand, wurde noch dadurch erhöht, daß das brennende Schiff vom Ufer entfernt wurde, um die in der Nähe liegen­den Schiffe nicht in Brand zu setzen. Biele Personen retteten fich durch einen Sprung Über Bord, mehrere versanken jedoch in den Wellen. Zwei Personen sind verbrannt, zahlreiche Andere erlitten Brandwunden. Wie viel Menschen in-ge- sammt uwgekommen find, konnte noch nicht festgestellt werden. Der Dampfer hatte Naphtaheizung.

BreSlau, 27. September. Im Kattowitzer Industrie- bezirk nimmt der Typhus täglich zu. In Lublinitz wurden ebenfalls neue Fälle festgestellt. Die Gegend von Beutheu ist am schwersten verseucht.

©logao, 27. September. Vom hiesigen Pionier-Bataillon find, nachdem Freitag Abend erst die letzten Mannschaften auS dem Riesengebirge zurückgekehrt waren, infolge telegra- phischer Anweisung deS General-CommandoS des 5. Armee­korps sämmtliche Mannschaften bis auf ein kleines Wacht- Eommando wieder in das Überschwemmungsgebiet zurückgekehrt.

Wien, 27. September. Graf Badeni verbrachte den gestrigen Tag sehr gut, obgleich feine Nachtruhe mehrmals gestört war. Der Minister empfing zahlreiche Besuche. Die Aerzte nehmen an, daß Graf Badeni in 14 Tagen wieder vollkommen hergestellt fein wird.

Wien, 27. September. Das rumänische Königspaar traf gestern Abend hier ein und reist morgen nach Budapest zum Besuch deS Kaisers. Man legt dem diesmaligen Besuch eine besondere politische Bedeutung bei.

Schwurgericht.

W. Gießen, 27. September.

Heute Vormittag um 9 Uhr begannen unter Dofitz des Herrn LandgerichtSrathS Wehner die Sitzungen. Nach Er­ledigung der gesetzlichen Formalitäten und nach Bildung der Geschworenenbank wurde in die Verhandlung gegen den Kessel­schmied Georg EverS von Schwetzingen wegen Todt- schlagS, versuchten TodtschlagS und gefährlicher Körperverletzung eingetreten. Die Anklage vertritt Erster Staatsanwalt Dr. Güng erich, die Bertheidigung führt Rechtsanwalt Metz. ES find 47 Zeugen und drei medicinifche Sach­verständige zu hören. Die letzteren find Mediciualrath Dr. Lorenz, HoSpitalarzt Medinalrath Dr. Weckerling, beide von Friedberg, sowie Dr. Hirsch von Bad-Nauheim. Für die Verhandlung find zwei Tage vorgesehen.

Bei Aufruf der Zeugen fehlten die von der Berthei­digung zu laben beantragten Zeugen Theiß und DebuS. Der Erste Staatsanwalt Dr. Güng erich erklärte, er habe alle- gethan, um diese Leute laben zu können, es war jedoch nicht möglich, deren Aufenthalt zu ermitteln. Der Ber- theidiger, Rechtsanwalt Metz, erklärte, er persönlich glaube ohne Einwilligung seines Clienten auf die Zeugen Theiß und DebuS nicht verzichten zu können, da dieselben für die Ent­lastung deS Angeklagten unbedingt nöthig seien, er würde selbst darauf hin, daß EverS noch drei Monate länger in Untersuchung bliebe, um die Vertagung der Sache bitten. DaS Gericht beschließt eine Pause von 15 Minuten, damit der Bertheidiger fich mit feinem Clienten berathen kann.

