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chratisöeikage: Hießener Aamilienötätter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Laz erscheinenden Nummer bi» Lorm. 10 Uhr.
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Sießrn. den 26. November 1896.
** Die neue Herdbuchgesellschaft für bei Bogrttberger Hieb. Auf einer am 26. tipril 0. I. in Marburg ab- Gehaltenen Versammlung von Interessenten der Vogelsberger Nlndviehzucht aus dem gesammten Zuchtgebiete wurde der einst mmige Beschluß gefaßt, gemeinsam die gleichen Zucht- ziele zu verfolgen und von den einzelnen landwirihschafritchen Vereinen eine Commission wählen zu laffea, welche einerseits die eingeschlagenen Maßnahmen controltrtn, andrerseits zur Gründung einer Herdbuchgefellschaft und demnächst zur Herausgabe eines allgemeinen Herdbuchs schreiten sollte. Am 15. November hat nunmehr die erste CommisfionSfitzung unter dem Borfitze des Landraths v. Heimburg auS Biedenkopf stattgesunden. AuS den Berichten der Vertreter der einzelnen Zuchtgebiete ging hervor, daß im Kreise Biedenkopf bereits ein fertiger, über den ganzen Kreis sich erstreckender Züchterverein mit bislang 175 Mitgliedern, in der Großherzoglich hessischen Provinz Oberhrflrn ein solcher auS vier Z ichthöfen besteht, während die Ausdehnung auf die übrigen Züchter der Provinz im Entstehen begriffen ist, und im Kreise Wetzlar eine Zuchtfiatton in Krofdorf feit 1894 vorhanden ist, die Gründung weiterer Stationen aber und deren gemeinsamer Zusammenschluß in Bälde zu erwarten steht. AuS den übrigen Zuchlgebieren werden sich vor der Hand erst einzelne Züchter den Bestrebungen anschlteßen, doch ist auch hier die Gründung von Zuchtvereinen zu erwarten. Die Versammlung beschloß sodann eine Herdbuchgesellschaft zu gründen und trat sofort in die Berathung der Satzungen ein. Die Herdbuchgesellichafr bezweckt gemeinsames Vorgehen uach den in der vom Großh. Heff. Landwi-thschaftSlehrer Leithtger in Alsfeld herausgegcbenen Schrift über das Vogelsberger Rind niedergelegten Zuchtzielen, die Herausgabe eines über das ganze Zuchtgebiet sich erstreckenden Herdbuchs und die Erweiterung des ZuchtgebieteS. Bor- läufig gehören zu demselben die Köatgl. Preußischen Kreise viedenkopf, Dillenburg, Frankenberg. Kirchhain, Marburg, Wrtzlar und die Großherzogltch Hessische Provinz Oberhrffen. Die Commission constituirie sich sodann als Vorstand der Gesellschaft und wählte als Vorsitzenden den Landrath v. Heim- hurg au» Biedenkopf, als stellvertretenden Vorsitzenden den Großh. Heff. LandwirthfchaftSlehrer Leithiger auS Alsfeld und zum Secretär der Gesellschaft den Secretär der Zucht- Vereinigung Biedenkopf, Rechner Plitt von dort. Die Satzungen sollen der deutschen LaudwirthschaftSgesellschaft zur Anerkennung vorgelegt werden. Wetter wurde beschloffen,
daß die neue Herdbuchgesellschaft sich auf der nächsten AuS« stellung der deutschen LandwirthschaftSgesrllschaft in Hamburg den deutschen Landwirthen mit einer Collection von 50 616 60 Stück vorllelleu soll. Bon einer Beschickung der übernächsten Ausstellung in Dresden soll abgesehen werden, während die Ausstellung in dem nahen Frankfurt a M. im Jahre 1899 wieder mit allen Kräften zu beschicken sein wird. Leider find in der 1. Aullage der Ausftkllordnung für Hamburg nur 775 Mk, im Gegensatz zu 1450 Mk. in Stuitgart-Cannstatt für die einschlägige Klasse A, f, ausgesetzt. E» wird aber wohl zu erhoffen sein, daß diese Klaffe bet der zahlreichen Beschickung noch höher dotirt wird, zumal wenn auch von außerhalb der Gesellschaft Preise gestiftet werden. Die» ist zunächst zu erwarten vom Großherzogthum Heffen und auch vom Kreise bezw. Züchterverein Bieder köpf, welch Letzterem der Herr LaudwirthschaftSminifter in dankens weither Weise für da» nächste Jahr wieder eine erhebliche Unterstützung in Aussicht gestellt hat.
