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Donnerstag den 30 Juli
Erstes Blatt
Mr. 177
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.
Gratisbeilage: Hießener Kamikienötätter
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Ihrer berichtlicheu Anzeige, daß Sie obige Auflage befolgt und die Listen dem Großh. Steuereommiffariat mitgetheilt haben, sehen wir unfehlbar bis zum 15. August entgegen.
v. Gageru.
Wolff« telrgrephtscheH Sorrespondenz-Bur««».
Mainz, 28. Juli. Der Reichstags- und Landtags- Abgeordnete Jöst veröffentlicht eine Erklärung an feine Wähler, nach welcher er seine Mandate zum Reichstage und Landtage aus GeschäftSrückfichten mit dem heutigen Tage nieder! egt.
Berlin, 28. Juli. Der „RetchSanzeiger" meldet die Verleihung des KrouenordenS zweiter Klaffe au den Profeffor Röntgen in Würzburg.
Berlin, 28. Juli. Im Abgeorduetenhause begann heute die Tagung des Vereins deutscher Eisenbahn-Verwaltungen in Verbindnug mit der Feier des 50jährigen Bestehens des Vereins. ES nahmen daran Theil: Die StaatSmivifter v. Bötticher und Thielen, der bayerische Minister v. Crailsheim, der sächsische Minister b. Watzdorfs, der oldenburgische Minister Jansen, der österreichische SectionS- chef Wittek und zahlreiche Ehrengäste. Der Präsident der Eisenbahndirection Berlin, Kranold, hielt die Eröffnungsrede, in der er die Entwickelung des Eisenbahnwesens beleuchtete und die Ehrengäste, sowie die RegierungSvertreter begrüßte. Minister Thielen drückte tm Auftrage des Kaisers dessen Grüße und Wünsche für daS Gedeihen des Vereins aus, verlas die vom Kaiser verliehenen Auszeichnungen und begrüßte alsdann die JubiläumSversammluug NawenS der StaatSregierung. Schließlich überreichte der Minister als Jubiläumsgabe eine Festschrift, welche die Entwickelung des Eisenbahnwesens im Rahmen der Berliner Derhältniffe schildert. Die übrigen fremden RegierungSvertreter gaben die Ordensverleihungen ihrer Souveräne bekannt. Alsdann begannen die technischen Berathuugen.
»eilte, 28. Juli. Die „Nordd. Allgem. Ztg." bemerkt zu der Meldung deutscher Blätter über die Flottmachung deS französischen Paffagierdampfers „General Chanzy" durch die „Gefion", daß diese thatsächltch dem „General Chanzy" auf directen Befehl deS Kaisers zu Hilfe kam. WaS Berliner Blätter nach Pariser Zeitungsberichten über den Aufenthalt in Stahlhetm berichteten, gehört in das Gebiet der Phantasie. Der Kaiser wußte weder vorher, noch bemerkte
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Da kamen vier Marburger Studenten nach der Stadt zu geritten, welche dem Schauspiel des Einzugs und den sich anschließenden Festlichkeiten beiwohnen wollten. Sie ritten an der Seite der Straße in einer Reihe, als ihnen die Gesellschaft der Offiziere mit ihren Damen in der Mitte der Straße gehend, entgegenkamen. Capitän von Stosch rief schon auf einige Entfernung dem ihm nächsten Studenten Bausch er zu, er solle ausweichen, doch konnte dieser wegen mangelnden Platzes nicht seitwärts rücken. Er hielt kurz sein Pferd an und v. Stosch, der näher gekommen war, überhäufte ihn mit Schimpfworten und drohte thm mit Schlägen. Unterdeß waren die drei anderen Studenten weiter geritten und konnte Bauscher nun auch zur Seite reiten. Doch v. Stosch schalt ihm noch eine Strecke weiter nach.
Viele Menschen waren Zeugen des Auftritts, der namentlich bei den Gießener Studenten viel böses Blut setzte. Natürlich ging das Ereigniß von Mund zu Mund und wurde dabei noch vergrößert, auch gegenseitig geschürt und gehetzt. Auch der Landgraf, der schon in Gießen war, hörte davon- es wurde thm angezeigt, Bauscher habe auf den Hauptmann v. Stosch gestoßen, ihn beleidigt und geschimpft. Es wurde daher der Rektor Müller beauftragt, deßhalb Klage in Marburg zu erheben. Das geschah dann auch und wurde dabei bemerkt, daß auf höchsten Befehl die Anstalten hier getroffen seien, „daß wenn die dortigen Studiosi sich hier künftig wieder auf gleiche Weise Vergehen sollten zu schulden kommen lassen, sie sofort auf die Wache gebracht werden und unangenehme Behandlung zu erwarten haben sollten".
