Ausgabe 
27.8.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

'M fc M *' Ltz«

L'*" «wU

; *? Nifti ' "erzea «nb

5 Wfnrt«. $. -x?V^*n MoW aus

Dlt 6(Mie 8jt nicht Nhr sich um Mouu- ^berullgrg tm "-Denkmal «sfing-, Börne, '^chende Zeugen chr einen Sinn ln ta; fein >" in Tiz auf

ie

l Nr. 52.

irquetwaohe, ik NW.

aller Art

Min tti,

. Farben etc.

Iten.

MI.

I

Putsche

äder

Systeme id Damen

HWe.

Plckk.

persönlichen 4284

imen wird auf jrDameUnter- rtheflt____

OOOOOO mageil'

-f &

iIiNN6

7.

att t

»-von

d. Dbl

81.06

10110

9166

1881 32.10

101.6° 1(0.10

sr-lsk-b.A t 906 101'- 102j0

*(ü

80.90 noio - 116

U»

Nr. 200 Erstes Blatt Freitag deu 27. August iSW

Der

Ktehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener Jr«mtlienv5älter werden dem Anzeiger -wöchentlich dreimal beigelegt.

Meßmer Anzeiger

Aenerat-Anzeiger.

Vierteljähriger

Abonnementspretsr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

-chutstraße Kr.7. Fernsprecher 51^

Arnts- tinb AnzeiSeblcrtt für den Ttrers Sisszen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Gratisbeilage: Gießener Jamitienökätter

Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgehn.

Gießen, den 24. August 1897. Betreffend: Abhaltung zweier Kreisfeuerwchrtage des Kreises Gießen.

Das Grohherzogliche Kreisamt Gießen

an die Gr. Bürgermeistereien des Kreises.

Am 19. September I. Js. wird für den Bezirk Lich zu Lich und am 26. September l. Js. für den Bezirk Grünberg zu Grün berg ein Kreisfeuerwehrtag abgehalten werden. Den Commandanten wird hierzu spe» tiefte Ladung zugehen.

Wir geben Ihnen hiervon mit dem Anfügen Kenntniß, daß die Commandanten für den Besuch des Kreisfeuerwehr» tages eine Vergütung von 2 Mark zu beziehen haben.

I. D.: Dr. Wagner.

Aus dem Reiche des Padischah.

Man darf als sicher annehmen, daß sowohl bet der Anwesenheit Kaiser Wilhelms in Rußland als auch bet dem jetzigen Besuche deS Präsidenten Faure die orientalische Frage Gegenstand der Besprechungen gewesen ist. Irgend welche MetnungSverschiedenheiten waren freilich zwischen Deutschland, Frankreich und Rußland bisher nicht zu Tage getreten, und fo können sich die Berarhungen nur darauf bezogen haben, nach welchen großen Grundzügen die Behandlung der immerhin heiklen Angelegenheit künftig geschehen soll. Als erste Voraus­setzung dürfte es gelten, daß der Besitzstand deS Sultans im Allgemeinen unangetastet bleiben soll; denn wird der gegenwärtige Status quo im Orient verändert, so kann auch daS jetzige Einvernehmen der Mächte nur schwer ausrecht erhalten werden. Deshalb bestehen ja auch die FriedenS- bestrebungen der letzteren hauptsächlich darin, Jedem, der etwa unlautere und eigennützige Zwecke gegen die Türkei verfolgt, ein entschiedeneshandsoff zuzurufen. Die Mächte haben von jeher ein gewisses Anrecht darauf in Anspruch genommen, in die internen Sachen deS Sultans htneinzureden; damit haben sie sich aber auch eine Verantwortung auserlegt, welche sie gewiß vielfach drückend empfinden. Unter dem Vorwande, die christlichen Bewohner der Türkei in Schutz nehmen zu muffen gegen muselmännische Vergewaltigung, dictiren sie dem Sultan ihreVorschläge", die sich ins« besondere auf die in den christlichen Provinzen seines Reiches riuzuführenden Reformen beziehen. Wie wenig Werth die Hohe Pforte im Allgemeinen auf die Vorschläge der ruro- -äischen Großmächte legt, haben wir schon verschiedentlich auszuführen Gelegenheit genommen und dargelegt, daß die hauptsächlichste StaatSkunft der türkischen Diplomaten heute darin besteht, eine Politik der Verschleppung mit Erfolg inS Werk zu setzen, auf dem Papiere viele Versprechungen zu machen, dieselben aber beileibe nicht etwa zu halten, sondern unter allerlei Winkelzügen zu umgehen. Dieses Princip ist in deu letzten Decennien so glanzvoll durchgesührt, daß die Großmächte in den meisten Fällen mit langer Nase ab- zteheu mußten.

