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Freitag den 25» Juni
Erstes Blatt
Nr. 146
Amts- und Anzcigcl'lntt für den Kreis Gietzen
Hratisöeikage; Hießener Aamilienölätter
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Halt gemacht, Abfingen eine
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für bex folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Darm. 10 Uhr.
Alle Lnnoncen-Bureaux de- In- und AuSlande« nehme» I Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entge,«.
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yb. DM.
111/4 Uhr verkündigte Kanonendonner, daß die Königin die Fahrt nach der Kathedrale angetreten hatte. Der Auffahrt ging ein Aufzug der Colonialtrupprn und der ersten Minister der Colonien voran, welche durch eine Abtheilung der Royal House Guards mit der RegimentSmufik eröffnet wurde, alsdann kam zuerst die kanadische Kavallerie, ihr folgten die berittenen Jäger und Ulanen von NeusüdwaleS, dann eine Abtheilung Truppen der Colonte Victoria, Neuseeland, Queensland, Cap Colonie, Neufundland, Tasmanien, Natal, Ceylon, Cypern. Jedem dieser CavalleriedetachementS folgte in einem Wagen der erste Minister der Colonie, der das Detachement angehörte. Es kamen alsdann die Jufanterie-Colonialtruppen, welche außer den oben erwähnten Colonien noch die Truppen der englischen Colonien West- und Ost-Afrika umfaffen.
Nun erst begann der eigentliche königliche Zug- eingeleitet wurde er durch Detachements fämmtltcher Waffengattungen Englands, ihnen schloffen sich eine ganze Anzahl Kammerherren und Hoswürdenträger, die Militär» und Marine-
Garde-Dragoner-RegimentS, und eine Schaar indischer Offi- ziere an, welche hiermit daS Herannahen der Jubilarin an- kündigten. Der Wagen, in welchem die Königin nebst der Prinzessin von Wales und Prinzessin Christian von Dänemark Platz genommen haben, wurde von acht crLmefarbigen Pferden gezogen. Vor dem Wagen sah man Vertreter von Fürstenhäusern des In- unb Auslands, zur Rechten des Wagens den Prinzen von Wales und den Herzog von Con- naught, zur Linken der Herzog von Cambridge. Hinter dem Wagen wurde die königliche Standarte von einem Reiter
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Wolff» telegraphisches Correfpoudmz-Bureiu.
Berlin, 28. Juni. Der »Nordd. Allg. Zig." zufolge ist die reichsgesetzliche Regelung des Hypotheken- wesens jetzt von Neuem in Angriff genommen. Vom Reichsjustizamt soll zunächst eine Anzahl Sachverständiger berufen werden, um über eine Reihe wichtiger, das Hypo- thekeobankwesen betreffender und in dem aufzustellendeu besetz- entwarf zu entscheidender Fragen sich gutachtlich zu äußern. Die Berathungen beginnen morgen und beanspruchen mehrere Tage.
Reppe», 23. Juni. Die Jahresversammlung des Brandenburgischen HauptvereinS der Gustav-Adolf-Stiftung beschloß, ihre diesmalige große Liebesgabe der Gemeinde Königs- zelt t Schl, zuzuwendeu.
worden sein.
Berlin, 23. Juni. Im Abgeorduetenhause wurde heute der Gesetzentwurf, betreffend die Zwangsvollstreckung aus Forderungen landwirthschaftlicher Credtt-Austalten, in erster Lesung an eine besondere 14gltederige Commission verwiesen. Der dann zur Berathung stehende Antrag, betreffend Fleischbeschau und Fleisch-BerkaufS-Controle, wurde fast einstimmig angenommen. Schließlich wurden noch Petitionen erledigt. Auf der morgigen Tagesordnung stehen wiederum Petitionen. — Da» Herrenhaus erledigte heute Petitionen. Morgen finden die Berathungen der BereinSgesetznovelle statt.
Berlin, 23. Juni. Der Reichstag» - Abgeordnete Dr Förster ist ?.uS der deutsch-socialen Reformpartei ausgetreten. Wie verlautet, dürfte die Veranlaffung dazu in der Verhandlung der HandwerkSorgauisatiouS - Vorlage zu suchen sein.