Nun begann eine Untersuchung in Gießen und Marburg, v. Stosch gab an, er habe die Studenten für Handwerksbursche gehalten und Bauscher habe ihn durch böswillige Redensarten beleidigt. Er verlange Satisfaction. In dem Marburger Untersuchungsprotokoll bezeugt der Prorektor Jung den vier Studenten, daß es ihn außerordentlich wundernehme,
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Wrede und Oberstlieutenant von Schmalkalder die Vorbereitungen dafür zu treffen Von Wrede nahm Rücksprache mit dem Rektor Müller, und dieser versprach, das Weitere zu veranlassen. Ein Student vonSeckendorf besprach sich mit von Wrede wegen der an den Prinzen zu richtenden Anrede und wegen des damals unbedingt für nöthig gehaltenen Carmens. In Bezug auf letzteres bemerkte noch von Wrede, daß er es für am schicklichsten halte, wenn das Carmen für den königlichen Prinzen nicht zu schwülstig gehalten sei, sondern kittz und ungekünstelt. Es solle der Ausdruck der Freude sein über die Anwesenheit eines Prinzen aus dem preußischen Heldengeschlecht, der zum erstenmal zu seinem Onkel in das Vaterland seiner Mutter komme, auch daß man ihm zu seinem ersten Feldzuge jetzt um so mehr das größte Glück erwünsche, weil derselbe die Wiedereroberung der seinem durchlauchtigsten Herrn Onkel auf die ungerechteste Weise entzogenen Länder (die Grafschaft Hanau- Lichtenberg mit Buchsweiler, Pirmasens rc.) und die Wiederherstellung der gesetzmäßigen Ruhe in Europa bezwecke.
Mitten in diese Vorbereitungen fiel aber ein Ereigniß, das, so klein im Vergleich mit denen auf dem Continent Europa durch die französische Revolution und ihre Fortschritte hervorgebrachten, doch für die Stadt Gießen von weittragender Bedeutung wurde.
Am Morgen des 1. Juli 1792, einem prächtigen Sommersonntag, sammelten sich vor dem Wallthor auf der Marburger Chaussee eine große Anzahl von festlich geputzten Menschen, Damen und Herren, auch viele Offiziere der Gießener Garnison, welche den Einzug der preußischen Husaren erwarteten. Man ging auf und ab spazieren und vertrieb sich die Zeit mit plaudern und lachen. Eine dieser Gruppen bestand aus den Capitäns von Wrede, von Nagel, von Schäffer, von Stosch, Lieutenant von Gall und den beiden Töchtern des Kriegszahlmeisters Pfaff.
er besonders die Ankunft und Anwesenheit der frauzöfischeu Touristen in dem von ihm bewohnten Hotel.
Hamburg, 28. Juli. Der Gouverneur von Ost-Afrika, Major v. Wißmann, weilt seit SamStag bei Verwandten in Altona. Dem Vernehmen nach wird derselbe heute dem Fürsten BtSmarck in FriedrtchSruh einen Besuch abstatten.
Zurich, 28. Juli. Bei den gestrigen Unruhen, welche wegen der beiden des Mordes verdächtigen Italiener statt- fanden, demolirte die erbitterte Menge etwa ein Dutzend italienischer Wirthschafteo und Magazine. Ein Arbeiter wurde dabei von dem Militär durch einen Bajonettstich lebensgefährlich verwundet, ein Polizist büßte ein Auge ein, fünf andere Polizisten wurden verwundet. Von den demo- lirten Wirthschaften gehören zwei Südtyrolern. Vor dem italienischen Covsulat war andauernd ein großer Auflauf. Biele Italiener rüsten sich zur Abreise. Die italienische Gesandtschaft unterhandelt mit der Züricher Regierung. Der BnodeSrath verhandelte heute über die Vorgänge und verlangte telegraphisch von der Züricher Regierung telegraphischen Bericht. Diese besichtigte heute die angerichteten Verwüstungen. Heute Nachmittag 4 Uhr rückten drei Bataillone auS St. Gallen hier ein.
Paris, 28. Juli. Heute Vormittag fand daS Letcheu- begängniß deS früheren Ministers Spuller unter überaus großer Betheiligung statt. Die meisten Minister wohnten der Feierlichkeit bei. Auf dem Kirchhofe Pore Lachaise, wo die Beisetzung erfolgte, wurden zahlreiche Reden gehalten. UuterrichtSminister Rambaud erinnerte an die von Spuller als UuterrichtSminister geleisteten Dienste und rühmte seine literarischen Arbeiten. Der Minister des Auswärtigen, Han otaux, sprach tm Namen der Regierung. Nachdem Redner auf die hervorragenden Eigenschaften hingewiesen, die der Verstorbene zeigte, als er Minister des Auswärtigen war, fuhr er fort: Sie erinnern sich, mit welcher Autorität und mit welchem Tacte Spuller es ver- standen hat, von der Tribüne der Deputtrtenkammer Jenen zu antworten, welche es krttifirteu, daß Frankreich die Einladung der kaiserlich deutschen Regierung zur in ter- nationalen Arbeiterconferenz angenommen hatte, welch einstimmigen Erfolg er damals davovtrug, und wie er selbst seine Gegner zu seiner Meinung brachte, alS er den Nachweis führte, daß daS mit allen Mächten in Frieden lebende Frankreich eine andere Rolle zu spielen habe, als sich abseits zu halten, und daß Franketch überall mit Würde den ihm zukommeuden Rang einzunehmen habe, sowie daß Frankreichs Platz insbesondere überall da sei, wo eS sich um edel- müthige Ideen und Bestrebungen handelt, welche der Menschheit zum Vortheile gereichen.
