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-ietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de»
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Die Gießener
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Zweites Blati. Sovv^ 20 Juni
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Gießener Anzeiger
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Deutschlands auswärtiger Handel im Jahre 1896.
Wir blicken auf ein Jahr zurück, daS für den Handel Deutschlands mit dem AuSlanve ungemein günstig verlaufen ist. ES wird jetzt wohl überall oncitonnt, daß Deutschland nlS Industrie« und HandelSftaat in den letzten Jahren in einer Periode des Aufschwungs fich befindet, von der maa nur wünschen kann, daß fie von Dauer sei. Die Einfuhr betrug im Jahre 1896, nach den rndgiltigen Feststellungen, 36,4 Mill. Tonnen im Werthe von 4558 Mill. Mk., die Ausfuhr 25,7 Mill. Tonnen im Werthe von 3753 Mill. Mk. Im Jahre 1886 betrug die Einfuhr 16,9 Mill. Tonnen im Werthe von 2944 Mill. Mk., die AuSfahr 18,9 Will. Tonnen im Werthe von 3051 Mill. Mk. Die Einfuhr hat fich darnach in 10 Jahren dem Gewicht nach mehr als verdoppelt, dem Werthe nach ist fie vm 1613 Mill. Mk. oder mehr als 50 pLl. gestiegen. Die Ausfuhr ist in derselben Zeit um 3/8 Mill Tonnen (36 pCt.), dem Werthe nach um 702,5 Mill. Mk. (23 pEt.) gestiegen. Seit dem Jahre 1895 betrug die Zunahme der Einfuhr 3,87 Mill. Tonnen und 312 Mill. Mk., die der Ausfuhr 1,9 Mill. Tonnen und 329,7 Mill. Mk. AuS der Entwickelung des deutschen Außenhandels laffen fich einigermaßen zutreffende Schlüffe auf die Wirkung der Handelsverträge ziehen. So lange diese in Kraft find (seit 1894), ist die Einfuhr um 272,5 Mill. Mk. (6,4 pCt.) gestiegen, die Ausfuhr dagegen um 703,3 Mill. Mk. (28 pCt.). Die Passivität der Handelsbilanz, wie man Len Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr zu nennen pflegt, ist seit dem Jahre 1894 von 1234 Mill. Mk. auf 804 Mill. Mk. zu- rückgegangen. Die Handelsverträge haben darnach zu einer Belebung unserer Ausfuhr betgetragen. Diese Wirkung darf jedoch nicht überschätzt werden. In unsere Exportbewegung spielen eben vielerlei treibende Kräfte hinein. Jedenfalls können wir mit den wirthschaftlichen Berhältniffen zufrieden lein. Industrie, Gewerbe und Handel find vollauf beschäftigt. Die Gewerbe- und Handeltreibenden fchouen wieder muthig in die Zukunft. Auch die Arbeiterbevölkerung hat Ursache, den wirthschaftlichen Aufschwung mit Genugthuung
zu begrüßen. Mn der steigenden Conjunclur sind auch die Löhne gestiegen. So hat beispielsweise die Stuttgarter Handelskammer in ihrem letzten Jahresberichte festgestellt, daß die Arbeiter fast allgemein eine Lohnaufbesserung von 10 bis 20 pCt. erhielten und daß die Lebenshaltung der unteren Klaffen gestiegen ist.
• Macht deu Eindruck eines Schauspielers oder Zuhälters, hieß es in einer Personalbeschreibung eines von der Staatsanwaltschaft zu Chemnitz i. S. steckbrieflich verfolgten schweren Verbrechers. Diese Zusammenstellung rief, wie erdenklich, eine Reihe von Protestkundgebungen von Seiten Bühoenangehöriger hervor.'.Unter Anderen hat der Präsident der deutschen Bühnengenossenschaft, Herrn. Riffen, in einer Eingabe an daß sächsische Justizministerium den schlechten Eindruck geschildert, den die Abfassung des Steckbriefes in Theaterkreisen gemocht hat. Der Justizminister Schurig hat darauf in einem Schreiben geantwortet, in welchem er versichert, daß der Gedanke, dem Schauspielerstande zu nahe zu treten, der Staatsanwaltschaft völlig fern gelegen hat. DaS Schreiben schließt mit den Worten: „Die Staatsanwaltschaft bedauert lebhaft, daß ihr die gerügte AusdruckS- weise, deren Anstößigkeit fie lebhaft einfieht, im Drange der Geschäfte untergelaufen ist, und auch das Justizministerium verfehlt nicht, der Genoffenschaft Deutscher BühnenAnge- höriger sein aufrichtiges Bedauern über daS unliebsame Vor- kommniß hiermit auszudrücken."
