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Sh, 123 Zweites Blatt.
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Keneral-Anzeiger.
Urbaction, (£n>cbitie* und Druckerei:
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Gießener Anzeiger M
Amts- und Anzeigeblntt für den Ureis Gietzen.
dann noch außer den etwa 300 von Ausstellern und Pächtern errichteten, zum Theil sogar sehr umfangreichen Nebengebäuden, welche dem AuSstellungSplatze reichste architecronische Abwechselung verleihen, die große Halle für Bau- und In- gevieurwesen, welche eine Fläche von 5065 Quadratmetern einnimmt. Die Gartenbaugruppe erfordert 41,500 Quadratmeter. Erwähvenöwerth bleiben nur noch die selbstständigen Unternehmungen, von denen daS reizende, ganz eigenartige „Alt Berlin" im Herzen der Ausstellung liegt und einen Platz von 45,000 Quadratmeter bedeckt- Auf Kairo entfallen 60.000, auf die Colonialausstellung ebenfalls 60,000 und auf den Vergnügungspark mit seinen unzähligen Etabliffe- mrntS gar 93,000 Quadratmeter. — Um daS ganze AuS- stellungSterrain sührt eine electrische Ringbahn, welche den Verkebr auS dem einen Theile der Ausstellung in den andern vermi-ielt. — Außer dieser sehr practischen Fahrgelegenbett wird der Verkehr zwischen dem HauptauSstellungSplatz? und dem Dergnügungkparke durch eine nach amerikanischem System eingerichtete Hochbahn vermittelt. Es ist eine sogenannte Stuienbohn, eme sinnreiche, bewundernswerthe Corstruction, welche es erwögl'cht, einen in voller Fahrgeschwindigkeit dahtnsausenden Zug ohne jede G-fahr zu besteigen. Mll der Construction dieser Stufenbadn beschäftige 'ch mich noch eingehender in meinem nächsten Briefe.
i7u7 I Hratisöeitag-: Hießener Jsamitienötätter.
jll'TStn Tag rrschenrenden Hummer bi« Corrn. 10 Uhr. I
2lmtlid?cr Theil.
Lokalpolizeireglemeut
d mt«saad die Beseitigung von in die Straßenfluchtlinie vorspringenden Fenstergütern usw.
Luis Grund deS Art. 30, letzter Absatz der Allgemeinen »EBucdcnung, wird nach Anhörung der Stadtverordneten- ^Sönjanmlung und Zustimmung des Kreis-Ausschußes mit C Smehmtgung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern viiii dar Justiz vom 30. April l. I. zu Nr. M. I. 12634 ! it ban Bezirk der Provtnzialhauptstadt Gießen hierdurch 7 gilgttfbeß verordnet:
In die Str^ßenflucht vorspringende Fenftergitter, Kettensteine und Ketten, AbweiSstetne, sofern diese nicht und) in die Thore etnspriugen, Säulen, Freitreppen, Kellerhälse und ähnliche Vorrichtungen find zu beseitigen, «ofern der Gebrauch der Straßen und öffentlichen Plätze luadurch beeinträchtigt wird und die Abänderung nicht mit unverhältnißmäßigen Opfern für die Eigenthümer iverbunden ist.
Etießeu, den 21. Mai 1896.
Großherzogliche- Polizeiamt Gießen.
v. Bechtold.
Der Zinsfuß und die Creditfrage.
