1896
Amts- uitb rlnzeigeblatt für den Tireis Gieren.
chratisöeikage: Gießener Kamikienötätter
«
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1. Die Herzspitze wird bet der Systole der HerzbafiS genährt, ein systolischer Spitzenstoß im Sinne von Skoda (al- Vorstoß) existirt also nicht, höchstens rin systolischer, seitlicher Herzschlag.
2. Die Entleerung des Herzens geschieht bei jeder Systole nicht in großem Umfange, was bei 4000 Pumpstößen in der Stunde und bet 24stündiger Arbeitszeit auch kaum nöthig ist, um die nöthige Menge srischen Blutes in den Kreislauf zu bringen.
3. Bet tiefer Inspiration wird das Herz vom Zwerchfell abgehoben.
Die Versuche gelingen am Besten bet jugendlichen und mageren Individuen und eS sei bemerkt, daß nur oft und lange als Versuchspersonen mißbrauchte Individuen unter dem Röntgen Licht leiden.
In der Abtheilung Geburtshilfe und Gynäkologie be- sprach Professor Dr. v. Herff-Halle eine seltene Form des Krebses beim Weibe und knüpfte daran Bemerkungen über die Häufigkeit der Ueber-Jmpfung deS Krebses bei Ope- rationen. Insbesondere betonte er, daß diese Weiterver- breitung nur sehr selten und schwierig erfolgen könne.
In der Abtheilung für Neurologie und Psychiatrie sprach Profeffor Dr. Siemerling-Tübingen über die „Lage- Verhältnisse deS TrochleariS- und OculomotoriuS- Kernes". Der Trochlearis Kern ist die directe Fortsetzung des Oculo- motonus.Kernes, geht in seinem proximalen Theil zum Theil Verbindungen mit diesem ein. Beide Trochlearis-Kerne stehen centralwärtS durch eine Eommisiur in Verbindung. Daher werden bei einseitiger Lähmung infolge von Kern« Affcctiouen beide Kerne ergriffen.
In der Abtheilung Unfallheilkunde und gerichtliche Medictn sprach Profeffor Dr. Seydel-Königsberg über „Petroleum-Vergiftung". Seydel führte zwei Fälle von tödtlicher Vergiftung bet jungen Kindern durch geringe Mengen verschluckten Petroleums und mehrere Fälle von Betäubung und nachfolgender Erkrankung durch Petroleumdämpfe an. Arbeiter find durch Dämpfe bei hoher Luft- temprratur in Tanks und an Pumpen besonders gefährdet.
In der Abtheilung für Tropenhhgiene sprach Dr. med. Schön-Berlin über „die Blattern in Afrika und die Schutz- pocken-Jmpfung daselbst." Der Vortragende schilderte die Nothlage der eingeborenen Bevölkerung Afrikas durch die Verbreitung der Blattern. Nach eingehender Erörterung der Schwierigkeiten, welche sich der Schutzpocken-Jmpfung daselbst entgegenstellen (Unzulänglichkeit von Personal, Verkehrsmitteln, Bevölkerungsnachweis, schwierige Beschaffung von wirksamem Impfstoff) und der in den verschiedensten Colonien bisher angewandten Mittel, diese zu überwinden, empfahl Redner Heranziehung von nichtärztltchen Personen zum Jmpfgeschäft, Entsendung von Jmpf-Expeditioneu, Be- schrankung der Arm zu Arm Impfung, Gewinnung von Thier- lymphe an Ort und Stelle sowie Versuche über Couser- vtrung deutscher Versand-Lymphe.
In derselben Abtheilung berichtete StabsarztDr. Wibemann -Kehl über chirurgische Beobachtungen in Ostafrika und rühmte die große Widerstandsfähigkeit und Zähigkeit der etnheimschen Raffe, ihre Wundheilungs-Energie und geringe DiSpofitiou für Wund- und JnfectionSkrankheiten.
