Ausgabe 
21.11.1897 Erstes Blatt
 
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tretende SerpenttntLazeriu entzückte durch die mannig. fach wechselnden Figuren, welche durch farbenprächtige Licht« effecte besonders wirkungsvoll erschienen. Wohl nur ganz Wenige werden den Toncertsaal unbefriedigt verlaffen haben.

♦♦ Verein für Bogel- und Geflügelzucht- Am Sonntag den 28. dss. Ml- , NichmlttagS 31/, Uhr, findet iw kleinen GefellschastSsaale deS (Safe Leib eine Hauptversammlung bei Vereins für Bogel und Geflügelzucht statt. Herr Lehrer Sch neid er «Heuchelheim wird in derselben einen Vortrag über Gefügelzucht halten, worauf Herr Södler- Rieder Gemünden einen Stamm ächten Raffeu-Geflügell vor« führen und deren Merkmale erläutern wird. Freunde der Geflügelzucht find zu dieser Versammlung herzlich willkommen.

** Wie el die unreellen tzaufirer auf de« Laude treibe«, bewies die Verhandlung gegen den Kaufmann Emil Wern, ia Elberfeld wohnhaft, welche gestern unsere Strafkammer beschäftigte. Das Schöffengericht hatte Wern wegen Betrugs za 3 Monaten Gefänguiß verurtheilt, »»gegen vom Ange« klagten sowohl, all auch vom Vertreter der Staatlbehöide Berufung eingelegt war. I« August d. I. hatte sich der Angeklagte in die Wetterau begeben, um seine mirgeführten Maaren an den Mann zu bringen. Er bot den Leuten Hand« tücher dal Stück zu 5 und 10 Pfg. und Bettkolter dal Stück zu 1 Mk. an. Der wie ein Großkaufmann aufiretende Wern schwindelte den Leuten vor, er betreibe mit seinem Vater, deffen Geschäft über 30 Jahre bestehe, den Handel. Sie ständen vor dem Concuri, den alten Manu bringe die! noch unter die Erde, er wolle seine Waare nun noch schien« ntgst zu jedem Preise losschlagen, Geld daraus lösen, um dann mit seiner ganzen Familie anSzuwandern. Die ttmber seien schon tu Hamburg. Zeigten ble Leute, denen der An­geklagte theils mit Thränen tu deu Augen die rührselige Geschichte vortrug, nur die mindeste Lust, von den unter reellem Werth angebotenen Handtüchern und Koltern kaufen zu wollen, so erklärte der Haufirer, diese Maaren allein könne er nicht abgeben. Er führte nämlich zweierlei Waaren sortimentlpackete auf seinem Wagen mit sich und zwar Anzug­stoff, den er zu zwei Anzügen reichend angab, 6 Handtücher und 1 Bettkolter zu einem Packet vereinigt, und Bettkolter, Handtücher und Stoff, der zu drei Anzügen langen sollte, all anberel Sortiment. Redegewandt schilderte der Ange« klagte den Anzugstoff all dal feinste OsfizierStuch, die beste Waare der Welt, ein solches Packet habe er früher nie unter 120180 Mk. verkauft, er brauche jedoch Geld und wolle el für die Hälfte geben, er suchte den Leuten förmlich ein Gebot auf die Waarensortimeute abzulocken, fand auch in vielen Fällen Leute, die darauf reinfielen, und schlug natür­lich sofort zu und zwar selbst zum Preise von 20 Mk., meistens erzielte er jedoch mehr dafür. In zwölf Fällen weist dem Angeklagten die Anklage nach, daß er so verfahren. Der Kutscher, welcher diese Geschäftltour bei Angeklagten mitmachte, erklärte, baß derselbe feine schleunige Weiterfahrt betrieb, sobald er in einem Orte seine Geschäfte erledigt. Die mit der Waare beglückten Leute merkten zu spät, wie fie reingefallen, die Schneider, welche den Anzugstoff zur Verarbeitung erhielten, erklärten, el lohne nicht, die Aul­lagen für Futter und Knöpfe daran zu hängen, die Waare sei wehr wie schlecht, davon gefertigte Garderobe wurde schon nach ein- bis zweimaltgem Tragen schäbig und konnte nicht mehr angezogen werden. Der größere Theil bei Anzugstoffel blieb in Folge seiner schlechten Qualität unverarbeitet, in mehreren Fällen langte ber für zwei Anzüge angepriesene Stoff nicht zum zweiten Anzuge. Der Angeklagte gestand zu, daß sein Handel, den er in ber Wetterau getrieben, kein reeller gewesen, trotzdem habe er die Meinung, sich nicht strafbar gemacht zu haben. Er habe eben nicht! andere! gethan, all wa! die anderen Haufirer, die auf dem Lande Waare veräußern, auch thun. Man müffe, wenn man auf dem Lande überhaupt Geschäfte machen wolle, unverhältnißmäßig viel fordern, denn die Kundschaft sei daran gewöhnt, kräftig abzubieten. Der Sachverständige hatte erklärt, diese! Offiziertuch sei ein au! ordinärster Kratz­wolle, Ziegenhaaren und Baumwolle gefertigte! Gewebe, welche! einen Verkauflwerth von höchsten! Mk. 2.25 per Meter habe und mit Recht die Bezeichnung größter Schund verdiene. Staatlanwalt Zimmermann plai- bitte für Aufhebung del schöffengerichtlichen Urtheill; der Angeklagte fei wegen Betrugl zu bestrafen und zwar nicht mit drei wie da! Schöffengericht e! gethan, sondern mit sech! Monaten Gefänguiß. Der Gerichtshof wachte fich bei der Urtheillbegründung die Aulführungen de! Staatlanwalt! zu eigen und erkannte nach deffen Antrag.