L Hatsache ist, daß im Allgemeinen für fast alle Arten - «aölhuldverschreibungen und Darlehen seit ungefähr zwanzig Men der Zinsfuß wesentlich gesunken ist. Dle Verzinsung r ne LiaatSschuldschetne, welche früher 4>/, bis 5 Procent b«g. ist auf 3 und 3>/» Proceut gesunken und der Zinsfuß s itl h? pothekenschulden ist ebenfalls von 4«/, und 5 Procent mol 3»/2 und 4 Procent gesunken, bei vorzüglichen ersten LJ^cheken wird sogar von manchen Geldverleihern daS lSyitcll zu 3Vs Procent verliehen. WaS also diese wichtige > Nil duS GeldcredttS anbetrifft, so kann sich kein Geldlether, »mg irr nun der Staat oder die Gemeinde, ein Fabrikant >o!tT landwirth sein, über die Höhe des Zinsfußes beschweren. Dllixrer günstig liegt indeffen der Lombardzinsfuß und der • W-ttitsatz für die DtScootirung von Wechseln, wo mit den .Mnipesen meist 5 bis 6 Procent bezahlt werden, und zu t,pj niuß dem BolkSwtrthe und menschenfreundlichen Finanz- t utlhlhr auch der Zinsfuß erscheinen, welchen Landwirthe, l Arn betreibende und kleinere Kaufleute für ihre den Ge- msirMaftßkassen und Credttvereinen entnommenen Darlehen eimichten müffen.
Die neuesten Berichte über die Creditgenoffenschaften, d m^e in Deutschland eine große Verbreitung gefunden haben, : ungern nämlich, daß der durchschnittliche Zinsfuß, welcher r ii'v dan Geldleihern an die Geuoffenschaften bezahlt werden t itjie,, 5 bis 5»/, Procent betrug. Da es in Deutschland i fliüi Hem bekannten Systeme Schulze-Delitzsch 2800 Credit- , Wßflnschaften gibt, welche für mehr als eine halbe Million rMiroirthe und Gewerbetreibende das Creditbedürfniß be> ffBigien, so wird man ohne wettere Beweise ermessen können, : oion den GenosienschaftSkassen ein Creditgeschäft von der tflijietn volkSwirthschaftlichen Bedeutung vollzogen wird, daß
aber gerade bei demselben eine Ermäßigung des Zinsfußes tu noch weit höherem Grade als bet den Lombard- und Wechselgeschäften wünschenSwerth ist, weil die Credttgenossen- schaften ja meistens nur mittleren und kleineren Landwirthen, Handwerkern und Geschäftsleuten dienen.
Mr wollen nun mit diesem Wunsche durchaus keine Hetze gegen die Creditgeuossenschaften und ähnliche Institute eröffnen, denn deren Segen für den kleineren Landwirth und Handwerker ist ja klar, und eS ist auch «it der volkSwtrth- schaftlichen und finanziellen Entwickelung im deutschen Reiche insofern zu rechnen, daß daS Sinken des Zinsfußes fich auf dem Lande und in kleiugewerbltchen Kreisen naturgesetzlich immer erst später geltend machen muß als in der großen Handels- und Finanzwelt. Ferner kann gewiß jeder Gewerbetreibende oder Landwirth, wenn er zur Wahrnehmung eines BorthetleS oder zur Beseitigung eines Schadens rasch Geld braucht, immer noch froh sein, wenn er eS sofort von einer GenossenschastSkaffe zu 5 Proceut und selbst 5Vr Procent bekommt, da der wirthschaftliche und geschäftliche Vorthetl, welchen ihm daS baar geliehene Capital bietet, viel größer ist als die Zinsen, welche er dafür zu bezahlen hat. Immer- hin muß aber volkswirthschaftlich der Reform der Credit- genossenschaften insofern daS Wort geredet werden, daß dieselben durch praktischere Einrichtungen und zumal auch durch die Bildung von Centralkaffen oder durch den Anschluß an größere Banken sobald als möglich zu einer Ermäßigung des Zinsfußes kommen möchten._________________________
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Laubach, 25. Mai. Am Pfingstmontage während deS NachmittaggoiteSdiensteS ertönten plötzlich Feuerwehr- fignale. Etwa eine halbe Stunde von hier entfernt war im städtischen Walde in der sogenannten „Zwtlltngssetfe", zwischen dem Lardenbacher und Fretenseener Fußpfad gelegen, rin Brand auögebrochen, der von einem Lardenbacher Manne hier gemeldet worden war. — Der Alarmirung folgten sofort ein großer Theil der hiesigen Einwohner und nur dem schnellen, thätigen Eingreifen der mit Hacken und Schippen Versehenen ist eS zu verdanken, daß eine größere Ausbreitung verhindert wurde- nur etwa ein Morgen Unterholz wurde von dem Feuer zerstört. Bis jetzt ist über die Entstehung des Feuers nichts Näheres bekannt.
