A « 5 Hunger.
Boa Ham» Nichter.
(Schluß.)
Tr setzte sich em Eingang der Hütte nieder, nachdem er noch gefragt hatte, ob er ihr nasse Umschläge um die Füße machen dürfe, welche Keckheit sie nur mit eine« entrüsteten Kopfschüttelu und einem wütheuden Blick zurückwieS.
DaS Gewitter war zu Ende, es hellte sich auf, doch der Regen hielt an. In laugen gleichmäßigen Fäden strömte er nieder, als wolle er nimmer aufhören.
Eine Stunde verging, ohne daß die Stille der Hütte von etwas anderem unterbrochen wurde, als dem monotonen Rieseln und Plätschern der Regentropfen. Gerda wurde eS heiß und wieder kalt — kein Zweifel, das zimperliche Fräulein Möller war schon unterwegs vom Regen festgehalteu worden und noch fester saß fie selber hier mit ihrem lahmen Fuß, noch dazu in Gegenwart dieses abscheulichen Menschen.
Verstohlen blickte fie zu ihm hinüber, der, als sei fie gar nicht vorhanden, in einem Reclam-Bäudchen las. Nein, abscheulich sah er eigentlich nicht aus, recht gutmüthig vielmehr, sogar hübsch, wenn auch schon ein btScheu verwittert. Aber aus dem glänzenden Offiziersleben, aus zusammen- gebrochenem Wohlstand heraus nach Australien, zehn Jahre Goldgräber und Schasszüchter spielen, ein Vermögen erarbeiten, — daS ist doch eine MauneSthat, der mau ein
paar Fältchen und graue Haare zu gut halten kann. Und gutmüthig war er auch, — die Armen im Dsrfe wußten eS; sogar die unerträglich langweiligen Geschichten der Lauzleträthiu hörte er geduldig mit lächelnder Miene an, nur weil die alte taube Frau sonst kein Vergnügen hatte.
Jetzt öffnete er sein Ränzel und zog ein Pickelchen mit belegten Butterbrodeu, eine kleine Flasche Wein und einen silbernen Becher hervor.
Die bisher noch einigermaßen romantische Situation wurde nun zu einer ganz prosaischen. Gerda befand sich in dem beneidevSwertheu Besitz eines außerordentlich gesunden, zwanzigjährigen Magens, fie war stundenlang bergauf, bergab gestiegen, — dar Waffer lief ihr im Munde zusammen, während der Australier ein Brödchen nach dem andern unter seinen weißen Zähnen verschwinden ließ. Wahrhaftig, dieser barbarische SchasSzüchter schien im Staude, alles aufzuessen, ohne ihr einen Bissen anzubietev! Hunger und Stolz gerlethen in ein Duell, aus welchem der erstere als Sieger hervorging, wie das weistentheilS geschieht.
„Herr Eckebrechri" klang eS schüchtern aus dem Winkel hervor.
„Liebe Gerda!" fragte er emporschnellend.
Jetzt schien fie die verhaßte Vertraulichkeit zu überhöre».
„Würden Sie mir, gegen Bezahlung natürlich, ein Brödchen überlassen?"
„Gegen Bezahlung — nein, doch sonst sehr gern. Ich möchte nicht mit dem Wuchergesetz in Coufitct geratheu, daS
die Ausbeutung einer Rothlage verbietet," . . . uni fc kauerte er auch schon neben ihr, legte ihr vor, ,v’ Sei» in den kleinen filbernen Becher und plauderte bah als fei gar nichts zwischen ihnen vorgefallen. Er war ha kein Barbar, tm Segeutheil, wirklich gut, — und wie s.j, Augen so war« und treuherzig blickten!
„Ach, daS schmeckt!"
„Sehen Sie nun, wie weh der Hunger thut — 0:i nun gar der Hunger nach einem Glück, nach" — Webttj Unterbrach sich, denn Gerda war, daS hübsche Gesichtchen Purpurgluth getaucht, scheu bet Seite gerückt, aber Hand, die er gefaßt, entzog fie ihm doch nicht. Sie sehr heiß und bebte. „Aus Hunger haben Sie «tr r? freundliches Wort gegeben. Warum wollen Sie benn ar Herzen verschmachten lassen?"
Und plötzlich kam eS ihr zum Bewußtsein, wie tir;ai und unzufrieden fie fich tu den Tagen gefühlt hatte, t, e,afc fie ihm aus dem Wege gegangen war, wie ihr fyti allem Mäschentrotz doch nach ihm verlangt, so sehnsützvc , — ja, wirklich hungrig.