Wir wollen heute gar nicht auf die noch immer schweben­den FriedenSverhandlungen zwischen der Türket und Griechen, land eingehen. Auch hier betreibt die Pforte eine Ver- schleppungöpolitik, aber sie besorgt diese nicht selbst, sondern -sie hat lhren Helfershelfer bei den Großmächten und zwar meistens in England. Alle Regierungen sind einig darin, wie die Räumung Thessaliens erfolgen soll, nur England will auf den Sultan einen stärkeren Druck ausüben und denselben zum sofortigen Aufgeben TheffaUenS zwingen, über­sieht dabei aber ganz, daß der tertius gaudens die Pforte ift, da derselben aus BilligkeitSrückfichten einige Zugeständ. visse Seitens der übrigen Großmächte nicht versagt werden können.

Mehr als die griechische Frage interesfirt jetzt die tür­kische Regierung das neuerliche Umsichgreifen der armenischen Bewegung. Auch den Armeniern sind Reformen zugesagt und bereits in dem Berliner Vertrag ist em Artikel auf genommen worden, durch welchen die Türkei veranlaßt wurde, in Anatolien Zustände herzustellen, welche den europäischen Wünschen entsprechen. Die Machthaber in Constantinopel behaupten nun, d elem Auftrage sei prompt nachgekommen worden, aber den Armeniern liege daran, gegen die Musel­männer sich auf dem Kriegsfuße zu befinden, und insbeson­dere für die armenischen Comitos sei dieser Zustand eine Existenzfrage. Auf jede Welse würden die Türken von den Armeniern gereizt, weshalb cs nicht verwunderlich sei, daß ab und zu Gcwaltthätigkeiten vorkämen. Mag man nun

von vteser türkischen Auffaffuag der Dinge halten, roa« man will, auf keinen Fall können die Anschläge der Armenier, welche sich gegen Leben und Eigenlhum der Muselmänner richten, gebilligt werden. ES ist noch in frischer Erinne­rung, welch' entsetzliche Greurlthaten im vorigen Jahre durch den von den Armeniern in Constantinopel verursachten Auf­ruhr geschahen, und wie die Maffacreö nicht auf die tür­kische Hauptstadt beschränkt blieben. Wenn durch die vor wenigen Tagen geworfenen Bomben nicht größeres Unheil angerichtet wurde, so ist solches nur der durch alle jetzt ein­laufenden Berichte bestätigten anerkennenSwerthen Haltung der türkischen Polizei zu verdanken, welche die Entfaltung des muselmännischen Fanatismus zurückdrängte und Ruhe und Ordnung aufrecht erhielt. Das ist immerhin ein gün­stiges Zeichen für die Beurtheilung der DiSciplin der Be­amten und deS Militärs und um so mehr hervorzuheben, als die Finanznoth der Pforte eine Entwickelung der Macht der türkischen Behörden stark beeinträchtigt und das Ansehen der Regierung in hohem Grade schmälert.

Selbstverständlich haben die Christen im Reiche deS Sultans unsere lebhaftesten Sympathien, aber wir können es nicht gutheißen, daß fie ihre thatsächlichen und vermeint« liehen Ansprüche durch Handlungen zu erreichen suchen, welche im höchsten Grade verwerflich und dazu geeignet find, die Situation noch verworrener zu gestalten und den Frieden zu gefährden. Die Türkei hat im letzten Kriege bewiesen, daß sie noch Thatkraft genug besitzt, um einen von außen her andringenden Feind niederzuwerfen; wenn sie nur einen Theil dieser Spannkraft in Anwendung bringen wollte, um die inneren Zustände einer Gesundung entgegenzusührcn, so würde ihr dies sicher gelingen. Ihre eigene Sicherheit er­fordert es, daß sie den Verhältnissen ihres eigenen Landes mehr Aufmerksamkeit zuwendet, denn cm den Grenzen warten zahlreiche Beutelustige, welche den Augenblick mit Sehnsucht erwarten, wo der Zerfall deS osmanischen Reiches eintritt.

