Ausgabe 
13.3.1897 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Neueste

Walff» telegrrvhechel Lorresp»ad«r-Brrre«.

Berit», 11. März. DerReichSanz." meldet: Der Kaiser ermächtigte den jeweiligen Colouialdirector, in Ver­tretung de- Reichskanzlers, den Offizieren der kaiserlichen Schutztruppe bei ihrem Ausscheiden aus dem Dienst, sofern pe sich tadellos geführt, die AnstellungSberechtigung nach Maßgabe der Bestimmungen zu verleihen, welche in dieser Beziehung hiofichtlich der aus dem activen Dienst au»- scheidenden Offiziere ergangen sind.

Berlin, 11. März. Der BundeSrath hat in feiner heutigen Sitzung den AuSfchußauträgev zu dem Entwurf des Gesetzes, betreffend die Abänderung der Gewerbeord­nung, sowie zu dem Entwurf des Gesetzes über daS Aus- wanderungSwesen die Zustimmung ertheilt. Dem AuSschußbericht über die Vorlage betreffend den AuSliefe- rungSvertrag zwischen dem deutschen Reich und den Nieder­landen und dem Ausschußbericht über die Berechnung der nach dem ReichShauShaltSetat für 1897/98 aufzubringenden Matrikularbeiträge wurde gleichfalls die Zustimmung ertheilt.

Esten, 11. März. Auf der ZecheCentrum", Flötz Wilhelm, find zwei Bergleute durch schlechte Wetter, nach Abgabe eine» SprengschuffeS zu Tode gekommen.

Brustel, 11. März. Etwa 30 Abgeordnete unterzeich­neten heute Nachmittag eine Sympathie-Adresse an daS griechische Volk und die griechische Regierung. Die Ab­sender betonen darin, daß sie fich Denjenigen anschließen, die wie die Kreter, für die Völker baß Recht fordern, über fich selbst zu verfügen, sowie auch Denjenigen, die den Mißbrauch der Gewalt verwerfen. Außerdem drückt die Adreffe ihre besondere Bewunderung für Griechenland aus.

Benedig, 11. März. Die internationale Sani- tätsconferenz beendigte heute ihre Arbeiten, die fich auf Prüfung der Beschlüsse der Unterausschüsse erstreckten. Die Conferenz tritt bald abermals zusammen, um den von dem besonders eingesetzten Ausschüsse bearbeiteten Entwurf der Sanitätsconvention zu berathen. AlSdann soll die Unter- Zeichnung der Convention erfolgen.

Depeschen deS Bureaufcerolb/

Berlin, 11. März. Der Kaiser hörte heute Vor­mittag von 10 Uhr ab den Vortrag des Krteg-mioisters v. Goßler und arbeitete sodann mit dem Chef des Militär- cabtoetS, General v. Hahnke.

Berlin, 11. März. Wie derL.-A." meldet, unternahm Fürst Bismarck gestern nach langer Pause die erste Aus­fahrt in den Sachsenwald.

Berlin, 11. März. Oberstlieuteoant b, Trotha, der bisherige ständige Stellvertreter des Gouverneurs von Deutsch- Ostafrtka, tritt am 17. März von Dar-eS-Salaam die Heim­reise au.

Berlin, 11. März. Eine Riesenaussperrung in der Berliner Schuhfabrikation, die sich auf sämwt- ltche in den Betrieben des Arbeitgeberverbandes beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen erstreckt, soll mit Ende dieser Woche erfolgen.

Berlin, 11. März. Ja der heutigen Sitzung der Budget-Commission des Reichstages, in welcher I)r. Lieber wieder erschienen war, wurde der BesoldungSetat des RetchSbankdirectoriumS genehmigt. Morgen wird die Budget Commission wieder zur Berathung des MartneetatS zusammentreten.

Berlin, 11. März. Die Centrums-Fcaction des Reichs­tages hat gestern zu dem Gesetzentwurf, betreffend Errichtung einer Gedenkhalle für die 1870/71 gefallenen Krieger, Stellung genommen. Wie verlautet, verhält fich daS Ceutrum ablehnend zu dem Entwurf.

