•’-e- »otjtllfigencett. Den Reigen der Virtuosen- concerte tu dieser Saison eröffaete gestern Abend Herr Hof- Pianist Raoul v. koczalski. Mit uagetheiltester Aufmerksamkeit lauschte e n zahlreiche» Auditorium de» phänomenalen Darbietungen des jugendlichen Virtuosen, der durch sein Spiel, das von geradezu hinreißender Wirkung, begeisterte, und einen Kunstgenuß in de- Worte- schönster Bedeutung bot. Unfehlbare Sicherheit, überaus glänzende Technik, sorgfältige Phrafirung, selbstständige Auffassung und natürliche» Empfiuden: da- Alle- vereinigt sich tu seinem Spiel, da- auch spielend die schwierigsten Paffagen beherrscht und einen Anschlag von wunderbarer ModularionSfLhtgkett aufweist. Da- Programm umfaßte Werke von Beethoven, Chopin, Hummel, sowie solche tu Li-zt'scher Bearbeitung von Wagner, Berdi und Gounod, ferner noch eigene Lompofitioneu de» KÜnstler», die durch ihre Originalität feffelten. Die Ausführung de- Programms einer weiteren kritischen Besprechung zu unterziehen, wäre Anmaßung, die lächerlich erscheinen würde. Mit reichstem, stürmischen Beifall wurde der Künstler ausgezeichnet und mit großer Befriedigung ob des gehabten fo seltenen KuustgenuffeS verließen die Hörer den Coucert- saal in der Sooneustraße.
•* btadtthealer. Sonntag Nachmittag 4 Uhr findet die erste Kindervorstellung statt. Abends geht die beliebte Posse „Bummelfritze" io Scene. Die Erstaufführung de- originellen Hirschberger kraatz'scheo Schwanke- „Bock- sprüoge" erfolgt am Montag den 25. er.
•• kalltodustrte. Wie uoS mitgetheilt wird, hat fich zu Limburg a. d. Laho etoe Beretuiguog von Kalk- produceoten gebildet, welche die Jodustrtr von Butzbach, Gießen bi- Balduinstein umfaßt. Zweck derselben ist, die während der letzten Jahre trotz der gesteigerten kohleupreise und Arbeitslöhne gesunkenen Kalkpretse auf diejenige Höhe zu bringen, welche deu größeren Herstellungskosten in etwas entspricht. Somit werden die Preise nur um ein Geringe- höher uotirt.
•• Deutsche Xatioualfeste. Wie der „Mainzer Auz." schreibt, hat Mainz Aussichten, daß ihm vom Ceutral-Au-- schuß der Nationalfeste in Berlin die Abhaltung der alle fünf Jahre stattfiodenden nationalen Spiele übertragen wird. Im Auftrage des genannten Central-Au-schuffes kamen am Donnerstag die Herren vou Sch ruckend orff-Berliu und Hofrath Rolfs-München nach Mainz, um deu für die Spiele tu Aussicht genommene» Platz in Augenschein zu nehmen und das pro und contra mit den Persönlichkeiten, welche die Sache für Mainz in Fluß gebracht haben, wie Baurath Rettig, zu besprechen. Bon deu fünf sich um die Abhaltung der Feste bewerbenden Städten Caffel, Goßlar, Leipzig, RüdeSheim und Mainz wurde Mainz als erste von deu Herren Scheockeudorff und Rolfs besucht. Ja Gesellschaft der Herren Baurath Rettig und Rechtsanwalt Llaß vegabeu fich die Herren gestern Morgen au den Platz bet Erbenhetm, der als Festplatz auSersehen ist. Die Lage, dte landwtrthschaftltche Umgebung und dte wunderbar günstige Rennstrecke für die RegattaS, dies Alles hat den Herren Schenckendorff und Rolfs ganz ausgezeichnet gefallen. Mainz wird also in schärfste Concurrenz mit Leipzig kommen. Um 5 Uhr gestern Abend kamen dte erwähnten Herren im „Holländischen Hose" zusammen, um nochmals eingehend die von Herrn Baurath Rettig entworfenen Pläne und dte Vor- bereitungSarbetten zu prüfen. Zu dieser Conferenz fand fich als Vertreter des Oberbürgermeister-, der tu Antwerpen weilt, Herr Baurath Kuhn ein. Mau fragte ihn Seilender auswärtigen Herren, ob der CeutralauSschuß auf das Entgegenkommen der Siadt rechnen könne, was von Herrn Baurath Kuhn in Aussicht gestellt wurde.
