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Zweites Blatt
Samstag dm 28. Rodember
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Sitzung -er Stadtverordnete«
am 26. November 1896.
Anwesend: Herren Beigeordneten Georgi, Grüneberg «ad Woiff, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, Faber, Flett, Habeotcht, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Homberger, Jughardt, Keller, Kirch, Lüder, Petri, Dv. Schäfer, Scheel, Schiele, Bogt und Wallenfels.
In Verhinderung de- Herrn Oberbürgermeisters Gnauth, »oelcher zu einer von Sr. Röntgt Hoheit dem Grobherzog Einberufenen Eonferenz befohlen war, führte Herr Betgeord- Meter Wolff den Borfitz.
E- lag zunächst ein Schreiben de- Herrn Stadtverordneten Heß vor, worin derselbe unter Hinweis auf feinen ungünstigen Gesundheitszustand den Antrag stellte, von feinem Amte als Stadtverordneter entbunden zu werden. Da nach § 112 der Städteordnung da- Gesuch al- begründet anzusrhen ist, so vourde beschloffen, die» Herrn Heß mitzutheilen. Gleichzeitig wurde der Vorsitzende ermächtigt, Herrn Heb für seine Thätigkcit als Stadtverordneter und Beigeordneter den Dank »er Stadt auszusprechen.
Für gleichzeitige Ausführung der GaS- und Wafferleitung in der Ltebigstrabe bis zur Heiligenstaedt'scheu Fabrik werden 1905 Mk. bewilligt.
Ja der Wiesen ftrahe soll die Gasleitung eingeführt und die Wafferleitung verlängert werden; die Kosten im Vtsammtbetrage von 310.80 Mk. wurden bewilligt.
Ueber die beabfichtigte Errichtung einer Wohnung im Geräthemagazin auf OSwaldS Garten, die im Jntereffe »er beffereu Ueberwachung des Magazins für nöthig erachtet worden, wird nicht verhandelt, da der Voranschlag über die erforderlichen Arbeiten noch nicht fertiggeftellt ist.
Nachdem durch Anlage eine-' erweiterte» LanalrohrS »ie Entwässerung der Liudeugasse von der Hund»- «affe bi» zum Lmdenplatz Verbeffert worden, tst von Anliegern beantragt worden, dieselbe Arbeit auf der Strecke zwischen HundSgaffe und Bravdgaffe auSzusühreu, da die Mißstände z» Klagen Anlab gegeben. Die erforderlichen Mehrkosten »ou 730 Mk. wurden bewilligt.
Das Gesuch deS Herrn Andreas Sorgenfrei am Orlaubniß zum WirthschaftSbetrieb im Wiechard'fche» Hause in der Hammstrahe wird mit Rücksicht darauf, dab durch die «demnächst au-zusührenden Arbeiten in der Hawmstraße ein Bedürfatß zum Ausschank von Branntwein sich geltend macht,
durch Bejahung der Bedürsnibfrage befürwortet - desgleichen das Gesuch deS Herrn Jacob Grau für taS HauS Wolf- straße 9.
a. Romrod, 26. November. Der Verein ^HumanitaS" hat beschloffen, tn diesem Jahre 21 Kinder mit Ehrtstgeschenken zu bedenken. Von auswärts sind diesem WohlthätigkeitS- verein auch im letzten Jahre wieder namhafte Geldbeträge zugewendet worden. Den verehrten Gebern sei hierdurch öffentlich gedankt.
