Ausgabe 
11.12.1897 Erstes Blatt
 
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zweideutige Beweise Niemand schuldig gesprochen werden lärme. Rach kurzer Rechtsbelehrung und halbstündiger Be- rathung verkündet der Obmann, Herm. Mettenheimer, den Wahrspruch der Geschworenen, der beide Angeklagten in allen Fällen für nichtschuldig erklärt. Der Gerichtshof sprach da­rauf die Angeklagten von Strafe und Kosten frei.

W. Gießen, 10. Dccember.

Heute verhandelte das Schwurgericht gegen den Schmiede- meister Heinrich Rtegelmann von Hopfgarten wegen Sittlichkeit-Verbrechen. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, die Vertheidtgung führt Recht-anwalt Grünewald. E- find elf Zeugen zu kören. Die Oeffentlichkeit ist bet der Verbondlurn auSqeschloffen.

Wetzlar, 9. Dec-mber. Eine unangenehme Weihnacht-' Überraschung erlebte in diesen Tagen eine hiesige Firma. Dieselbe hatte einen sehr gut empfohlenen, äußerst tüchtigen Reisenden engagirt. Dieser erhielt einen ziemlich beträcht­lichen Reisevorschuß, packte seinen Koffer, entnahm auf Borg noch schnell au- einem anderen hiefigen Geschäft einen neuen, schönen, »armen Wintermantel und ging auf die Tour. Und der Mann war wirklich tüchtig! Täglich gingen seiten­lange Auft'äge von ihm ein. Doch ein tüchtiger Reisender braucht auch Geld. Der Reisevorschuß war in wenigen Tagen aufgezehrt und so bat denn besagter Reisender, ihm sofort telegraphisch einen weiteren Vorschuß zu senden, da er noch ganz ungeheuerlich immense Aufträge einzusammeln habe. Di'se riefen staudeuhaften, in Aussicht gestellten Aufträge plus der schon eingegangenen machten nun doch die Firma stutzig, noch stutziger aber der so schnell und unverschämt hoch geforderte weite: e Vorschuß. Genug! Man zog schnell Erkundigungen ein, deren Endresultat war, daß die Kunden weder Aufträge gegeben, noch Überhaupt einen Reisenden ge» sehen hatten. Nun galt e- zu retten, waS zu retten war. Der hiesige Kaufmann mußte sich schleunigst auf die Bahn setzen, den Herrn Reisenden noch im Hotel auslösen, und dann für ihn Bahngeld sür die Retourfahrt bezahlen. Hier wurden ihm dann die Muster und der schöne warme Winter­mantel abgenommen, worauf der tüchtige Herr Reifende sich mit schönem Dank für die so gut verlebten Tage empfahl. Bor Nachahmung also wird gewarnt.

* Erfurt. 7. December. In Ringleben bei Erfurt

vermachte ein Fräulein Peter der Dorfkirche 14,5 H ctar Land im Werthe von 50,000 Mk., der Gemeinde ein HauS nebst Plan zur Errichtung einer Schule und 2 5 Hrctar Land als Stiftung, aus deren Erträgniffen armen Schulkindern zu Weihnachten bescheert werden solle. Die Pflegerin der Ver­storbenen erhielt da- gesammte Mobilar und 27,000 Mk. baares Geld.

* Görlitz, 7. December. In Weißwaffer brachen auf der Eisdecke de- DorfteicheS vier Knaben ein, wovon drei ertranken. Beim Rettungsversuch ertrank auch bte Mutter der Kinder.

* Aschaffenburg. 7. December. Die Verschiebung des Dieustgebäude- am Bahnhofe Aschaffenburg, die auf An ordnung deS GeneraldirectorS der Staatsbahnen auf omni» kanifche Art vorgenommen wurde, ist jetzt vollendet. Dr­um 120 Meter verschobene zweistöckige Haue hat außer einigen Riffen in den Plafonds keine Beschädigungen erlitten und steht auf den neuen, während der Verschiebung h rge stellten Grundmauern. Die Verschiebung nahm ca. 14 Tage in Anspruch, sie erfolgte, nachdem die nöthige Verbolzung und Versteifung erfolgt und ein Rost von Schwellen herge» stellt worden war, mittelst einfacher Fußwinden. Anfänglich konnte da- Haus nur um einige Meter, in den letzten Tagen aber 10 bis 12 Meter weit in einem Tage weiter ge­schoben werden. Die Kosten betragen pro Meter nur 6 Mk. Arbeitslohn, dagegen waren die Anrichtungskosten (Rost, Ber Peilung, neue Grundmauern rc.) sehr hohe (13,000 Mk.). Die interessanteste Arbeit war, al- das HouS auf einer Steil' rampe um 1,5 Meter gehoben unb dann auf die neuen Grundmauern aufgesetzt wurde. Der E-folg hat so sehr be­friedigt, daß man künftig auch weitere Bahngebäude auf gleiche Weise verschieb«'n will. -

Universität- - Nachrichten.

