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29/03/1896 Zweites Blatt
 
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von Tomti let ist. Nachmikt ituett 3oQenfdl)i. nebst ihren Lar.

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Sonntag den 29 Mär;

1896

tzr. 76 Zweites Blatt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Itnzeiger.

Amts« und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren.

Xebactiou, ExpkditioU und Druckerei:

Zchutstra^e Ar.7.

Fernsprecher 61.

vierteljähriger »öMHfwfnlspttUl 2 Mark 20 Psg. nrit Vringerlohn. Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Psg.

Dir Gießener ^«mikienvsälter tterden dem Anzeiger »öchentlich dreimal deigelegt.

Der chiehener Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme de» Montags.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den ->kgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

Hratisöeikage: Gießener Aamikienökätter.

Alle Annoncen-Bureaux dcS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Abonnements^ Einladung.

Zum Bezug desGietzener Anzeiger" für das 2. Vierteljahr 1896 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrich­ten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben aus dem Lausenden. Unterstützt durch an allenOrten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Borgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des An­zeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Obcrhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berück­sichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungeü in Haus- virthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie di den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein ge­diegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar- .tikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten llmerhaltungsstoff bieten. 'Außerdem werden die Gießener Familienblätter", welche dem An­zeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärttge Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. April den Anzeiger kostenfrei zu- gcftcHt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den

Fe«Meton.

Dir Beschießung von Psslchurg im Ishre 1870.

Von Fred Vincent.

(1. Fortsetzung.)

Am 10. aber wir waren wieder sehr frühzeitig lufgebrochen dakochten die Füchse Kaffee", wie mein klcefeldwebel der Reserve, Fleischmann (seines Zeichens Horstmann), von den in den engen, bewaldeten Schluchten htnziehenden Nebelballen sagte, und dies bedeute Regen, -Nil Regen! ES war drückend schwül in den schmalen Paß- dstlsen, in welche die Sonne durch eine halbverschleierte, Einstige Atmosphäre erbarmungslos auf unsere Leute herab- iadj, die kaum einen Schluck Btwackkaffee und einen Bissen -trab vor dem Abrückeu gehabt hatten und vor Hitze geradezu kmpften.

ES war ein unbeschreiblich mühseliger Marsch, der un» .Mich nach drei Uhr Nachmittags nach Zabern, unserem s-utigen Endziele, brachte. Jndeß das schöne Saverne war Kon derart mit Einqartierung überfüllt, daß für unS kein flatzcheu mehr übrig blieb. Und so ging eS denn durch das kl ädtchen hindurch und auf der anderen Seite noch eine -|ilbe Stunde weiter die große Straße den Berg hinauf, 15 auf eine schöne Wiese am Waldrande, wo wir unser kiwak ausschlagen sollten und wohin un» von Zabern aus heisch und Brod geliefert werden würde, was dort reichlich tirhanden sein sollte. In Erwartung dieser guten Dinge, l-rtn wir alle recht bedürftig waren, machten wir unS ht-an, Kochlöcher zu graben, Holz aus dem Walde zu holen Mb-, da der Himmel sich wirklich drohend zu bewölken begann, Lnibhütten als nothdürftigen Schutz gegen den Regen unter len Baumen am Waldrande zu errichten.

Endlich waren dann auch die Wagen eingetroffen,- die 'Fowrieruuteroffiziere hatten mit derVerthrilung der Nahrungs« ..fcitlel begonnen, dazwischen Lipp' und KelcheSraud"

Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Llbonnements- betrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht aus­drückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtend

Verlag desGießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindmckerei (Pietsch & Scheyda).

Cecelt* rrrr-

Gießen, den 28. März 1896.