Buhbach. 24. November. Wie wir erfahren haben, soll der schon früher auf einer Generalversammlung der Wetdtg- sttftung gefaßte Beschluß, eine Gedenktafel zur besseren Ehrung WetdtgS auf dem Schrenzer bezw. Weidighain anzubrtugeo, endlich der Ausführung näher gebracht werden. Der Vorstand dieser Stiftung soll sogar diesen Beschluß dahin erweitert haben, statt der Tafel einen Gedenkstein, eveut. ein Denkmal daselbst zu errichten. ES bleibt nur noch die Frage offen, ob sich auch mit den zur Verfügung stehenden Mitteln etwas der Sache recht Würdiges leisten läßt. Da Weidtg das Turnen hier zuerst gelehrt und eingeführt, desgleichen das Fechten und den Gesang sehr gefördert hat, so dürften Turnverein, Fechtclub und „Orpheus" zur Ehrung WetdtgS, ihres ersten Lehrers, wohl auch ihre Mitwirkung nicht versagen uud mit Rath und That die Absicht des Vorstandes unterstützen Hilfen. Ja selbst für die gesammte Bürgerschaft wäre eS eine schuldige Ehrenpflicht, dem Unternehmen ihre Unterstützung zu leihen und Butzbach dadurch zu einem neuen Schmuck zu verhelfen. Durch einfachen Beitritt zur Stiftung, die ständig durch Sterbefälle Mitglieder einbüßt, kann dem Vorhaben schon hinreichend zum Gelingen oerholfen werden. Ist es doch ein Mtndeftbetrag von einer Mark, der schon die ständige Mitgliedschaft erwirbt und ein Recht verleiht, mitzurathen und mitzuthaten. — Wir wollen hoffen, daß diese Zeilen der Stiftung neue Kräfte zuiühren und die gute Absicht deS Vorstandes unterstützen. W. B.
□ Darmstadt, 25. November. Der Geburtstag des hohen GroßherzogSpaareS, zu dem als Gäste das Thronfolgerpaar von Rumänien gestern Abend eingetroffeu
ist, wurde in traditioneller Weise in der Residenz durch Festgottesdienste, Festacte in den Schulen, Festmahle, Fest- Vereinigungen sowie militärische Veranstaltungen festlich begangen. Beim FestacruS in der Technischen Hochschule, zu dem auch der Decernent für daS Unterrichtswesen im Ministerium, Excellenz v. Knorr, anwesend war, wurde die akademische Festrede von Profeffor Otto Harnack über da» Berhältntß Goethes zu Shakespeare gehalten. Der Redner führte auS, solche Dichtergrößen könne man nur an ihresgleichen wkffen und sür daS in Frage kommende Verhältniß kämen in erster Linie die betreffenden Aussprüche Goethe» in Betracht, der von den großen Meistern der Vergangenheit besonders Rafael und Shakespeare hochgeschätzt und bewundert habe. In den ersten literarischen Erzeugntffen Goethes habe Shakespeare noch keine Stätte, erst mit der Straßburger Zett komme drsien Einfluß mächtig zur Geltung. In Weimar ging dann Goethe als Letter des HoftheaterS an die Jnscentrung Shakespeare'jcher Stücke tn richtigen, von thm selbst herrührenden Bearbeitungen,- als Inbegriff der Shake- fpeare'schen dramatischen Kunst erschienen ihm seine Tragödien. — Ein Vergleich beider Dichter ergibt, daß Shakespeare inmitten des Volks stand und aus der Empfindung uud der Lebensbetrachtung der Gesellschaft heraus dichtete, daß ihn eine großartige Objectivität tn seinen Darstellungen auS- zeichnete, daß seine Werke ein geschloffenes Ganze find usw., während bei Goethe überall daS Menschliche und Persönliche in den Vordergrund tritt, daS — im Gegensatz zu