Berlin, 23. Juni. Die Erinnerungsmedaillen an Kaiser Wilhelm I. find gestern den Mitgliedern bei Herrenhauses, welche an der Hundertjahrfeier für Kaiser Wilhelm I., bet der Enthüllung des Kaiser Wtlhelm-Denk- mal» u. s. w. theilgenommen haben, sowie den Beamten des Herrenhauses seitens de» ReichSamtS de» Innern zugestellt worden. _
Wiesbaden, 23. Juni. DaS bis jetzt aus 25 Orten vorliegende Resultat der Reichstags-Stichwahl ergibt für den Candidaten der freisinnigen Volkspartei Wiuter- meyer 8531 und für den CentrumS-Candidateu v. Fugger 4715 Stimmen. Die noch aus dem katholischen Rheiugau ausstehenden Stimmen, welche für den CeutrumS»Candidaten günstig find, dürften die Wahl WintermeyerS kaum beeinträchtigen.
Köln, 26. Juni. Cardinal Erzbischof Krewentz ist seit einigen Tagen nicht unbedenklich erkrankt, weßhalb er au der Begrüßung des KatserpaareS nicht theilnehmeu konnte.
Wien, 23. Juni. Der Kaiser empfing gestern Abend I am Bahnhofe den König von Siam. Derselbe begibt fich am SamStag nach Budapest.
Mailand, 23. Juni. Der Strike der Landarbeiter nimmt täglich größere Dimenfioneu an. Auch die Weizen- schnitter von Argenta haben sich den Strtkenden angeschloffen. Die Aufregung ist groß. Nach San Biagio, wo der socta- listische Abgeordnete Costa eingetroffen ist, wurde Militär entsandt, da man Unruhen besürchtet.
Pari», 23. Juni. Zwei Abgeordnete beantragten einen Credit von 12 Millionen Francs zur wetteren Befestigung der Häfen von Brest und Cherbourg.
Paris, 23. Juni. Der „Gaulois" meldet, gegenwärtig finde ein reger Depeschenwechsel zwischen Pari» und I Petersburg wegen der Reise des Präfidenten Faure statt. Der Präsident wird von einem möglichst zahlreiche« und glänzenden Gefolge begleitet sein, da man dem Besuch ein festliches Gepräge aufdrücken wolle. Die Bedeutung bei Besuches, so sagt der „Figaro", werde dadurch besonders erhöht, daß der Zar große Manöver abhalten werde. In diplomatischen Kreisen hofft mau, daß der Besuch einen entscheidenden Schritt zum Büuduiß bedeute.
Madrid, 23. Juni. Acht Anarchisten, welche dringend verdächtig find, die am Sonntag in Barcelona rechtzeitig entdeckte Bombe fabrizirt zu haben, welche bet der Fronleichnams-Procefftou geworfen werden sollte, wurde« gestern verhaftet. .
London, 23. Juni. Die Königin hat die Anstrengungen des gestrigen Tage» sehr gut überstanden. Sie befindet fich vollkommen wohl und hat bereit- wiederholt ihre I lebhafte Anerkennung über die gestrigen Arrangement- au»-
Bekanntmachung.
Der Kriegeroerein Rödgen hält am kommenden Sonntag, den 27. ds. Mts., ein Preisschießen in dem Gelände vor dem Ziegenberg, etwa 400 Meter oberhalb des Ortes, ab. Wir bringen dies hierdurch zur öffentlichen Kenntniß And warnen vor dem Betreten des betreffenden Geländes.
Gießen, den 24. Juni 1897.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
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Der $te|entr Anzeiger erscheint täglich, »it Ausnahme be8 MontagS.
