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28/06/1896 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 28. Juni

1896

Ito. 150 Zweites Blatt.

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Kemrat-Mnzeiger.

Rebartion. (trptbitiea und Druckerei:

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Fernsprecher 51.

Die Gießener

trtotn dem Anzeiger endlich dreimal beigelegt.

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K lrwtt Zuzelger elf d) eint täglich, ei Ausnahme deS Montags.

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1 28. Juni, Anfang 41H

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Itemeyer, Zar Lus mb Waarenversandt hfeine Kammgarne, Cheviots, En ilstoffe, Kleiderstoffe in gediegen- eppichen, Läufern, Vorlagen, yj und Tischdecken, Portieren.

A. T Wallenfels, Firbenir

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i & Co., Giessen, W

99.50

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6 /, Mericaner 4/|0/e Oesterr. Ste 3°/o Portugiesen 4fl/o Rimünier 3*/tc/o Mm 56,o Zoll-Lücken 4°/o Slmilche M ö°/o Khtnesm

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Amts« und Anzeigeblatt für den Areis Gießen.

I> nahm« von Anzeigen zu der Nachmittags für de» I z±rrtf(tVxtfcpHPY C&rttttf 1*1011 11U Annoncen-Bureaux SeS In- und Auslandes nehme«

kkumden Lag erscheinenden Nummer bis »orm. IN Uhr. | ^UUlUlCllULUlltl. Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

stbonnemenls^Einladung. |

Zum Bezug desGiehener Anzeiger" für te l. Vierteljahr 1896 laden wir hiermit ergebenst m Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die üitshsereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Lciiic zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten AaLrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrich- N'Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engencn und weiteren Vaterland halten den Leser litt» über die Vorkommnisse in demselben aus dem ; lau je nden. Unterstützt durch an allen Orten der P r o v i n z kben h essen ansässige Berichterstatter, ist derGießener 'Inniger" ferner in der Lage, die interessanten Mxxinge in der Provinz so frühzeitig wie möglich iic iEenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen lckd den Begebenheiten in der Stadt Gießen die l^iüirenbc Besprechung im localen Theile des An- jjtiger'S zu Theil werden. Der in der Provinz itbcHessen betriebenen Landwirthschaft wird der !8llMger durch Veröffentlichung von allem Wissens- imüien aus dem Gebiete derselben besondere Berück- IMttyiung zu Theil werden lassen, daneben aber auch Ihe Beobachtungen und Erfahrungen in HauS- min hschaft, Handel, Gewerbe und Industrie iin ban Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein ge- IktgmcS Feuilleton wird neben besonderen Ar- itütlt ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Mnhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die Mtzencr Familienblätter", welche dem An- gtigeir wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die Ws ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff »rinpen, namentlich im Kreise der Familien eine LlsMe Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ' ihk Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu 1 tmllem. Neuhinzuttetende erhalten vom Tage der ' WMung bis 1. Juli den Anzeiger kostenfrei zu- HgjtcIIt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe-

Feuilleton.

Dkr letzte Act de« Jahres 1871.

Von Fred Vincent. (Fortsetzung.)

Am Nachmittag des 16. Mai wir rückten gerade 1 toc eimer Felddienstübung ein jagte in schärfster Gangart , tki Husaren-Ordonnanz heran, und eine halbe Stunde später 1 boten wir uns auch schon auf dem Marsche nach den Alarm- t ebneren des Bataillons, von wo aus es sofort weiter in iw Dichtung auf Paris ging. Wie mit einem Schlage hatte s Qas friedliche Bild geändert, wir befanden uns wieder toncDen kriegerischen Getriebe des Aufmarsches einer großen ' Itcx : alle Straßen waren bedeckt von marschirenden Kolon- i m Cavallerie und Artillerie trabten nach vorn und Adju- 1 srici und Ordonnanzen jagten vorüber. Die Nacht war | tot« angebrochen, als wir in einem kleinen Dörfchen Orts- I bezogen, aus welchem wir mit Morgengrauen des näch- f fLÄages unfern Vormarsch wieder aufnahmen, um gegen s flrciig in Brou einzutrcffen, wo unser Bataillon die Bedeckung iw hurtigen Artilleriedepots übernahm. Hier herrschte eine i BKftgaft fieberhafte Thätigkeit, Granaten für Belagerungs- i 2L Feldgeschütze wurden gefüllt, verpackt und nach den bt= t faq:tra; gort§ abgesandt oder an die Munitionskolonnen auS- .Mdan, kurz alle Vorbereitungen zu einer erneuten Action , jx-fffen.

Am 22. Mai von diesem Commando abgelöst, holten 1 ir üin einem angestrengten Marsche die beiden anderen ? BciiMonc unseres Regimentes wieder ein und marschierten i: bitefcn vereinigt bis nach Montreuil vor, einem kleinen z jlt'-ein Vincennes und Romainville in nächster Nähe der ö iffcjjcin Hauptenceinte befindlichen Städtchen, wo wir theils in e rijiii Alarmquartieren unterkamen. theils auf dem Markt- p ifliv biwakiren mußten. Montreuil ist am Rande eines

9himmein nach auswärts postsrei $u versenden. Den I Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, | den Anzeiger weitersenden und den Abonnements­betrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht aus­drückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtend

Verlag desGießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch & Scheyda).