** Vierzehnter Kongreß für innere Mediciu. Vom 8. bis 11. April wird zu Wiesbaden unter dem Vorsitze des Herrn Geheimrath Professor Dr. Bäumler (Freiburg) der Vierzehnte Eongreß für Innere Medictn tagen. Als schon länger vorbereitete VerhandlungSgegenftände, für welche Autoritäten ersten Ranges die Referate übernommen haben und welche höchst interessant find, stehen auf dem Programme: Werth der arzneilichen Antipyretica: Herr Käst (Breslau) und Herr Binz (Bonn) und Ueber thera- peutischeAnwendungderSchilddrÜsenpräparate: Herr Ewald (Berlin) und Herr BrunS (Tübingen). Unmittelbar nach Eröffnung des CongresseS wird Herr v. Lehden (Berlin) auf besonderen Wunsch des GeschäftS- comitsS eine Gedächtnißrede zur 100 jährigen Gedenkfeier der Entdeckung der Schutzpockeniwpfung durch Jenner halten. Außerdem wurden bis jetzt schon über 50 Ortginalvorträge angemeldet, welche alle Gebiete der Inneren Medicin umfaffen. Thetlnehmer für einen einzelnen Congreß kann jeder Arzt werden. Die Theilnehmerkarte kostet 15 Mk. Die Teil­nehmer können sich an Vorträgen, Demonstrationen und DiScussionen bethetligen und erhalten ein im Buchhandel ca. 12 Mk. kostendes Exemplar der Verhandlungen gratis. Mit dem Congreffe ist eine Ausstellung im rothen Saale deS EurhaufeS von neueren ärztlichen Apparaten, Instrumenten, Präparaten u. s. w. verbunden. Dieselbe wird in diesem Jahre ganz besonders reichhaltig sein. Anmeldungen für dieselbe sind an den ständigen Srcretar deS EongrrffeS, Herrn SanitätSrarh Dr. Emil Pfeiffer, Wiesbaden, Friedrichstraße 4, zu richten.

♦♦ Fahrpreis - Ermäßigung nach dem Kyffhäufer. Der Kaiser hat den Minister der öffentlichen Arbeiten ermächtigt, den Mitgliedern der Krieger- und Mil'tärvereine, die den deutschen Kriegerverbänden angehören und sich darüber auS- weisen, zu der Einweihuugsfeier des Kyffhäuser-Denk- malS die Benutzung der 3. Wagenklasse zum Mtlitärfahr-

jagten tri schärfster Gangart die Straße herauf einige Ordonanzen heran und der Befehl:An die Gewehre!" machte dem Abkochen ein Ende, bevor eS noch angefangen hatte. Wir waren zur Bedeckung der geiammten Corps- und DivifionSartillerie commandirt, die Psalzburg beschießen und den Versuch machen sollte, eS zur Uebergabe zu zwingen. Die Besatzung der kleinen Festung hatte nämlich an diesem Tage wiederholt unsere Truppencolonnen beunruhigt und wenn sie sich auch unserem Vormarsch nicht erfolgreich in den Weg zu stellen vermochte, so sollte ihr doch, wenn irgend möglich, daS Handwerk gründlich gelegt werden.

Und so ging eS denn gegen halb sechs Uhr in Gemein­schaft mit den sechzig Feldgeschützen unter Befehl deS Gene­rals HauSmaun wieder vorwärts. Immer bergauf auf schlechten, steinigen Seitenstraßen schob sich die Colouue mühsam die steilen Vogesenhäuge hinan und oftmals mußten die Mannschaften in die Speichen greifen, um den Geschützen das vorwartSkommeu zu ermögltchea. Wir waren noch nicht lange unterwegs gewesen, da hatte es leise zu regnen angefangen und bald brach ein Gewitter los von solch aus- uahmSwriser Heftigkeit, wie man eS nur in gebirgigen Gegenden und auch dort nur höchst selten erlebt. Blitz folgte auf Blitz und ein wolkenbruchartiger Regen strömte hernieder, gepeitscht von einem wahren Orkan, vor dessen ungestümer Gewalt mancher der alten Baumrtesen krachend zersplitterte, welche ihre Kronen über den dichten Buschwald der Schluchtabhänge erhoben. Und durch diesen Aufruhr der Elemente hindurch bewegte sich unsere Colonne stetig bergauf, um nach einem unsagbar schwierigen Marsch von fast drei Stunden die gewaltige Kuppe des die Festung über« ragenden Höhenzuges zu erreichen.

Das Gewitter hatte jetzt aufgehört, nicht aber der heftige Regen und der Sturm, der schneidend kalt über die vorgelagerte Waldblöße hinwegbrauste, welche von den Fran­zosen den bezeichnenden Namen ,A.ux quatre vente* (Zu

preise zu gestatten. Diese Vergünstigung wird für die Zeit vom 15. bis 20. Juni d. I. bet Reisen zum Kyffhäuserfeft nach den Stationen Frankenhausen, Roßla und Berga-Kelbra zur Benutzung der Personenzüge gewährt.