Die Gießener A««irien5cä11er werben btm Anzeiger wöchentlich breimal beigelegt.
verlt«, 23. Juut. Die „Freis. Ztg." schreibt: Zu den Veränderungen in den Ministerien erfahren wir, daß daS Avancement de- Herrn Miquel thatfächlich sich auf die Vicepräfideutfchaft im StaatSmiutsterium beschränken wird. Das Reichsamt des Innern soll dem Schatzsecretär w-imniPYnerren uno Doimurucunuu«, ........- -...... . Posadowsky angeboten worden sein- eS ist aber zweifelhaft,
attachvS der Mächte, eine Abordnung des ersten preußischen ob dirs derselbe annimmt. Dem Admiral Hollmann soll vom attaches Mawre, . . Kaiser schon zweimal die Nachfolgerschaft Stephan- angetragen
getragen.
Um 12*/2 Uhr wurde nun vor der St. PaulS-Kirche । <yan gemußt, wo ein Gottesdienst im Freien stattfand- dcach Abfingen eines TedeumS sprach der Bischof von London rin Gebet, worauf der Erzbischof von Canterbury den Segen ertheilte. Nach Beendigung des Gottesdienste- begab fich der Zug nach Manfion House und nach Süd-London weiter, während die Truppen, welche auf dem zurückgelegten Wege und in der City Aufstellung genommen hatten, mit dem Abmarsch begannen. Die Königin wurde auf dem ganzen Wege mit unbeschreiblichem Jubel begrüßt. Einen wahrhaft glän- zendeu Anblick bot die Front der St. PaulS-Kathedrale durch die dort aufgestellte Versammlung der inländischen und ausländischen Großwürdenträger, Prinzen, Fürsten und Abgeordneten. Die Königin kehrte alsdann um ll/e Uhr nach dem Buckingham Palast zurück. Der kurze Gottesdienst vor der St. Pauls Kathedrale hinterließ bei allen Anwesenden einen unvergeßlich erhebenden Eindruck. Die Chorsänger und die Geistlichkeit, au ihrer Spitze der Bischof von London und der Erzbischof von Canterbury in ihren reichen geistlichen Gewändern, hatten auf den Stufen der Freitreppe vor dem westlichen Portal Aufstellung genommen, um die Königin zu empfangen. Die Königin, welche ganz in Schwarz gekleidet war und einen weißen Sonnenschirm trug, blieb während der ganzen Ceremonte in ihrem von 8 Isabellen gezogenen Wagen. Nach Beendigung des Gottesdienste- wurde die Nationalhymne angesttmmt, welche von der riesigen Volksmenge begeistert mitgesungen wurde. Tausendstimmige Hochrufe erbrausten, in welche die Marinebrigade der Colonial- truppen, die Premierminister der Colonien, sowie die indischen und ausländischen Abgesandten wiederholt enthusiastisch ein- stimmten. Die Königin, die sehr wohl auSsah und sichtlich tief gerührt erschien, dankte nach allen Setten. Vor der St. PaulS-Ktrche wurden unsere Prinzen und auch unsere Gardedragoner mit lebhaftem Jubel empfangen, und großer Applau» entstand, als von der Militärcapeüe „die Wacht am Rhein" gespielt wurde. Die Festlichkeiten dieses einzig in der Geschichte dastehenden Tages nahmen somit einen glanzvollen und gelungenen Verlauf.
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Karlsruhe, 23. Juni. Nach der Stufenfolge einer Nr. 1 sehr guten, Nr. 2 guten Ernte berechtigt der Stand der Saaten Mitte Juni bei Winterweizen zu 2,4, Sommer- weizen 2.5, Wintergerste 2,3, Winterrogen 2,3, Sommer- roggen 2,7, Sommergerste 2,3, Hafer 2,4, Kartoffel 2,3, Klee 2,1, Luzern 2,2, Wiesen 2,0, Hopfen 3,1, Reben 2,5.
Helgoland, 23. Juni. Der Kaiser begab fich heute Vormittag um 10 Uhr mit vier Herren nach der Düne, besichtigte die dortigen Buhnenaulageu und kehrte um 1 Uhr an Bord der kaiserlichen Yacht „Hohenzolleru" zurück.
Depeschen deS Bureau .Herold."
