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ble Wittwe v. B., eine schon bejahrte Dame, welche ein Ver- mögen von 9000 Mk. besaß. Dies verlockte ben Angeklagten, lelbfi als Freier aufzutreten. In seinem Bewerbungsschreiben schilderte er sich selbst al» ein Muster von Tüchtigkeit unb Solidität, bet es nur der Unredlichkeit einer Lonboner Bank- firma zu verdanken habe, daß sein bedeutendes Vermögen verloren gegangen sei. Frau v. B. ließ fich überreden, im November fand die Verlobung statt. Die Braut opferte zunächst 3000 Mk., wofür der Angeklagte die Wohnungseinrichtung besorgen sollte. Er verbrauchte das Geld für fich. Im Januar sollte die Hochzeit stattfinden. Vorher überredete der Angeklagte seine Braut, mit ihm eine Reise nach Nizza bew. Monte Carlo zu machen. Er behauptete, daß er ein System erfunden habe, wonach er unbedingt bei einer Spielbank gewinnen müsie. Wenn fie zu diesem Unternehmen 500 Mk. und 400 Mk. für die Reisekosten opfern wolle, so würden fie nach einiger Zeit als reiche Leute nach Berlin zurückkehren. Diese Aussicht schien der Frau v. B. so verlockend, daß fie auf den Vorschlag einging. Am Abend des 31. December v. I. traten fie die Reise an. Frau v. B. führte 900 Mk. mit fich, die der Angeklagte ihr aber durch das Borgeben abschwindelte, daß er dafür französisches Geld einwechseln müsse. Auf dem Bahnhofe nahm der Angeklagte für seine Begleiterin einen Platz im Schlafwagen, während er selbst fich mit einem Platz zweiter Klaffe begnügte. Er »ahm Absaiied von ihr mit dem Versprechen, daß fie am «olgenden Morgen ben Kaffee gemeinsam in Regensburg etn- nehmen würden. Als der Zug hier angekommen war, ließ der Angeklagte sich nicht blicken. Nach vielem Fragen erfuhr Frau v. B., daß er den Zug bereits in Leipzig verlaffen habt. Die arme Frau befand fich in einer heiklen Lage, sie führte keinen Pfennig Geld bei sich und mußte den Credit des Bahnhofswirths in Anspruch nehmen. Sie fuhr allein bis München weiter, in der Hoffnung, daß ihr Bräutigam durch irgend ein unvorhergesehenes Hinderniß aufgehalten worden sei. Sie täuschte sich auch hierin, ihre Fahrkarte lautete nur bis München und die dortige Behörde nahm fich der Ber- loffenen an und sorgte für ihre Rückbeförderung nach Berlin. Inzwischen war der saubere Bräutigam auf einem anderen
Wege nach Nizza gereift und hatte seine ganze Baarschafr nach wenigen Tagen verspielt. Sein „System" taugte nichts. Als er nach Berlin zurückkehne, wurde er verhaftet. Bevor er diesen Betrug ausführte, hatte er einen ähnlichen be- gangen, dem der Schneider Schütz zum Opfer gefallen war. Bei diesem, einem in bedrängten Berhältniffen lebenden Jnug- gesellen, hatte der Angeklagte eine Schlafstelle inne, die gleichzeitig sein „Büreau" vorstellte. Der Angeklagte erzählte feinem Bermiether so viel von seinem „System", welches ihn so leicht zum reichen Manne machen solle, daß derselbe ihm schließlich glaubte. Lange hielt ihm täglich vor, wie thöricht er sei, sich mit Nadel und Scheere zu quälen- wenn er sich mit ihm verbände, könnte er genießen, war die Welt an Annehmlichkeiten biete. Schütz hielt dies für wünschens- werth, aber eß fehlten ihm wie dem Angeklagten die Mittel, nach Nizza zu reisen und zu spielen. Lange schlug nun folgenden Ausweg vor: Schütz solle ein Mädchen mit etwas Vermögen hetrathen und sofort nach der Hochzeit mit ihm nach Nizza reisen, um in Monte Carlo die Bank zu sprengen. Schütz ging darauf ein, und es sand sich auch ein bedauerns- wertheS Geschöpf, welches ihm 1000 Mk. mit in die Ehe brachte. Schütz nahm hiervon 800 Mk. und dampfte mit dem Angeklag'en nach Nizza ab. Das Geld war im Hand- umdrehen verloren, daß „System" hatte sich auch damals nicht bewährt. Schütz bekundete im Termine, daß der Angeklagte ihn inß tiefste Elend gestürzt. Als der Angeklagte trotz aller Vorhaltungen des Vorsitzenden allerlei Winkelzüge machte und auch seinem Vertheidiger durch falsche Angaben sein Amt erschwerte, erklärte der letztere, daß er die Verteidigung uiederlege. Ec bitte aber, den Termin zu der- tagen, damit der Angeklagte im Stande sei, fich einen anderen Vertheidiger zu wählen. Der Gerichtshof sah sich nicht vtr- anlaßt, diesem Anträge stattzugeben,- die Verhandlung wurde ohne Vertheidiger zu Ende gesührt und endete nach dem Anträge des Staatsanwalts mit der Verurteilung des Angeklagten zu einer Gefängnißstrafe von 2 Jahren und Zjährigem Ehrverlust.