* Abschreckende Bilder. Die vielen Unglücksfälle durch Feueranzünden mit Petroleum haben Herr« Dr. Vögelt in Thun veranlaßt, durch photographische Aufnahme eines solchen Falles ein Warnungsbild zu schaffen, daS besser als alle Zeitungsartikel und amtliche» Verbote das Publikum abschreckt, sich beim Feueranzündeu deS Petroleums zu bedienen. DaS Bild stellt ein Mädchen mit seinen Brandwunden nach dem Unglücksfall seiner frühere« lieblichen Gestalt gegenüber, wirkt mit der Ueberredung deS Entsetzen- und muß auch die Leichtsinnigste warnen.

Aus dem Vogelsberg, 26. März. Während in de« tief gelegenen Thälern dcS VogeSlbergS der Frühling seinen Einzug gehalten und den Schnee geschmolzen, ist der Winter aus seiner hiesigen Hochburg, dem Oberwalde, noch nicht ganz gewichen. Wohl schrumpfen auch hier die Schneereste von der sehr warm scheinenden FrühlingSsonne zusammen, allein eS finden sich noch Stellen vor, an denen der Schnee noch in einer Höhe von nahe einem halben Meter liegt. Das Schmelzen des SchneeeS bringt vieles Wasser; die Quellen, Wasserrinnen und Bächlein des GebirgS sind den« auch eben sehr wasserreich. Schlechte Beute haben unsere Jäger auf dem Schnepfen strich gemacht. Wohl erschienen zu Beginn deS RückstrtchS einige Schnepfen, doch weniger wie in anderen Frühjahren, jetzt aber find dieselbe« verschwunden. Jedenfalls hat das Überaus warme Wetter die Schnepfen veranlaßt, nur kurzen Aufenthalt auf ihrem Rückstrich hier zu nehmen.

Worms, 25. März. Gestern wurde im Rhein, in der Nähe der Maulbeeraue, eine Leiche an daS Land getrieben «nd von einem Nordheimer Einwohner entdeckt. Man ver- muthet in dem Tobten den am 9. Mürz bei dem durch daS Hochwasser erfolgten Brückeneinsturz io Freiburg vern«- glückten Geh. OberregierungSrath LandeScommiffar Siegel, für dessen Auffindung und Bergung eine Belohnung von 1000 Mk. auSgefttzt ist.

Schrffsnachrichteir.

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertretm durch die Agenten E»rl LooS und I. M. Schulhof.

Bremen, 26 März. fPer transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer EmS, Eapitän W. Keimkasten, vom Nordd. Aoyd in Bremen, ist gestern 4 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

den vier Winden) erhalten hatte. Auf dem höchsten Grade der langgestreckten Blöße waren unsere sechzig Geschütze auf­gefahren, während die Bedeckungsmannschaften theile vor­wärts, theilS seitlich Aufstellung genommen und die Soutien» etwa hundert Meter rückwärts auf einer zweiten Waldblöße die Gewehre zusammengesetzt hatten.

Offenbar waren wir bisher von der FestungSbesatzung noch nicht bemerkt worden, denn erst als unsere sechzig Ge­schütze mit Macht die Beschießung eröffnet hatten und Granate auf Granate drüben in daS Felsennest eingeschlage« war, eröffneten auch die sranzöfischen Festungsbatterien ihr Feuer. Jndeß mußten eS Geschütze alter Construction, hauptsächlich Mörser sein, mit welchen die Wälle annirt waren, denn die ersten Geschosse fielen ziemlich weit vor unserer Aufstellung in den aufgeweichten Boden, beim Tre- ptren riefige Trichter anfwerfend. Doch bald hatten fie fich eingeschossen und nun flogen ihre Bomben heulend in den sturmgepeitschten Wald hinter unsere Geschütze hinein, ohne unS jedoch irgend welchen Schaden zuzufügen. Biele der- felben gelangten gar nicht zur Explosion, so daß fich bei unS die Ansicht verbreitete, diedicken runden Dinger" seien einfach harmlose Vollkugeln, und unsere Leute anfingen, schlechte Witze über dieKegelkugeln" zu machen.

ES hatte schon zu dämmern begonnen, als unsere Batterien die ersten Schüsse abgaben und bet der immer schwacher werdenden Beleuchtung war von beiden Seiten eine Beobachtung der Schußresultate ausgeschlossen, so daß ich glaube, daß wir den Franzosen kaum mehr Schaden z»- gesügt haben, als sie uns. Je mehr die Dunkelheit zu- nahm, desto mehr erhöhten die Franzosen ihre Elevation, wenigstens erreichten viele ihrer Kugeln jetzt schon die Baum­wipfel am oberen Rande der zweiten Waldblöße, auf welcher die Gewehr-Pyramiden der SontienS darunter mein Bataillon aufgestellt war.

(Fortsetzung folgt.)