Leipzig. Die juristische Faculiät feiert am 19. ds. Mts. in der Aula der Universität die Erinnerung an den 100. Geburts­tag Earl Georg v. Wachters. Der Physiker und Leiter des physikalisch-chemischen Instituts, Hofrath Pros. Wiedemann, feiert am nächsten Samstag sein 50jäbriges Doctorjubiläum. Dcr Privatdocent für Philosophie und Pädagogik an hiesiger Universität, Dr. Paul Barth, wurde zum außerordentlichen Professor ernannt.

Göttingen, 1. December. Die Universität hat heute Mittag einen Festactus abgehalten zur Feier des 100jährigen Ge­burtstages Otfried Müllers. Prof. Dilthey hielt die Festrede, in welcher er ein Bild von der Thätigkeit und Bedeutung des berühmten AlterthumSsorschers gab, der von 1819 bis zu seinem Tode im Jahre 1840 en unserer Universität als Professor thätig war.

Anzeigen Ser itaö»

Evangelischeevttnlt

Sonntag, den 12. December. 8. Advent.

Gottesdienst

An der AodauueStir»«.

Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Dingeldey.

Vormittags um 11 Uhr: Kinde,ktrche für die LucaS- gemeinde. Pfarrer Dingeldey.

Abends 5 U6r: Pfarrer Dr Grein

Beichte und bell Abendmahl für die Matthäus» und MarcuS- gemeinde. Beiord rs die confirmirte Jugend beider Gemeinden. Anmeldung bei dem Pfarrer erbeten

Montag den 13. December, Abends 8 ' hr, VibelEnnde im Confirmandensaal der Johanne« ktrche Epheserbrief. Cap. 2, von Vers 11 an. Erbebender Vergleich deS früheren und deS jetzigen ZustandeS. Pfarrer Dr. Nauman-

Ja der NriedhofScapelle.

Vormittags 9»/, Uhr: Pfarrer Schlosser.

Im (fonfirmanDrnfaal, Nrustadt 61.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MarcuSgemeinde. Pfarrer Dr. Gretn.

Donnerstag den 16. December, Abend? 8 Uhr: Bibel- stunde. Eo. Marci, Cap. 10. Fortsetzung. Pfarrer Dr Grein.

Katholische Semetutze.

SamStag den 11. December

Nachmittags um 4 Uhr und AbendS um 8 Uhr Gelegenhett zur hl Beichte;

Sonntag den 12. December. 3 Advenisonntag.

Dormsttags von 61/« Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte;

, um 7 Uhr erste hl Meffe; vor und in derselben AuS- theilung dev beil Communion;

, um 8 Uhr . zweit: hl. Messe; MilitärgotteSdienst mit Predigt;

um 9Vs Uhr Hochamt mit Predigt;

Nachmittags um 51/» Uhr Cbr stenlehre; daraus Adventsandacht.

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Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Alteu-Bufeck für 1898/99 liegt vom 11. bis einschließlich 18. December auf hiesiger Bürgermeisterei zur Einsicht der Jntereffenten offen.

Alten-Buseck, den 9. December 1897. 11217

Großherzogliche Bürgermeisterei Alten-Buseck.

Körber.

Die Gaupt Ageutur 1C662

riuer ersten deutschen Lebens- u. Dolksversicherungsgesellsch. für Gießen Stadt und Land ist per sofort zu vergeben. Festes Ein­kommen garantirt, sowie Reisezuschuß bewilligt. CautionSsähige, energische Herren, die Erfolge in Organisation und Acquisition nachweisen können, «erden um Angabe von Francooff. a. d. Gesch -St d. Bl. gebeten.

Bekanntmachung.

Die Stelle eines Dieners bei unserer Kaffe soll, unb zwar zu­nächst probeweise, besetzt werden. Der Gehalt wird den Betrag von 600 Mk. vorerst nicht übersteigen. Bewerber, welche im Rechnen, Schreiben und Geldzählen geübt sein müffen, wollen ihre selbstgeschriebenen Gesuche baldigst einreichen. Persön­liche Vorstellung hat nur aus Wunsch stattzufinden. _

Gießen, den 9. December 1897" Direktion der Spar- und Leihkasse Gießen.

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