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30.6.1896 Zweites Blatt
 
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Uhu 151 Zweites Blatt

Dienstag den 30. Juni

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anksagung.

iemeife bersiicher Tbeilnahm, i i auch bei dem H nschndeu ur: m

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il ,ahlreichen Slumenfpenbni.: midben Dal letzte Geleit gaS- Schlosser für seine troftti ecretär Meyer und Metzger hr^ft, fa.en wir auf diesem S

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Curntrti bholen eger von Büi tni, 29.

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Der H««er Jhqdget scheint täglich, ia Ausnahme deS Montags.

Oie Gießener )i«ikie»SkL11er r&m dem Anzeiger »ihanttich dreimal deigrlcgt.

Gießener Anzeiger

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E'uahm, von Anzeigen zu der Nachmittags für de, AtnlVrrtt» (txioGtVtOY ftott<IIe Annoncen-Vureaux deS In- und Auslandk, nehme,

stlzmtden Lag erscheinenden Nummer bis Bonn. IO Uhr. VjVUllPvvllUyv» ^UUllUt-llVlUllU. Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

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Nachrichten über den Saatenstand im Grotzherzogthum Heffen um die Mitte des Monats Juni 1896.

r Armrnengestellt bei der Großhtrzoglichm Oberen landwirthlchaft» ltchen Behörde.

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Provinzen und lhebungSbezirke

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Saatenstand.

Note 1 sehr guter, 2 guter, 3 mittlerer, 4 geringer, 5 sehr geringer Stand

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Bemerkungen: Die in letzter Zett gefallenen Ntederfchläge haben mit wenigen Ausnahmen (ErhedungSbeztrk Oppenheim) frhr günstig gewirkt, und es haben sich die FrühjabrSfaaten recht erholt, ebenso Kartoffeln, welche infolge der Dürre in einigen ErhebungSbezirken der Provinz Rheinhessen (Wöllstein und Wörrstadt) ausgedlteben waren; auch dem Klee kam der Regen, wo er auSgiebtg fiel, recht zu statten, soweit nicht der Bestand (wie z. B. im Er- hebungsbeztrk Osthosen biS zu 50pCt) durch Mäusefrah vernichtet war. Die thierischen Schüblinge machen fich überhaupt sehr unangenehm fühlbar; so leiden im Erhebungtzbeztrk Alzey die Ge­treidefelder durch Hamsterfraß außerordentlich, und in den Wein­bergen wird ein starkes Auttreten deS RebsttchlerS beobachtet; übrigens sind die HerbstauSftchten gut, falls dieRebenblüthe gut verläuft.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Juni. DerRtichSanzeiger" melcct: Der König genehmigte das Abschiedsgesuch de- HaadelSministerS Freihrrru o. Berlepscy unter Belastung deS Titels und Ranges eines StaatSminifterS und ernannte den UnterstaatS- fecrerär im Ministerium für öffentliche Arbeiten, Brefeld, zum StaatSminister und Minister für Handel und Gewerbe.

Berlin, 28. Juni. Wie verschiedene Blätter melden, ist der im preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe auSgearbeitete und seit längerer Zeit dem StaatSministertum zur veschlußfaffung vorliegende Gesetzentwurf, betreffend die ZwangSorganifation deS Handwerk und dte Rege­lung deS LehrlingSwefenS, seitens der einzelnen Mitglieder des StaatSministeriumS gänzlich unbeanstandet geblieben und hat auch bereits die formelle Genehmigung in einer der letzten Sitzungen deS StaatSministeriumS erfahren. Nachdem die Gesetzesvorlage die königliche Sanction erhalten, wird sie unverzüglich unter gleichzeitiger Veröffentlichung im RetchSanzeiger" an den BundeSrath gelangen, welcher den Entwurf als eine der ersten Vorlagen im Spätherbst an den Reichstag gelangen lassen wird.

Ausluud.

Budapest, 27. Juni. DaS Programm der ungarischen Agrarier für dte nächsten ReichSrathLwahlen ist er­schienen. Die Hauptpunkte deS Programms, auS welchem zu ersehen ist, daß die Agrarier nicht als eigene Partei auftreten wollen, sind folgende: dte öffentlichen Lasten sollen gerecht verthetlt, die Grundsteuer herabgesetzt werden, Regelung deS landwirthschastlichen EredtS, Förderung, Sicherung und Eröffnung neuer landwirthschaftlicher Erwerbs­quellen, gesetzliche Regelung der Rechtsverhältnisse der land- wtrthschaftlrchen Arbeiter, Dienstboten und Angestellten, Schaffung eines den ungarischen Jntereffen entsprechenden

Zollgebietes, Abschaffung der Cartelle und de» Termin geschäftS sowie Organisation der landwirthschastlichen Inter- essen - Vertretung.