Gießener Anzeiger
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Gießen, 24. Juni 1897< Betr.: Herbstübungen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Der Premier-Lieutenant von Friedeburg, ä la suite deS Generalstabs der Armee, ist mit einer sich auf die diesjährigen Kaifermanöver beziehenden Gelände - Erkundigung beauftragt worden, welche Ende dieses Monats beginnt und sich auch auf den südlichsten Theil deS diesseitigen Kreises erstrecken wird. Wir empfehlen Ihnen, etwaigem Ansuchen de» genannten Offiziers um AuSkunftSertheilung rc. bereit- willigst und nach Möglichkeit zu entsprechen und denselben in seinen Erkundigungen zu unterstützen.
v. Gagern._________________
Gießen, den 24. Juni 1897.
Betr.: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgeftütsbeschäler.
•ei Grotzherzogliche KreiSamt Gießen
e* die Grstztz. ivürgernreistereiei, des Kreises.
Wir sehen der Einsendung der Berzeichniffe der von Ihnen ausgestellten Bedeckscheine binnen 8 Tagen entgegen.
v. Gagern.
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ageo. Besatzartikel.
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Die Jubiläumsfeier in Loudon.
DaS große Nattonalfest Englands, da» 60 jährige Regte- rungSjubiläum der Königin Victoria, über welches die großen Zeitungen seit Wochen schon spaltenlange Berichte über die in AuSficht genommenen Festlichkeiten brachten, hat mit dem vorgestrigen Tage seine Eröffnung gefunden. Mit einer ge- wisien Genugthuung und Stolz wurde schon vor Wochen den Fremden gegenüber betont, daß der JubiläumStag ein ungeheures Menschengewühl in London sehen werde, wurde doch der Zuzug an Fremden in der Vier-Millionenstadt für den 22. Juni auf zwei Millionen geschätzt- ob diese Behauptung nun wirklich einigermaßen ihre Richtigkeit gehabt hat, läßt fich heute, wo die Köpfe noch allzusehr erhitzt sind, nur schwer beurtheilen. Die Londoner Polizetmacht, die in der Jubt- läumSwoche ungefähr 16,000 Mann zu Fuß und 250 Berittene zählen foll, hat jedenfalls keine leichte Aufgabe ge- habt, bet einer solchen Menschenmenge die Ordnung aufrecht tu erhalten. r , _
Die Ausschmückung der Straßen bot dem Auge «in festliches und durchaus elegante» Bild und wenn man mit Recht heute behauptet, daß die 60 Regterung-jahre der Königin B ctoria einen Zeitabschnitt manigfacheu inneren Fortschritts und äußeren Aufschwungs bedeuten, so darf man wohl auch nebenbei constatiren, daß London, wa» Decora- tiouen und Schönheitssinn anbetrifft, unzweifelhaft auch hierin feit den letzten 25 Jahren bedeutende Fortschritte gemacht hat- denn wenn ehedem die Versuche auf diesem Gebiete reichlich und kostspielig waren, so entbehrten sie doch des absolut nothwendtgeu Geschmacks und der richtigen Anwendung- wer aber heute die verschiedenen Straßen, wo der Zug durchgekommen ist, eines Blickes gewürdigt, muß gestehen, daß London heute, wa« Glanz und Pracht aubetrifft, Parts ausgestochen, wenn nicht gar überflügelt hat.
Die Auffahrt nach der Paulskathedr ale, der Glanzpunkt des ganzen Feste-, vollzog sich in der denkbar großartigsten Weise. Tausende von Menschen waren schon während der ganzen vergangenen Nacht durch die Straßen der Stadt gezogen und trotz de» zweifelhaften Wetters drängte sich bereits in der frühen Morgenstunde in den Straßen, welche der Jubiläumszug vom Buckingham-Palast zur St. Pauls Kirche pasfiren sollte, fortwährend wachsende Menschenmaffen zusammen. Die meisten reservirten Platze waren schon frühzeitig von festtäglich mit Bändern in den Lande-farben geschmückten Zuschauern besetzt. Ebensolchen Schmuck trugen die Menschenmaffen in den Straßen. Um