Berlin, 11. März. Der BundeSrath hat heute der Vorlage in Betreff der ZwangSorgauifation des Handwerks feine Zustimmung ertheilt. Wie diePost" hört, enthält die abgeäuderte Vorlage vor allem die Bestimmung, daß von der Gründung einer ZwangStnnung immer nur da die Rede fein soll, wo eine Mehrheit des betreffenden Handwerks fich dafür auSfpricht. Auch daS Auswanderungsgesetz wurde heute vom BundeSrathe angenommen.

Berlin, 11. März. Eine Interpellation wegen der Börsenreform ist derPost" zufolge im Abgeordneten­hause nicht zu erwarten. Die Angelegenheit wird daselbst bei der zweiten Lesung deS Etats des LaudwtrthschastS- Ministeriums zur Sprache kommen.

Berlin, 11. März. Der Urheber deS am 17. v. MtS. im Hohenzollern-Museum verübten Diebstahls ist in der Person des am 10. October 1870 in Pforzheim geborenen Kauf­mannes Adolph Katz ermittelt und verhaftet worden. Er ist der That geständig. Einige der gestohlenen Pretiosen waren noch in seinem Besitze.

Frankfurt a. M, 11. März. DerFranks. Ztg." wird auS Karlsruhe berichtet: Prinz Wilhelm, der älteste Bruder des Großherzogs, ist seit einigen Tagen erkrankt. Sein Zustand ist insofern nicht unbedenklich, als Herzkrämpfe etngetreren find.

Wien, 11. März. Wie derReichswehr" von beson­derer Seite aus Rom gemeldet wird, ist die augenblick- liche Situation folgende: Die drei Katsermächte find über ein sofortige» zwangsweises Vorgehen gegen Griechen- land einig. England hat fich dieser Entente angeschlosseu. Italien erklärte, fich ebenfalls auzuschließea, wenn die anderen Mächte alle eiotg seien, waS nun also noch von der Haltung Frankreichs abhängt, und zwar von der heutigen Kammer- fltzuvg in Paris. Sollte Hanotaux gestürzt werden, waS mit einer Abschwenkung Frankreichs gleichbedeutend wäre, dann sei eS wahrscheinlich, daß England ebenfalls zurücktrete. Die Folge wäre dann ein allgemeiner Zerfall des europäischen Einvernehmens, und waS dann geschehe, sei absolut ungewiß. Daran» erklärt fich der Versuch Griechenland», durch an­scheinendes Nachgeben eine bessere Pofltion zu gewinnen.

Pari», 11. März. Die Kammer erklärte fich heute damit einverstanden, daß die Regierung am Montag über

»die Orieotfrage alle geforderten Aufschlüsse gebe. Im Senate ist gleichfalls eine Interpellation eingebracht worden.

Paris, 11. März. Ein Berichterstatter deSEclair" interviewte den griechischen Abgeordneten PharetoS. Der- selbe erklärte, wenn Griechenland keine Genngthuuog er­halte, so würde eS im Orient einen Brand entfachen, der durch die Diplomatie nicht wieder gelöscht werden könnte.

London, 11. Marz. DerStandard" meldet auS Kavea: Die Truppen deS Obersten BassoS nähren fich nur noch von schlechtem Zwieback und Orangen.

London, 11. März. DieTimes" erfahren auS Kanea: Die Christen hätten bereits mit der Plünderung von Kandano begonnen, bevor noch die letzen Muselmanen die Stadt verließen.

Athen, 11. März. Ein Abgeordneter erklärte, der Krieg zwischen der Türket und Griechenland sei unvermeidlich. Der König werde durch die Nationalliga dazu gezwungen. ___________

Berlin, 12. März. DieKreuzzeitung" meldet auS Wien, daß die Verhandlungen über ZwaugSmaßregelu gegen Griechenland fortgesetzt werden, weil noch ver- schiedene Einwendungen gegen einzelne Punkte der Durch- führung zu überwinden find. Die französische Regierung will der erforderlichen Zustimmung der Kammer durch den Vorschlag einer friedlichen Blokade zunächst nur gegen Kreta entgehen. AuS Petersburg wird ein entschiedener russischer Vorschlag angeküudigt, welcher unmittelbar der Zurückziehung der griechischen Truppen von Kreta gilt. Die Einberufung der serbischen Reserve und Miliz trägt den Charakter einer förmlichen Mobilmachung.