Madrid, 27. Juni. Mehrere Tabakfabriken haben gestern ihr Personal theilweise entlaffen. In Folge deffen haben die Ligarren-Arbeiterinnen stürmische Kundgebungen veranstaltet. Gestern Abend hatten dieselben einen Sonflict mit der Polizei, wobei ein junges Mädchen verwundet wurde. 18 Personen wurden verhaftet. Gendarmerie patroutllirte die ganze Nacht, da weitere Unruhen befürchtet werden.

Unterhaltungen in Bad-Nauheim

vom 30. Juni bis 5. Juli.

Dte Kurcapelle spielt täglich Morgens von 7 bis 8 Uhr an dem Kurbrunnen, Nachmittags und Abends stehe unten, bei weniger als 10° R. Wärme im großen Spetsesaale deS Kurhauses.

Dienstag den 30. Juni, Nachmittags von 5 biS 7 und von 8 bis 10 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Concert der Sängerin Frau Amalie Joachim und deS DirectorS am neuen Konservatorium der Tonkunst zu Berlin, Herrn Hosptanisten Sally Liebling. Mittwoch den 1. Juli, Nachmittags von 5 dis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. AbendS 8 Uhr im Saatt : Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurcapelle. Gastspiel des Frl. Clara Weber, Mitglied der Oper in Frankfurt a. M. Martha, oder: Der Markt von Richmond. Donnerstag den 2. Juli, Nachmittags von 5 bis 7 und von 8 b S 10 Uhr: Concert der Kur­capelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Concert der Original Amerikanischen FlSk-JubiläumS-Sänger (acht Neger und Negerinnen, heimathliche Volkslieder mit Harmontumdegleitung vor­tragend ) Freitag den 3. Juli, Nachmittags von 5 biS 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Tanz. Samstag den 4. Juli, Nachmittags von 4 bis 8'/» Uhr auf der Terrasse: Concert von der Capelle de« Brandenburgifchen Fußartillerte- Regtments Nr. 3 auS Mainz. Abends 8 Uhr im Saale: Gastspiel deS Frl. Maria PoSptfchil vom Berliner Theater zu Berlin und deS Herrn Otto-OSmarr vom Hoflheater in Meiningen: Dte Erste. Sonntag den 5 Juli, Nachmittags von 5 bis 7 und von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse: Doppelconcert deS 70 Mann starken Mainzer MännergefangoeretnS und der Kurcapelle. Abends 8 Uhr im Saale: Theatervorstellung. Gastspiel deS Frl. Maria PoSptschtl und Herrn Otto-OSmarr: Die Brüder.

Spirlplu dn rrrririttkv jraifirtrr Sts-UheiLn.

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Dienstag den 30 Juni: Letzte Borstellung vor den Opernferten. Hamlet.

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DtenStagden30.Juni: Kaufmann von Venedig. Mittwoch den 1. Juli. Hotel zum Freihafen. Donnerstag ben 2. Juli: CharleyS Tante. Frankfurt in Feindesland. Freitag den 3. Juli: Alt-Frankfurt. SamStag den 4. Juli: Die Ehre. Sonntag den 5. Juli: Ultimo. Montag ben 6. Juli: Gräfin Fritzi. DtmSiag ben 7. Juli: Fedora.

Fenelleton.

Der letzte Art des Ishres 1871.

Don Fred Vincent.

(Schluß.)

Bei Einbruch der Dunkelheit scheinen die Truppen den WMstand in den unteren Straßen der Vorstädte noch nicht getanem zu haben, denn truppweise verschwinden bewaffnete Mmu und Frauen, nachdem hier eben die Vertheidigungs- an.a^ten beendigt sind, wieder nach dem Innern der Stadt

C afiir erhält das Bild eine neue schauerliche Beleuchtung, eirrm! Ler eingeschlagenen Granaten müssen gezündet haben, beton an mehreren Orten erheben sich dunkle Rauchwolken, öeitm lrald die Hellen Flammen folgen, deren loderndes Licht biüttliü uns herüberdringt, sodaß man in unsrer Vorpostenkette dearch lesen kann. Je weiter indeß die Nacht vorschreitet, deich mehr läßt daS wüste Getöse nach, und wenn es auch m H kirnen Augenblick ganz schweigt, so scheint sich doch eine tÖMia Ermattung der beiden Parteien bemächtigt und eine theMrig'e Einstellung deS Kampfes veranlaßt zu haben.

toaum jedoch ist der Morgen des 28. angebrochen, da cn*mnt von Neuem der Kampf mit so beispielloser Wuth, "atssMst wir, die wir so manche Schlachten und Gefechte hi « uns haben, ein Grausen empfinden. Die Versailler hc etia offenbar neue Truppen ins Gefecht geführt, denn die J Ä.izbmten sind aus den unteren Straßen zurückgeworfen uriS Rüthen aus den Kirchhof, dessen Mauern über Nacht mit S chwarten versehen worden sind, ober hinter die Straßen- bwnirfüiicn, welche man durch den Hausrath der brennenden (Siisfcbix erhöht und verstärkt hat. Auch da drüben treten nvrv iirnmtliche Mitrailleusen und Geschütze in Thätigkeit und schMerm den uns noch unsichtbar heranrückenden Truppen ih-^c irsörderischen Eisenhagel entgegen. Aber auch von der aw°U:ni r: Seite ist man nicht unthätig, denn in immer schnellerer