Wetterbericht. Während fich da! (Sentrum der De­pression vor der norwegischen Küste noch mehr vertieft hat, find die Temperaturen über dem Südwesten Europa! erheb­lich gestiegen. Infolgedessen bestehen heute über dem nötd- lichen Theile der Nordsee sowie über Skandinavien bedeu­tende Luftdruck-Unterschiede. In Frankreich und Deutschland ist da! Wetter unter der Herrschaft de! hohen Drucke!, ab­gesehen von Morgeuuebeln, fortdauernd heiter. Voraus­sichtliche Witterung: Im Allgemeinen ziemlich mild und heiter. Morgen! und Abend! Nebel.

* Mit den langen Abenden hat auch die Zeit der Weihuachtlarbeiteu wieder langsam begonnen. Im Allgemeinen muß man ja leider sagen, daß in den Städten die gute alte Sitte, eigenhändig gefertigte Geschenke unter den Tannenbaum zu legen, im Schwinden begriffen ist. Zeitmangel, nicht Unluft ist der Hauptgrund, denn namentlich für die untern Stände und die Geschäftswelt will gerade jetzt jede dem Schlaf abgerungene Minute für den Erwerb aulgenutzt sein. Man möchte so gern Andere mit der eigenen Kunstfertigkeit beglücken und nicht mit bloßem (Selbe glänzen, aber es geht eben nicht. Doch deshalb sind die geheimnißvollen, weihnachtlichen Verrichtungen hinter verschloffeneu Thüren noch nicht erstorben- mal die Großen und vor allem die erwerbenden Männer fich im Drange der Geschäfte versagen müffen, das lebt in unterer Jugend uab in den Frauen fort. In verschwiegene Kästen und Fächer

fliegen hurtig alle die zukünftigen Sophakiffen und Schlummer­rollen, Par^dehandtücher und Pavtoffeln, Bilderrahmen und Laubsägearbeiten, wenn ber Herr bei Hansel naht, und förmlich aufgezwungen wird ihm zum abendlichen Schoppen der sonst sorgsam gehütete Hausschlüffel, mag er auch noch so müde sein. Und da Papa weiß, wal eS zu bedeuten hat, wird er seinen Lieben die Freude niernall verderben. Sn dritten Männern" ist ja von jetzt an sechs lange Wochen kein Mangel und schlimmstenfalls darf der geplagte Familien­vater sich allabendlich den Kopf zerbrechen Über Weihnachts­geschenke für Vater und Mutter, Gattin und Kinder, Schwestern und Cousinen, Datei und Tanten, Freunde und Gesinde, neben der leidigen Geldfrage der wundeste Punkt der fröhlichen, seligen Weihnachtszeit!

