Ausgabe 
7.9.1897 Zweites Blatt
 
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Nr. 209 Zweites Blatt. Dienstag den 7 September 18OT

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Oie-ener Jlwjtiyr erscheint täglich, »nt LuSnahme deS Montags.

Die Gießener

Atawikisn »kälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger.

Lierteljährigw ^bonncmentsprei» r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringer lohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

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Zlints- und 2lnzeigeblutt für den Kreis Gieren.

Annahme von Anzeigen zu der Nachunttag-H Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm«

folgenden Tag erscheinend« Nummer bis Bonn. 10 Uhr. ^lUi.l5>VCUUlJC. ^UUUllXHUUllUl. Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgehn.

Amtlicher TheU.

Gießen, den 3. September 1897. Betreffend: Gemeinheitliche Wasserleitungen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 21. August l. I». (Gießener Anzeiger Nr. 197) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung binnen drei Tagen erinnert.

I. B.: Dr. Wagner.

Nr. 38 de« Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den l.d. M., enthält:

(Nr. 2413.) Verordnung, betreffend den Verkehr mit Schilddrüsen-Präparaten. Vom 19. August 1897.

(Nr. 2414.) Staatsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Belgien, betreffend die Aachen-Mastrichter Äsen- bahn. Vom 15. April 1897.

(Nr. 2415.) Bekanntmachung, betreffend den Beitritt Dänemarks zum internationalen Uebereinkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr und die Ergänzung der zugehörigen Liste. Vom 20. August 1897.

Gießen, den 4. September 1897.

GroßherzogltcheS Kreilamt Gießen.

I. B.: Dr. Wagner.

Deutsches Reich«

Berlin, 5. September. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat während seines eintägigen Aufenthalts in Berlin mehrfach mit de« Unseistaatrseccetär im Auswärtigen Amte v. Rothenhahn Besprechungen gehabt.

Berlin, 5. September. An sämmtliche Truppencommandos ist eine CabiuetSordre de» Kaisers ergangen, welche auf die kürzlich erfolgte Erhöhung der Gehälter für eine Reihe höherer Offizierklaffen Bezug nimmt. Dir CabinetS- ocdre ordnet an, daß den Offizieren erneuert ans Herz gelegt werde, in ihrer Lebensführung jeden Luxus zu vermeiden, der mit der Vermögenslage des Betreffenden nicht in Einklang zu bringen fei und betont auf das Nachdrücklichste, daß standesgemäße LebenSfühiung des Offiziers nicht mit einer aufwandretchen verwechselt werden solle.

Berlin, 4. September. Außer der von der Stadt­gemeinde bewilligten einen Million Mark find bet der Haupt- sttftungSkaffe deS Magistrats für bre U e b e r s ch w e m m t e u eingegangen 1015000 Mark Der geschäftsführende Ausschuß

hat bewtll gt uuü gezahlt 456 600 Maik und nach Württem­berg, Sachsen und dem Regierungsbezirk Liegnitz 672000 Mark zur Verfügung gestellt. Es ist demnach verfügt worden über die Summe von 1128600 Mark.

Ariedrichsruh, 5. September. Gelegentlich des Besuchs des König» von Siam überreichte dieser dem Fürsten Bismarck den Familienorden des Königlichen Hauses in Brillanten, mit dem Bilde de« Königs geschmückt.

Stelle», 5. September. Im westlichen Schlesien ging ein schweres Unwetter nieder, welches colosiale Waffer- mevgen mit sich führte. Die Lausitzer Neisse sowie der Queis erreichten bei Lauban bereits eine gefahrdrohende Höhe. E» werden neue Ueberschwemmungen befürchtet. Durch Blitz­schlag wurden mehrere Menschen getödtet und Gehöfte ein­geäschert.

Zuowrazlav, 5. September. Die hiesige Polizei unter­sagte den für heute hier anberaumteu Gautag der polnischen Turnvereine.

Elbing, 4. September. Während des Manövermarsche« deS Feld-Artillerte-RegimentS Nr. 36 im Kreise Osterode schlug ein Blitzstrahl in die vierte Batterie. Ein Unter­offizier wurde mit seinem Pferde getödtet.

Apolda, 4. September. Die Meldung deS hiesigen Tageblatts über den Einsturz der Pionierbrücke und die dabei erfolgten Unglücksfälle wird von dem Obersten des 94. Regiment» für unzutreffend erklärt.

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Brussel, 4. September. In Folge Erhöhung der Getreidepreise mußte auch die hiesige socialtsttsche Vereins- bäckerei ihre Broipreise um drei Centimes pro Stilo Brot erhöhen.

PuriS, 4. September. DerGaulois" veröffentl'cht Mittheilungen über den Inhalt des franco-russischen Bündniß BertrageS. Darnach soll derselbe defensiver Natur sein. DeS Weiteren will das genannte Blatt wissen, daß auch Dänemark von Rußland und Frankreich da- Ver­sprechen erhalten habe, im Falle eines Kriege» von diesen beiden Mächten b-schützt zu werden, unter der Bedingung, daß die dänische Flotte die rusfische Flotte im Falle eines Kriege» unterstützt.

