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30.9.1896 Erstes Blatt
 
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Der Gießener erscheint täglich, «tt Ausnahme bei Montag».

Die Gießmer

Dl««ikte»5t»1ter «erden dem Anzeiger

»dchmttich breimal beigelegt.

Erstes Blatt. Mittwoch den 30. September

Gießener Anzeig er

Kenerat-Wnzeiger.

1806

vierteljähriger A»oa»e«e«t-preiOtr 2 Mark 20 Pfg. ml» Bring crlohn. Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Psg.

vedaction. Expedttio« und Druckerei:

GLukftrnßeAr.,. Fernsprecher 51.

Amts» unb Anzeigeblatt sür den Ureis Giefzen.

rr Hmtt-Veic°g.- Kiener K-mM<m°cswr.

A«tv<hra TtzeiU

Gießen, den 28. September 1896.

Betreffend: Die Ableistung des Huldigung-- und Der« faffungßeideS.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen «, die Großh. Bürgermeistereieu der Amts- »erßchtsbezirke Sich, Butzbach, Hungen, Laubach und Nidda.

Unter Bezugnahme auf unser AuSschreiben vom 23. d. M. - Siebener Anzeiger Nr. 227 benachrichtigen wir Sie, H die Termine zu Sich, am 2. October, und zu Hungen, im 7. October, nicht um 2y8 Uhr, sondern um 2 Uhr ßatlifinden, und beauftragen wir Sie, die neu aufgenommenen ktaatS- uud OrtSbürger aus Ihren Gemeinden dementsprechend |u Laden.

v. Gagern.

Wolffs telegraphisches Lorrespoadenr-Bure«.

Berlin, 28. September. In der Lolonial-AuSstellung la* es gestern Nachmittag zu ernstlichen AuSschreit- ii|cn dadurch, daß die Eingeborenen nach beendeter Bor- fi-llung ungestüm durch das zahlreiche Publikum drangen; ill ein Ausstellungsbesucher einem Afrikaner einen Schlag terlrtzte, brach der Kampf zwischen den Eingeborenen und lt* Publikum los, wobei mehrere Personen verwundet kniiben. Erst den herbeieilenden Gendarmen gelang eS, die Allste wieder berzustellen.

verliu, 28. September. Gegenüber dem Konstantinopeler keffichte eines ausländischen Blattes constatirt die »Nordd. All«. Ztg.", daß die deutsche Botschaft während der letzten AePeleten ungefähr 30 armenische Flüchtlinge, wo- Wer sich ein Geistlicher, sonst aber meist Frauen, Kinder und junge Leute befanden, aufnahm und beschützte. In der Kutschen Botschaft suchten nicht noch mehr Armenier Schutz, la ste in einem fast ausschließlich türkischen Häuserviertel lieg», wo sich die Armenier an jenem Tage möglichst wenig fineinwagten. Ju der weiteren Umgebung der Botschaft ist feto einziger Armenier getödtet worden.

Berlin. 28. September. DerPost" zufolge ist der inaenische Profeffor Thumahan ohne weiteren Versuch eine:- öffentlichen Auftretens nach der Schweiz abgereist.

Kiel, 28. September. Das SchulschiffGneisenau" ist «heute früh als letztes Schiff des Schulgeschwaders nach In® Mittelmeer abgegangen.

Hamburg, 28. September. Die Arbeiter, die. Getreide Hf Accord verladen, etwa 400 bis 500, haben heute die «rbeit uiedergelegt und verlangen Lohnerhöhung, bisher waren für die Tonne 45 Pfg. gezahlt worden. Die Strikenden verlangen jetzt Sätze von 50 und 55 Pfg.

Hamburg, 28. September. Die Hamburg-Amerika-Ltnte stt ihre Zwischendeckspreise um fünf Mark erhöht.

Bern, 28. September. Gegen das Bundesgesetz über lie Bundesbank find bis jetzt 80,000 Unterschriften ge- smimelt. Ma» hofft, bis zum Ende der Referendums-Be- stkgung 100,000 Unterschriften zu erlangen.

