Ausgabe 
27.10.1896 Zweites Blatt
 
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T>k Gießener yamifitMlfätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Zweites Blatt. Dienstag bat 27. October

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Gichener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

vierteljähriger Avonnemcnlrprci«: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

-chntflrahe Ar.7.

Fernsprecher 51.

Arnts- und Anzeigeblutt für den Kreis Gieszen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den falgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr.

Hratisöeikage: Gießener KamitienSkätter.

Alle Annoncen-Burcaux deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Zn Nieder - Eschbach, Nieder - Mörlen und Ober-Erlenbach, Kreis Friedberg, ist die Maul» und Klauenseuche ausgebrochen und dieserhalb Gehöftsperre ver­fügt worden.

Gießen, den 24. October 1896.

Großherzogliches KretSamt Gießen.

________________I. B.: Dr. Melior. _______

Die landivirthschaftl. Haushaltungsschule

zu Liudheim, Provinz Oberhefsen.

Die zu Ltndheim seit 6 Jahren bestehende Haushaltung-- schule de« laudwirthschaftlicheu Vereins für die Provinz Oberhefsen steht unter Oberleitung und Verwaltung des laudw. Bezirk-Vereins Büdingen und eines OrtScomitöS zu Ltndheim und hat die Aufgabe, Mädchen im Alter von 16 bis 20 Jahren die Gelegenheit zur Aneignung derjenigen Kennt­nisse und Fertigkeiten zu geben, welche zur Führung einer wohlgeordneten, einfachen bäuerlich-bürger­lichen Haushaltung erforderlich find, fie an Reinlichkeit, Pünktlichkeit und Fleiß, Ordnung und Unterordnung, sowie an Sparsamkeit im Haushalt zu gewöhnen, und auch auf Geist und Gemüth bildend etnzuwtrken.

In dieser Lehranstalt erhalten die Mädchen Unterricht und praktische Anleitung im Kochen, indem die Unterweisung hierin abtheilung-weise an zwei Kochherden erfolgt und auf die Erlernung der Zubereitung einer schmackhaften und kräftigen sogenannten Hausmannskost gerichtet ist, im Eonservtren von Nahrungsmitteln, wie Einmachen von Gemüsen und Früchten, Etnsalzen von Fleisch, Räuchern von Fletsch und Wurstwaaren, im Backen, im Waschen, in der Behandlung der Wäsche und Kleidung, im Bügeln, Putzen, im Molkereiweseu und zwar in der Behandlung der auS dem Orte Liudheim bezogenen Milch und Bereitung von Butter und Käse in der, in dem AnstaltSgebäude eingerichteten kleinwirthschaftltcheu Molkerei, in der Bestellung und Ausnutzung des Gemüsegartens, sowie Unterricht in der Zucht und Pflege de- Geflügels. TS werden ferner die Mädchen in der Fertigung weiblicher Handarbeiten

gründlich unterwiesen, und zwar im Stricken, Flicken, Stopfen und Wetßnäheu mit der Hand und der Maschine, und erhalten Anleitung zum Kletdermachen, wobei fie sich für den eigenen Bedarf und für denjenigen ihrer Familie beschäftigen dürfen. Auch wird in den Fortbildung-fächern, nämlich im Rechnen, tu der Abfassung von Aufsätzen und Briefen und in der Buch­führung Unterricht ertheilt, wie auch Unterweisung in den Anfangsgründen der Gesundheit», und Krankenpflege erfolgt.

GS ist in der Anstalt für eine getst- und gemüthSbtldeode Lectüre gesorgt und wird der Gesang gepflegt. Ein Elavter ist der unentgeltlichen Benutzung der Mädchen überlassen.

Die unmittelbare Leitung der Anstalt ist einer Vorsteherin (Hausmutter) und einer Assistentin (Jndustrtelehreriu) über­tragen, welche beide in dem AnstaltSgebäude wohnen. Außerdem ertheilen in der Anstalt noch ein LandwirthschastSlehrer und ein Bolksschullehrer Unterricht. ES finden jährlich zwei Unterricht-curse von je 5 Monaten statt, in welchen jede Schülerin für Unterricht, Wäsche und LogiS 20 Mark bei dem Eintritt und für Kost und Verpflegung pro Tag 90 Pfg. in Monatsraten praenumerando am 1. jeden MonatS schuldet und zu entrichten hat. Außerdem find noch etwaige Ausgaben für Arzt und Apotheke zu bestreiten.

vom Tage de- Eintritt- an, also während deS LursnS, dürfen die Mädchen ohne Erlaubt,iß oder Auftrag der Hau-mutter außerhalb der Anstalt nicht verkehren und haben fie fich der eingeführten Hausordnung unweigerlich -u fügen. Insbesondere ist ihnen auch Ehrerbietung, Ge­horsam und Unterordnung gegen da- AufstchtS- und Lehr» personal, Freundlichkeit, Verträglichkeit und liebevoller Verkehr untereinander, und endlich Treue, Fleiß und Sorgfalt bei den Arbeiten zur strengsten Pflicht gemacht.

