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Der ' ^U|tnet Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Anmiktenb kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Dienstag de» 27 April
Gießener Anzeiger
Kmeral-Wnzeiger.
Vierteljähriger Aöounementspraia r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« ftdttßfrtHrfT Alle Annoncen-Bureaux de« In- und Auslandes nehm« t
folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. ^lUlIHllcnVUlUU. Anzeigen für den „Gießener Anzeiger^ entgeg««.
Anntlicher Lyeil.
Gießen, den 24. April 1897.
Vetr.: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung- hier: die Gebühren der Beztrksbauaufieher und Sachverständige» für Prüfung genehmigungspflichtiger Bauten.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen en die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinde« des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche mit der Einsendung der Berzetchuifie rubricirten Betreffs für daß 1. Quartal 1897 ooch im Rückstände find, erinnern wir au die Vorlage derselben binnen drei Tagen.
v. Gagern.
Deutsches Reich.
Berlin. 24. April. Reichskanzler Fürst Hohenlohe, welcher fich gestern uach Schillingsfürst begeben hat, wird, wie die „Nordd. Allg. Ztg." vernimmt, am Montag wieder in Berlin eiutreffeu.
Berlin. 24. April. Wie dem „Berl. Tagebl." aus Kiel gemeldet wird, ist die Ernennung des früheren Ministers v. Köller zum Oberpräfidenten von Schleswig-Holstein endgültig gescheitert.
Berlin. 24. April. Der Kaiser hat am heutigen Todestage des Geueralfeldmarschalls Grafen Moltke feinen Flügeladjutauten, Oberstlieutenant Grafen v. Moltke, nach Creisau gesandt, um auf deffen Sarg einen Kranz rnederlegen zu laffeu. Auch daS Offiziercorps des Letb- Küras fier-Regiments Großer Kurfürst (SchlefischeS) Nr. 1 hat ebenso wie das des Füsilier-Regiments General-Feld- marschall Graf Moltke (SchlefischeS) Nr. 38 einen Kranz dorthin gesandt.
Berlin. 24. April. Wie auS Brüssel gemeldet wird, will der Großherzog von Luxemburg dem Kaiser Wilhelm während deffen Aufenthalts in Urville einen Besuch abstatten.
Königsberg i. Pr., 24. April. Die Reichstags- ersatzwahl findet am 10. Juni statt. Die freifiunige VolkSpartei hat Papendieck-Dahlhetm nunmehr definitiv als Eaudidaten ausgestellt.
Frankfurt a. M.. 24. April. Der „Frkf. Ztg." wird aus Konstantinopel gemeldet: Dieser Tage war die Stimmung in Konstantinopel, insbesondere unter den Muha- medanern, sehr gedrückt. Den ersten StegeSdepeschen find keine weiteren Nachrichten gefolgt, was Anlaß zu den wildesten Gerüchten gegeben hat. Eine erbitterte Stimmung, besonders gegen den Palast, macht sich bemerkbar. Im EmpfangSsalou des kleinen PalastcS, welcher seiner Zeit Kaiser Wilhelm zum Aufenthalt diente, bält jetzt der Krieg-- rath seine Sitzungen ab. Tische und Wände find mit Generalstabskarten bedeckt, auf denen die Positionen der Griechen und Türken durch weiße und grüne Fähnchen markirt find. In einer Ecke deS Saales arbeiten drei HugheS-Apparate, die mit dem türkischen Hauptquartier verbunden find und die
Befehle an den Dbtrcommanöirtnben Übermitteln. Der Sultan begiebt fich fast stündlich in diesen Saal. Der Kriegs- rath unterbricht auch Nachts feine Arbeiten nicht, aber so viele Depeschen auch an Edhem Pascha abgingeu, 30 Stunden lang erfolgte keinerlei Antwort. Erst vorgestern Abend find die ersten ungünstigen Nachrichten etvgetroffen, in denen von einer theilweisen Umzingelung der Armee Edham Paschas die Rede war und welche meldeten, daß die Türken seit Dienstag 10000 Todte verloren hätten. Gleichzeitig tele- graphirte der Cowmandant der rechten Flügeldivifion, daß 8 Bataillone Arnauten fich geweigert hätten, zu schießen, ihre Waffen fortgeworfen hätten und geflohen seien, wobei fie andere Bataillone in der Richtung uach Lartffa hin mit fich fort riffen, so daß die Griechen vorgestern mit relativ geringer Anstrengung sich der Stadt WtadaS bemächtigen konnten.
Wiesbaden, 24. April. DaS Centrum stellte im Wahlkreise Wiesbaden den päpstlichen Geheimkämmerer Raymund von Fugger in Mainz als RetchStagScaudidateu auf.
Karlsruhe, 24. April. Der Kaiser traf um 6/,10Uhr hier ein. Zum Empfange waren am Bahnhofe anwesend der Erbgroßherzog, die Großherzogin, die Erbgroßherzogiu, die Prinzen Karl und Max von Baden, der preußische Gesandte von Etseudecher, der commandirende General deS 14. Armeecorps, v. Bülow. Der officielle Empfang am Bahnhof unterblieb auf den Wunsch des Kaisers. Nur Seitens der Stadt fand osfieteller Empfang vor dem Rathhause statt.