Berlin, 12. März. Das Centrum wird heute im Reichs­tage die Verweisung deS Gesetzentwurfs betreffend Errichtung einer Gedenkhalle au eine besondere Commission beantragen.

Berlin, 12. März. Der Kaiser hat gestern daS preußische SchuldentilgungSgesetz vollzogen.

Wien, 12. März. AuS Dawidow im Lemberger Wahl- bezirk wird telegraphtrt, daß dort der landesfürstltche Wahl- Commissar'von bäuerlichen Wahlmännern ermordet wurde. Die Gendarmerie feuerte auf die Bauern und er- schossen zwei. ;_@tne Cavallerte-Abtheilung von Lemberg ist unterwegs.

Paris, 12. März. Präsident Faure begrüßte die Königin Victoria von England in deren Zuge auf der Station Notsy-le-fec. Die Unterhaltung währte zehn Minuten. Faure stellte der Königin seine Begleitung vor.

London, 12. März. Auch die Ergänzungsnote der griechischen Regierung gilt in Ministerkretsen als nicht acceptabel und die Lage dadurch wenig geändert. Lord Salisbury soll dies gestern dem griechischen Gesandten erklärt haben.

Athen, 12. März. In militärischen Kreisen ist man überzeugt, daß der Krieg noch vor der offctellen Kriegs- erklärung auSbrechen muß. 3000 Mann rücken an die Grenze. tiß&WB. Zurich, 12. März. Der Ausstand der An- gestellten der Nordostbahn hat heute früh begonnen. Im ganzen Bahnnetz verkehrte kein Frühzug. Die Ruhe ist nicht gestört.

Schwurgericht.

W. Gießen, 11. März.

Um 9 Uhr Vormittag eröffnete Herr LaudgerichtSrath Dr. Linkenheld die Sitzung. ES wird verhandelt gegen den Weißbinder Heinrich Weimer IV. von Daubringen wegen versuchten Straßenraubs und räuberischer Erpressung, be­gangen gegen den ehemaligen Kaufmann Wenker, dem jetzigen Buchhalter vom HeibertShäuser Hof, auf der Straße zwischen Daubringen und dem HeibertShäuser Hof. Herr Staatsanwalt Koch vertritt die Anklage. Die Derthei- digung führt Herr Rechtsanwalt Katz. Es find elf Zeugen zu vernehmen.

Der Angeklagte bestreitet entschieden die ihm zur Last gelegte That. Derselbe ist unbestraft und am 11. October 1876 geboren und verheirathet. Der Buchhalter Wenker, als Zeuge vernommen, erklärt, daß er ein vermögender Mann sei und von seinen Zinsen lebe. Er fei in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar, von Gießen kommend, schon in betrunkenem Zustande in Daubringen noch in zwei Wirth- schaften gewesen. Zuletzt war er in der Lepper'schen Wirth- schäft in Daubringen, von wo er den Heimweg nach dem HeibertShäufer Hof einschlug. Als er, der Zeuge, etwa 150 Schritte von der Staatsstraße in den Feldweg nach HeibertShausen eingebogen war, sei ein Mann auf ihn zu- getreten, der habe ihm den Stock abgenommen, ihm damit zwei Schläge beigebracht und dann Geld verlangt. Der Zeuge griff in die Billettasche seines UeberzieherS und gab dem Angreifer kleine Münze, die er gerade in dieser Tasche hatte. Der Gegner war aber mit dem Geldbetrag nicht zu­frieden, worauf Wenker demselben seine goldene Kette gegeben haben will. Der Angreifer habe ihm darauf in die Hosen­tasche gegriffen und ihm die Schlüffel abgenommen. Der Zeuge deponirt weiter, er habe den Angeklagten früher, wie derselbe noch als junger Bursche auf dem Hofe gearbeitet, gekannt. ES sei in der Nacht ziemlich hell gewesen, der Angreifer habe seinen hellen Hut tief in da« Geficht gezogen, so daß er denselben nicht gekannt. ES kam ihm so vor, als ob der Mann, der ihm entgegentrat, angetrunken gewesen. Auf Befragen deS VertheidigerS kann der Zeuge nicht an­geben, wo er an dem Abend zu Nacht gegessen, mit wem er in der Wirthschaft zusammengewesen. Auf weiteres Befragen deS VertheidigerS erklärt der Zeuge, er habe zwei Tage nach dem Vorfall die Uhrkette, von der er geglaubt, jener Mann habe sie noch im Besitz, in seiner Ueberziehertasche wieder gesunden. Auch die Schlüffel habe er wieder bekommen, man habe dieselben in der Nähe deS ThatorteS gesunden. Gutspachter Güngerich-HeibertShausen gibt an, daß Wenker

