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3.11.1897 Zweites Blatt
 
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Nr. 25« Zweites Blatt. MiMvoch dm 3. November

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Der

fblener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montag».

Die Gießener

Anmilienv kälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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folgenden Tag erscheinenden Nummer b,S Vorm. 10 Uhr. I K__________

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ietei, den 2. November.

* Erledigte Lehrerstelle«. Erledigt find: eine mit eine« ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Babenhausen, Rt. Dieburg, mit einem nach dem Dienftalter fich bemeffeuden jährl. Gehalt von 10001500 Mk. Mit der Stelle ist ein Theil de» OrgantstendtensteS verbunden. Dem zu ernennenden Lehrer können unter Umständen auch die Functionen eines Oberlehrer» an genannter Schule über­tragen werden- eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Pfaffen-Beersurth, Kr. Erbach, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mk.- die mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemetnde- schule zu Busenborn, Kr. Schotten, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendtenst verbunden - eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Wixhausen, Rr. Darmstadt, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mk.- die mit einem ev. Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle au der Gemetndeschule zu Bind» sachsen, Rr. Büdingen, mit einem jährl. isehalt von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organisten- und Lectorenbienst verbunden. Dem Herrn Fürsten zu Isenburg und Büdingen tu Btrsteiu steht da» PräsentationSrecht zu derselben zu- au der Volk«, schule zu Mainz: eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle und zwei mit kath. Lehrern zu besetzende Lehrerstellev, sowie eine mit einer ev. Lehrerin zu be­setzende Lehrerinnenstelle und vier mit kath. Lehrerinnen zu besetzende Lehrerinnenstellen. Der Anfangsgehalt beträgt bet den Lehrerstellen je 1350 Mk. und bei den Lehrerinnen- stellen je 1200 Mk. jährlich - eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Jügesheim, Rr. Offenbach, mit einem nach dem Dteustalter fich bemeffeuden jährl. Gehalt von 10001200 Mk.

n. Reichelsheim i. d. W., 31. October. Gestern starb hier etu fünfjähriger Knabe eines qualvollen Tode». Derselbe wollte nämlich am DtenStag ein Thürchen am Herd zutreteu, verlor dabet das Gleichgewicht und stürzte rücklings so, daß er in einen Eimer voll kochendes Waffer zu fitzen kam. Ob­wohl er augenblicklich aus dieser schrecklichen Lage befreit

werden konnte und ärztliche Hilfe sofort zur Stelle war, er- | lag er doch gestern seinen Leiden, die durch hiuzugetreteue Krämpfe noch vermehrt worden waren.

n Gettenau, 1. November. Die Mittheilung deS Gießener Anzeigers", daß die mangelhafte Beleuchtung auf unserem Bahnhofe leicht zu Unzuträglichketten führen könnte, hat letder eine Bestätigung erhalten. Ein Reisender wollte den Abeudzug verlassen, gerieth wegen der Dunkelheit auf die falsche Seite deS Wagens, stürzte zu Boden und brach zweimal den Arm.

n. Friedberg, 31. Oclober. Am heutigen Reformation»- fest, Nachmittags 3 Uhr, wurde die Feier zur Grund­steinlegung deS Chors und Kreuzschiffe» unserer Stadt- ktrche unter großer Betheiligung von Seiten der Kirchen- gemeinde abgehalten.

B. Au,de«Kreisevudiugcu, 31.October. Die Zucker- rüb en ernte ist nunmehr so wett vorgeschritten, daß sich das 1897r Ergebniß sowohl in Hinsicht der Masse als auch der Güte der Rüben ziemlich gut beurrhetleu läßt. Nicht sehr tröstlich sah e» Mitte September aus. Zwar hatten die Rüben etue ansehnliche Größe erreicht, aber der Zucker- gehalt ließ zu wünschen übrig. Das besserte fich in sehr er­freulicher Weise, als der October so anhaltend trockne», warmes, sonniges Wetter brachte, wodurch der Zuckergehalt fich wesentlich verbesserte. Die Erträge hiofichtlich der Masse find sehr verschieden. Feine Wetterauer Lagen, gut in Bau und Dung, bringen ihre 230 Eentner auf den Morgen- magere, weniger gute, nicht genügend durchgearbeitete Flächen müssen fich mit der Hälfte begnügen, fie gehen sogar noch weiter herunter. Trotzdem ist die Zuckerrübe das hervor­ragendste Handelsgewächse in der heutigen Landwirthschaft geworden und wird in ihrem Ertrage nur durch die Zwiebel erreicht. Der große Werth der Zuckerrübe zeigt fich diese« Jahr auch dadurch, daß ihre Abfälle: Kopfabschnttte und Schnitzeln einer halben Dickwurzernte gletchkommen- in futter­armen Jahren find diese Nebenerzeugnisse sehr wohl tu Rechnung zu ziehen. Alles in Alles genommen wird der Laudwirth auch in diesem Jahre mit den Erträgen der Zuckerrübe wohl zufrieden sein.