-h- AuS dem Kreife Büdingen, 25. November. In der letzten KretSauSfchuhsitzung deS hiesigen KreiscS wurde ein Fall verhandelt, der besonders für Jäger gewiß von Jntereffe sein dürfte. Gin Herr Löffler von Frankfurt a. M. ist Jagdpächter von Geiß Nidda. Ein dortiger Landwirth, Namens Troß, besitzt tn einem von zwei kleinen Wäldchen, zwischen denen Rehe wechseln, begrenzten Felde ein Baum« stück, welches von etwa neunjährigen Aepfelbaumen bestanden ift. Troß hatte seine Bäume im vergangenen Winter zum Schutz gegen Wildschaden gut mit Stroh verwahrt und im Frühjahre diese Schutzvorrichtungen wieder von den btS dahin unbeschädigt gebliebenen Bäumchen entfernt. Als er jedoch später gegen Ende Mai einmal zufällig sein Baumstück betrachtete, erstaunte er nicht wenig, alS er die Wahrnehmung machen wußte, daß seine Obstbäume so beschädigt waren, daß die Rindentheile herabhtngen. Der Eigenthümer deS Baumstückes theilte seine Beobachtung dem Großh. Bürgermeister Lind i» Geiß Nidda mit und dieser hielt die fragliche Beichädigung durch Rrhbvcke veranlaßt, welche im Frühling ihr neue- Geweih „fegen*, d. h. von dem nach Ausbildung des Gehörne- eingetrockneten und in Fetzen sich loslösenden häutigen Ueberzug, dem sogenannten Beste, reinigen, indem sie solche Anhängsel an Bäumen und Sträuchern adreiben. Der also geschädigte Landwirth Troß verlangte nun Schaden« ersatz von dem Jagdpächter Löffler. Dieser weigerte sich aber und auch ein Sühueversuch in dieser Angelegenheit blieb erfolglos. So hatte sich denn am SamStag, 21. d. Mts., der Kreisausschuß mit der Sache zu befaffen. Auf Grund eidlich erhärteter Zeugenaussagen, sowie der Gutachten der zugezogenen Sachverständigen kam genannte B Hörde zu dem Entschluß, den Jagcpächter zur Schadenersatzleistung und zur Tragung der entstandenen Kosten zu verurtheilen. Die Jui- tiative deS WildschaoengesctzeS sei, daß derjenige Landwirth,
der feiner Pflicht genügt und Schutzvorrichtungen im Winter angebracht hat, auch entschädigt werden müsse, einerlei, durch welches Wild der Schaden verursacht fd, obgleich das Gesetz nur von Hasenschaden rede. Freilich kommt eS auch nur höchst selten vor, daß Schaden an Oostdäumen aui obige Weise herbeigesührt wird, da bekanntlich die Rehböcke ihr Gehörn gewöhnlich an jungen Eichen und anderen Wald- bäumen fegen. Löffler muß somit den l quidirten Schade» von 46 Mk nebst den nicht unbedeutenden Kosten bezahlen.
Literatur und Kanfi
— Kaiser Wilhelm» Fertigkeit im Zeichne« verdankt der hohe Herr zum grüßten Thett bent grbicnen-n Zeichenunterricht, den er in feiner Jugend genosstn. In den Jahren 1873 und 1874 sandie die bemal'ge Frau Kronprinz-ssin ihre beiden Söhne, die Prinzen Wilhelm und Heinrich, zur Unte>r chtSanstalt des Kunft- gewerbe Museums, um boit tn der achten Adtheilana am Elemeniar- und Ornumentzeichnen theilzunehmen und den strengen Anforderungen des Klassenlehrers Baumeister Kachel gerecht zu werden. Daß dieser Unterricht ersprießlich gewes.n, beweist die neue ka-ser-iche Handze chnung, welche wir in dem soeben abgegebenen Heil 9 der großen illustrirten Familienzeitschrift ,Für Alle Welt" (Deutsches veriagshautz Bong u. Eo., Berlin W. Preis des Bierz-hntaghcsteü 40 Pfg.), der wir düse Angaben entnehmen, in vorzüglich.r AuS- führung autotypstch rotebergegeben staden. Auf dieses Bild, tatz felbstoerständlich die erste Stelle im Hcste einnimmt, folgt in doppelseitiger künstlerischer Holzschniitroieder^ade das große Gemälde Defreggers, „Jolef Sp ckvacher, zur bewaffneten Erhebung . an- seuernd", dann die Darst.llung der berühmien „Senseler" Gruppe vom tirolischen Schützenfest in Innsbruck, das L fler'sche Gemälde „Rafael und die Fornartna", eine Originalzeichnung vo" I Aker- mark „Radiahrcorso in Halensee", „i- ümrwens Gehustn", nach dem Gemälde von Hermann Kaulbach, die Porträts der jung- vermählten Kronprinzessin von Italien und deS preußischen Armee- Musik Jnsplc'enten P>of. Roßberg. Die hervorragendsten illustrirten Artikel in diesem Hefte sind zunächst eine Abhandlung über „Amerikanische R clam»" von Ernst von Hesfe-Wartegg, mit vielen bunten Bckdern, und „Das Eiserne Thor", von Max Foges; dann „Ein Zweirad für eine Mark' und „Lobnluhrwerk tn Madeira". Diesen reihen sich, neben dem Schluß des Romans „Rose Victoria" von Hanna BrandenfelS, der so viel Anklang gefunden hat, und dem Beginn eines neuen, hochinteressanten Romans von Elaire von GlÜmer, „Die Bachstelze", an eine Novelle „Das Mädchen mit dem Glorienschein" von MauruS Jokai, „Eisenhaltige Nahrungsmittel zur Verbesserung deS Blutes" von Dr. Otto Gotth lf, und eine große Zahl das allgemeine Jntereffe berührender Besprechungen neuer Erfindungen und Entdeckungen, sowie viele technische und andere Mittheilungen. Das heitere Element vertreten in diesem Hefte die drastischen Zeichnungen von M. Deicke, „Erinnerungen von der Berliner Gewerbeausstellung" und die afrikanische Bild-Humoreske „Das Lebenselixir".