Wien, 24. April., Die „Wiener Abendpost" schreibt: Se. Majestät der Kaiser tritt morgen die Reise nach Petersburg an, um den Besuch zu erwidern, welchen daS russische Kaiserpaar im August deS Vorjahres dem Wiener Hofe abgestattet halte. Die Zusammenkunft der erlauchten Beherrscher zweier großer Reiche wird daS persönliche Freund- schaftsverhältniß, dessen Innigkeit und Herzlichkeit gelegentlich deS Wiener Aufenthaltes des russischen Kaisers zum Ausdruck kam, erneuern und festigen. Die Völker der Monarchie begleiten den geliebten Herrn wie immer' und überall auch auf diesem seinem Wege mit ihren heißesten Wünschen.
Brüssel, 24. April. Die Strikebewegung unter den Bergleuten nimmt eine bedrohliche Ausdehnung an; es striken 3000 Bergleute.
Athen, 24. April. AuS Larissa etngelaufene Meldungen lauten fortgesetzt günstig. Es wird bestätigt, daß die Türken infolge der in den letzten Tagen erlittenen colossalen Verluste viel an ihrer bisherigen Kampflust eingebüßt haben; die Griechen besetzten neuerdings Nezero und Rabsani.
Athen, 24. April. Nach erbittertem Kampf bei Turnaro wichen die Türken auf die Hügel bei Melma zurück und eröffneten ein heftiges Feuer auf die Griechen. Der Kampf dauert fort. Der Prüftet hat fich mit 4000 bewaffneten Bürgern nach Thessalien begeben zur Unterstützung dcS Heeres. Ein Ausruf deS Königs an das Volk wird am morgigen Oster-Sonntage erwartet. Garibaldi, welcher hier eingetroffen ist, hielt von dem Balkon deS Studrnten- vereinS aus an die Menge eine zündende Ansprache, welche
mit rasecr-rm Jubel ausgenommen wurde. Garibaldi wurde im Triumpa nach dem Horel getragen.
Ver-rischte»^
• Hanau. 24. April. Am 1. Juni 1897 feiert die Stadt Hanau den 300jährigen Gedenktag der Gründung der Neustadt. Wie der große Act der Toleranz, durch welchen Philipp Ludwig II. im Jahre 1597 den auS ihrer Heimath, den Niederlanden und Frankreich, vertriebenen Wallonen und Hugenotten, HeimathSrecht in unserer Stad» gewährte, den Nachkommen jener Flüchtlinge die Pflicht auferlegt, fich jenes großen Ereignisses dankbar zu erinnern- wie nicht nur diese, sondern die ganze Stadt, welche ihr Aufblühen im engeren Sinne doch hauptsächlich jenen Ansiedlern verdankt, dieser Pflicht der Dankbarkeit durch eine große öffentliche Feier zu genügen sucht, so werden auch unsere Nachbarorte, deren Geschichte einst ebenfalls in enger Beziehung zu der alten Grafschaft Hanau stand, sich freudig der allgemeiueu Festlichkeit auschließen. I. Kirchliche Jubiläums-Feier: Dienstag den 1. Juni, Morgens 9*/s Uhr: FestgotteSdieust. Hierauf findet um ll1/, Uhr die Enthüllung des von Herrn Professor Wtese-Hauou entworfenen und ausgeführten Denkmals für den Grafen Philipp Ludwig vor der französischen Kirche statt. Nachmittags 2V, Uhr soll, voraussichtlich in der Festhalle im Schloßpark ein Festmahl veranstaltet werden, dem fich gegen 5 Uhr ei« Volksfest anfchließen wird. — II. Weltliche Feier: Sonntag, den 1. Pfinpstfeiertag (6. Juni): Großes Coucert. 1. Festtag. Montag (7. Juni): Großer historischer Festzug. Coucert in der Festhalle und im Park. Leiter-Pyramiden der „Turngemeinde". Coucert tu der Fefthalle und im Park. Tanzbelustigung. Marmorgruppen mit electrischer Beleuchtung. Borträge eines Gesangverein-. Historische Tableaux. Knust- Radfahren. 2. Festtag. Dienstag (8. Juni): Frühcoucert. Fest-Bankett. Coucert im Park. Schauturnen der Hanauer Turnerschaft, Turnspiele und Hürdenrennen. Coucert in der Festhalle und im Park. Tanzbelustiguvg. Gesangsvorträge eines Gesangvereins. Turnerische Uebuugeu des ^Turnverein". Tanz-Potpourri. Radfahrer-Reigen. 3. Festzug. Mittwoch (9. Juni): Früh-Concert. Csncert in Fefthalle und im Park. Hindernißreunen der Radfahrer. Coucert in der Festhalle und im Park. Tanzbelustigung. GesangSvor- träge der vereinigten Gesangvereine. Borträge eines Gesangverein-. Fächer-Tanz. Hebungen der „Turngesellschaft". Serpentine-Tanz. Tableaux. 4. Festtag. Donnerstag (10. Juni): Früh-Concert. Coucert in der Festhalle und im Park. Kinderspiele mit PreiSvertheiluug. Vorträge eines Gesangvereins. Waffeu-Reigen des „Turn- und Fecht- Club". Reckturnen der Hanauer Turnerschaft. Coucert in der Fefthalle und im Park. Tanzbelustigung. Großes Brillant-Feuerwerk.