** Die große» Herbst«auöver 1897 schildert in einem in der „Nuova Aotologia" erschienenen Artikel der Leiter der in Rom erscheinenden „Italic", NamenS Arbtb, italienischer Abgeordneter. Arbtb entwirft von den deutschen Soldaten ein anschauliche- Bild ihre- Auftreten- im Allgemeinen, ihrer guten physischen und moralischen Eigenschaften, und besonder- ihrer Marschfertigkeit. Er sagt u. A.: „Ich wage, nicht ohne eine gewtffe patriotische Beklemmung, zu behaupten, daß der deutsche Soldat, individuell genommen, beweglicher und lebhafter ist al- der unsere. ES kommt wohl vor, daß man auf eine tolpatschige Figur mit schlecht umgeschnalltem Seiten
gewehr und m't stupidem Gesicht stößt, daS ein schieffitzender Helm krönt, aber die große Mehrzahl besteht au- gut entwickelten, beweglichen und fich natürlich bewegenden jungen Leuten." Weiter: „Natürlich marschirten die Leute nicht etwa im Gleichschritt, nicht gerichtet in den Gliedern und tadellos- dergleichen Wunder kann man vou Bleisoldaten verlangen, vicht vou Menschen vou Fleisch und Blut. Sie marschirten i in jenem Durcheinander, daS mau bei der großen Masse nie wird vermeiden könne». Aber der Schritt war frei, die Gesichter lachten und vielfach wurden Gespräche mit Cioilisten am Wege angeknüpfr. Nun ist unser Soldat Physisch und moralisch eben so viel werth wie der deutsche, und so glaube ich, daß dte Ueberlegeuheit de- letzteren im Marschiren tu der besseren Fußbekleidung gesucht werden kann und muß (alle Soldaten haben Stiefel bi- unter da- Knie), dann ferner in dem Tornister, der sehr viel leichter ist als der unsere." — Daß der tagelang strömende Regen die frische und gute Laune der Truppen, die seit 1 Uhr Morgens auf den Beinen waren, nicht verderben konnte, rühmt der ttalientsche Abgeordnete und Redacteur ganz besonders dem — 116. und 117. Regiment nach.
•• Bei der Pret-vertheiluug ii Brussel haben dte deutschen Aussteller ein äußerst günstiges Ergebniß erzielt. Der deutschen Abtheilung, bei der fünf Aussteller, Mitglieder des Preisgerichts, außer Wettbewerb waren, find zugefalleu 12 große Preise, 33 Ehrendiplome, 75 goldene Medaillen, 72 silberne Medaillen, 40 broncene Medaillen und 11 ehrenvolle Erwähnungen. Bei Zusammeurechuung der höchsten Preise (Großer Preis, Ehrendiplome, goldene Medaillen, außer Wettbewerb) ergibt fich auf dte dem Preisgericht unterworfenen deutschen Aussteller 57 Proeent der höchsten Aus- zetchnuogen. Frankreich hat unter gleichen Bedingungen nur 50 Proeent und Belgien sogar blo- 25 Proeent davongetragen. Hieraus geht hervor, baß der Weisung, in der ' deutschen Abtheilung nur so viel wie möglich erstelassige Firmen zuzulaffeu, in weitestgehendem Maße Rechnung getragen worden ist. — Wir find in der angenehmen Lage, mittheileu zu können, daß auch eine Gießener Firma auf der Brüsseler Weltausstellung ausgezeichnet wurde. In der Abtheilung: Section Science internationale erhielt Herr W. Spoerhase (vorm. C. Staudinger & Co.) für ausgestellte Instrumente der Feinmechanik das Ehrendiplom.