In einem Vortrage über Blut-Parasiten bei heimischer und tropischer Malaria kam Martne-Assiftenz-Arzt 1. Klaffe Dr. Ziemaun-Lehe u. A. zu solgeuden Schlüffen: 1. Die Zeltheilung der heimischen, sogen. Tertian-Parafiten ist eine karpokinetische (d. h. der Kern zerfällt in Stäbchen, die nach Bildung sogen. Diaster-Formen sich wieder zu neuen Kernen zusammenballen.) Formen ohne Kerne find als unfruchtbar zu bezeichnen. Diese These wurde durch Präparate bewiesen. Bisher war die Zeltheilung noch umstritten. 2. Die Malaria- Parasiten find an den Aufenthalt in den rothen Blutzellen gebunden, wenigstens die zur Fortpflanzung kommenden. 3. ES kann eine durch die kleinen Parafiten deS Tropenfiebers bedingte Malaria mit tägigen Intervallen auf- treten, welche sonst nur auftritt durch die Parasiten der heimischen Malaria. 4. ES gelang ihm, durch prophhlak- tische Blut-Untersuchungen an Bord S. M. S. „Hyäne" in Westafrika in über 50 pCt. der Erkrankungsfälle die Malaria- Jnfection bei Zeiten zu erkennen und durch sofort angewandte Chiningaben zu heilen. 5. Es kommen außer den Malaria-Parasiten in den Tropen im Blute auch noch andere eigenartige Gebilde vor, zum Theil mit deutlicher Bewegung begabt, über deren Natur sich noch nichts Genaues sagen läßt.
In der Gection sür Unfallheilkunde und GerichtLmedicin zeigte Dr. L. Goldstein-Aachen, wie wichtig es ist, bei in ihrer Aetiologie unsicheren Fällen von Gelenk- und Knochen- erkrankungen eine Prüfung der Reflexe unb, des Verhaltens der Pupillen vsrzunehmen. Nicht gar so selten wird man
i«8. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte.
Frankfurt a. M., 25. September 1896.
Nach der angestrengten Thätigkeit, welche gestern in i div verschiedenen Sitzungen entfaltet wurde, hatten die Theil- i mimer noch ein gut Stück Vergnügen zu bewältigen. Im ’^ujtBngaxten wurde ein gemeinschaftliches Abendessen, Ijiirfirjt durch gute Toaste, eingenommen und ein großer <$:H wurde den Ansprüchen der jüngeren Elemente gerecht. --?lm Nachmittag vergnügten sich die Damen am Forsthaus.
In der gemeinsamen Sitzung der Inneren Medicin mit d!«Physiologie sprach Dr. Kuhn-Gießen über „Die große SBIti’utung der Metallspiralen zu diagnostischen und thera- pMchen Zwecken in der klinischen Medicin" und betonte rmrutlich ihren Werth sür die Diagnostik des Abdomens rai diS Magendarm-Canals.
In derselben Sitzung sprach Profeffor Dr. Benedikt- SBtn über: „Die Herzthätigkeit in Röntgen-Beleuchtung". 8 versuche ergaben, daß ein leeres Herz bei Betrachtung euMfit deS Kahlbaum'schen BeleuchtungSschirmeS stark durch- fiftinenb wird. Den meisten Widerstand leistete anhaftendes 5 Siai. Dünne Schichten Blutes werden bald unsichtbar- t :ßt! Schichten geben einen starken Schatten. Darum sehen salbst die größten Gefäße nicht, wohl aber gefüllte Säcke e mtlttrler Gesäße (Aneurysmen). Bet Durchleuchtung der SW eine- Lebenden wird die Blutsäule innerhalb des ^MNiS andauernd und im Anfänge das Herzfleisch sehr tffilidj) sichtbar. Letzteres wird dann undeutlicher und durch s! t.i« fortwährende Gestaltsveränderung entsteht eine Art von g lüfytiribem, flatterndem Nebel. Die Bewegung kann aber bttÄmd durch die Sichtbarkeit des Blutes beobachtet werden. 6hitr||ie6t sich vielfach im Widerspruch mit den bisherigen AIMuungen aus der Beobachtung:
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■Jlt. 22» Drittes Blatt. -^Soiwtog de» 27. September
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Die Gießener A.«ikte«5tLt1er iktden dem Anzeiger -^chintlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeiger
Generat-Wnzeiger.
auf eine Rückenmarkaffcction des Kranken, der durch eine geringe Gewaltwirkung etwa eine Fraktur erlitten hat, stoßen. Die Bemerkungen über die EntfchädigungSpflicht bei solchen Verletzten und über die Ursachen der betreffenden Krankheiten überhaupt riefen eine lebhafte DiScussion hervor.