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Feuilleton.
Sie Fürgengrust in Weimar.
Von Dr. Ernst Maasburg.
(Nachdruck verboten.)
Wohl kein Besucher Weimars versäumt eS, auch die „Fürstengruft" zu besichtigen ober doch wenigstens außen stehend ehrfurchtsvolle Bl'cke auf den schlichten Tempel zu werfen, der die schlichten Ueberreste der zwei größten Dichter des deutschen Vaterlandes in fich schließt. In den jüngsten Tagen brachte ein traurige- Eretguiß den heiligen Bou wieder einmal in Erinnerung, ein neuer Sarg wurde den Reihen der übrigen beigesellt, daS Sterbliche der Groß- Herzogin Sophie von Weimar enthaltend. Die Gruft befindet fich aus dem neuen Friedhöfe der klassischen Stadt aa der Ilm, von zahlreichen geweihten Grabstätten umgeben. Hier ruhen Charlotte von Stein, Johanne- Falk, Johann Heinrich Meyer, P'uS Alexander Wolff (Goethe- großer Jünger), Ernestine Dyrand, der Capellmeister Hummel, Ecker- tnann und manche andere wohlbekannte und berühmte Per- Ionen. Das Gebäude, tempelariig aus steineruem Unterbau errichtet, ist in einfachem, ernstem Stil aufgeführt. ES umfaßt ein geräumiges Gewölbe und Über demselben eine zum
Trauergottesdienst eingerichtete Capelle. Carl August ist der Erbauer der Fürstengruft, 1824 wurden die 26 Särge mit den Leichen feiner Vorfahren, dre bis dahin in der Schloß- kirche ruhten, dahin gebracht. Sonach liegen hier Herzog Wilhelm IV., der Stammvater des neuen Weimarischen Regentenhauses, und alle feine Nachkommen, mit Ausnahme der Herzogin Anna Amalia, welche in der Stadiktrche beigesetzt ist.
Die Capelle zeigt würdigen Schmuck, von der ver- storbenrn Kaiserin Augusta, der Enkelin Carl Augusts, gestiftet. Von ihr stammt auch ein großes Kreuz, das auf dem der ThÜr gegenüber befindlichen Altar seinen Platz hat. An der Rückwand dieses Altar- liest man die Namen der aus der Schloßkirche hierher gebrachten Fürsten. Bor demselben erblickt man einen runden, umgitterten Platz, von dem aus der Sarg nach beendeter Feierlichkeit mittelst einer Vorrichtung tu die Gruft Hinabgelaffen wird, nach der herrlichen Stelle in Schillers „Braut von Messina", welche dem Erbauer die Idee eingegeben haben soll:
„Mit schwarzem Flor behangen war das Schiff
Der Kirche, zwanzig Genien umstanden Mit Fackeln in den Händen den Altar, Dor dem der Todtensarg erhaben ruhte, Mit weißbekreuztem Grabestuch bedeckt. Und auf dem Grabtuch sähe man den Stab
Der Herrschaft liegen und die Fürstenkrone . . .
Und alles lag in stiller Andacht knieend, Als ungesehen jetzt vom hohen Chor Herab die Orgel anfing sich zu regen, Und hundertstimmig der Gesang begann — Und als der Chor noch fortklang, stieg der Sarg Mit sammt dem Boden, der ihn trug, allmälig Versinkend in die Unterwelt hinab;
Das Grabtuch aber überschleierte
Weit ausgebreitet die verborg'ne Mündung, Und auf der Erde blieb der ird'fche Schmuck Zurück, dem Niederfahrenden nicht folgend."
Lmks vom Eingänge führt eine Wendeltreppe hinab in die Gruft. Das niedere Gewölbe, au- welchem dem Besucher eme eisige Luft entgegenströmt, ruht auf breiten Mauerpfeilern. Hier stehen die künstlerisch verzierten Metallsärge, zum Theil noch mit welken Kränzen bedeckt, ja einzelne, wie diejenigen de- großen Dichterpaare-, unter der Fülle de- Blumen- und Kranzschmuckes fast verschwindend. Nach der allgemeinen Anschauung schlafe Carl August zwischen seinen beiden Dichterfreunden den TodeSschlaf. Da- ist ein Jrrthum. Goethes und Schillers Särge stehen vorn am Eingänge, während der Herzog an der Mittelwand der Grvft an der Seite feiner Gemahlin Louise bestattet ist In einem hohen broucenen Sarkophage ruht er aus von der ruhmvollen Arbeit seines Lebens und die auf seiner Grabstätte