Folge schlagen die Granaten in die Barrikaden und in die Kirchhofsmauer, während SchrapnelS über dieselben hinweg­heulen und Tod und Vernichtung in die dichtgedrängten Menschenmassen tragen. Jetzt gehen wahrscheinlich die Truppen zum Angriff auf die erste Barrikade vor, denn urplötzlich erhebt sich ein so infernalisches Geheul und Wuthgeschrei, daß es nicht aus menschlichen Kehlen zu kommen scheint, denn eS übet tönt das Brüllen der Geschütze und erfüllt uns mit schauderndem Entsetzen. Wie mit einem Schlage sind sämmt- liche Fenster besetzt, Schüsse knallen auf die Straße herab, Töpfe mit siedendem Inhalt werden herunterg schleudert- aber auch die angreifende Infanterie sendet Salve auf Salve nach den Häusern hinauf, und nun hat die Sturmkolonne die erste Bariikade erstiegen, und furchtbar räumen die Chaffepotgewehre unter teren flüchtender Besatzung auf. Haus für Haus müssen die Soldaten erstürmen und in manchem noch richtige Ge­fechte bestehen. Hier und dort springen Menschen herab auf die Straße ober werden herabgeschleudert, während andere mit den Kolben herausgestoßen werden, alle aber, Männer wie Weiber, fallen dem Haubajonet oder der Kugel zum Opfer, denn die Versailler geben keinen Pardon.

Barrikade auf Barrikade, Straße auf Straße fallen den Truppen in die Hände und um die Mittagszeit ist ganz Bellrville in ihrem Besitz. Nur der P^re Lachaise leistet noch Widerstand, und mehrere Jnfanterieangriffe werden durch das Feuer aus den Schießscharten zurückgeworsen. Dem eoncenrrischen Feuer der hervorgezogenen Batterien, das fürchterliche Verwüstungen im Innern deS alten Kirchhofs anrichtet, vermag indeß auch dieser auf die Dauer nicht zu widerstehen, und in den Nachmittagsstunden gelingt eS den Regierungstruppen, auch in diese letzte Zufluchtsstätte der Aufrührer einzudringen. Auch hier muß Baum für Baum, Grabstätte nach Grabstätte weggenommen werden, denn mit zäher Energie wird jede Deckung von den Verzweifelten be­nutzt und vertheidigt. Immer stärkere Truppencolonnen ent­

wickeln sich auf dem Kirchhof und drängen die Ueberlebenden an der äußeren Mauer zusammen, wo so lange Salven auf sie abgegeben werden, bis Niemand mehr aufrecht steht.

Zwar ist unterdessen die Nacht hereingebrachen, doch die vielen brennenden Häuser verbreiten Licht genug für die Versailler, die jetzt die ganze Vorstadt sorgfältig absuchen. Jeder Verdächtige, der in ihre Hände fällt, wird auf den Kirchhof an die Mauer geschleppt, und wiederholt noch sehen wir von unsrer Stellung aus die langen Feuerlinien aufblitzen und hören die Salven durch die Nacht krachen, mit welchen die Truppen schnelle aber fürchterliche Justiz üben. Auch in den Straßen fallen dann und wann noch einzelne Schüsse, und es ist lange nach Mitternacht, als endlich da drüben Ruhe Eintritt, die Ruhe des Todes, nur unterbrochen durch den Ruf einzelner Patrouillen oder das Stradjen einstürzender Hausgiebel, die einzigen Laute, die noch zu unfern Vorposten herüberdringen. Die Versailler sind die Herren der ganzen Stadt.

Nach dem sich am 29. die letzten Insurgenten in dem kleinen von deutschen Truppen cernicrten Fort von Vincennes ergeben hatten, konnten dann auch unsre Vorposten am 1. Juni gänzlich und endgültig eingezogen werden, und am 2. kurz vor Mitternacht lief endlich der so lang erhoffte Befehl für unsere Division ein, am 8. Juni den Rückmarsch nach der heimathlichen Garnison anzutreten.

Alsa fast drei Monate später als Sie damals in Dam- martin erwartet hatten, lieber Cohaus n", sagte unser Major zu dem Regiments'Adjutanten, der uns freudestrahlend die angenehme Kunde brachte, und lächelnd fügte er hinzu:Ja, nicht wahr, eine harte Geduldsprobe für einen glücklichen Bräutigam? Wir hoffen aber Alle mit Ihnen, daß eS dies­mal wirklich Ernst damit ist!"