Ausgabe 
12.8.1897 Zweites Blatt
 
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ooer einer aüegorffchcn Figur, welche auf einem Schilde das Bild der Fürstin trüge, aufzubringen wären, nicht im Ent­ferntesten denen zu vergleichen, welche für die Errichtung großer Monumente erforderlich sind. Auch wir Frauen haben ein Recht darauf, das Andenken an unsere großen Tobten im Bilde wach zu halten. Wer würde denn im Volke heute noch der Landgräfin Caroline gedenken, wenn nicht die bescheidene Urne im Herrengarten in Darmstadt den Jetzt- lebenden davon erzählte, daß hier eine Fürstin ruht, von der Friedrich der Große sagte:Von Geschlecht ein Weib, an Geist ein Mann". Sollte aber die Ehrung von Frauen eine- ganzen Landes nicht ebensoviel bedeuten, wenn nicht mehr, wie die Widmung des großen Philosophen in Sans­souci? Haben wir Frauen nicht etwa Grund genug, das An« denken einer Fürstin zu verewigen, welche ihrer Zeit voraus- eilend, die socialen Ansprüche und Aufgaben der deutschen Frau in feinfühlendster Weise zu erkennen wußte. Wahrlich nicht nur nach einer, nein, nach vielen Richtungen hin kann sich daS Hesienland glücklich schätzen, diese Fürstin besesien zu haben. Dies umsomehr, da wir Frauen alle wiffen, daß ein jäher Tod sie aus einem Felde reicher, gesegneter Thätigkeit, auf welchem noch manche frische Saat auSgestrem worden wäre, plötzlich entrifien und sie der Durchführung zahlreicher Pläne entzogen hat, welche von ihren treuen Mitarbeiterinnen liebevoll gepflegt, sich seitdem aufS Schönste und Segens» reichste verwirklicht haben. Der hohen Urheberin so vieler nutz- und segenbringender Schöpfungen ein sichtbares Zeichen dankbarer Anerkennung zu errichten, ist für uns Frauen Freude und angenehme Pflicht. Können bei deren Er­füllung wirklich die kleinen Opfer, welche den Einzelnen nahe gelegt werden, ernstlich in Betracht kommen? Allerdings werden die nöthigen Mittel nicht von heute auf morgen zu beschaffen fein; wie leicht wäre eS, die erforderliche Summe durch Beiträge von Verwandten und Bekannten der Ver­ewigten in England aufzubringen, wo die Erinnerung an sie so hoch gehalten wird, aber das ist nicht der Gedanke, dem man Ausdruck verleihen möchte. Für uns handelt es sich darum, daß durch Zusammenwirken aller Frauen Heffens ein Denkmal an der Stätte errichtet werden kann, wo die Heim- gegangene gelebt und gewirkt hat, damit eS Kindern und Kindeskindern die voll: Bedeutung dieser Fürstin vor Augen führt.

*D. Frankfurt a. M., 10. August. Samoa in Frankfurt. Das muntere Völkchen der Samoaner, von dem wir schon berichteten, daß es tu der gleichen Zusammen­

setzung rote im vorigen Jahr wieder in unseren Zoolo­gischen Garten eingezogen ist, um hier so zu sagen Ab­schied von Europa zu feiern, hat seine Lebensweise während deS Aufenthalts in der alten Welt wenig geändert. An Stelle des Reis, der früher eine große Rolle bei der Er nährung spielte, ist allerdings mehr und mehr die Kartoffel getreten, worauf vielleickt die Wohlbeleibtheit zurückzuführen ,st, welche manche der Gestalten auSzeichnet. Die Leibspeise bleibt nach tote vor der beliebte Schweinebraten, der ihnen denn auch, wie wir hören, außer den täglichen Por­tionen von Kochfleisch, wieder in der eigenthümlichen Zu­bereitung gegönnt werden soll, die wir schon im vorigen Jahre kennen lernten.

Crefeld 8. August. Wieder wird eine ganze Anzahl von Unglücksfällen gemeldet, welche durch die 'leidige Verwendung von Petroleum beim Anzünden deS Feuer­hervorgerufen worden find. In Neuß wollte der Sohn eines Bäckers den Backofen mit Petroleum anzünden. Der Junge erlitt dabei gräßliche Brandwunden und auch der zur Hilfe kommende Vater wurde schwer verletzt. In Cleve schlug einem Dienstmädchen die Flamme in daS Petroleum- gefäß. DaS Mädchen starb bald an den erlittenen Brand- wunden. AehnlicheS Mißgeschick hatte ein Mädchen in Anrath. Sie liegt tödtlich verletzt und von dem Arzte aufgegeben darnieder. DaS find nur drei Fälle, die Zahl der wirklich vorgekommenen Fälle tft damit nicht erschöpft.

Verkehr, Ctmb» tmfc Vottsw-rthschaft.

Elektrische Feldbahnen.