Madrid, 4. September. In Lugo stürzte ein Ge­rüst ein, wobei fünf Personen erschlagen wurden.

Barcelona, 4. September. Auf dem Cataluna Platz gab heute um Mitternacht ein Anarchist zwei Schüsse auf den Chef der Polizei ab. Letzterer wurde schwer ver­wundet- der Attentäter tst verhaftet worden.

Feuilleton.

Kitty und Litty.

Eine Manövergeschichte von Hermann Birkenfeld.

(Schluß.)

Hoho!" rief Onkel Leo.£u einer Verlobung gehört schon wehr al» ein Willkommen und Abschied, und nun erst zu zweien! Dazu die Patientin und bis Fellenberg fahrt Ihr zwei Stunden, also! Für heute Nacht müssen die Herrschaften schon nach Hanshagen zurück, da» andere findet sich dann dort. Mutter Eicken» wird ein Gesicht machen, wenn ich ihr um elf Uhr Abends mit diesem Der- lobungSpacket ins Hau» falle!"

Mutter Eicken» war deS Hausherrn zu Hanshagen häus­lich waltende Fee.

O weh, wenn nun die Feldwache nicht wäre," seufzte Flattrtch.

Pollhammer ging auf ihn zu.

®ie Feldwache ja, lieber Flattrich, zu der be­kenne ich mich schuldig. Aber Hand auf» Herz wo wären Sie jetzt ohne diese Feldwache? Ich hoffe, wir find quitt?"

Mehr als das, Herr Hauptmann! Meine Dank­barkeit

So, so! Und vor einer halben Stunde noch war ich ein Ekel."

»Nein!" rief Litty.Sie find und waren ein Prachtmensch.

Mutter Stenglein wollte doch die Rückkehr auf ihres Bruder» Gut nicht zugeben.

Denk an Elfriede Bohmke, Jakobu»! Sie kann doch mit Lurt"

»Nicht wieder zurück? Um Gotteswillen nicht!" I raunte Leo.Allerdings man kann fie auch nicht einfach I

abschütteln hm, dumme Geschichte! Egal! Fragen wir fie selbst."

Die geborene v. Flammry hatte während der ganzen Scene für paffend erachtet, in den Kiffen des Landauers zu verharren. Sie hatte ja auch Mutterpflichten, dem armen, von dem gesühlsrohen Hansen verführten Curt gegen­über, deffeu längliches Gestell in einer Ecke de» Wagen» fest und sanft und sicher dahinschlummerte, an den Wirkungen von Onkel LeoSSteinberger Eabtnet", und al» sie nach der Katastrophe hier draußen nur ein Weilchen den Kopf aus dem Fenster gesteckt hatte, wußte fie schon genug, d. h. daß Litths Eltern nun keine Ansprüche mehr darauf machen würden,bie alten freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Familien Stenglein-Vohmke durch eine Heirath in neue verwandtschaftliche umzuwandeln". Sie Elfriede Bohmke schloß ja nur zu gern mit solcher Möglichkeit ab. Ein Mädchen, das sich dem ersten besten Menschen an die Brust wirft pfui! Und nun die Mondschein-Promenade ohne Wissen der Eltern disgusting!

So war fie denn außerordentlich gefaßt, als Consul Stenglein an den Wagenschlag trat und ihr das Ergebniß de» abendlichen Rencontres berichtete, zugleich mit der An­frage, was fie zu Schwager» Hansen» Vorschlag meinte. Sie kniff nur die Lippen zusammen, richtete fich noch ein bischen kerzengrader auf ihrem S'tzr auf und antwortete:

Gar nicht», lieber Consul. Meine Nerven nur haben nachgerade ein Anrecht auf etwas Ruhe/ und daß ich eS besonders rücksichtsvoll fände, mich hier eine halbe Stunde warten zu lassen, könnte ich nicht behaupten. Freilich man hat nicht jeden Tag die Chance, zwei Töchter auf ein­mal solche Partieen wachen zu lassen auf der Laussee."

Sie hatte da» Wortsolche" recht liebenswürdig sckarf betont.

Stimmt, gnädige Frau!" rief Onkel Leo.Entspricht auch ganz Ihrem guten Herzen, diese Chancen als hin-

New Dork, 4. September. Bei einer Explosion auf der Grube SunShina im Staate Colorado sind eine große Anzahl Arbeite, verunglückt. Bis jetzt find 15 Leichen an» Taae»licht geschafft worden, alle furchtbar verstümmelt.

Unterhaltungen in Bad-Nauheiru.