Lauterbach, 19. November. Der am vorigen Freitag in der hiefigen Freiherrlich Rledcselschen'Brauerei in den acht Meter tiefen Bierschacht abgestürzte Manu au! Maar ist Donnerstag früh, ohne wieder zum Bewußtsein gelangt zu sein, gestorben. Der Verunglückte, ein fleißiger, tüchtiger Maurer, kam hierher, um noch Maar, wo Kirchweih war, Bier holen zu helfen, da daffelbe aulgegangen war und stürzte bei dieser Gelegenheit in den Keller. Der bedauernlwerthe Mann hinterläßt eine Frau mit zwei unmündigen Kindern, die an der Bahre ihre! so jäh und zu früh au! dem Leben geschiedenen Ernährer! trauern.

-ö- Friedberg, 19. November. Der Verkehr auf den neuen Bahnlinien von hier nach Hungen bezw. Nidda erweist fich immer mehr in jeder Hinsicht al! eia über alle! Erwarten so reger, daß der gleichbleibend starke Personen- anbrang jetzt nach anberthaldwonatlichem Bestehen ber Bahn wohl nicht mehr gut ber blanken Neugierbe bei Publikum!, wie solche! Anfaqgl von mancher Seite geschah, zuzuschreiben sein bürste. Die verschiebensten Stationen sind bei ber Ankunft fast sämmtlicher Züge so belebt, baß fich bie mangelhafte ober vielfach noch ganz fehlenbe Beleuchtung ber Berdinbunglwege zwischen ben Stationlgebäuben und den betrefftnben Orten bei Dunkelheit schon in recht unangenehmer Weise fühlbar gemacht hat. Mehrere der in Betracht kommen­den Gemeinden sahen fich daher genöthigt, die Beleuchtungs­frage für derartige Strecken auf die Tagesordnung zu fetzen. In Wölfersheim und Södel ist man sogar dem Gedanken näher getreten, ob fich nicht auch mit geringen Mitteln eine elektrische Beleuchtung der vom Bahnhof bis vor Wölfers­heim und von da nach Södel führenden Straße, deren Ge- fammtlänge kaum einen Kilometer beträgt, anlegen ließe, da vielleicht eine dynamo-electrifche Maschine ohne bedeutende Schwierigkeiten mit dem Getriebe des Wölfersheimer Berg­werk! in Verbindung gebracht und der Strom herunter« geleitet werden könnte. Möchte diese! schöne Projrct auch bald zur Thatsache werden!

W. Krofdorf, 20. November. Gestern Abend gegen 5 Uhr tarnen drei Reiter durch unser Dorf geritten. Einer der­selben ritt auf ihm begegnende Personen zu und verfolgte sogar Leute bi! an ihr eigene! Gehöft. Der alsbald ein­schreitenden OrtSpolizei verweigerte der Reiter seinen Namen mit der Drohung bei Rieberreitenl. Al! die Polizei zur Verhaftung schreiten wollte, jagte der Reiter auf dieselbe los, verfolgte auch einen Kaufmann, ber die Straße herunter kam und nach Gießen wollte. Gen. Kaufmann ging zur Genl- barmetie, um Anzeige zu machen.

* Wiesbaden, 19 November. Bei ber Station Oestrich- Winkel wurde ein Hilfsbahnwärter von einem Zuge erfaßt und getöbref.

* Meiningen, 18. November. Unter den diesjährigen Rekruten für das 32. Regiment beftnben fich neun aus ben Reichslanben Elsaß unb Lothringen, bie der deutschen Sprache nicht mächtig find. Sie mußten den Fahneneid in französischer Sprache ablegen.

* Lemberg, 19. November. Seit 3 Uhr heute früh wüthet in der Stadt Sombo r ein große! Schadenfeuer. Da! ganze Judenviertel steht in Flammen- 100 Wohn- Häuser find bereit! niedergebrannt. E! herrscht ein hef­tiger Sturm, wodurch die Rettuugßarbeiten sehr erschwert werden.