Auf der Wander-Ausstellung der Deutschen LandwirthschaftS- Gesellschaft in Hamburg halte .die bekannte Fabrik von Arthur Koppel, Berlin und Bochum, eine Probestrecke ihrer electrischen Feldbahnen ausgestellt, über welche in den Fachschriften schon viel berichtet worden ist. Das Wesentliche bei dieser neuen electrischen Feldbahn besteht darin, daß die Leitungsträger mit den Geleis­rahmen zu einem Ganzen verbunden firb, sowie ferner, daß durch einen einfachen Montagewagen die Verspannung deS Drahtes auf dec «den verlegten Strecke sich sehr schnell vornehmen läßt. Die e ectrtsche Feldbahn soll nun speciell dazu dienen, in größeren Eta- blisiements, wo Abends electrtiches Licht angewendet wird, am Tage eine anderweite Verwendung der schon vorbandenen electrischen Energie zu schaffen. Es kommt noch hinzu, daß ein Motorwagen einer solchen electrischen Bahn viel leichter ist, als eine Locomotive, und daß auf diese Weise schon bei ziemlich leichten Feldbahnen sich motorffcher Betrieb einiübten läßt. Auf der Hamburger Ausstellung, die bekanntlich von 170000 Personen besucht war, erregte diese electrische Feldbahn, die fortlaufend im Betrieb war, das lebhafteste Interesse der deutschen Landwirthe.

Auch auf dem Gebiete der Kleinbahnen hat Arthur Koppel ein neues Unternehmen zu verzeichnen, indem die Firma vor einigen Tagen den Bau einer electrischen Kleinbahn von Lecce, der Haupt­stadt dec gleichnamigen italienischen Provinz, nach dem Badeorte St. Cataldo in Auftrag bekommen hat.

II.

Durch meine erste Erfahrung ist mir die Liebe auf lange Zeit verleidet worden. Nicht etwa, daß ich mich in einen Weiberfeind oder Misanthropen verwandelt hätte! Dazu fehlte mir jede Anlage. Zuvörderst warf ich mich mit Eifer auf den Dienst und wurde Soldat mit Leib und Seele. Nebenher amüfirte ich mich recht gut die Mittel hatte ich dazu und war im Ganzen mit meinem Junggesellen» dasein zufrieden. Wäre Martan Chatterton meine Frau geworden, so hätte ich gewiß einen braven Ehemann ab­gegeben. Doch da ich keine andere fand, die mein Herz ge­fangen nahm, war ich noch mit achtunddreihig Jahren, zwar durch die Gunst der Berhältniffe, RegimentScommandeur, aber noch immer EhestandSaSpirant, obwohl oder vielleicht gerade weil ich eine gute Partie war, was man mich nie­mals vergeffen ließ. Meine Charge, mein Reichthum, dazu mein passabel gutes Aeußere, auch daß ich mich gelegentlich im Felde ausgezeichnet hatte, dies alles gilt etwas bei den Damen. Doch, wie gesagt, eine von ihnen zu heirathen, war mir noch nie in den Sinn gekommen.

Da traf es fich einmal, daß ich von AlderShot, wo mein Regiment im Lager stand, zur Zeit der Saison nach London kam. Die offizielle Veranlassung dazu war daS RegimrntS'Diner, doch nahm ich gern die Gelegenheit wahr, den Dienst auf ein paar Tage mit dem Großstadtleben zu tauschen. Aldershot ist kein irdisches Paradies und tu London winkten mir alle Freuden der sommerlichen Geselligkeit: Ein­ladungen zu Gartenfesten mit Illumination durch farbige Lampions, und gemüthltche Soupers, für welche die Köche alle möglichen neuen in Eis gestellte Deltcateffen ersonnen hatten. Es gefiel mir sehr gut, ausnehmend gut in der Hauptstadt.

Eines Abends ging ich, da ich zufällig keine Diner- Einladung hatte, ins Theater und freute mich, einen Parket- fauteuil imL crum" bekommen zu haben, woViel Lärm

um Nichts" mit Ellen Terry als Beatrice gegeben wurde. Im Zwischeuact, als ich die Blicke müßig durch den Zuschauer­raum schweifen ließ, sah ich tu der ziemlich oberhalb meines Platzes befindlichen Loge eine Dame, wahrhaftig, da saß Marian Chatterton!

Ich gestehe, daß mir der Athem stockte und ich einer minutenlangen Sammlung bedurfte, ehe ich zum zkveiteu Male hinaufzusehen vermochte. Und da bemerkte ich, daß fie mich wieder anblickte, aber nur ganz flüchtig, wie einen ihr völlig Fremden.

ES konnte ja auch nicht Marian Chatterton sein, oder die Zeit müßte zwanzig Jahre stillgestanden haben. Eine Aehnltchkeit, eine wunderbare Aehnlichkeit hatte mich gefoppt. Durch mein Opernglas entdeckte ich dann noch, daß einzelne GefichtSzüge der jungen Dame ein wenig ab­weichend von denen Marians waren trotz der frappanten Aehnlichkeit im Ganzen.