In der Abtheilung für innere Medicin sprach Profeffor Dr. v. Strümp ell-Erlangen über die Ursachen der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Diese Krankheit beruht oft auf einer angeborenen abnormen Veranlagung, oft steht sie mit nervösen Störungen und Veränderungen der Blutgesäße in Zusammenhang. Praktisch richtig ist die Thatsache, daß bei starken Biertrinkern nicht selten Diabetes auftritt.
In der Abtheilung „Physik und Meteorologie" hielt Profeffor Neesen-Berlin einen Vortrag über: „Röntgenröhren". ES wurde zunächst betont, daß der Vortragende die Priorität sür die Reflexion der Kathodenstrahlen an einem geneigten Spiegel und die cylindrische Form der Ent- ladungSröhre hat. Die Angabe, daß die Kathodenstrahlen durch die Reflexion an bet sptegelnben Fläche in Röntgen- strahlen umgewanbelt werden, ist unrichtig, weil die Strahlen auch nach dieser Reflexion magnetische Einwirkung erfahren. Die Energie der Röntgenstrahlen wurde durch den Aether- Calorimeter gemessen. Zur Erklärung für die Wirksamkeit sind die rasch aufeinanderfolgenden Ladungen der Austritts- stelle der Kathodenstrahlen anzusehen, welche sich z. B. in Funken äußern, die man aus einem angenäherten Platinschirm ziehen kann. Später aber constatirte Neesen eine Quecksilberluftpumpe. In einer anderen Sitzung derselben Section sprach Profeffor Neesen-Berlin über „Blitzableiter". ES wurde zunächst darauf hingewiesen,daß die Behauptung, wonach ein schlechter Blitzableiter schädlich für das betreffende Gelände fei, unrichtig ist. Die Unzweckmäßigkeit eines Blitzableiters könne wohl den Blitzschlag nach bestimmten Stellen des Gebäudes lenken, aber die Wahrscheinlichkeit für den Eintritt eines Blitzableiters nicht erhöhen. Sodann wurde die Frage angeregt, ob besondere Fangspitzen nöthig seien, die vom Vortragenden verneint wurde. An die Ausführungen schloffen sich Bemerkungen über die Prüfung der Blitzableiter.
Heute Morgen neun Uhr fand eine GeschäftSfitzung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte statt, in welcher Braunschweig zum nächstjährigen Versammlungsort gewählt wurde. Zum ersten Vorsitzenden für das nächste Jahr wurde Professor v. Lang-Wien, zu Stellvertretern Geh. Rath Wald ey er -Berlin und Wirklicher AdmiralitätS- rath Ne umey er - Hamburg gewählt. Nach Mittheilungen Virchows beträgt die Höhe des Trenkler-FondS 94,000 Mk. Auf Anregung Wal d ey erS soll im nächsten Jahre darüber dtScutirt werden, ob nicht nur alle zwei Jahre die Naturforscher-Versammlung abgehalten werden soll. Hieran reihte sich die wiffenschastliche Schlußsitzung.