§§ Bermuthshain, 25. Mai. In der Nacht von gestern auf heute brach in einem Hinterbau des Bürgermeisters Oechler hier Feuer aus. Nur infolge der herrschenden Windstille und des etwa sieben Stunden vorher gefallenen Regens konnte mit Hilfe der hiesigen Feuerwehr daS etwa sieben Meter davon entfernt stehende, mit Stroh gedeckte Wohnhaus gerettet werden. Dem Besitzer ist nur wenig Schaden entstanden, aber einem unbemittelten Manne sein sämmtliches zur Ecnäbrung seiner Ziegen usw. nöthige Heu verbrannt. ES wird Brandstiftung vermuthet. Die Polize fahndet eifrig nach dem Thäter.
R. Darmstadt, 26. Mai. Die neuliche Mittheilung bezüglich der Ansprüche, welche den Mitgliedern der Specialdirection der LudwigSbahn für denFal der Verstaatlichung zustehen, wird in einer Zuschrift genannter Dtrection an die „Berliner Börsenzeitung" als unzutreffend bezeichnet, und dabei behauptet, die Angabe,
daß einer der Herren der Specialdirection sich eine Ent- chädigung von 24 000 Mk. auf 15 Jahre herauSgerechnet habe, vollständig aus der Luft gegriffen sei. An diesem officiellen Dementi ist zunächst auffallend, daß dasselbe nur n einem Berliner Blatt erschienen, während doch die beanstandete Mittheilung in einem großen Theil der hessischen Preffe wie in Frankfurter, Kölner, Wiesbadener und Manu- Ijetmer Blättern Aufnahme gefunden hatte. Besonders von den Mainzer Blättern wurde die Nachricht breit getreten, ohne daß eine Berichtigung erfolgt ist, waS sich nur dadurch erklären läßt, daß die bei der Sache betheiligten Personen Gründe haben, die kitzliche Frage am Platze ihrer Wirksamkeit nicht weiter erörtert zu sehen. WaS nun den Kern der Sache anbelangt, so war in unserer Mittheilung überhaupt nicht die Rede davon, welche Ansprüche die Betheiligten gestellt, sondern nur gesagt worden, daß sich die Herren der Specialdirection in einer sehr günstigen Situation befänden, indem sie verbriefte Rechte auf hohe GehaltS- und PenfionSansprüche hätten. Bezüglich der angeblich aus der Luft gegriffenen Angabe, daß fich einer der Herren eine Entschädigung von 24 000 Mk. auf 15 Jahre HerauSgerechnet habe, können wir nur bemerken, daß dieselbe sehr verlässiger ©eite ihren Ursprung verdankte. Vielleicht ist an den betreffenden Herrn noch gar nicht osficiell die Frage heraugetreten, waS er für An'piüche erhebe, das schließt aber doch nicht auf, daß man bei Privaten Besprechungen einstweilen seine Wünsche an den Mann zu bringen gesucht hat. Jetzt freilich, wo die hohen Ansprüche einzelner Personen einer allgemeinen Kritik begegnen, wird eS Manchem unangenehm sein, die Wünsche nicht vorerst noch in seinem Innern verborgen zu haben.
Mainz, 25. Mai. Ein Tourist auS Mannheim stürzte vom rechtsrheinischen Eise n b ah n zu g e ab. Der Kopf wurde ihm dabei vom Rumpfe getrennt.
• Frankfurt a. M., 26. Mai. In der vergangenen Nacht wurde in der Ginnheimerstraße eine von ihrem Manne getrennt lebende Frau auf dem Straßen- Pflaster vor ihrer Wohnung blutüberströmt tobt aufgefunden. Wahrscheinlich hat sich die Frau auS dem dritten Stockwerk hinabgestürzt. Sie hat vorher geäußert, sie wolle sich das Leben nehmen.