•* Zum Kapitel „Wettbewerb". Der „Darmst. Ztg." wir au- Wald-Michelbach geschrieben: Heute wurden dte Angebote auf da- 3. LooS unsere- BahubaueS geöffnet. Diese- LooS enthält den 675 Met. langen Tunnel mit der Strecke nach Wald-Michelbach, zusammen 3,3 Kilo«. E» waren 9 Angebote eingereicht und zwar folgende: Konrad Hitz von Rheinfelden 880882 Mk., Dinndorf von Straßburg 709757 Mk., Kemp von Mannheim 689062 Mk., Helfmann von Frankfurt a. M. 671566 Mk., Preller von Bingen 598 871 Mk., Rothstein & Sohu von Stettin 613365 Mk., Rastellt & Co. von Elberfeld 486 796 Mk., Ernst Sohre von Kastelburen 479 953 Mk. und Aug. Friedrich von Elberfeld 475367 Mk. — ES beträgt demnach der Unterschied zwischen dem Höchstgebote und dem Mindeftgebote nur 405 515 Mk. Welcher Unternehmer mag fich da wohl verrechnet haben?
Schiff-nachrichterr.
Norddeutscher Lloyd, in Gtehen vertreten durch dte Agenten Corl LooS und I. M. Schulhof.
Bremen, 22. October. (Per transatlantischen Telegraph.! Der Doppelschrauben-Postdampser Königin Luise, Capt. W. v. Schuckmann, vom Norddeutschen Lloyd in Sternen, ist gestern 10 Uhr Abends wohlbehalten tn Newyork angekommen.
Der Postdampfer „Westernland" der „Red Star Line" tn Antwerpen ist laut Telegramm am 20. Oktober wohlbehalten tn New-Mort angekommen.
Ä*wg ans fre* hf Stadt •Mea.
October: 18. Wilhelm Schneider, Schneider dahier, mit Katharina Hisgen Hierselbst. 21. Wilhelm Hoffmann, Landwtrth zu KircheGönS, mit Luise Gatzert daselbst. 21. Johann Emtg, Posthtlssbote dahier,
mit Helene Brück^-ann zu Dorn-Affenhetm. 22. Johann Schmidt, Hüttenarbeiter dahier, mit Marte Karoltne Koch von Burg Ui Herborn.
•MMUtvwn.
October: 16. NicolauS Jßley, Wtttwer, Fabrikarbeiter dahter, mit Margarethe Schomber hterfelbst. 16. Karl Diehl, Schmied dahter, mit Jakobtne Müller hterfelbst. 16. Karl Johann 6mU Wilhelm Wagner, Material-Verwalter zu TraiS-Horloff, mit Anna Karoltne Eteuerwald dahter. 22. August Kratz, Fuhrmann dahter, mit Anna Maria Balßer von Rödgen. 22. Ludwig Biedenkopf, Kutscher dahrer, mtt Wilhelmine Justine Luise Jlck von Marburg.
WOchOKOMO.
October: 11. Dem HtlfSheizer Ludwig Zoll eine Tochter. 12. Dem Gendarm Bernhardt Heinrich ein Sohn, Paul Rudolf. 13. Dem Böcker Hermann Fall ein Sohn. 13. Dem Lieutenant Franz de Ratnville ein Sohn, Gustav Adolf Räne. 14. Dem Brauer Franz Laoer Buchberger eine Tochter, Auguste Wilhelmine. 15. Dem Rechtsagent Wilhelm Poppelsdorf eine Tochter 15. Dem Fuhrmann Ernst Kaspar Ruppel eine Tochter, Maria Eltiabetha. 15. Dem Ober-Postasfistent Wilhelm Kammer eine Tochter, Therese Anna. 16. Dem Bahnarbeiter Johannes Weinandt ein Sohn, Karl. 19 Dem Stadtrechner Georg Wilhelm Töpfer eine Tochter.
October: 16. Heinrich Well VIII., 55 Jahre alt, Landwnlh von Oppershofen. 17. Johannette Wolf, geb. Reu, 45 Jahre alt, Ehefrau von Fruchthändler Ruben Wolf zu Darmstadt. 19. Adam Menz, 5 Monate alt, Sohn des Fabrikarbeiters Adam Men, zu Lindenstruth. 19. Richard Schneider, 1 Jahr alt, Sohn des Tag- löhnerS Peter Schneider dahter. 20. Ernst Werner, 24 Jahre alt, Schretner dahter. 20. Auguste Otto, 3 Jahre alt, Tochter de- Schlossers Albert Franz Otto dahier.