-e. NeuMrichsteiu, 1. November. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro October 1897. Ende

October 1897 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 41 Mann. Dieselben Vertheilen sich auf das Groß- herzogthum Hessen 8 - Königreich Preußen: Regierungsbezirk Kassel 6, Regierungsbezirk Wiesbaden 5- Provinz Rhein­lande 7, Provinz Hannover 3, Provinz Sachsen 3, Pro­vinz Brandenburg 1, Provinz Schlesien 2 - Königreich Bayern 2, Großherzogthum Baden 2- thüringische Staaten 1- Auöland: Oesterreich. Ungarn 1. Hiervon waren: Ar- beiter 21, Anstreicher 2, Bergmann 1, Etsendreher 1, Former 1, Gärtner 1, Kaufleute 3, Kappenmacher 1, Kellner 1, Landwirth 1, Lehrer 1, Schlosser 1, Schmied 2, Schuhmacher 2, Schriftsetzer 1, Techniker 1. Gearbeitet wurde an 960 Tagen. Verpflegt wurde an 1096 Tagen. Im Monat October 1897 wurden entlassen 18 Mann, und zwar in Arbeit durch die Colonie 3, in Arbeit durch eigener Bemühen 3, auf eigenen Wunsch 5, «egen Trunk 2, wegen Arbeitsscheu 2, wegen schlechten Betragen» 1. Seit Bestehen der Colonie sind ausgenommen worden im Ganzen 3318, dagegen abgegangen im Ganzen 3277 Mann, bleibt Bestand am 31. October 1897: 41 Mann.

"viugeu, 31. October. Der 76jährige Weinhändler Simon hier ist mit seinem Enkelchen, dem 5jährigen Söhnchen de» Weinhändler» Gottscho, in bedauerlicher Weise ver­unglückt. Er verbrachte die verflossene Nacht im Hause seines Schwiegersohnes und schlief mit dem Söhnchen des­selben in einem Zimmer. Heute Morgen fand man Beide infolge AuSströmenS von KohlengaS aus dem im Zimmer stehenden Ofen erstickt vor._________

Urriverfitäts Nachrichten.

Leipzig, 1. November. Der Agriculturtechntker Professor Stahmann ist heute gestorben.

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Feuilleton.

Die Badereise.

Humoreske von S. Halm.

(Fortsetzung.)

Sie reisten. Den Muth hatte Flügge seiner Frau deun doch nicht zugetraut, er war starr und sagte vor Wunder gar nichts. Nur als seine Lieben Abschied von ihm nahmen, rief er ihnen mit seiner Löwensttmme auf den Flur hinaus nach:

Also entweder verlobt oder gar nicht heimgekehrt. Merkt Euch da»! ES bleibt bei meinem Wort!"

Thekla und Hilde lachten den Gestrengen ordentlich jugendlich-heiter au, Frau Therese rauschte mit Würde als Erste zur Thür hiuau»- wie etu radschlagender Pfau, dachte der Ergrimmte.

Ja, waS bringt eine Mutter, die ihre Tochter zu ver- heirathen trachtet, nicht fertig! Frau Therese wußte sehr wohl, daß mit ihrem Manne nicht zu spaffeu sei, aber fie spielte deuuoch ihr Babanque mit dem sicheren Borgefühl künf­tigen Triumphe». * *

Reunion. Die Säle find überfüllt, der Dameuflor ist erdrückend, die Herrenwelt spärlich vertreten.

Frau Rechtsanwalt Flügge imBlau-Seideueu fitzt straff aufgerichtet unter den Müttern. Sie hat natürlich ihre Bekanntschaften gemacht, ihre Töchter haben fich Alter»- geuosfinneu augeschloffen und die Frau Recht-auwalt ist stolz ans ihren neuen UmgaugSkrei», zu dem eine wirkliche Baronesse zählt, stolz auf ihren Titel, ihre und ihrer Töchter neue Reisegarderobe uud schließlich auf ihre Kinder selbst.

Wer hätte da» gedacht! Ju vierzehn Tagen hat Hilde berett» einen Verehrer, der nicht öon ihrer Sette weicht, und Thekla, da» Sorgenkind der Mutter (fie schielt nicht unbedeutend), macht heute geradezu Furore in ihrem duftigen Gazekleid, da» ihr wie einer Sechzehnjährigen steht.

Frau Therese schwelgt in Wonne- fie ist einfach selig!