(xx)

Deutscher Reich.

Darmstadt, 25. August. Ihre Königlichen Hoheiten der Groß Herzog und die Großherzogin begaben sich tm Lause des gestrigen Nachmittags mit Seiner Hoheit dem Prinzen und I. K. H. der Prinzessin Adolf von Schaum- burg-Llppe nach Homburg, von wo Allerhöchstdieselben nach Jagdschloß WolsSgart-n, die Prinzlich Schaumburg'schen Herrschaften nach Schloß Friedrichrhof zurückkehrten. Ihre Königlichen Hoheiten der Groß her zog und die Großherzogin trafen heute Vormittag von Jagdschloß Wolfsgarten h er ein ur.b kehrten Nachmittags dorthin zurück.

Berlin, 24. August. Zweiunddreißig höhere Offiziere, nämlich 4 Generalmajore und Brigade Com- manbeure, 10 Regiments - Commandeure (9 davon Oberst, 1 Oberstlieutenant) und 18 Stabsoffiziere (darunter 1 Oberst, die anderen Oberftlieutenants und Majore) sind nach Aus­weis der letzten imMilitärwochenblatt" veröffentlichten Liste Über die Personalveränderungen in der preußischen Armee zur Disposition gestellt, resp. haben den Abschied erhalten. Man bringt diese umsangreichen Veränderungen in den höheren Commandostellen mit den bevorstehenden Kaiser- rnanövern in Zusammenhang.

Deutschland im Innern und nach Außen. Unter dieser Spitzmarke wird imHamb. Corr." ausgeführt: Ein merkwürdiger und in dieser Schärfe wohl noch nicht da- gewesener Gegensatz zwischen der inneren und äußeren Politik des Reiches ist gegenwärtig zu beobachten. Im Innern zeigt sich eine Zerklüftung der Parteien, Interessengegensätze schroffster Art und überhaupt eine Stimmung, die am Besten als all­gemeine Verdroffenheit bezeichnet werden kann. Dagegen ist das Bild nach außen ein geradezu entgegengesetztes. Schon die Haltung der Reichsregierung namentlich das Eingreifen des Kaisers mit dem Telegramm an Präsident Krüger von Transvaal Anfang Januar 1896 hatte eine überraschende Wirkung; das gesammte deutsche Volk mit den Preßorganen aller Nuancirungen stand geschloffen auf Seilen der Regie­rung. Dies? Einmüthigkeit des deutschen Volkes, wie w r fie Ins dahin fett langer Zeit nicht kannten, hat nach außen dem Reiche auch zu größerem Ansehen verhalfen. Gegenwärtig sehen wir dasselbe Schauspiel bei dem kräftigen Eintreten Deutschlands zur Schadloshaltung der Gläubiger Griechen­lands. Auch hierbei steht das gesawmte Volk hinter der Regierung. Dabei gewinnt noch eine Beobachtung Raum. Im Anfang der orientalischen FriedenSverhandlungen wurden von Deutschland Vorschläge gemacht, die Griechenland vor dem Entfachen eines Krieges abhalten sollten; fie wurden damals aus bekannten Gründen nicht befolgt. Jetzt am

Schluß der Verhandlungen find es wieder deutsche, mit Energie festgehaltene Vorschläge, die erst einen zufrieden- stellenden Schluß ermöglichen.

Koblenz, 25. August. An Fürstlichkeiten werden zur Kaiserparade bei Urmitz sowie zur Einweihung deS Kaiserdenkmals außer dem Kaiserpaar hier eintreffen die Großherzogin von Baden, die bereits am 29. kommen wird, Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe nebst Gemahlin, Prin­zessin Victoria von Preußen und als Chef des Infanterie- Regiments v. (Soeben Nr. 28 der Herzog von Cambridge. Bei der Einweihungsfeier werden u. A. ferner zugegen fein: in Vertretung des Reichskanzlers und des preußischen Ministerpräsidenten der TtaatSsecretär deS Innern Graf v. PofadowSky und der Minister Dr. v. Miquel, der Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen, Generaloberst Freiherr v. Los und General der Infanterie z. D. v. Strubberg.

Wolff» telegraphische» Correfpondmr-Bnreau.