* „Die Wahrheit über Deutschland." Das Pariser „XIX. Siscle" veröffentlicht unter diesem Titel einen auS Frankfurt a. M. datirten Brief, deffen Verfasser, Charles Bos. zur Zeit auf einer Studienreise in Deutschland begriffen ist und dem enormen Aufschwünge der deutschen Industrien sowie der hervorragenden erwerblichen Strebsamkeit des deutschen Volkes wärmstes Lob spendet. Er erklärt Deutschland, welches er von den Vogesen bis Berlin und von Hamburg bis Straßburg durchreist habe, für ebenso reich wie Frankreich und dabei noch in den Anfängen seines
wirthschaftlichen Emporblühens stehend. Auch die Betriebsamkeit der deutschen Landwirthschaft impooirt dem Franzosen ganz gewaltig- er meint, wenn die französischen Land- wirthe den modernen Fortschritten ebenso zugänglich wäre», so würden fie mindestens das Doppelte an Getreide ernteo, wie jetzt. Deutschland habe aufgehört arm zu sein, sein Reichthum nehme in erschreckender Weise zu und überall empfange man den Eindruck einer beweglichen Prosperität. Wenn daS so weiter gehe, so werde Deutschland in 25 Jahren die am meisten Geld und Reichthümer besitzende Ration sei». „Ihr könnt eS mir aufs Wort glauben," ruft Herr Charles Bos empathisch, „Amerika liegt nicht mehr jenseits des Atlantik, eS liegt jenseits der Vogesen!" — Sehr schmeichelhaft!
— In einem a. Rh. ist unter dem Namen „RheiMischeO Technikum" eine neue Lehranstalt für Maschinenbau und Electro- tecdntk ins Leben getreten. Der Lehrcursus umfaßt fünf Semester. Mit dsr Anstalt ist eine Werkmeisterschule verbunden, deren Ziel stch in zwei Semestern erreichen läßt. Der Eintritt neuer Schüler erfolgt zweimal im Jahre, zu Ostern und zu Michaelis. Die Leitung des Technikums hat der im technischen Lehrfache bereits bestens erfahrene Maschinen Ingenieur Regierungsbaumetster Hoepke übernommen. Die Stadtoertretung hat beschlossen, demnächst ein neues Gebäude für die Zwecke der Anstalt zu errichten. 4986
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liegt vollständig vor.
Jubiläums-Ausgabe.
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Kunst-Ausstellung, ™ 5^,m Ä“«» nähme des Samstags, von 11 bis 1 Uhr, am Mittwoch auch noch von 3 bis 5 Ubr. Sonntags «nnnterbroche« von 11 bis 8 Uhr. — Eintrittspreis für Richtmitglteder an Werktagen 50 Psg., an Sonntagen 20 Pfg.
Feuilleton.
Modrrnr Städlrbilder. *)
München.
Bilder vom Isar st ran d.
I.
Bauten und Denkmäler.
(Nachdruck verboten.)
M München gehört zu den Städten, die sür den Einheimischen wie für den Fremden gleich wohlthuend find. Nirgends wird mau so schnell warm, wie am Strande der Isar. Mit dem Character einer vornehmen Kunststadt ersten Ranges verbindet die bayerische Residenz deu Vorzug, das fidelste und gemüthlichste Bierneft von ganz Deutschland zu sein.
Heute kann man eS allerdings kaum begreifen, daß Goethe, als er auf feiner italienischen Reise München pasfirte, daselbst noch nichts sand, waS ihn zu einem längeren Aufenthalt verlockt hätte, während jetzt ein paar Wochen gerade hinretchen, um einen Gesammteindruck von den Schätzen und Schönheiten dieser Residenz zu empfangen. Freilich, München hat fich erst unter seinem König Ludwig I., dessen kunstliebendem Walten wir auf Schritt und Tritt begegnen, zu feiner Bedeutung herausgearbeitet. Rur durch daS Glück, so außerordentlich dochsinnige und weitblickende Fürsten wie die Könige Ludwig I. und Max II als Landes- vater zu haben, wurden die Münchener zu dem Range moderner Kunststädter erhoben. Alles verdankt München b>tr beharrlichen Thatkrasr und Unerschrockenheit dieser Könige. Und als der phantafievolle Ludwig II. den Thron bestieg, da kam der Moment, wo Münchens Kunstgeschichte nach neuen Wegen und Zielen drängt- und die Richtung ins Große bekam. Auf dieser Bahn ist die innere Entwickelung weitergeschritten und bei der neulichen Eröffnung der fiebenlen internationalen GlaSpalastauSstellung durfte Prinz Ludwig in feiner Erwiderung auf den Toast Lenbachs mit Recht betonen, daß die Verdienste deS Hauses WittelSbach um die K'anft sprichwörtlich seien, und nicht nur in München. Wo fi-h daS WtttelSbacher Wappen befände, da fänden fich meist
•) Während der Reisesaison werden wir in unserem Feuilleton milt den „Modernen Städtebildern", unter welcher Rubrik zuletzt .Stuttgart" und „Augsburg" erschienen sind, fortfahren. Die Red.
auch Werke der Architectur, die mit diesem Hause zusammenhingen, sowie auch Sammlungen, welche von demselben begründet wurden.