Eben schwebt vrnnhtldchen am Arme ihre» Cavalier» heran. Sie ist hochroth vom Tanz, Mama bemerkt mit

Schrecken, daß die Löckchen tu Unordnung geratheu. Aber Mutter und Tochter lächeln uud Beider Lächeln gilt Herrn Justus OlferS, Hilde» Cavalier.

Welch ein hübscher Mensch, hellblond, ein wenig schwäch- tig, aber geschmeidig, der Frack fitzt tadello», die Lackschuhe blitzen und die falschen Brillanten im Borhemd gehen bei Abend sehr gut für achte durch.

Frau Therese lächelt huldreich. Der liebe kleine Mensch! Er hat ihr ganzes Herz gewonnen durch seine gute Manieren, seine diScrete Stimme. Hilde ist ihr Liebling. Gottlob, die bekommt keinen solchen ungeschlachten Bären, wie fie, die Mutter zum Manu.

Thekla gesellt fich zu ihnen. Auch fie ist erhitzt vom Tanz, aber fie ist heute der Mutter ganzer Stolz. Da» Rtnb" gleicht einer Fee. Das Rothblood de» Haares gleißt im Licht der Glühlampen wie Gold- Thekla ist hübsch ge­wachsen, Büste und Armee find tadellos.

Heute oder nie denkt Frau Therese, muß ihr Sorgen- ktud sein große» Glück machen und ihr Herz hüpft ganz uu- correct vor Freude, al» Herrvon" fafl8 Herr »von LobieSky Thekla soeben zum sechsten Male eogagirt.

Eine Stunde später vermißt Frau Therese ihre beiden Töchter und ihre beiden heimlich ersehnten Schwiegersöhne. Sie erschrickt. Da» ist uucorrect aber fie lächelt. Etwas Poefie muß bei einer Verlobung doch auch setu und fie seufzt- gedenkt fie doch der eigenen und daß ihr Bär von einem Gatten gerade damals, das eine einzige Mal correct gewesen, zu ihrem Kummer correct ohne Poefie, um fie angehalten. Ach---!

Mamachen!" Sie will emporfahren, besinnt fich jedoch und erhebt fich mit geziemender Langsamkeit uud Würde.

Nun verlobt?" schwebt e» ihr auf den Lippen, doch fie schließen fich jäh- die, welche da vor ihr steht, ist keine jubelnde Braut.

Thekla, um Gottes Willen, wa» ist Dir?" Uud fie führt die Tochter in etue Ecke der Dameugarderobe, dort wirft fich Thekla aufschluchzeud au ihren Hal».

Er hat mich geküßt uud uud--

Nuu uud?" fragt die Mutter halb befremdet, halb mit neu aufschimmernder Hoffnung.

Und mir gesagt, daß er leider verheirathet sei mtt einer alten, häßlichen Frau."

Frau Therese sagt nicht». Sie grabt die Fingernägel in die Handflächen.

Wo ist Brunhilde?"

Der Weinenden erstarben die Thräuen. WaS hat Mama denn?

Wo ist Brunhilde?" wiederholte diese.

Ich weiß nicht."

GanS!" spricht die Mutter uud tritt anS Fenster.

Thekla will die Empörte spielen, doch fie besinnt fich uud weint leise. *

Ich bin verlobt!"

Gottlob!"

Die Mutter athmete wie von einem Alp erlöst auf. E» war am Morgen nach der Ballnacht.

Mutter uud Tochter sanken fich in die Arme uud Frau Therese empfand wieder einmal, daß Bruuhildcheu doch ihr LieblingSkind sei.

Gottlob, wenigstens Du," sagte fie, legte die Haud wie segnend auf Hildes Kopf und seufzte tief.

Und ich?"

Thekla war», die an die Gerührten mit dieser Frage herantrat.

Frau Therese gewann ihre Haltung wieder. Neue Energie schien ihr gekommen zu fein.Wir haben noch drei volle Wochen bewilligt. Zeit bringt Rosen! Wir werden ja sehen!" und fie wandte fich dem Bräurcheu zu. Da» stand seltsamer Weise etwas verlegen da.

Nun, wein Kind, erzähle. Wie kam»?"

Ich mußte die arme Thekla ja uach Hause begleiten, Dich konnten wir nicht finden, und al» ich in» Kurhau» zurückkehrte, hatten fich unsere Wege gekreuzt, ohne daß wir e» ahnten. Ich fand Dich bereit» schlafend. Ja, ja, glück­licher Schlaf der Jugend."

Hilde erröthete über und über.

,$Bie schön c« dem «rüutche» steht,' dachte die Kuttet gerührt.

(Schluß folgt.)