Shakespeares Historien — keiner Erklärung bedarf/ während Goethes Dichtungen Spuren ständiger Umarbeitung zeigen, in feinen Werken die individuelle Freiheit des Schaffens auf Schritt und Tritt zum Ausdrucke kommt usw. Letzteres bezeugt vor Allem das Werk, an dem er zwei Generationen lang arbeitete, das Gesammtbild seiner ganzen Lebens- und Weltanschauung, der „Faust", in dem die Vielheit seine- Wissens zur Einheit zusammengefaßt erscheint. Shakespeare ist vor allem Dramatiker, Goethe Epiker. Die Rede schloß, auf den heutigen Festtag überleitend, mit einem dreifachen Hoch auf Großherzog und Großherzogin, daS jubelnd erschallte. — Sicherem Vernehmen nach tritt Baurath Ferdinand Becker, der oberste Beamte deS Maschinenresorts der Main-Nlckar Bahn, der am 27. November sein 50jähriges Dienstjubiläum begeht, alSdann in den Ruhestand. Die Stelle wird von Baden neu besetzt werden. Zur Ehrung der Verdienste des Herrn Becker veranstaltet die Centralwerkstätte am Samstag in der Brauerei „Zum Schützenhof" ein Fest, die Beamten der MaiwNtckar-Bahn werden ebenfalls eine Festlichkeit abhalten.
Ferrilleton.
Da« Probejahr.
Don E. Reinhold.
(2. Fortsetzung.)
Der wackere Oberkellner trollte fich uud ich blieb zurück, stolz auf «eine Idee und beglückt durch das Lob des er- fahreneu Gastronomen. Eben wandte ich mich den dickleibigen Cootodücheru zu, um mich ein wenig über die Geschäftsführung zu orieutiren, da wurde die Thür zu meinem Zimmer aufgeriffen.
„Mann, stad Sie denn ganz von Sinnen?" schmetterte mir Alwine mit ihrer durchdringenden Stimme entgegen. .Wozu dieser wahofinntge Aufwand? Bowle und Schnittchen? Da» ist ja ein himmlischer Anfang! Der Schwager wird -sich freuen/
Jetzt war der Augenblick da, den ich im Stillen ersehnt, ijetzt konnte ich mich in meiner ganzen Größe zeige«.
»Mamsell," — die Anrede kränkte sie, daS wußte ich __ .Mamsell," sagte ich mit ruhiger Würde, „Sie haben üb der Küche zu sehen, wie'- gemacht wird, daS heißt, daß >tS ordentlich gemacht wird, das ist Ihre Pflicht. Was gemacht wird, habe ich zu bestimmen, denn ich bin der Herr. DaS merken Sie fich. Berichten können Sie, was Sie wollen, ich laste mich dadurch nicht abbrtngen von dem, was iich al» recht erkannt. Und nun, wenn ich bitten darf, Mamsell, gehen Sie an Ihre Arbeit und laffeu Sie mich bet »her meinigen."
Alwine wurde erst käseweiß, dann blutroth, aber sie fsagte nichts, sondern ging stumm hinaus und ich blieb zurück mit dem wohligen Gefühl gesättigter Rache. Eine leise An- Wandlung von Reue, ob ich vielleicht zu scharf gewesen, be- fschwtchtigte der Gedanke, daß ich. in memer Hausherrenwürde angegriffen, lediglich in der Rothwrhr gehandelt. Ueber- MeS: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Seil. Sie Hatte mich auch nie sanft ungefaßt.
Der Abend kam und mit ihm, wie der Oberkellner geweiSsagt hatte, stellten fich die alten Stammgäste ein. Ich hielt mich in der Nebenstube auf, bis der Oberkellner mir winkte, daß die Tafelrunde vollzählig sei, dann betrat ich die Gaststube und zwar gerade in dem Moment, als ein würdiger alter Philister sein BierglaS gegen das Licht hielt und dem Oberkellner zurief:
„Na, Wilhelm, wollt Ihr denn den Sa . s. ff noch weiter führen?"