Nach Wiedereintritt in die Verhandlung erklärt Rechts­anwalt Metz, so sehr er auch die Verzögerung bedauere, so müsse er doch auf der Ausfindigmachung und Ladung der beiden Zeugen beharren und bitte um Vertagung der Sache eventuell bis zur nächsten SchwurgerichtSperiode. Der Ber­theidiger erklärte, daß es gerade diese Zeugen feien, welche nach den Protokollen den ganzen Tag, an dem die That pasfirt ist, mit dem Angeklagten zusammen waren. Erster Staatsanwalt Dr. Güngerich bemerkte, daß, obzwar die Bertheidigung ein Recht, die Vertagung zu verlangen nach Lage der Sache nicht hat, er doch bei der Schwere der An­klage dem nicht entgegen sein wolle, worauf fich der Gerichts­hof zurückzog. Vorher schlägt der Vorsitzende vor, ob man doch nicht den Versuch machen solle, in die Verhandlung ein» zutreten. Dar Gericht belchließt in Rücksicht auf die von der Bertheidigung vorgetragenen Gründe die Vertagung der Sache bis Mittwoch und Donnerstag nächster Woche. Der Gerichtshof ist der Ansicht, daß es im Interesse der Sache liege, die Vernehmung der Zeugen nicht bis zur nächsten SchwuraerichtSperiode zu vertagen.

CoceUs und prrohtsielte*«,

Gießen, den 27. September.

* * Empfang. Seine König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 25. September u. A. den Stenercomwiffär Jlath von Homberg, den Gymnastaldirector Dr. Dett- weiter von Darmstadt und den Oberlehrer Wolf von Lauterbach.

Dienst-Personalien. Seine Königliche Hohett der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem Kreis- amtmann und BereinigungScommiffar zu Friedberg Dr. Emil (Sättelmann und dem Kreisamtmann bei dem Rretiamte Bingen Dr. Edmund Steeg den Character alsRegie- rungSrath" zu verleihen, den zweiten Beamten bei der Invalidität»- und AlterSverficherungsanstaltGroßherzogthum Hessen" Amtmann Ernst Boekmaun zum KreiSamtmann bei dem KreiSamt Gießen, den ©teuercontroleur Steuer­assessor Braun zu Gießen zum SteuereommiffariatS- Assistenten bei dem Steuercommiffariat Darmffadt und den Steuerasieflor Georg Fritz aus Alzey zum Steuercontroleur, beide mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. an, zu ernennen.

* Da» letzte Opfer der Familienkatastrophe, welche am 26. August die ganze Stadt in Aufregung versetzte, die Ehefrau Noll, ist heute früh den schweren Verwundungen erlegen.

* Stadttheater. Auf die morgen, Dienstag den 28. ds. MtS., stattfindende Eröffnung deS hiesigen StadttheaterS fei hiermit nochmals hingewiesen. Der ausgezeichnete vier- actige SchwankZwei Wappen" gelangt alsdann erstmalig zur Aufführung.

* Kaufmännische Fachschule. Wie ans der Annonce hervorgeht, so ist das Schulgeld erhöht worden, denn durch den Neubau deS Verein-Hause-, war doch in erster Linie der Schule wegen errichtet wurde, und wodurch, da eS in jeder Beziehung den Anforderungen der Neuzeit entsprechend ein­gerichtet ist, den Besuchern der Schule viele Annehmlichkeiten geboten werden, sind dem Kaufmännischen Verein Lasten auf» erlegt worden, die ihn trotz der kräftigen Beihülfe von andrer Seite nöthigten, sich reichlichere Einnahmequellen zu verschaffen, wa- zum Theil durch Erhöhung des Schulgeldes auf 10 Mk. geschehen soll. Vergleicht man damit daS Schulgeld andrer Fachschulen, in Darmstadt beträgt eS 28 Mk., in Offenbach 50 Mk. und in Mainz sogar für jedes einzelne Lehrfach 10 Mk., so kann und wird man 10 Mk. für vier Unterrichtsfächer immer noch sehr mäßig finden. In An­betracht der arbeit-vollen Zeit um Weihnachten hin, hat die Schulcommission den gewiß practischen Beschluß gefaßt, daß alle (Surfe von Anfang December bi- Anfang Januar ge­schloffen bezw., daß zu Weihnachten vier Wochen Ferien ge­geben werden. Besonder- sei hier noch darauf aufmerksam gemacht, daß die Anmeldungen zu allen (Surfen von jetzt ab bi- 1. October geschehen müffen, da laut Beschluß dieser Tag al- letzter Anmelde-Termiu festgesetzt ist und spätere Anmeldungen nur in Ausnahmefällen Berücksichtigung finden.