* Petersburg, 12. November. Wem gehört da! Kind? da! ist die Frage, mit der fich dal Civiidepartement bei Senat! unlängst zu beschäftigen hatte. Unb zwar ein Kind, deffen beide Eltern noch am Leben find. Die kleine Dmtrijew war ein wohlgestaltete!, saubere! und aufgeweckte! Kind armer, ordentlicher Leute, al! bie Fürstin Trubezkoi sie erblickte, liebte unb mit Genehmigung ber Eltern zu ich nahm. Seitdem find fünf Jahre vergangen, unb bie Heine nun in sorgsamer Pflege ber Fürstin zu einem hübschen vornehmen Fräulein von zwölf Jahren heran- gewachsen. Papa unb Mama Dmitrijew erschienen eine! Tage!, um ihr verliehene! Kinb zurückzuerbitten. Umsonst- )ie Fürstin menbete alle Ueberrebungltünfte an, sogar bie Philosophie, unb will ben Eltern beweisen, baß die Kleine an Bequemlichkeit unb Pracht gewöhnt, jetzt in dem elter­lichen Hanse unglücklich werben würbe- auch ein Haufe Gold fruchtete nicht!. Da! Kind! Unser Kind! In Bulgarien besteht die Bolklfittte, in solchem Falle da! Kind zu wiegen, unb ben Unterschied im Gewicht ben Pflegeeltern n Getreide und al! einen Entgelt für die Auslagen und He Mühen der Erziehung, zu erstatten. Ist diel geschehen, o muß da! Kind unfehlbar zu seinen Eltern zurück. Ein uralte Sitte de! Naturmenschen, die nicht eine! liebenlwürdigenHumorl entbehrt. Hier schrien die Eltern Dmitrijew also umsonst nach ihrem Töchterlein, dal, al! junger Spatz in ein Edel- inkenneft gelegt, dort Federn unb Gesang der neuen Eltern angenommen hatte unb nun höchst verwundert war ob diese! Streite! der Spatzeneltern und Finkeneltern um seine eigene kleine Person. Dal Bezirklgericht entschied auf Heraulgabe

des Kinde! an die Eltern - dal Gericht höherer Instanz ließ fich von dem Grundsätze leiten, daß nicht btqmtfltn ein Anrecht auf ein Kind hätten, die ihm ohne onber« H4e Mühe und Kosten da! nackte Leden gegeben, sondern vielmehr diejenigen, die e! erzogen und zum Calturmknicden gemacht haben. Die demokratt'ch denkenden Spatzen ko ntm sich aber nicht beruhigen, sondern wandten fich an dal Civrl- Departement del Senat!, indem fie aulführten, daß ihr arme! Spatzenkind in der vornehmen Behausung der Finke« doch nur äußerlich mit bunten Farben bekleckst sei und im späteren Kampfe um dal Dasein die Federn verlieren, den angelernten thörichten Gesang vergessen werde, ohne doch wieder zu der einfachen, arbeitiamen Lebensweise ber Spatzen zurückkehren zu können. Der Senat fällte kein salomonische! Urtheil: er half sich burdj Feststellung mehrerer Formfehler und Über- wie! den Frll zu neuerlicher Berathung dem Gericht zweiter Instanz. Inzwischen zetern Spatzen und Finken eifrig weiter, und ein jeder freut sich bei für ihn erwarteten Siegel.

* Budapest, 19. November. Die Nachricht, baß Papst Leo XIII. bie seit etwa hunbert Jahren in Kraft definbliche ungarische Liturgie, resp. bat Messelesen in ungarischer Sprache in ber griechisch-katholischen Kirche verboten habe, hat hier nicht geringe Aufregung hervorgerufen, des­gleichen auch die Aufforderung, die ungarischen Meßdüche zu vernichten. Mehrere Bischöfe erhielter Rügen vom Papste

Die Frage bet Zulassung von Fronen zur AuSubung bei AnwaltSberuseS wird gegenwärtig in den maßqeb-oben Kreisen Rußland! lebhaft erörtert. Die zweite Abtheilung der Cowmisfioo, die vom Jnstizminister zur Revision der Bestimmungen über dal Gerichtlverfahren eingesetzt wurde, hat fich neuerding! eingehend mit derAdvokatur der Frauen^ beschäftigt. Da die existirenden Gesetze den Fall nicht vor- sehen, ist eine Entscheidung au! den zu Recht bestehenden Bestimmungen nicht leicht zu treffen. Ein Paragraph dieser Bestimmungen verbietet sogar auldrücklich die Zulaffung von Frauen zur Anwaltschaft vor dem Friedenlgericht. Ein großer Theil der Commisfioolmitglieder war jedoch für die AuSmerzung diese! Paragraphen und will, baß eine princi- pielle Stellungnahme gegen weibliche Advokaten fallen ge­lassen werde. Da aber die definitive Entscheidung vom Reichlrath abhängt, wird es wohl noch einige Zeit dauern, bi! unsere östlichen Nachbarn in der Lage find eit venio verbo Rechtsanwälte ihre Processe führen zu lassen.