Auszug ans den Xircbcnbä^mt
Ver Stavt «Sieber».
Giaigelifche •eetiebt.
•ettanU.
MatthäuSgemeinde.
Den 16. October. Nikolaus Jßley, Fabrikarbeiter zu Gießen, und Margarethe Schomber, Tochter des verstorbenen LandwtrlhS Christoph Schomber zu Odenhausen.
MarkuSgemetnde.
Dm 16. October. Johann Georg Beck, ein Wittwer, Schreiner zu Gießen, und Karoltne Elssabeth Baum, Tochter deS Taglöhnei» Andreas Baum zu Gießen.
Den 17. October. Karl Johann Emil Wilhelm Wagner, Materialverwalter zu Trais-Horloff, und Anna Karoltne Steuerwald, Tochter deS Flurschützen Chrtsttan Steuerwald zu Gteßm.
JohanneSgemetnde.
Den 16. October. Carl Diehl, Schmied zu Giehm, und Jacobtne Müller zu Gießm.
9etaafit.
MatthäuSgemeinde.
Den 17 October. Dem StattonSassistlnt Johann Georg Giegling eine Tochter, Anna Elisabeth Marte Katharine, geboren de» 7. September.
MarkuSgemetnde.
Den 17. October. Dem Kaufmann Wilhelm Fabian ein Sohn, Walter Ernst Max Kurt, geboren den 2. Lctober.
LukaSgemeinde.
Dm 17. October. Dem Schlosser Karl Klotz ein Sohn, Karl Emil, geboren den 7. September.
Denfelben. Dem Schretner Jobann Karl Neurath eine Tochter, Anna Elisabeth Margarethe Lucie, geboren den 19. September.
Denselben. Dem Lackirer Karl Wolz eine Tochter, Katharine Margarethe, geboren den 17. September.
Denselben. Dem Heilgehilfen und Masseur Heinrich Krau-Haar ein Sohn, Karl Ludwig, gedo en den 30. August
Den 20 Oktober. Dem Schaffner Emil Gernand ein Sohn, Hans, geboren den 6. September.
Jo bann eSgemetnde.
Den 17. October. Dem Schmied Friedrich KaleSky ein Sohn, Max Franz Emil, geboren den 24. Juli.
OutDigM.
LukaSgemeinde.
Dm 22. October. Emst Werner, Schreiner, 23 Jahre alt, starb bett 20 October.
Verkehr, £awO* onb Votkswtethschaft.
•tetm, 23. October. Marktbericht. Auf dem heutig« Wochenmartt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,76—0,90, Hühnereier pr. St. 7-8 4, 2 St. CO A. Enteneier 1 St. C-00 A, Gänse eiet pr. St. 00—00 A. Käse pr. 6t 5—8 3, Käsematte pr. 6t. 3 4 Erbsen pr. Liter 18 A. Linsen pr. Liter 27 A> Tauben pr. Pa« X 0,50 bis 0,70, Hühner pr. Stück 1,00 bis 1,20, Hahnen pr. 6tüC X 0,t>0-r0,90, Enten pr. Stück X 1,60—1,70, Gänse pr. Pfund X 0,44-0.54, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 A. Kuh- und Rindfleis-, K~fb. 60—66 A. Schweinefleisch pr. Pfd. 64 bi» 72 A. Schweine
, gesalzen, pr. Pfd. 76 A. Kalbfleisch pr. Pfd. 60-64 4 Hammelfleisch pr. Pfd. 50—66 A. Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,l0 bl 5,00 X, Weißkraut pr. Stück 0—00 A> Zwiebeln pr. Lent« X 4,00—5,00, MUch pr. Liter 16 A-
Abend» 10 Uhr geöffnet.
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Die Eröffnung der Offerten findet Mittwoch de« 87. d. Mi»., Noch, mittag» 8 Uhr, auf dem Rathhause zu Staufenberg in Gegenwart der erschienenen Bieter statt.
Gießen, am 21. October 1897. Großherzogliche Eulturinspection Gießen.
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