Profeffor Dr. med. Max Verworn-Jeua hielt einen Bortrag über: „Erregung und Lähmung". Redner kritisirt die neovitalistirteu Strömungen der Physiologie und verlangt chemisch-physikalische Erklärung der körperlichen Lebens-Erscheinungen. Das Studium der Reizwirkungen, der ErregungS- und LähmungS-Erscheinungen verspricht in dieser Richtung einen Fortschritt. Allgemeine Reizgesetze liefert nur eine vergleichende Cellular-Physiologie. Diese Gesetze find schon jetzt geeignet, manche dunkle Vorgänge im menschlichen Nervenleben, besonders BewegungShemmuug, Hypnose, Schlaf zu eT$CtIDr. med. Ernst Below - Berlin sprach sodann über die „practischen Ziele der Tropenhhgiene". Den Schluß der Vorlesungen bildete der Vortrag von Geh.-Rath Prof. Dr. Karl Weigert - Frankfurt a. M.: „Heber neue Fragestellungen in der pathologischen Anatomie". Geh.-Rath Moritz Schmidt - Frankfurt a. M. theilte mit, daß 2670 Theilnehmer-Karten gelöst und 540 Vorträge gehalten wurden. ES wurde ein Danktelegramm aus dem kaiserlichen Cabinet für die Begrüßung verlesen. Geh. - Rath von Ziemssen - München dankte der Geschäftsführung und brachte ein Hoch auf die beiden GenoflenfchaftSführer, die Stadt Frankfurt a. M. und die Damen. Hierauf schloß Geh.-Rath Moritz Schmidt - Frankfurt a. M. die 68. Bet- sammlung deutscher Naturforscher und Aerzte.
Der heutige Nachmittag und der SamStag sind Ausflügen gewidmet.
Amtlichem Theil.
Gießen, den 26. September 1896. kkti.: Landtagswahlen.
Srotzherzogliche Kreisamt Gießen ai die Großh. Bürgermeistereien Albach, Allen- ftotf a. d. Lumda, Allertshausen, Beltershain, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Climbach, «eil'shanfeu, Gießen, Göbelnrod, Grüuberg, Karbach, Holzheim^ Kesselbach, Lauter, Linden- strnth, Londorf, Lumda, Odeuhanfeu, Queckborn, Mein hardshaiu, Reiskirchen, Saasen, Stangenrod, Steinbach, Stockhausen, Treis a. d. Lumda und Weickartshain.
Nachdem die Offenlegung der Wählerlisten stattgefunden Zinnern wir Sie, unter Bezugnahme auf unser Au«, gelten vom 26. August (Gießener Anzeiger Nr. 203), Bnau,. daß die genannte Liste der betr. Gioßh. DistriciS« Liimchmeret und dem Gemeinde-Einnehmer unter dem Ersuchen Mjuiiheilen ist, die Namen derjenigen darin aufgeführten DtisEN, welche mit der Entrichtung ihrer Staatssteuer, xitt salls sie zu einer solchen nicht herangezogen find, ihrer Lima unalsteuer länger als 2 Monate sich im Rückstände mfiaden, in der Spalte „Bemerkungen" mit „St. R." bezw. w|. R." mit rother Tinte zu bezeichnen und Ihnen die Liste lew unverzüglich zurückzugeben. Seitens der Gemeiude- Binmehmer dürfen nur solche commuualsteuer- wflichtige Personen als Restanten bezeichnet werden, welche eine Staatssteuer überhaupt nicht entrichten.
Die Wahl der Wahlmäuuer haMiernach, wie •um um» bereit« am 26. August d. I. versügt,
am Montag den 5. October
wilzi finden und find dann die Wahlprotocolle mit allen Wlaxrn und den in verfiegeltem Umschläge beizufügenden > Stimmzetteln unverzüglich an den bestellten Wahlcommiffär .i-iizust-nden, da die Adgeordneten-Wahlen am Mittwoch
14. October stattfinden sollen.
NlS Wahlcommiffäre find: für die Provinzial-Hauptstadt tSiegeln der Großh. Provinzialdirector Freiherr v. Gagern :|ifl6iiegen, für den 3. Wahlbezirk der Provinz Oberheffen, z,» we lchem aus dem diesseitigen Kreise Holzheim gehört, der - Schh. KreiSawtmann SÜffert in Friedberg, und für den -K, Wmhlbezirk (zu welchem die übrigen obengenannten Ge- ,Minden gehören) der Großh. RegierungSrath Dr. Melior tim Hießen ernannt worden.
v. Gagern.
Kunst-Ausstellung, ‘Ä-.
nähme deS SamStagS, von 11 btS 1 Uhr, am Mittwoch auch noch von 3 bis 5 Uhr. «ountagS urmuterbroche« vo« 11 M« 3 uh,. — Eintrittspreis für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfg., an Sonntagen 20 Pfg.
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