Venedig, 28. September. DaS Institut für Völkerrecht Iktzne heute in lebhafter Weise die Debatte über die Na- lioualttätScouflicte uud Naturalisation fort.

Paris, 28. September. DerJustice" zufolge hat ihr neu erfundener Explosivstoff, mit welchem man au >!« Polygon von Lydd in aller Stille Versuche austellte, men noch nicht dagewesenen Erfolg erzielt.

vallater, 28. September. Gestern Vormittag herrschte sirr regnerisches, windiges Wetter. Die Königin, das russische kissrpaar, der Prinz von Wales, die Herzogin von York, Itc Herzog und die Herzogin von Connaught, sowie andere Hitrstltchkeiten und Lord Salisbury wohnten dem Gottes- lienste in der Kirche von Crathie bei.

Bukarest, 28. September. Kaiser Franz Joseph um> litatg Karl von Rumänien sind um 3y2 Uhr Nachmittags uf dem hiesigen Bahnhöfe eiogetroffen und von einer über- iiä zahlreichen Menschenmenge begrüßt worden.

Koustauttuopel, 28. September. Wiener Eorresp.-Bur. $ls Pforte richtete an ihre Botschafter eine Note, in welcher ft die gute?! Stellung betont, die die Armenier bisher in ottomanischen Reiche inne gehabt halten. Ferner weift ft in der Note die ungerechtfertigten Bestrebungen der ll|üeren zurück, hebt die Reformen hervor, welche vor einem Zchre angenommen uud in Ausführung begriffen seien, uud Mießt mit dem Auftrage, bet den betreffenden Regierungen

um entsprechende Maßregeln zu ersuchen, um die in den be­züglichen Ländern anwesenden armenischen revolutionären 'Herde unschädlich zu machen.

Drprsch« 6«6 »«itra -HerrS".

Berlin, 28. September. Der BuudeSrath hält, wie »erKreuzzeitung" zufolge verlautet, am 30. d. MtS. feine erste Plenarsitzung ab.

verliu, 28. September. Der allgemeine preußische Städtetag, der morgen im Sitzungssaale der Stadt­verordneten im Rathhause eröffnet wird und zwei Tage dauern soll, wird mit einer kurzen Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters Zelle eingeleitet, die in ein Hoch auf den Kaiser auskltngen wird. Die dem Städtetag zugehendeu Druckschriften sind vom Stadtrath Wilde auSgearbeitet.

Berlin, 28. September. In derNordd. Allgem. Ztg." wird ein Konstantinopeler Bericht eines auswärtigen Blattes widerlegt, wonach während der letzten Metzeleien die deutsche Botschaft im Gegensatz zu den Botschaften der übrigen Mächte ihre Thore verschloffen gehalten und nicht einen einzigen Armenier gerettet hätte, obgleich unmittelbar vor den Thoren der deutschen Botschaft hilflose Armenier erschlagen worden seien. Sie bezeichnet diese Angaben als auf Unkenntniß der Thatsacheu beruhend. In der deutschen Botschaft seien vielmehr in jener Zeit ungefähr 30 armenische Flüchtlinge ausgenommen und beschützt worden. Daß in der deutschen Botschaft nicht noch mehr Armenier Schutz gesucht hätten, erkläre sich daraus, daß diese in einem fast ausschließlich türkischen Häuserviertel liege, in das sich die bedrohten Armenier au jenen Tagen wenigst möglich hineiuwagten. Ju der weiteren Umgebung der Botschaft sei denn auch nicht ein einziger Armenier ge­tödtet worden.

Hamburg, 28. September. Heute Morgen legten hier- selbst 600 Hafenarbeiter die Arbeit nieder, einerseits wegen Lohndtfferenzeu, andererseits aber auch als Protest gegen die Ausweisung der ausläudtscheu Arbeiterführer Tom Manu, Bouzzo und Fehr.