* Stenographie. Der im hiefigeu Stolze'schen Steno- grapheu-verein in seinem BereinSlocalezum Andre-" durch den Bunde-vorsitzenden, Herrn Lehrer Fenner in Marburg am 25. ds. MtS. gehaltene Vortrag, über da- infolge Vereinigung der Schulen Stolze, Schreh und Velten ge­

schaffene EinigungSsystem, war sehr gut auch von Än» hängerv anderer Systeme besucht. Die fich an den Vor­trag angeschloffeve recht lebhafte Debatte verlief in der ani« mirteften Stimmung.

Centenar-MedaMe. DerReichsan-." veröffentlicht eine Bekanntmachung des Krieg-Minister- und Ministers de- Innern, wonach die zum Andenken an Kaiser Wilhelm L gestiftete Medaille allen rechtmäßigen Inhabern der preußi­schen Krieg-deokmÜoze von 1864, de- preußischen ©rinne» rung-kreuze- von 1866 und der Kriegsdenkmünze von 1870/71 zu verleihen ist. AuSgeschloffen von der Verleihung find nach der kaiserlichen Bestimmung Diejenigen, welche fich nicht im Vollbesitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden, welche wegen einer strafbaren Handlung mit Freiheitsstrafen oder wegen Verbrechen bezw. Vergehen mit mehr als sechs Wochen Gefängniß bestraft find und welche mit Freiheits­strafen bestraft worden find, insofern fie durch die der Be­strafung zu Grunde liegenden Handlungen eine unehrenhafte Gefinnung betätigt haben.

* Wetterbericht. DaS barometrische Maximum hat so­wohl an Intensität wie AuSdehung noch gewonnen und um­faßt mit Ausnahme von Nord-Europa den ganzen Erdtheil; der Kern desselben liegt im Südostev. Unter dem Einflüsse deS hohen Drucke» herrscht daher zumeist heitere» und warme» Wetter.voraussichtliche Witterung: Heiteres und warmes Wetter.

1. Großen-Linden, 27. September. Gestern Abend be­wegte fich ein stattlicher Zug mit Fackeln und Lampions,, ausgeführt von den hier bestehenden vier Vereinen, durch unser Städtchen nach der Wohnung unseres Arztes, Stabs­arzt d. R. Dr. Platz, um ihm eine Ovation zu bringen. Den Anlaß hierzu bot die zehnjährige Wiederkehr des Tages, an welchem er fich als erster Arzt hier niedergelassen hat. Bürgermeister Leun, der fich um das Emporblühen seiner Gemeinde recht verdient gemacht, brachte die Gefühle der Liebe und Anerkennung, welche die Gemeinde mit ihrem Arzt zusammenknüpft, in einer nach Form und Wesen ganz vor­trefflich in finnigster Weise gehaltenen Ansprache zum Aus­druck und schloß mit dem Wunsche, daß Dr. Platz mit Gattin in glücklichem Familienleben noch manche 10 Jahre zum Wohle der Leidenden segenSvoll seines hohen Berufs walten möge.

-f- Nidda, 26. September. Vorgestern Abend ver­unglückte in hiesiger Stadt ein mit dem beladenen Wagen feine» Dienstherrn auf dem Nachhausewege begriffen gewesener Knecht dahier. Al» das Fuhrwerk nämlich in der Bismarck­straße , unweit des Uhl'schen Anwesen», ging und der auf dem Wagen fitzende Knecht fich gerade bemühte, einen Sack Frucht fester zu legen, machte da» durch einen schrill Pfiff der in genanntem Hofe functionitenben Dreschmaschine er­schreckte Zugpferb plötzlich einen Sprung, infolge dessen der Fuhrmann vom Wagen stürzte, durch solchen noch am Unter­körper theilweise überfahren wurde und erhebliche Beschädi­gungen davontrug. Der verunglückte ist Famtlienvater, steht Ende der 30er Jahre und hat noch kleine Kinder.