Während der nächsten Pause traf ich im Erfrischungs­raum einen Bekannten.

Charles Starkey!" rief er, mir auf die Schulter schlagend.Wie lange ist her, daß wir uns zuletzt sahen! Wie ist eS Dir denn in all der Zeit ergangen, seit wir zu­sammen in Kabel standen?"

Wir unterhielten uns, wie eS bei solch einem Wieder- sehen zwischen alten Kameraden üblich ist- fragten einander, ob wir verheirathet seien und sprachen von der Ehe in dem wegwerfenden Tone alter Veteranen, deren Heim der Club ist und die allabendlich am Whisttisch kleben. Dann kam die Rede noch auf diesen und jenen der langst zur großen Armee versammelten Kameraden, und als eS Zeit war, wieder unsere Plätze einzunehmen, hatte ich daS junge Fräulein ver­geffen, das Marian Chatterton so ähnlich sah.

(Fortsetzung folgt.)

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Nr. 187 Zweites Blatt. Donnerstag den 12 August

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Bekanntmachung,

brtc: Schießübungen.

ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß daS Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm am 12., 13., 14., 16., 18. und 19. d. M. auf den Höhen östlich Mainzlar ein Schießen mit scharfen Patronen mit der Schußrichtung nach Süden und Südwesten abhalten wird. An den ge­nannten Tagen darf von 6 Uhr Vormittags ab, bis daS Signal die Beendigung des Schießens ankündtgt, gegen 3 Uhr Nachm., daS Gelände zwischen Mainzlar, Treis an der Lumda, Climbach, Beuern, Alten-Buseck, Daubringen, Mainzlar nicht betreten werden.

Die Straße DaubringenMainzlarTreiS a. d. Lumda ist für den Verkehr frei, die Straße DaubringenAlten-Buseck dagegen gesperrt.

An den wichtigsten Wegen, welche in daS gefährdete Gelänge führen, werden Posten aufgestellt werden.

Gießen, den 9. August 1897.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Wagner.

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Gießen, den 9. August 1897. Petr.: Wie oben.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an |bie Großh. Bürgermeistereien Alten-Buseck, Beuern, Climbach, Daubringen, Mainzlar und Treis a. d. Lumda.

Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie in orts­üblicher Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen.

I. V.: Dr. Wagner.

Locales unb provinzielles.

WormS, 9. August. Unter der Ueberschrift Alice- Denkmal lieft man in derWorms. Ztg.": Wie wir mit Freuden vernehmen, hat der Plan, der verewigten Groß- derzogin Alice zum dauernden Gedenken ein künstlerisches Erinnerungszeichen in D armstadt zu errichten, bei den Frauen und Mädchen Hessen« lebhaften Widerhall gefunden. Diese Idee hat auch io viel Liebenswürdiges, daß gewiß jede Frau ihr Jntereffe gern dem Unternehmen zuwendet. Auch find die Summen, die z. B. für die Errichtung einer von lieblichen Blumenanlagen umschlossenen Marmorbüste,

Feuilleton.

Dürre Blätter.

Nach dem Englischen von John Strange Winter. Deutsch von B. T. Koner.

(1. Fortsetzung.)

Vergeblich waren meine Betheuecungen, daß ich noch nie im Leben so im Ernste gesprochen hätte - vergeben- gab 'ch ihr die Versicherung, daß ich seit dem Tode meines vor anderthalb Jahren verstorbenen Vater- Niemanden Rechen­schaft schuldig sei, außer meinem alten Vormund, der mich al- einen jungen Mann von Grundsätzen kenne und mir keinerlei Vorschriften mache. Marian versicherte zwar, sie liebe mich mehr al- ihren Bräutigam, mit dem fie fich vor drei Jahren verlobt harte, als fr, wie fie betonte, genau so alt gewesen sei, wie ich jetzt.Uno," fügte fie hinzu,da­mals war ich überzeugt, ihn über alle- zu lieben."

Umsonst bot ich meine ganze Beredsamkeit auf, fie zu bewegen, dem Anderen den Abschied zu geben. Es blieb da­bei, daß wir unß trennen mußten, und so endete die Ge­schichte meiner.Jugendliebe.

Anfänglich wußte ich nicht recht, was ich von ihr denken sollte ob sie mich wirklich lieber genommen hätte al- den, welchen fie später heirathete, ob fie wirklich nur aus Ehren­haftigkeit mich nicht erhört und so fest bei dem ihm ge­gebenen Wort beharrt hatte. Nach Jahr und Tag aber wußte ich recht gut, daß Marian Chatterton keinen Deut nach mir fragte, und daß fie eine Erzkokette war, die keinen Verehrer, und mochte er auch ein neunzehnjähriger Milchbart Mn, mit unversengten Flügeln davonkommen ließ. Und ich hatte mich von ihr gründlich zum Besten halten laffen, o, arglose Leichtgläubigkeit der Jugend.