Augsburg, 28. September. Das Schwurgericht ver- urtheilte heute den Anarchisten Heinrich Kilian von Mühlhausen wegen Beleidigung des deutschen Kaisers und des Prinzregenteu von Bayern zu vier Jahren Gefangniß.

Pest, 28. September. Wie aus verläßlicher Quelle ge­meldet wird, finden zur Zeit Verhandlungen zwischen der Regierung und oen oppositionellen Parteien statt, welche der Auflösung des Abgeordneten-HauseS gelten. Ministerpräsident Banffy soll geneigt sein, jetzt von einer Auflösung des Hauses abzusehen, wenn die OpPofitionS- Parteien die Annahme des Budgets ohne Obstructton zu- sichern. Man glaubt aber, daß diese Verhandlungen infolge der Haltung Ungarns scheitern werden.

Rom, 28. September. Der Papst hat dem armenischen Bischof eine bedeutende Geldsumme für die mittellosen Armenier überweisen laffen.

Brüssel, 28. September. Der Strike zwischen den Tischlermeistern und den Arbeitern ist dem Arbeits- und Industrie-Rath unterbreitet worden.

Brüssel, 28. September. Ju dem Akademie-Palais fand gestern unter dem Vorsitz des Eisenbahn- und Telegraphen- MtnisterS eine große Fe st-Versammlung anläßlich deS 50jährtgen Jubiläums der Einführung der Telegraphie tu Belgien statt. ES wurde u. A. constatirt, daß Belgien zuerst von allen europäischen Staaten deS CoutineutS am 19. September 1846 den Telegraphen eingeführt hat.

vrüffel, 28. September. DieJndependance belge" meldet: Ihre unter dem Titel Petit bleu erscheinende Aus­gabe sei in Metz wegen eines Artikel» über die franco-russische Allianz beschlagnahmt worden. GM

London, 28. September.Daily News" betrachtet die Dongola-Expedition für beendet und meint, man müffe die Zerschmetterung des Mahdi auf ein späteres Datum verlegen.

Orsowa, 28. September. Anläßlich der Eröffnung des eisernen ThoreS gingen vom deutschen Kaiser, dem Zaren, dem Könige .von Italien und dem Papst Glückwunsch- Telegramme ein. Kaiser Franz Joseph hatte, nachdem die Fahrt durch daS eiserne Thor beendet war, eine halb­stündige Unterredung mit dem Könige von Serbien, wozu später auch der Ministerpräsident Banffy zugezogen wurde.

Orsowa, 28. September. Bet der Eröffnung des eisernen ThoreS wurde viel bemerkt, daß auf dem serbi­schen Ufer fast gar keine Festvorbereitungen getroffen waren. Ju sämwtlichen rumänischen Orten dagegen waren die Schul­kinder mit Fahnen auSgezogen und auf den Bergen wurden von rumänischen Bauern Böllerschüffe abgefeuert uud Feuer­werk abgebrannt. Auffällig bemerkt wurde ferner, daß

Kaiser Franz Joseph den serbischen König nur durch ein- fachen Händedruck begrüßte, während der König von Rumä- nten durch zweimalige Umarmung und Kuß auf die Wangen ausgezeichnet wurde.

Berlin, 29. September. DerKreuzzeitung" zufolge hat der Kaiser der Wittwe und der uuverheiratheteu Tochter des ProfefforS Heinrich von Treitschke eine namhafte, außerordentliche Pension verliehen.

Berlin, 29. September. Die Professoren Bergmann und Gerhardt haben sich gestern zu Schuwalow nach Warschau begeben.

Berlin, 29. September. DaS Befinden deS General- oberst Loe hat fich verschlimmert. Infolge eines neuen heftigen Anfalls des Leidens wurde die Rückreise von Konstanz nach Berlin etwa vier Wochen hinauSgeschoben.

Rominten, 29. September. Der Kaiser schenkte dem Forstmeister, sowie den Obersörstern und den beiden Predigern zu Romtnren daS bekannte Knackfuß'sche Bild mit der Unter­schrift:Niemand zu Liebe, Niemand zu Leide."