bereit« 7 Jahre auf dem Hofe fei und die Bücher bei ihm ;re. Es fei in der Gegend bekannt, daß fein Verwandter Wenker vermögend fei; eS käme ab und zu vor, daß derselbe betrunken sei, weil er nicht viel vertragen könne. Aw Morgen hat Wenker ihm mitgetheilt, er sei beraubt und überfallen worden. Wenker hat nach Aussage diese» Zeugen ihm den ganzen Vorfall in der Nacht so geschildert, wie er ihn selber heute augibt, der Räuber sei ihm vom Hofe au» entgegengekommen und sei kleiner Statur gewesen. Der Zeuge hat constattrr, daß Wenker Spuren der Miß. Handlung au fich getragen. Weiter sagt der Zeuge au», daß ihm Wenker mitgetheilt habe, daß der Manu nach der That nach Daubringen zu verschwunden sei. Güngerich deponirt weiter, daß Wenker sehr wahrheitsliebend sei und auch seines Wissens keinen Feind in der Gegend habe. Nachtwächter Stecker von Daubringen erklärt: In der fraglichen Nacht habe er nach der HeibertShäuser Richtung hin Jammertöoe und Geräusch gehört; es könne die» gegen 12 Uhr gewesen sein, er sei der Richtung nachgegangeo. An der Chaussee, e» steht dort am Ende deS Ortes eine Fabrik, sah er einen Mann kommen, der anscheinend ihn umgehen wollte. Der Wächter sagt weiter, er sei dann etwa» io» Dorf zurückgegaogeu und habe fich dann wartend hingestellt, da sei der Angeklagte im WamS mit einem Hellen Hut aus dem Kopfe auf ihn zugetreten, unter dem Arm trug Weimer einen Stock. Der Wächter frug, ob da Jemand geschlagen worden und da habe er die Antwort erhalten: Du willst mich doch nicht anzeigen. Etwas früher, etwa 20 bis 30 Minuten vorher, fei ihm der Angeklagte schon einmal im Dorse be­gegnet, hinter ihm drein ging Wenker, der betrunken zu sein schien. Weimer hat ihm bei dieser Gelegenheit gute Nacht gewünscht. Der Zeuge glaubte nichts ander», als Weimer ginge nach Hause. Einige Tage darauf sei der Angeklagtr zu ihm gekommen und habe zu ihm gesagt: Du willst wich doch nicht reinlappen. Auf Befragen erklärt der Zeuge, al» ihw der Angeklagte daS erste Mal im Ort begegnet, habe derselbe keinen Stock gehabt, da» wisse er bestimmt. Wirch Lepper von Daubringen erklärt: Wenker sei um 7 Uhr Abends an dem Tage, um den eS fich handelt, in seine Wirthschaft gekommen und sei schon angetrunken gewesen, er habe 10 Gla» Bier, 4 Schnäpse und 3 Cigarren bezahl», ob er die Getränke alle selber verzehrt, könne Zeuge nich» sagen. Um 11 Uhr ist Wenker forrgegangen. Während seiner Anwesenheit ist er einige Mal vom Stuhl gefallen Der Angeklagte war mit Wenker zusammen in der Kirthschas» und hat demselben zugetrunken. Streit haben die Beiden nicht gehabt, auch der Angeklagte war angetrunken. Dem Bürgermeister Wilh. Walter von Daubringen hat Wenker am nächsten Tage Anzeige Über den Vorfall gemacht und auch der Nachtwächter seine Wahrnehmungen in der fraglichen Nacht berichtet. Der Zeuge ist der Ansicht, daß der Nacht- Wächter, der 15 Jahre diesen Posten bekleidet, ein zuverlässiger Mann ist. Der Angeklagte Weimar habe immer Verdienst, er habe fich erst vor Weihnachten verheirathet und sei sicher damals nicht in Noth gewesen, er gelte weder als Trunken­bold noch für gewaltthätig und e» traut ihm Niemand einen Raub zu. Bahnarbeiter Dietrich Wilhelm Bartel bekundet, daß Wenker betrunken gewesen und vom Stuhl heruntergefallen sei. Die von der Vertheidigung geladenen ZeugenHrch. Fuchs, Hrch. Rudolf und KaSpar Latsch können zur Sache nicht» Wesentliche» bekunden. Die WirthSfrau Lepper erinnert sich, daß der Angeklagte im vergangenen Jahre Abends in ihrer Wirrhschaft gewesen und ihr ein größeres Geldstück (2 Mark) auSgehändlgt habe, sie habe nicht gleich Zeit gehabt, herauSzugebeo, al» fle dazu kam, war Weimer fortgegangen. Als sie demselben am andern Tage den über feine Zeche ihr wehr gegebenen Bettag herausgeben wollte, erinnerte derselbe fich de» BorsalleS vom Abend vorher nicht mehr.