„Bravo," rief ich herantretend, „daS war der rechte Name für die alte Fuchsjauche. Rein, meine Herren, daS wollen wir nicht, in ein paar Tagen haben Sie hier einen feinen Tropfen Bier, dafür garantirt Ihnen der neue Wirth, den Sie in Lebensgröße vor fich sehen und der hiermit fich die Freiheit nimmt, sich Ihnen vorzuftellen."
In demselben Augenblicke setzten die Kellnerburschen die Riesenbowle mit der entsprechenden Anzahl Gläser auf den Stammtisch.
„Nanu, wa» ist denn das?" rief eS von allen Seiten.
„DaS, meine Herren," erklärte ich feierlich, „ist der WillkommenSgruß, den der junge „Weiße Fuchs" seinen lieben Gästen bietet. Nehmen Sie die Gläser, ich bitte Sie, und stoßen wir an auf ein feucht-fröhliches Einveraehmeo für die Zukunft."
Lauter Jubel folgte meiner Rede.
„Bravo, daS heiße ich fich gut einführen," rief ein alter Weißbart mit dröhnendem Baß, und dann saß ich in der Mitte meiner Stammgäste als Wirth und machte die Honneurs. ES wurde ein sehr lustiger Abend und sehr spät trennten wir uns.
Ich war Überglücklich, denn jeder hatte mir heute Abend mindestens ein dutzendmal versichert, ich fei ein Wirth oomme il kaut. Und nun kam noch der Oberkellner, um mich nach meinem Gemach zu führen. Denn ich — ich war ja mit der Oertlichkeit meines Hotel» noch nicht so vertraut.
„Ra, Herr Schultz, einen bessere* Wirth als Sie
konnte der „Weiße Fuchs" gar nicht bekommen," meinte der brave Kerl.
„Wirklich, Wilhelm?" fragte ich ihn, ihn selig anlächelnd. „DaS — daS schreiben Sie meinem Schwiegervater."
„Was soll ich?" fragte Wilhelm erstaunt.
„Mei — meinem —" da stolperte ich und siel hi« und etwas großes Graues rauschte an mir vorüber, ich glaubte, leine Riesenfledermaus.
„WaS — was — war — daS?"
„Die neue Mamsell, Herr Schultz, sie ging wohl nach ihrem Zimmer."
Ich war wie mit einem kalten Wasserstrahl übergossen und gänzlich nüchtern plötzlich. Ich sagte kein Wort weiter, bis ich allein in meinem Zimmer war. Dort brach ich in ein höhnisches Gelächter ans. Den Bericht, den Alwine über mich nach Hanse schicken würde, möchte ich sehen. Na, nur zu! Mit einem Fluch auf den Lippen schlief ich ein.
In der Nacht hatte ich dann einen wunderlichen Traum. Ich hatte mein Probejahr mit Glanz absolvirt und wein Schwiegervater führte mir die Braut zu/ als ich diese aber ansah, warS nicht Rosel, sondern Alwine, und wie auS weiter Ferne hörte ich ein spöttische» Gemecker. Natürlich pro» testirte ich, Alwine wurde abgeführt, eine andere Frauengestalt mir vorgestellt, und al» ich hinsah, war» doch Alwine, und so ging daS fort, bi» daS Erwachen mich erlöste. Der Traum trug nicht dazu bei, mich gegen die Tante meiner Braut freundlicher zu stimmen.
Der erste Tag meine» neuen GastwirthberufeS war also vorüber. Die nun folgenden brachten viel Arbeit. Wir waren mitten in die Reisesaison hineingekommen, da hieß e» fich tüchtig tummeln. Erft kam mir die Geschichte spanisch vor, aber bald machte fie mir wirklich Spaß, als ich merkte, daß der „Weiße Fach»" wieder in die Höhe kam.
(Fortsetzung folgt.)
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