* Diedeuhofeu, 23. Mai. Die „Mosel- u. Niedztg." schreibt: Als gestern Vormittags der Handelsmann Israel bei Beauregard mit seinem Fuhrwerk über den Bahnübergang fuhr, kam plötzlich ein Eisenbahnzug daher und fuhr mitten in da- Gefährt hinein. Wie durch ein Wunder wurde Mann und Pferd gerettet. Israel klammerte sich an die Locomotive und fuhr in dieser Lage bis zur Moselbrücke, wo der Zug zum Stehen kam. DaS Pserd wurde über den Damm geschleudert und blieb unverletzt.
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• 1 ■ —
Feuilleton.
Berliner Ausstellungsbriefe.
(Von unserem Correspondenten.) IX.
Berlin, 23. Mai 1896.
Aon den Baulichkeiten in der Ausstellung soll ich ■ tuet erzählen, trockenen ToncS statistische Daten aufzählen, s blc löte ich so gerne möchte, krauS durcheinander von dem t hi-tu Leben und Treiben, wie es sich dort draußen vor t err?m Augen abspielt, zu plaudern. Ach, eS ist ein Jammer! - K welcher Lust würde ich über meine Erlebnisse in einem ? fltobotfe oder auch über eine Rieseukeilerei in Alt Kairo i m: Inifitgem Knalleffect, welchen unsere Berliner Feuerwehr ||gt:|Ui liefexte, Bericht erstatten, aber immer sällt mir noch i i^iiuitig die Mahnung eines echten Berliners ein: „Hübsch Itor leit Stange bleiben." Also bleiben wir bet der Stange i M! Berichten wir zunächst von den großartigen Bauten, l miet in verhältnißmäßig kurzer Zeit im Treptower Park träten find, von der Keilerei rc. dann vielleicht ein ander 511:1. — DaS Gesammt-Areal, welches seiner Zeit die Ber I M I NewerbeauSstellung von 1879 umfaßte, war fast nicht । Kp.iitu a!S der Raum, auf welchem jetzt die große Industrie-
halle — daS HauptauSstellungSgebäude — selbst steht. Dieselbe umfaßt nämlich weit über 57,000 Quadratmeter. In diesem Hauptgebäude beansprucht den größten Raum, nämlich 8075 Quadratmeter, die Metallindustrie für fich, eß folgt alsdann mit 7625 Quadratmeter der Maschinenbau, mit 6785 Quadratmeter die Holzindustrie, mit 6450 Quadratmeter die Bekleidungsindustrie u. s. w. Von weiteren großen Hochbauten in der Ausstellung ist das Gebäude für Chemie, wissenschaftliche Instrumente und Photographie zu nennen, welches 4834 Quadratmeter bedeckt. Einen weit größeren Raum beansprucht das Gebäude für Fischerei, Sport, NahrungS- und Genußmittel mit angrenzender Fischkosthalle, nämlich 10,012 Quadratmeter. ES folgen daS Gebäude für Unterricht und Erziehung, Gesundheitspflege und WohlfahrtS- einrichtuvgen mit 3068, daß Gebäude für Glaßindustrie mit 1100, daß Gebäude der Stadt Berlin mit 2500, ferner der große Wasserthurm mit dem oaran grenzenden Haupt restaurant, welches eine Grundfläche von 3550 Quadrat metern bedeckt. Der Wasserthurm ist 61 Meter hoch und ganz auß Eisen hergeftellt,- zwei Fahrstühle führen nach oben und kann man von dort eine sehr schöne Aussicht über daß gesammte AuSftellungsterrain genießen. Ferner ist noch zu erwähnen daß Centralverwaltungsgebävde der Ausstellung- daß Gebäude für daß Riesenfernrohr. — Hierzu kommen