e Eine archäologische Entdeckung von großer Wichtigkett wurde in Griechenland gemacht. Die archäologische Ge­sellschaft in Athen ließ feit einiger Zeit in Italien Aus­grabungen vornehmen, um Ueberreste der alten Stadt Thermo! zu entdecken, in welcher jede! Jahr der panätolische Longreß zusammentrat. Diese Aulgrabungen haben interessante Er­gebnisse geliefert. Die Arbeiter förderten eine gut erhaltene Platte mit einer Inschrift zu Tage. Die Inschrift gibt ge­naue Aufschlüsse über die Lage ber Stadt Thermo!. Und ber Leiter ber Ausgrabungen fand thatsächlich bald darauf eine 130 Mtr. lange Galerie, die er für den Versammlungs­raum der Congreßmitglieder hält. In der Galerie fand man eine zweite Inschrift, die den von den griechischen Schrift- stellem oft clitrten Namen bei ätolischen Heerführer! Agelaß erwähnt.

Aus dem schwarzen Sibirien. Haarsträubende Dinge über da! Leben der Strafgefangenen werden neuerding! wieder aus Georgia berichtet. Georgia besitzt keine Ge­fängnisse und Zuchthäuser wie die übrigen Staaten der Union, sondern die Sträflinge werden hier Privatunternedmern gegen einen bestimmten Betrag überantwortet, die dann meisten! au! den Verurtheilten soviel wie irgend möglich herauSza- pressen suchen. Georgia hat fich dadurch ben Namen tel schwarzen Sibirien! ber Bereinigten Staaten verdient- wo! die Gefangenen in den dortigen Kohlengruben zu erdulden Haden, ist ein blutiger Hohn auf die Civilisation unb Huma nität bei Landes. Erft in diesen Tagen wurde ein Sträf­ling au! dieser irdischen Hölle befreit, nachdem er dort volle zwanzig Jahre zugebracht hatte, ohne während dieser Zeit jemall da! Sonnenlicht gesehen zu haben. Nur einem Gnaden- acte! Gouverneur! Atkinson! verdankt der Unglückliche seine Befreiung, denn er war auf Ledenlzeit verurtheilt wegen einer Brandstiftung, die er al! neunjähriger Knabe begangen hatte. Er und drei andere wegen desselben Verbrechen! verurtheilte Jungen wanderten in die Dade-Kohlengrube in den Lookout- Gebirgen, um dort bi! an ihr Lebenlende die schwerste Arbeit bei der brutalsten Behandlung zu verrichten. Trotz schwerer Arbeit entwickelte fich Ryder Dillard da! ist ber Name bei Unglücklichen körperlich schnell und wurde im Laufe der Jahre ein ungewöhnlich kräftiger Mensch, blieb aber IntettectueH auf der denkbar niedrigsten Stufe. Al! er nach seiner Begnadigung nach Atlanta zurückkehrte, waren seine drei Kameraden längst dem furchtbaren Leben in den Kohlen­gruben erlegen und er selbst erschien wie ein Wesen aul einer anderen Welt. Seine Augen bedurften längerer Zeit, um fich an dal Tagellicht zu gewöhnen, die Namen der ge­wöhnlichsten Dinge auf ber Erboberfläche hatte er längst ver­gessen und seine Sprache wurde nicht verstanden, da er fich unter der Erde da! Idiom ber Sträflinge vollständig ange­eignet hatte. Er erhielt Beschäftigung auf einem Kohlenhofe und zeigte fich dort all fleißiger Arbeiter, aber trotzdem er vom frühen Morgen bi! zum späten Abend sehr schwere Arbeit zu verrichten hat, hätt er sein jetzige! Leben für paradiesisch im Vergleich zu der fürchterlichen Existenz in ben Kohlengruben. Seinen Mittheilungen zufolge wurde ihm am ersten Tage in der Grube eröffnet, daß er täglich zwölf Tonnen Kohlen zu fördern oder die Peitsche zu kosten habe. Zuerst war er außer Stande, da! Quantum zu liefern, al! er aber sah, wie die Aufseher seine Unglücklgefährten in der brutalsten Weise aulpeitschten, arbeitete er mit der Kraft der Verzweiflung und konnte da! Verlangte liefern. Um 4 Uhr Morgen! erhielten die Straf' inge ihr Frühstück, um sofort an die Arbeit getrieben zu werden, und nach Vollendung bei Tagewerk! wurden fie mit Ketten aneinander gefesselt, worauf sie nach ihrem Lager-