A Mainz. 26. September. Seiten» der hiefigeu Druckerei­befitzer hat man beschlossen, eine Abordnung nach Berli» zu entsenden, welche gegen die geplante Verlegung der Druck- sachenverwaltung de» Eisenbahnbirectton»bezirk» Mainz von hier nach Frankfurt bei dem Minister für öffentliche Arbeite» vorstellig werden foll. Die geplante Verlegung genannter Verwaltung bedeutet für die hiesigen Druckereien einen Ein- nahmeau»fall von 300000 Mk. jährlich, weshalb auch die Mainzer Handelskammer und die Bürgermeisterei zu der Sache Stellung genommen und im Jntereffe des Mainzer Druckgewerbes Schritte in Berlin und Darmstadt znge- fagt haben.

Mainz, 25. September. Eine- ober mehrerer Schulbiger wegen bürften viele Unfchnlbige unter den Folgen eines vor­gestern vom Gouvernement ergangenen und durch Parole- befehl der gesummten Garnison bekannt gegebenen Straf­befehl», der da» ganze Regiment Nr. 117 betrifft, zu leiden haben. Wie demM.A."mitgetheilt wirb, sollen nach diesem Gouvernementsbefehl, der auf Antrag de» Regiment»- Commaudo» ergangen ist, sämmtliche Mannschaften und Unter­offiziere de- Regiment», und zwar bi» auf Weiteres, de» Abend» um 7 Uhr in den Kasernen fich eiufinden und darin verbleiben. Denjenigen, die, wie die verheiratheten Feld­webel und Unteroffiziere und die Einjährig.Freiwilligen, außerhalb der Kasernement» wohnen, foll e» allein gestattet fein, um 98/< Uhr die Kasernen, in denen fie fich bi» dahin aber unbedingt und ausnahmslos aufzuhalten hatten, zu ver­lassen. Der Grund zu dieser in solchem Umfang äußerst seltenen Strafbestimmung soll darin zu suchen fein, daß ein höherer Offizier des Regiment» vor einigen Tagen de» Abends dazu gekommen sei, als fich einige Soldaten auf der Straße thätlich herumstritten. Auf das Einschreiten de4 Offiziers feien sämmtliche Betheiligten geflüchtet, ein Mann fei dabei dem Vorgesetzten birect in die Hände gelaufen, habe jedoch, obschon der Offizier ihn an der Achselklappe fest­zuhalten versuchte, nicht Stand gehalten- er habe fich im Gegentheil gewaltsam lo-geriffen und sei unter ZurÜcklafiung der Achselklappe, die der Offizier abgerissen in der Hand be­hielt, unerkannt davongestürmt. Obschon nun am anderen Tage Regiments-Appell stattgefunden hätte und sämmtliche Waffenröcke nachgesehen worden seien, hätte man weder den betreffenden Soldaten, noch irgend einen Waffenrock mit abgerissener Achselklappe entdeckt. AIS Folge nun de- fruchtloseu Bemühen», den Schuldigen zu entdecken, ist, wie e» heißt, der vorstehende Gouvernementr-Strafbefehl anzusehen. Hierzu geht demMainzer Anz." folgende Nachricht zu: E» ist gestern gelungen, den Missethätcr und noch einen (Som* plicen desselben zu entdecken Es sollen angeblich Leute der 5. und 7. Compagnie sein. Sie wurden nicht gleich entdeckt und Hunderte von Unschuldigen mußten daher mitbüßen, weil man die Schuldigen meistens in der Schloß- kaserne suchte. Die Beiden werden fich auf eine hohe Strafe