An Sonn- und Feiertagen werden die Mädchen veranlaßt, den Gottesdienst ihrer Confesfion zu besuchen, wobei die Hau-mutter bezw. die Assistentin die Begleitung übernimmt. Morgens vor dem Frühstück, vor und nach dem Mittagessen und Abends vor dem Schlafengehen findet gemeinsames Gebet statt.

Besuche von Eltern und Schwestern sind gestattet, solche anderer Personen nur unter Begleitung eine- Mitglied» des OrtScomitüS.

In die Anstalt find mitzubringen:

1 Bettdecke, ein Unterbett, 1 Kiffen (Bettstelle und

Matratze werden gestellt), 1 doppelter Ueberzug, 1 weißer Bettüberwurf, 3 Betttücher, 6 Hemden, 4 Handtücher, 2 Bettjacken, 1 Kleiderbürste, 1 Schuh, bürste, 1 Zahnbürste, 1 Regenschirm, 1 Nähstein, Zeug und Leinwand zur Anfertigung bezw. Unter­haltung von Kleidern, Hemden und Bettwäsche, Wolle und Garn zu Strümpfen und Socken »c. und 2 Vorhängschlößchen.

Am Schluffe de» EursuS findet eine Ausstellung der gefertigten Arbeiten, die Uebergabe von Zeugnissen über Betragen und Leistungen, sowie eine feierliche Entlastung der Schülerinnen statt, wozu deren Eltern und Angehörigen eingeladen werden.

Der erste Cursu» pro 1897 beginnt Montag den 4. Januar 1897 und wird Montag den 31. Mai desselben Jahre- geschlossen werden.

Die Meldungen hierzu find bei dem unterzeichneten vor­fitzenden de- landwirthschaftlichen Bezirksvereins Büdingen unter gleichzeitiger Angabe des Bor- und Zunamens, des Tages, Monat» und Jahre- der Geburt und des Wohnort- der Schülerin und deS Namens der Eltern oder des vormund- schriftlich einzureichen.

Beim Eintritt in die Anstalt hat eine jede Schülerin ein ärztliches Zeugniß vorzulegen, das fich über ihren Gesundheitszustand, sowie weiter darüber aussprechen muß, daß gegenwärtig keine ansteckende Krankheit in ihrer Familie und bei deren Hausbewohnern bestände.

Lindheit«, den 1. October 1896.

Der Vorfitzende de- landwirthfchaftl. Bezirk-verein-.Büdingen. Klietsch, Geh. RegieruugSrath.

Da- Ortscomits:

Westernach er, Oberamtmann. Frau Westernacher. Buß, KretSschulinspector. Lipp, Bürgermeister. König, Beigeordneter.

THEE-MESSMER

BERÜHMTE MISCHUNGEN M. t.BO * 3.50 PB. PFUND. PROBEPACKETE CO * BO PF.

KruMeton.

Wir Bnkrl Johnny ?u seiner /ran Kam.

Erzählung von O. Sandor.

(Nachdruck verboten.)

Schon al» Kinder hörten wir nicht- lieber, al» wenn Vater un- von Onkel Johnny und seinen ehemaligen Flegel­streichen erzählte. Ein durchtriebener Bengel war er nach BaterS Schilderungen von dem ersten Paar Höschen an ge­wesen, und als er herangewachsen, war vollends Hopfen und Malz an ihm verloren gewesen. Als ihn sein dritter Prin­zipal au» der Lehre jagte, schickte ihn der Großvater (Onkel Johnny war nämlich BaterS jüngerer Bruder) nach Amerika, wo er nach mancherlei abenteuerlichen Irrfahrten fich in The Delle- im Staate Oregon niedergelassen hatte und wo­selbst er noch heutzutage einen schwunghaften Handel mit Elavteren und Särgen, Herren-Garderoben und Colonial- Maaren, kurz, mit allen denkbaren Artikeln betrieb, der ihn schon seit Jahren zu einem wohlhabenden Manne ge­macht hatte.

Niemand interesfirte fich mehr für Onkel Johnny als ich. vielleicht rührte das von einer Art Wahlverwandtschaft «nserer Seelen her. Wenigsten- pflegte Vater, wenn ich ein unter aller Kanone schlechte- Zeugniß nach Hause brachte ober Klagen über zerschlagene Fensterscheiben einliefen, jedes­mal grimmig zn murmeln:Genau wie Johnny."

Onkel Johnny hatte schon mehrere Male geschrieben, daß ich, fall- ich Lust zum Auswandern verspürte, nur ge­trost auf ihn zusteuern sollte- aber Vater wollte anfangs obwohl ich Feuer und Flamme für Onkel Johnny und Amerika war nichts von diesem Plane wissen. Deßhalb gab er mich nach meiner Eonfirmation zu eine« Material- waarenhändler in die Lehre, in dessen HauS ich Lehrling, Hausknecht, Commis, Dienst- und Kindermädchen in einer Person war. Sine» Tage» sollte ich den Ladenfußbodeu scheuern, und da mein älterer College und Leidensgenoffe mich bei dieser Beschäftigung hänselte, nah« ich den nassen Aufnehmer, um ihm einen Schleudrich an die Ohren zu ver­setzen. Zn« Unglück verfehlte der Haderlump sein Ziel und flog statt meinem Collegen dem eben eintretenden Prinzipal I

an den Kopf. Da ich auch bei der Frau Prinzipaliu ver­schiedene Unthaten auf dem Kerbholz hatte, brachte dies Letzte die Bombe zum Platzen, und das Ende vom Liede war, daß ich aus der Lehre gejagt wurde.