„Liebe Gerda!" ... Da war auch sein guter sicht dem ihrigen schon so nahe, daß fie nicht wehr u weichen konnte.
Halb lachend, halb weinend stieß fie hervor: auS Hunger, Du Böser, Lieber!" Und daun küßte er an frischen Lippen satt.
BehördlicheAnzeigen
Im ConcurS über den Nachlaß des Müllers Friedrich Frey in Lollar findet demnächst die erste Abschlagsvertheilung statt. Der hierzu verfügbare Kassenbestand beträgt Mk. 17020.22, die daran partici- pirenden Forderungen Mk. 85101.25; hiernach erträgt es den Gläubigern 20 pCt. Verzeichniß der Betheiligten ist auf der Gerichtsschreiberei Großh. Amtsgerichts niedergelegt. 7681
Gießen, den 28. August 1896. F. Hoffman», Concursverwalter.
Versteigerungen. $ |
Samstag den 5. September,
Nachmittags 2 Uhr.
werden auf Großh. Ortsgericht die zum Nachlaß der Marie Slamfpeck gehörigen Immobilien:
Flur 1 Nr. 257 — 19 qm Hofraum, Miststätte in der Löwengasse,
Flur 1 Nr. 259,8 — 75 qm Hofraithe daselbst
freiwillig versteigert. 7548
Im Auftrag: A. Hoffman«.
Grummetgras- Berffeigernrrge« der Fürstlich Solmsischen
Rentei Lich.
DaS GrummetgraS von den Fürstlichen Wiesen rc. wird versteigert:
Montag den 7. September, Vormittag- prüeiS 8 Uhr, von den Wiesen in der Gemarkung Lich oberhalb der Stadt, zusammen 116 Morgen. Zusammenkunft an der Sau- brücke nächst der Peinmühle.
«n demselben Tage, Nachmittag» Präei» 1 Uhr, von den Wiesen unterhalb der Stadt Lich und von der großen Teichwiese, Gemarkung Hof Illbach, zunächst der Staatsstraße Lich-Gießen, zusammen ca. 30 Morgen Zusammenkunft tm Schloß- eortcn an der Etsenbahnbrücke.
Dienstag de« 8. September, Vormittags präctS 8 Uhr, von den Fürstlichen Wiesen in den Gemarkungen «ühlsachse«. Ober- und Niederbessinge«, i. Ganzen 180 Morgen. Zusammenkunft in Mühlsachsen.
Mittwoch de« 9. September, vormittag» präeiS 9 Uhr, von der Fürstlichen MS«ch- und Strauch- waldwiese, Gemarkung vnrkhard»- felde«, zusammen 70 Morgen. Zusammenkunft in der Möachwiese.
Dte AuSgebote geschehen in Abtheilungen von 1 bis 2 Morgen.
Sich, am 27. August 1896.
Fürstlich Solmsische Rentei.
7675_____________Kreiling.
Grnmmetgras- Berffeigerung.
Dienstag den 1. Sept. d. I., Vormittags von 8«/, Uhr an, soll das Grummetgras von den Alten- Busecker Gemeindewiesen an Ort und Stelle versteigert werden.
Der Anfang ist am Großen-Busecker Weg an der Lehmkaute.
Atten-Buseck, am 28. August 1896. Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck.
Körber. 7687
Grnmmetgras- Berfteigcrung.
Das Grummetgras von den Wiesen der Gemeinde Wieseck soll nächsten Mittwoch den 2. September l. I. versteigert werden.
Der Anfang zu den Wiesen bei Wieseck ist des Vormittags 9 Uhr in dem Dorfeld'schen Garten dahier und zu den Wiesen bei der Badenburg des Nachmittags 5 Uhr auf der Badenburg.
Wieseck, am 28. August 1896.
Großh. Bürgermeisterei Wieseck.
Sommerlad. 7690
Gvummetgvas- Versteigerung.
Das Grummetgras von den hiesigen Pfarrwiesen soll Mittwoch de» 2. September l. I., Vormittags nach Beendigung der Grummet- gras-Versteigerung der Wiesen der Gemeinde Wieseck, in dem Dorfeld schen Garten dahier versteigert werden.
Wieseck, am 28. August 1896. 7691 Sommerlad, Bürgermeister.
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