Eingesandt
■ Vor einigen Wochen wurde in Kirfer Zeitung dankbar anerkannt, daß bei Gelegenheit der Illumination am 22. v. Mts. die Gießener freiwillige Feuerwehr eine Feuerwache gestellt hatte: unserer Ansicht nach wäre es ebenso mit Dank zu begrüßen, wenn das Corps sich entschließen könnte, jetzt, wo bei dem endlich eingetretenen schönen Wetter die Bevölkerung an Sonntagen ins Freie strebt — wovon sich die Angehörigen der freiwilligen Wehren sowohl wie die der Pflichifeuerwebr nicht ausschließen werden — allsonntäglich etwa von 3—9 Uhr ebenfalls eine Wache von vielleicht zehn bis zwölf Mann zu stellen — es wurde damals bemängelt, daß die Wachmannschaft zu gering an Zahl gewesen wäre. Es ist ja ein Opfer, was von der Mannschaft verlangt würde, aber es würde Jeden ja doch nur etwa den achten oder neunten Sonntag treffen.
2-ikIpla irr «rttiditei jratfsrt« Stritt Ijetta.
vveruvauS.
Dienstag den 27. April: Die verkaufte Braut. Mittwoch den 28. April: Die Königskinder. Donnerstag ben 29 April. Die lustigen Weiber von Windsor. Freitag den 30. April geschlossen. Samstag ben 1. Mai: Der Pfeifer von Hardt. Sonntag den 2. Mai: Tannhäuser.
Dienstag den 27. April: Ma reelle. Mittwoch den 28. April: Frauenkamps. Das Gewitter. Donnerstag ben 29. April: Marcelle. Freitag den 30. April: Die Braut von Messina. SamStag den 1. Mai. Goldfische. Sonntag ben 2. Mai: Schule der Frauen. Der eingebildete Kranke. Montag den 3 Mai: Der Roman einer Soubrette.
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|BehördlicheAnzeigenj
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Montag ben 1. Mai l. I., Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Nathhaus dahier die beiden Basaltfteinbrüche in dem District Kopf II, 5, des Lollarer Gemeinde- waldes anderweit öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Lollar, den 26. April 1897. Großherzogl. Bürgermeisterei Lollar. __C. Geißler. 4163 Neubau des Amtsgerichts
zu Ehringshausen.
Die Erd-, Maurer-, Steinhauer-, Asphaltirungs-, Zimmer-, Dachdeckerund Klempnerarbeiten, nebst Lieferung der hierzu erforderlichen Materialien, sowie der schmiedeeisernen Decken träger sollen öffentlich verdungen werden. Die Verdingungsunterlagen können im Geschäftszimmer des unterzeichneten Kreisbaumeisters eingesehen und die Verdingungsanschläge gegen Erstattung der Abschreibegebühren daselbst bezogen werden.
Eröffnung der eingegangenen Angebote ebendaselbst am Mittwoch, den 28. April 1897, Vormittags 11 Uhr.
Zuschlagsfrift 3 Wochen.
Wetzlar, den 12. April 1897.
Der Kgl. Kretsbauinspector: Jaens ch.
Der Kreisbaumcister:
W. Witte. 3723
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