»Ganz der Johnny/ rief der Vater verzweiflung-vott, nachdem er mir handgreiflich seine Meinung zu verstehen gegeben hatte. Weil nun aber doch nicht» Gescheite» mit mir zu machen war, beschloß man endlich, meinem Wunsche -u willfahren und Amerika, resp. Onkel Johnny mit meiner werthen Person zu beglücken.

Nun, Niemand hat Ursache gehabt, diesen Entschluß zu bereuen, ich selbst am wenigsten.

Onkel Johnny, ein famose» altes Hau» so um die Fünfzig, aber noch stattlich und wohlcouservirt mit amerikanischem Kopf und deutschem Herzen, empfing «ich mit offenen Armen und gab mir Alles in Allem die Stelle eine» Sohne».

Schon nach wenigen Monaten war ich in alle Kniffe und Tric» de» amerikanischen GeschäftSleben» eingeweiht und sah ebenso blafirt und geringschätzend auf die Einrichtungen der gölten* Welt herab wie Onkel Johnny selber.

Da» Einzige, waS mir an Onkel Johnny fehlte, war, daß er keine Frau besaß. Sein comfortable» homo wäre mir nach einmal so behaglich gewesen, hätte eine gemüthliche, behäbige Tante darin geschaltet.

Du solltest Heiratheu, Onkel/ sagte ich eine» Tage».

Er nickte.Wäre nicht abgeneigt. Aber woher nehmen und nicht stehlen? Ich meine so eine . . . keine von den eingeborenen Gänsen hier zu Lande . . . calcultre, daß Du Dir später auch nicht die Finger verbrennen wirst, Junge . ."

Onkel Johnny reflectirte also auf eine deutsche Fran, und da ihm solche nicht gerade über den Weg lief, blieb er lieber Junggeselle. Ich bedauerte da-, wußte aber in diesem Falle keinen Au-weg, dem Uebet feiner Unbeweibtheit ab­zuhelfen.

Mit meinem dretundzwanzigsten Jahre machte Onkel Johnny mich zum Theilhaber seine» Geschäft-. Meine Ver­hältnisse gestatteten e» wir nnn, mir eine eigene hübsche Wohnung einzurichten, in der mir öfter der Gedanke kam, daß e» auch für wich nicht Übel wäre, wenn ich eine junge, heitere, liebenswürdige Lebensgefährtin hätte. Und meine

Gedanken schlugen in diesem Punkte immer eine bestimmte Richtung ein.

Kurz vor meiner Eonfirmation war daS Häuschen, dessen Garten an mein elterliches Befitzthum grenzte, an eine von auswärts zugezogene Dame mit ihrem Nichtchen verkauft worden. Die Dame lebte sehr zurückgezogen, machte und empfing keine Besuche und ging saft nie aus. Ich wenigsten» hatte fie nie gesehen. Desto öfter sah ich die kleine Nichte, ein reizender, blonder Käfer mit blauen Augen und einem füßen, weißen Gesichtchen, im Garten hautiren, bald Pflanzen begießend, bald Unkraut jätend oder Gemüse brechend.

DaS kleine Mädchen gefiel mir schon damals ausnehmend gut. Bon meinen Schwestern erfuhr ich, daß sie Riekchen Wallau heiße, und meine Mutter sprach oft darüber, wie nützlich fich die Kleine stet» zu beschäftigen wisse und daß dies Kind fich gewiß einst zu einem guten HauSfrauchen ent­wickeln würde.

Als ich Riekchen zum letzten Male sah, trug sie bereit» lange Kleider und ging in die ConfirmatiooSstunde. Ich hatte nie ein Wort mit ihr gesprochen, aber wenn ich an meine künftige Frau dachte, stand mir immer da- Bild de» lieblichen Mädchens vor Augen.

AIS ich in einem Briefe an meine Mutter gelegentlich einmal auf den Busch klopfte, erfuhr ich, daß die beiden Damen wirklich noch dort wohnten, Riekchen aber anscheinend ebenso menschenscheu geworden sei als ihre Tante, denn wie diese sähe man fie nie vnd nirgend», als höchsten- bei ihrer Beschäftigung im Garten.

Nicht» war mir angenehmer zu lesen al- diese Mit- thetltmg. Nach kurzem Zaudern entschloß ich mich, echt amerikanisch resolut varzugehen und Riekchen ohne weitere Umstände meine Hand anzutragen.

Ich schrieb ihr also eine« Tage» einen langen Brief, worin ich ihr meine lange gehegte Neigung für fie gestand, ihr meine Verhältnisse darlegte und fie bat, hierherzukomweu und meine Frau zu werden. Wenn fie die Einsamkeit der langen Reise scheute, wollte ich auch kommen und sie holen.

(Schluß folgt)