Feuilleton.
Das Probejahr.
Von E. Reinhold.
(3. Fortsetzung.)
Eine tüchtige Hilfe, ich leugne eS nicht, hatte ich an Alwine. Sie besorgte die Küche in einer Weise, daß niemals auch nur die geringsten Klagen von Gästen einliefen, |e daß ich «ich darum gar nicht zu kümmern brauchte. WaS sie von mit dachte, weiß ich nicht, kümmerte mich auch nicht Niel, den« ich hatte gar keine Zeit, mir darüber den Kopf gn zerbrechen. Ich kam gar nicht mit ihr zusammen. Seit tch sie am ersten Tage so grob abgefertigt hatte, suchte sie mich nicht mehr auf und ich sie erst recht nicht. Geschäftliche Dinge, Neuerungen, die mein Unternehmungsgeist zu Tage förderte, wie z. v. die Umwandlung des Trockenplätze» in einen Soneertgarten, besprach ich nicht mit ihr, sondern mit Wilhelm, dem Oberkellner. Ich wäre doch auch fabelhaft Lamm gewesen, wenn .ich einen Spion — denn daS war Alwine mir gegenüber — noch Sxtragelegenheit gegeben hätte, sich über mich zu informiren. Sie brauchte mir nicht in die Karten zu gucken.
Ihrer V-richte wegen hatte ich ein ziemlich reine» Gewissen, ich hatte immer meine Schuldigkeit gtthan, soweit in -meinen Kräften stand. Einige Male zwar war ich belöffelt gewesen, wie am ersten Abend, aber da» gehörte zum Berufe, iso viel hatte ich schon weg.
Dr-i Monate war ich in D . . gewesen, da hatte ich mich so ziemlich eingearbeitet. Tie Zett war mir vergangen noie im Fluge. Ich hatte vorher gedacht, die Tage würden imtsetzlich schleichen und ich würde vergehen vor Sehnsucht :,ach meinem Rosel. Aber wir hatten heiße Arbeit gehabt, viel Besuch den Sommer über, da war die Zeit verflogen «nd die Sehnsucht hatte nicht so gequält. Nun war e3 Herbst geworden, im Geschäft trat Ruhe ein und ich und ivir alle hatten wieder mehr freie Zeit. Mir gefiel da« wicht recht und ich heckte ein neues Projeet aus für den Winter. Der »Weiße Fuchs" hatte einen schönen Saal, in
dem sehr gut Komödie gespielt werden konnte. Sollte man daS nicht probiren?
Mit diesem Gedanken beschäftigt, saß ich eines Abends in meinem Privatzimmer und wartete auf mein Abendbrot), das irgend eine Küchenfee wir dahin zu bringen pflegte. Zu meinem Erstaunen kam da Alwine selbst mit der erwarteten Labung und sie ging auch nicht wieder fort, sondern setzte sich hin. Sie sah aus, als habe sie irgend etwas auf dem Herzen und zwar nicht» Schöne» und warte auf meine Frage.
Ich beschloß, erst zu effen und bann zu fragen.