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Feuilleton.
Allerlei über Studentenauszüge.
Bon Dr. O. Buchner.
(Nachdruck verboten.) (2. Fortsetzung.)
Betrachten wir an der Hand der alten Untersuchungs- Akten dieses jetzt vergessene, damals aber hochtragische Ereigniß als typisch für viele, etwas genauer und versetzen wir «ns zurück in den Sommer 1792; die französische Revolution war im besten Gang und langsam wälzten sich die deutschen Regimenter dem Rhein zu, um im berüchtigten Feldzug in die Champagne Lorbeeren zu sammeln, die sie aber nicht fanden; auch der große Goethe schnürte seine Koffer und packte seinen Reisewagen, um als ächter Schlachtenbummler »us der Entfernung zusehend, Theil zu haben an dem Ruhm, der in Frankreich unausbleiblich an die Fahnen der deutschen Regimenter gefesselt werden sollte. Auch Landgraf Ludwig X. rüstete sich, nicht um ebenfalls ins Feld zu ziehen, sondern nur nach Gießen, um durchziehende preußische Truppen und ea deren Spitze seinen Neffen zu begrüßen. Die Schwester Ludwigs X., Friedericke Luise, geb. 16. October 1751, g.est. 25. Februar 1805, hatte den nachmaligen König Friedrich Wilhelm II. von Preußen geheirathet, und ihr zweiter Sohn Ludwig wurde nun mit einem Husarenregiment t.uf "bcm Marsch nach Frankreich in Gießen erwartet.
Schon einige Tage vor der Ankunft des Landgrafen kam sein Generaladjutant Oberstlieutenant Von dem Busche nach Gießen, um entsprechende Vorbereitungen für den hohen Besuch zu treffen. Namentlich sollten für den Prinzen zum Zeitvertreib einige Divertissements veranstaltet werden, etwa enn Tanz, sowie durch die Studenten eine solenne Musik. H« dem Zweck ersuchte Von dem Busche den Oberst von
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, Btt Ausnahme bei Montag-.
Die Gießener Hl«mtkieuvläller »erben dem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.
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Amtlicher Theil.
Gießen, den 28. Juli 1896.
Bitr.: Landtagswahlen.
Bei GrMerzogtiche KreiSamt Gießen «« die Großh. Bürgermeistereien Albach, Allen- dorf a. d. Lda., Allertshausen, Beltershain, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Climbach, Geilshansen, Gießen, Göbelnrod, Grüuberg, Harbach, Holzheim, Kesselbach, Lauter, Liuden- struth, Loudors, Lumda, Odeuhauseu, Queckboru, Reiuhardshaiu, Reiskirchen, Saasen, Stangenrod, Steinbach, Stockhausen, Treis a. d. Lda. «ud Weickartshain.
Nach Maßgabe der Vorschrift des Artikels 47 deS Gesetzes vom 8. November 1872, die Zusammensetzung der beiden Kammern der Stände und die Wahlen der Abgeordneten betreffend (Reg.-Dl. S. 385), haben demnächst in der Stadt Gießen sowie tm 3. und 6. Wahlbezirke der Provinz Ober- Hessen neue Wahlmänner- und Abgeordneten-Wahlen statt- (.uflnben.
Wir beauftragen Sie demgemäß, die Aufstellung der Urwählerlisten sofort tu Angriff zu nehmen und dieselben bis zum 15. August l. I. dem zuständigen Großh. Steuercommiffariate mttzutheilen.
Bei Aufstellung der Listen (Formular C) wollen Sie auf Me durch daS Gesetz vom 6. Juni 1885 (Reg.-Bl. S. 117) geschaffenen Aenderungen rückfichttgen. Hiernach find in die D Wählerlisten als stimmberechtigt nur Staatsbürger auszunehmen, welche das 25. Lebensjahr zurückgelegt haben und welche seit Anfang des Rechnungsjahres 1896/97 zu einer direkten Staatssteuer heraugezogen oder, wenn dies nicht der Fall ist, commuualsteuerpflichtig sind, Mb zwar au dem Orte, an dem sie wohnen.
Als Staatsbürger find nur diejenigen Inländer Neffen) anzusehen, welche seit wenigstens 3 Jahren tm Groß- he czogthum wohnen und den BerfafsuugSeid abgeleistet haben.
Nicht aufzunehmen als Urwähler find die Mitglieder der ersten Kammer und die adligen Grundbesitzer, welche bet den Dahlen des Adels zur ersten Kammer der Stände wahlberechtigt sind.
Die Formulare werden Ihnen mit nächster Poft zugeheu Md bemerken wir hierbei, daß die Bescheinigungen auf der letzte» Sette des Formulars C vorerst nicht zu unterschreiben find.
Wegen Aufstellung der Liste der Wählbaren, Bildung
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Qde 5 bis 8 Pfennig. ' e Zah|unfl8bedingungen. j
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«nens & Haleke, Berlin.