Dermtfd^tcs.

* Sin Jagdschloß all Geschenk für den Kaiser. Wie der Rheinische Courier" meldet, beabsichtigen patriotische Bürger Wiesbadens, das Jagdschloß Platte käuflich zu erwerben. Das hohe Entzücken, welche- der Kaiser über den TauouSwald ausgesprochen, hat den Plan hervorgerufen, Sr. Majestät Gelegenheit zu geben, alljährlich einige Zeit in den dortigen Waldungen zu weilen. Nach einer bei der Großherzoglich luxemburgischen Finanzkammer In Biebrich emgezogenen Erkundigung ist zwar bisher nicht beabsichtigt, das Jagdschloß Platte zu verkaufen, doch würde eS für den oben genannten besonderen Zweck vielleicht zu haben sein.

Neuwied, 20. Juni. In dem benachbarten Fahr ertranken zwei Mädchen von 8, bezw. 3 Jahren; da- ältere Kind wollte sein in den Rhein gefallenes Schwesterchen retten und fand dabei selbst den Tod.

* Hamburg, 24. Juni. Das Schwurgericht ver- urtheilte heute den Phoiographengehülfen Punde wegen An« fertigung und Verausgabung falscher Ein- und Zweimark­stücke zu 5 Jahren Zuchthaus. Die Mitangeklagten Kellner Beckmann und Maler Görlitz erhielten je 8 Monate Ge- fängniß.

* Dessau, 23. Juni. 30 Mann vom Anhaltischen Infanterie-Regiment Nr. 93, die besten Schützen des Regiments, haben als Anerkennung für ihre guten Leistungen im Schießen je 5 Tage Urlaub zum Besuche der Berliner Gewerbeausstellung erhalten und dazu je 30 Mark Zehr­geld. Ferner ist ihnen Quartier im Ordonnanzhause an­gewiesen.

Amberg, 23. Juni. DaS oberpfälzische Schwurgericht verurtheilte den Metzger Joseph Pers ch von Neustadt a. W. N. wegen Ermordung seiner Ehefrau zum Tode und seine Mutrer Therese Persch wegen Vergehen- wider die öffentliche Ordnung zu sechs Jahren Gefängniß.

ziemlich hohen Hügelzuges gelegen, der nach Westen zu steil nach der Enceinte abfällt und sich jenseits derselben ebenso steil wieder nach der Arbeitervorstadt Belleville und dem Kirchhof Pere La Chaise erhebt, sodaß man von den am Hange gelegenen Gärten des Städtchens aus die Straßen der Vorstadt sowohl wie den Kirchhof vorzüglich übersehen kann, da beide in der Luftlinie höchstens 800 Meter entfernt sind. Auch der hinter Belleville aufsteigende Montmartre mit seinen Häusern und Straßen ist mit einem guten Glas genau zu beobachten, und so wurde uns in den nächsten Ta­gen Gelegenheit geboten, Augenzeugen des in diesen Stadt- rbeilen, der Hauptveste der Aufständischen tobenden letzten Verzweiflungskampfes der Rothen zu fein.

Nachdem am 21. schon die unter Befehl des Marschalls Mac Mahon stehenden Regierungstruppen durch die Porte St. Cloud Eingang gefunden, waren sie am folgenden Tage in Stärke von drei Armeecorps durch die sämmtlichen Thore der Südfront eingedrungen und hatten am 23. diesen Theil der Hauptstadt besetzt und ihren Angriff auf das rechte Seine­ufer vorbereitet. Zu gleicher Zeit hatten wir einen dichten Vorpostengürtel vor un'eren Positionen längs der Enceinte hergezogen, um jeden Durchbruchsversuch der Communarden zurückweisen zu können. Auch unser Regiment war bis in die vorderste Borpostenlinie vorgezogen, wo es eine Anzahl Feldwachen in den Gärten am westlichen Hange von Mon­treuil ausstellte. Don diesen Feldwachen mit den dahinter liegenden Häusern aus hatten wir nun, namentlich während der Nächte einen schauerlich schönen Ausblick auf die Riesen­stadt, in welcher Tag und Nacht der Kampf wüthete. Immer näher kam der Lärm unseren Stellungen, immer lauter tönte das Brüllen der Geschütze, das Knarren der Mitrailleusen und das Knattern des GwehrfeuerS, ein deutliches Zeichen dafür, daß die französischen Truppen stetig vordrangen, die Revo­lutionäre vor sich hertreibend in die dichtbevölkerten Arbeiter­vorstädte der Nordostseite. Mit fürchterlicher Wuth jedoch

* Glasgow, 16. Juni. Lord Kalvin (William Thomp­son) feierte gestern fein 50jährigeS Profefforen-Jobiläum. Abends wurde ein telegraphischer Glückwunsch der Glasgower Universität um die Welt gesandt und schon nach sieden Minuten Lord Kalvin auSgehändigt. Die auf demselben Wege erfolgte Antwort deS Jubilars traf schon nach vier Minuten ein.