Die an die Geschworenen gerichteten Schuldsragen lauten - 1. Ob der Angeklagte schuldig der räuberischen Erpressung Sind mildernde Umstände vorhanden. 2. Ob der Angeklagtr chuldkg der schweren Körperverletzung. Sind mildernde Um­stände vorhanden. 3. Ob im Fall der Bejahung der Fragen 1 und 2 der Angeklagte die That in ein und derselben Handlung begangen.

Staatsanwalt Koch vertritt den Standpunkt, daß,wenn der Zeuge Wenker an dem Abend auch betrunken gewesen, hm dennoch zu glauben sei, daß der Ueberfall so fiattge- gefunden, wie er ihn schilderte. Er plaidirt für Bejahung >er Frage wegen räuberischer Erpressung, aber auch für Be- ahung mildernder Umstände. Die Körperverletzung sei er­wiesen; ob die Jury auch hier mildernde Umstände für vor­liegend erachten wolle, überlasse er derselben. Daß die Strafthaten durch ein und dieselbe Handlung begangen seien, tände fest, so daß auch diese Frage zu bejahen sei. Der Vertheidtger, Rechtsanwalt Katz, gibt nach eingehender Dar­egung des Sachverhaltes es den Geschworenen anheim, ob ie für das Thun deS Angeklagten diesen verantwortlich machen wollen, er bittet aber, dann nur die Frage wegen Körperverletzung zu bejahen und auch für diesen Fall mtl- I dernde Umstände zuzubtlligen. Nach kurzer Replik und Duplit | und nach erfolgter Rechtsbelehrung ziehen sich die Geschworen» zurück. Die Berathung währte/< Stunden, worauf der Obmann, Rentner Goertz-Friedberg, den Wahrspruch dahin abgab, daß die Frage der räuberischen Erpressung verneint, die der schweren Körperverletzung bejaht und dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt seien. DaS Urtheil lautet auf zwei Monate Gefängniß wegen Körperverletzung unter Anrechnung von vier Wochen der Untersuchungshaft; der Haftbefehl wurde aufgehoben. Die Staatsbehörde hatte drei Monate Gefängniß beantragt.

Locale» und provinzielle»

Gieße«, den 12. März 1897.

* DaS goldene Kreuz. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin haben Allergnädigst geruht, am Geburt»-