Die Bauten und Denkmäler Münchens regen den genußfreudigen Menschen geradezu zu einem Dithyrambus an! Sie find es auch, die bet unserer Wanderung durch die Stadt sozusagen den Fremdenführer spielen und alle anderen Wegweiser leicht entbehrlich machen. Der Ur-Münchener, überhaupt der Bayer, ist in Wegbeschreibungen und Richtungsangaben nicht eben besonders klar und unterscheidet fich darin merklich von dem Berliner, der seine Auskunft meist mit militärischer Kürze und Genauigkeit zu geben weiß. In München kann es Einem begegnen, daß man schon hart vor der Straße steht, in welche man will, und bei gestellter Erkundigung doch noch eine Viertelstunde Umweg geschickt wird. Bei meinem letzten Besuche war ich durchaus nicht so frevelhaft neugierig, etwa etwas über die Lage der Stern- und Taubenstraße erfahren zu wollen, ich hielt mich einfach an die großen Verkehrsftraßen- aber nichtsdestoweniger machte es doch zuweilen Schwierigkeiten, in gerader Linie auf den Max Jofephplatz oder die Brtennerftraße zu gelangen. Da thut man denn wirklich gut, wenn man fich die malerischen Silhouetten der Kirchen und öffentlichen Gebäude einprägt und im Uebrigen die ehernen Standbilder, welche fich auf den größeren und kleineren Plätzen erheben, nach der Himmelsgegend fragt.
Eine« der großartigsten Monumente Münchens ist das von Zumbusch modellirte Denkmal Maximilians II. in dem Rondell der Maximilianstraße, welches den hoch herzigen Beschützer der Dichter und Gelehrten tm KrönungS- vrnat, umgeben von den allegorischen Gestalten des F r i e d e n s, der Aufklärung und der Gerechtigkeit, zeigt. Die eherne Reiterstatut Ludwigs I. grüßt uns am OdeonS- platz. An der Rückseite des Odeons liegt der Mittels- bacherplatz mit dem Reiterstandbilde des Kurfürsten Maximilian I., welchen Thorwaldsen in der Feldherrn- auSrüftuvg des 30jährigen Krieges dargestellt hat. Aus dem architectontsch großartig angelegten Max-Josephplatz erhebt stch das von Chr. Rauch modellirte Monument des Königs Max Joseph I.
In den hübschen Anlagen der Promenadenplatzes erblicken wir die Broncestatue deS Kurfürsten Max Emanuel, des Eroberers von Belgrad. Hier haben auch die Standbilder der Componisten Gluck, Orlando di Lasso, deS GeschichisschreiberS Westenrieder und des bayerischen
Staatskanzlers von Kreitmayr Aufstellung gefunden. Der Maler Moritz von Schwind, dessen Werke einen Hauptanziehungspunkt der Schack Gallerte bilden, hat fein Denkmal an der Praterinsel- das Gedachtniß des Chemikers JustuS v. Liebig ist in den Anlagen des MoximilianSplatzeS fest- gehalten und die lieben vertrauten Züge von Schiller und Goethe grüßen uns am Karl- und Moximtliansplatz.
Wir brauchen nur in die breite, stattliche Ludwigs - st raße, die vom OdeonSplatze an beginnt, einzubiegen, um sofort mit einer Fülle architectonischer Schönheiten überrascht zu werden. Prachtbau reiht fich an Prachtbau, ohne daß durch protz'ge Ausladungen, Übertriebenen Fatzadenschmuck die Ruhe deS Eindrucks gestört oder durch übereinandergethürmte, in den Himmel wachsende Stockwerke der Blick sich verwirrt fühlt. In Großstädten mit ihrem fich immer mehr auS- breitenden MiethSkasernensystem wird man nicht häufig mehr solche ruhigen vornehmen Fronten zu sehen bekommen, wie fie die im romanisch florentinischen Stil errichtete Bibliothek gewährt.
Der kräftige Hausteinbau deS daneben liegenden Kriegsministeriums, bad vis-a-vis befindliche Herzog Max - Palais, die zweitbedeutendste Fürstenwohnung Münchens, im edelsten Renaissancestil, die in ihrer Gesummt- fatzade den Character romanisch-italienischer Klosterbauten festhaltende Universität — fie alle wirken in ihrer Art und geben eins der prächtigsten Straßenbilder, daS seinen perspectivischen Abschluß in dem den römischen Triumphbogen Kaiser Konstantins imitirenden SiegeSthor findet, wogegen der Blick, die Straßenzeile zurückwandernd, bis zum OdeonS- platz, bei der Scheide der Altstadt und Neustadt, durch die leichten, eleganten Bogenfpannungen der Feldherrnhalle gefesselt wird, welche König Ludwig I. in den vierziger Jahren nach dem Muster der Loggia bet Lanzi in Florenz erbauen ließ und welche die Standbilder der bayerischen Generäle Tilly und v. Wrede beherbergt.
Za den Prachtbauten Münchens ist in diesem Jahre der neue Justizpalast gekommen, zwischen dem botanischen Garten uvd der Prielmayerstraße. Dieses Werk Friedrich ThierschS ist in den letzten sechs Jahren entstanden und hält den Vergleich mit dem ReichStagsgebäude in Berlin und dem ReichsgerichtSgebaude in Leipzig vollkommen auS.
Ja einem nächsten Artikel werden wir die Museen und Theater Münchens behandeln.