* Mit durchlöcherten Segeln soll nach Angabe deö italie­nischen SeecapitänS Vasallo ein Schiff schneller segeln können, als wenn die Segel ganz sind. Vasallo behauptet nämlich, daß der W nd seine dolle Kraft auf ein geschwellte- Segel nicht auSÜben könne, da die unbewegliche Luft, welche die Wölbung des Segel- auSfÜllt, ein hindernde-Kiffen" bilde. Um die Ansammlung eines solchen Luflkiffens zu ver» meiden, brachte er einige Löcher im Segel an, welche einen Theil de» Winde- durchliehrn, dem nachfolgenden aber da­durch stets ermöglichten, feine volle Kraft auf die Leinwand aaszuüben. Bei verschiedenen Witterungen angestellte Ver­suche haben d e Wahrheit dieser Behauptungen dargethan.

* Wünschen Sie köstliches Deffert, Sandtorten, Festkucheu? Die- läßt sich am besten durch Brown LPolsonS Mondamin Herstellen. Daffelde besitzt einen eigenen Wohlgeschmack und fördert durch seine Entölung bedeutend die Verdaulichkeit der Speisen. Recepte zur Zubereitung befinden sich auf den Mondamin-Packeten, zu haben L 60, 30 u. 15 Pfg. in blsseren Colonial-, Delicateß- u. Drog.-Geschäften. Für die gute Qualität bürgt am besten da» 52jährige Bestehen dieser weltbekannten, schottischen Firma. Engro» bei Türk u. Pabst, Frankfurt a. M. 1707

Neuer Ausdruck. Practikant:. . . Herr Amtsrath eflen jetzt mit Frau Gemahlin stets allein, und in der ersten Zeit nach der Hochzeit sahen Sie so viele Gäste bei sich zu Tsch!" AmtSrath:O, mein Weiber! hat fie alle in die Flucht gekochtl"

Citorotnr «nd Knnft

Das 66 Heft derWahrheit^ (Hatbmonatschrift zur Vertiesung in bte Fragen und Äutgaben deS MmschenlebenS; Preis 1 Ml. 80 Pf. FrommannS Verlag, Stuttgsrt.) steht im Zeichen deS evangelisch-socialen Kongresses und zeigt, wie manche stühere Nummer der Zeitschrift, zwei verschiedene, characteristische Stimmungen in der Betrachtung unserer socialen Zustände. Die Ausführungen von Pros. Hieber spiegeln die sociale Begeisterung wieder, in der die betheiltgten Stuttgarter Kreise den Kongreß voi» bereiteten und feierten Davon sticht der Individualismus über die Liebe ab in der Rede deS Herausgebers über die Wohlthätig- f eit, und feine Abneigung gegen die Einmengung der Religion in die Politik bei Besprechung des Göhre'schen BucheS:Die evangelisch- sociale Bewegung, ihre Geschichte und ihre Zieles

vertheidigten sich die Insurgenten, in jedem Stadttheil, auS welchem sie hinausgeworfen wurden, hochlodernde Flammen­zeichen als Andenken zurücklaffend. Von eigenen Feuerwerker- Abtheilungen vorbereitet, brach in der Nacht vom 25. eine riesige Feuersbrunst aus, der eine ganze Reihe öffentlicher Gebäude, wie die Tuilerien, das Hotel de ville rc. zum Opfer fielen, während die Wüthenden gleichzeitig alle in ihren Händen befindlichen sogenannten Geiseln darunter den Erzbischof von Paris u. a. und Mafien Verdächtiger und Miß­liebiger in gräßlicher Weise hinmordeten. Immer schauerlicher wüthete das entfesselte Element, die Stadt taghell erleuchtend, und bei seinem Flammenschein tobte der erbarmungslose Ber- nichtungskampf weiter.

Am 27. gegen Abend haben die Truppen endlich auch La Villette und die Buttes Chaumont mit den daranstoßendeu Boulevards erobert und die Insurgenten in den uns gegen­überliegenden Stadttheilen zufammengedrängt. Doch keinen Augenblick macht sich unter den in den Straßen von Belleville und auf dem Pdre La Chaise zusammenströmenden Menschen­mafien Unentschlossenheit oder Entmuthigung bemerkbar. Nur eine fieberhafte, wahnsinnige Thätigkeit herrscht da drüben. Wie durch Zauberkraft wachsen in den Straßen Barrikaden auS der Erde, Kanonen werden herangeschleppt und hinter denselben aufgefahren, jedes sich dazu eignende HauS wird zur Dertheidtgung eingerichtet, vor dem Kirchhof erhebt sich ein mächtiger Verhau aus alten Bäumen und Grabsteinen, mit mehreren schweren Festungsgeschützen armirt u. s. w. Noch wird da drüben nicht gekämpft, doch müssen die Angreifer schon nahe herangekommen sein, denn hin und wieder prafielt eine Granate in ein Hausdach hinein und die Menschenmenge in den Straßen schlägt ein so wahnsinniges Geheul auf, daß es das zu uns herübertönende Kampfgetöse verschlingt.

(Schluß folgt.)