Hamburg, 29. September. DaS Segelschiff Dina ist tu der Nordsee mit der Besatzung untergegangen.

Trient, 29. September. Auf dem A uti-Freimaurer- Eongreß Verla» der Fürstbischof von Trient vom Papst und von Kaiser Franz Joseph etngelaufene Telegramme. .

Pari«, 29. September. Der Vice-Admiral Ars eiest General-Adjutant des Zaren, sandte der Touloncr Marine­schule ein Bild der Schlacht von Navarin mit einem Begleit- schreiben, in welchem er daS Zusammenwirken deS franzöfischen und russischen Geschwaders bei Navarin und die gegenwärtige Stellung beider Nationen hervorhebt, die den Weltfrieden verbürgt.

local«, provinzielle».

Gießen, den 29. September.

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag den 1. October 1896, Nachmittags 3^ Uhr. 1. Voranschlag des städtischen GaS- und WafferwerkS für 1895/96; hier daS Rechnung«- ergebntß. 2. Voranschlag des städtischen GaS- und Waffer­werkS für 1896/97; hier: a. Erweiterung deS GaS- und WafferrohrnetzeS längs der Oberhessischen Eisenbahnen (auf dem Riegelpfad); b. Erweiterung des GaS- uud Waffer­rohrnetzeS auf dM Brandplatze; c. Wafferrohrnetz in der Franksurterstrc/ße; hier Einschaltung zweier Absperrschieber 3. Ausbau der Stephanftraße; hier Fertigstellung der Gas- und Wafferlettung. 4. Gesuch der Brauerei Friedel u. ASprton um pachtweise Ueberlaffung von Wiesen hinter den Eichen. 5. Gesuch deS Gerbermeisters W. Plank um Angabe der Baufluchtlinie für den Tiefenweg. 6. Baugefuch des Kaut- mäunffchen Vereins für die Nordanlage; hier Gesuch um Erlaß deS Straßenkostenbeitrags.

Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht: Am 16. September dem Mtotstertal- director Dr. Emil Dittmar zu Darmstadt die Erlaubutß zur Annahme uud zum Tragen des ihm von Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser und König von Preußen verliehenen Kronenordens 2. Klaffe mit dem Stern, an demselben Tage dem Poftrath vr. König zu Dresden die Ermäch­tigung zur Annahme und zum Tragen des ihm von Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser uud König von Preußen ver­liehenen Rothen AdlrrordenS 4. Klaffe zu ertheilen.

Kirchliche Dteustnachrichten. Uebertrageu wurde dem Pfarrer Schmitt tu Birkenau die katholische Pfarrstelle zu Freimersheim, im Decauat Alzey, mit Wirkung vom 1. October an.

* Dienstnachrichten. Versetzt wurde der Oberförster der Oberförfteret Maulbach, Karl Ruths, in gleicher Diensteigenschaft in die Oberförfteret GrteShetm, der Saltnen- Jnspector bei dem Salinenamt TheodorShalle, Forstasseffor Ludwig Block auS Gießen, wurde zum Oberförster der Obersörsterei Schotten und der Forstaffessor Heinrich Schäfer aus Darmstadt zum Oberförster der Oberförfteret Maulbach ernannt, der Steuercommiffär des Steuercom- miffariatS Beerfelden, Otto Stroh, wurde tu gleicher Dienstetgenschaft mit Wirkung vom 1. October d. I. au in daS Steuercommiffariat Ober-Jngelheim versetzt, der Steuer- commisiariatö Affistent bei dem Steuercommiffariat Worms, Karl Schneider, mit Wirkung vom 1. October d. I. an zum Steuercommiffär des SteuercommiffariatS Beerfelden ernannt, der StationSaffistent bet den Oberhefftfchen Eisen­bahnen, Friedrich Loftnk, zum Stationsvorsteher bet den Hefftschen Staatseisenbahnen, der Stetionsgehtlfe bet