„Ich habe einen Brief von Rosel," begann sie zögernd, al» ich mein Mahl beendet. Sie brauchte mir nicht mehr zu sagen, ich wußte genug, ich hatte von ihr weinen Lauf» paß. Der Schlag traf mich unvorbereitet. Ich war wie betäubt und sprach lange nichts.
„Wen liebt sie?" fragte ich endlich.
„Einen Doctor."
Da quoll heiße Bitterkeit in mir auf.
,®o, einen Doctor. Natürlich, fo find die Weiber alle, alle von diesem Schlage. Alle wollen fie einen Stndirten haben, und wenn ich Doctor wäre, wäre sie mir treu ge- blieben. Siu schlechter Doctor wäre ihr lieber al» ein tüchtiger Gastwirth."
Alwine feilte das Haupt, als sei sie die Schuldige und mein ZorneSausbruch gelte ihr. DaS rührte mich an dem sonst so resoluten Wesen.
«Rein/ rief ich, „alle nicht, Sie nicht, Alwine, Sie thäten» nichts
Sie sah nicht auf, aber ich merkte, wie fie erröthete.
«Run muß ich auch gehen, ich bin ja jetzt überflüssig,* sagte fie.
Erschrocken fuhr ich auf- an diese Consequenz meiner zorriffeneu Verlobung hatte ich nicht gedacht. Wenn Alwine ging, wo bekam ich Ersatz her? Ich war schon Geschäftsmann genug, um trotz der eben empfangenen HerzenSwunde daran zu denken. Ich redete ihr das an», ich setzte ihr an»« einander, daß sie unentbehrlich sei, gerade jetzt, wo ich da» Theater einrichten wollte, wo Gesellschaften und Bälle betör#
standen. Auch wäre ihre Mlsfion noch lange nicht erfüllt, denn ein richtiger Gastwirth wäre ich doch noch nicht und dazu hätte fie mich ja ausbilden wollen. Und schließlich, nach manchem Hin und Wider gelang eS mir, sie zu überzeugen und zu überreden. Sie wollte vorläufig bleiben, bi» da» Probejahr zu Ende, wie fie lächelnd bemerkte.
Acht Tage, ich gestehe es, fühlte ich mich recht, ich will nicht gerade sagen unglücklich, aber doch ungemüthlich als depoffedirter Bräutigam RofelS. Der Gedanke, daß ein Anderer ihre frischen Lippen küßte, versetzte mich in Aasregung. Die zweite Woche traten mildere Gefühle hervor. Ich suchte Rosel zu entschuldigen. Sie war noch so jung- wer weiß, ob fie zu mir gepaßt hätte. Nach V-rlauf der dritten Woche hatte ich wich in mein Schicksal ergeben. Die Liebe batte bei mir noch nicht so tief Wurzel geschlagen.
Anfang November traf dann die von wir verschriebene Theaiertruppe ein Da» gab neue Arbeit, neue Sorgen, das brachte andere Gedanken.
Die Gesellschaft war keine schlechte, der Director eire respectable Persönlichkeit und die Mitglieder meist ordentliche Leute. Einer, der Characterdarsteller, Roller nannte er sich, war mir eine intereffaute Persönlichkeit Er war etwa dreißigjährig, ernst, gesetzt und solide und hatte angenehme Manieren, aber er sah au» wie der persomfizirte Weltschmerz Er war sicherlich von guter Familie, hatte in jugendlichem Le chtfian den Sprung auf die Bretter gethan und konnte nicht mehr zurück. Da» schien ihn »iederzudrücken, ihn scheu zu machen, denn er hielt sich «eist allein. Er wohnte nicht bei un», aber er kam doch alle Tage, mußte ja kommen, schon dcr Komödie wegen, denn, wie daS bei kleinen Theatergesellschaften za sein pflegt, er hatte alle Tage zu spielen. Ec spielte l:uch gauz leidlich, aber er machte nicht viel von sich her. So wurde er nicht der TageSlöwe in D. .
Im Allgeweiaen war daS Theater immer gut besucht. Selbst Alwine, die nicht viel vom Komödien!piel hielt und zuerst fich vou meiner Speculation mit dem Theater nicht viel versprochen hatte, besuchte öfter eine Vorstellung, allerdings nie mit mir.
(Bchttch folgt.)