Potsdam, 25. August. Der Kaiser und die Kaiserin trafen mittels SouderzugeS um 8 Uhr 15 Min. auf Wild­parkstation ein.

Magdeburg, 25. August. Seine Majestät der Kaiser begab sich nach 4 Uhr nach dem Grusonwerk, wo er von Geheimerath Krupp empfangen wurde. Der Kaiser besich­tigte einige Panzerthürme, Modelle von Panzerungen und die Versuchsanstalt für Erzaufbereitung. Ihre Majestät btt Kaiserin besuchte im Laufe des Nachmittag» die Wohl- thätigkeitSanstalteu: Evangelisches VereinShauS in Sudan, Augustastift und die Diakoniffenftation Bethanien, sowie den Dom. Nach den Besichtigungen begaben sich die Majestäten mit Begleitung nach dem Bahnhofe. Um 6 Uhr 25 Min. erfolgte die Abreise nach Wildparkstation.

Köln, 25. August. DieKölnische Zig.- meldet au» Konstantinopel: Bi» jetzt find neun Armenier wegen Theilnahme an den Bombenverschwörungen verhaftet worden. In den Vorstädten Psamatia und Kumkapn, wo im vorigen Jahre ernste Kampfe stattfanden, erstürmte die Polizei die Häuser, die al» Bombenniederlagen dienten. In Pera wurden im Hause eine» Italiener» viele Bombm entdeckt, die ein armenischer Diener ohne Vorwiffen seine» Herrn dort verborgen hatte. Höchst wahrscheinlich find die ExplofionS- körprr noch vom vorigen Jahre übrig. Welche geheime Gesellschaft die Bombeneinwürfe veranlaßt hat, ist nicht be­stimmt zu sagen.

Zürich, 25. August. In der heutigen Sitzung de» Arbetterschutz - Congresse» beantragte Kulemann- Braunschweig bte Aufstellung verschiedener Arbeitstage für die einzelnen Berufszweige entsprechend de» für dieselben erforderlichen KräfleaufwcmdeS. Der Antrag wurde von den Katholiken unterstützt, von den Socialtsten dagegen be­kämpft und bei der Abstimmung mit 174 gegen 81 Stimmen abgelehnt. Ebenso wurde mit 170 gegen 80 Stimmen ein Antrag zu Gunsten einer besonderen Behandlung der Land- Wirtschaft abgelehnt.

Petersburg, 25. August. Die Parade bet Krasnoje ©feto war von andauerndem Regen begleitet. Der Zar traf mit Felix Faure zu Wagen ein, die Zarin folgte mit der Großfürstin Mana Paulowna in einem zweiten Wagen. Sie fuhren am Kaiferzelt vor und wurden von den im Viereck ausgestellten Truppen mit der Marseillaise und lauten Hurrah- rufen begrüßt. Die Kaiserin und Präsident Faure nahmen mit dem Gefolge im Kaiserzelte Platz. Der Kaiser nahm die Parade zu Pferde ab, umgeben von den Großfürsten. Die Parade begann gleich mit dem Vorbeimarsch, da» Ab« retten der Front unterblieb; auch cotoyirten diesmal nur die Großfürsten Michael und Nikolai Nikolajewitsch. Die Luftschifferabtheilung harte sich mit einem Ballon, der die Aufschrift: Vivo la franco! trug, vor dem Kaiserzelt auf- gestellt. Prinz Napoleon führte sein Garde Ulanenregiment vor. Nach der Parade stieg der Ballon unter lautem Jubel des Publikum» auf. Der Zar beförderte sodann 400 Offtzier»- aspiranten zu Offizieren. Die Kaiserin verlieh den Leibpagen persönlich das Offizterspatent. Das Kaiserpaar fuhr dann mit dem Präsidenten Faure nach Kraßnoje Sselo ins Palais, wo das Frühstück stattfand.

Peterhof, 25. August. (HavaS-Meldung.) Beim Parade- frühstück in KraSnoje Sselo brachte Präsident Faure folgenden Trinkspruch aus:In Paris, in den Awen und in Dünkirchen, in dem Augenblick, wo ich mich einschiffte, um Rußland und seinen erhabenen Kaiser zu begrüßen, war der einstimmige Wunsch, den mir das französische Heer au»- drückte, der, daß ich dem ruffischen Heere die erneute und stets aufrichtige Versicherung ferner tiefen Freun.schäft über«