Die Kurcapelle spielt täglich Morgens von 7 dis 8 Uhr am Kurbrunnen, Nachmittags und Abends stehe unten, bei weniger <16 10° R. Wärme im großen Speisesaale des Kurhauses.

Dienstag den 7. September, Nachmittags von 5 bis 7 und von 87t bis 10 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Boa 87, bis 10 Uhr spielt die Capelle Tänze und kann auf dem nordwefl- ttchen Thetle der Terrasse getanzt werden. Mittwoch den 8. Sep­tember, Nachmittags von 5 dis 7 und von 8 bis 10 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Theater­vorstellung. Cyprienne (Divor$on8). Donnerstag den 9. September, Nachmittags von 5 bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Tanz. Freitag den 10. Sep­tember, Nachmittags von 5 btS 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Ubr im Saale: Letzte Theater­vorstellung unter Mitwirkung der Kurcapelle. Benefiz für die Mit­glieder des Großh Kurhaustbeaters. Operetten-Abend, verbunden mit Gastspiel des Frl. I. Weiß, Solotänzerin vom Stadttheater in Frankfurt a. M. Samstag den 11. September, Nachmittags von 5 dis 7 und von 8 bis 10 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends Stücke russischer Tonkünstler.

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Dienstag den 7. September: Lohengrin. Mittwoch de» 8. September: Hänsel und Gretel. Hierauf: Phantasien im Bremer Rathskeller. Donnerstag den 9. September: Der fliegende Holländer. Freitag den 10. September: Der Barbier von Sevilla. Samstag den 11. September: Bajazzo. Cavalleria rueticana. Phantasien im Bremer Rathskeller. Sonntag den 12 September: Die Jüdin. Montag den 13. September: Die Fledermaus.

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Dienstag den 7. September: Die relegirten Studenten. Mittwoch den 8. September: Braut von Messina. Donnerstag den 9. September: Die versunkene Glocke. Freitag de» 10. September: Galeotto. Samstag den 11. September: Renaissance. Sonntag den 12. September: HanS Lange. Montag den 13. September: Faust.

Unsere Leser machen wir auf die im Annoncentheil unsere« heutigen Blattes enthaltene Bekanntmachung der Technischen Hochschule zu Darmstadt aufmerksam. Dieselbe gewährt eine voll­ständige wissenschaftliche und künstlerische Ausbildung für den tech­nischen Beruf. In besonderen Abtheilungen werden Architecten, Bau-Ingenieure, Cultur-Jngenieure, Maschinen-Jngenieure, Electro- Jngenieure, Chemiker, Electro-Cdemiker und Apotheker ausgebildet; desgleichen in der allgemeinen Abtheilung Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften, sowie Geometer. Auch Fabrikanten, Kunst und Gewerbetreibenden ist die Hochschule zur Erlangung der erfor­derlichen Kenntnisse behilflich. Das neue elektrotechnisch physikalische Institut, sowie bag.neue chemische und electrolechnische Institut sind im Jahre 1896 eröffnet worden. Alle diese Gebäude sind electrisch be­leuchtet durch eine eigene electrische Centrale der Hochschule. 5409

reichende Entschuldigung für die begangene RückfichtSlofigkeit I gelten zu lassen."

Frau Elfriede schoß einen stechenden Blick nach dem Sprecher hinaus. Gut, daß Blicke nur bildlich durchbohre» können, sonst war er futsch.

Jedenfalls möchte ich ohne Aufenthalt nach Fellenberg." Consul Stenglein verneigte sich.

Fahren Sie die gnädige Frau zu meinem Schwager nach Fellenberg!" rief Hansen dem Kutscher zu.

Ich darf Ihnen dann wohl gleich endgilttg Adieu sagen, Herr Consul?- fragte Madame Bohmke.Ihr Aufenthalt auf Hanshagen möchte fich natürlich nur infolge von Kitty» Verletzung in die Länge ziehen, und ich muß un­bedingt bald heim, schon meines Sohnes wegen. Ich möchte doch nicht, daß sein trotz seiner fünfundzwanzig Jahre Gott sei Dank noch recht kindliches Gemüth öfter solche Proben zu bestehen hätte wie heute auf Hanshagen."

*Da hast Du Deine Prämie, Leo!" flüsterte der Consul.

Leo v. Hansen aber lachte gutmüthig drauf los.

Dann ein Umpacken von Plaids und Schirme», ein knapper, kalter Abschied, und die beiden Wagen trennten fich.

Das Break erschien zwanzig Minuten nachher wieder auf dem Hanshagener Gutshofe, freilich ohne die Herren vom Militär.

Die hatte man an der Feldwache zurücklassen müssen.

Dienst ist Dienst.

Aber die Manöver zogen fich ja so bald noch nicht auf entlegenes Terrain und Kitiy war auch noch nicht trans­portfähig, und daß Litty der Schwester zur Gesellschaft blieb, war zu natürlich. Und Frau Consul konnte die Kinder doch nicht fich selbst überlassen. Also ....