Ausgabe 
27.5.1896 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1896

Mittwoch den 27. Mai

M 122 Zweites Blatt

^5**

Amts- und Anzeigeblutt für den ttreis Gieren.

Hrattsöeikage: Gießener Jamilirnblätter

I Gießen eine Generalversammlung des li Bezirksvereins Gießen abgehalten werden.

grrr» smitnUohpr h?a ranhinirthfdiaftüd

1.

2.

3.

0

29l*/<

*

90

0 0

0 4o/o Wmb. Rata!

5 6*/o Snbtrol DK

20

20

me Don Anzeigen zu der Nachmittag» für den pdpicn Tag erscheinenden Nummer bi» Sonn. 10 Uhr.

Alle Lnnoncen-Bureaux de» In« und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

60

60

SO

40

Wi Oestm. Br 40/e Ung. Wta 8°/o Pottngirsa 6°/: Mrxicvier 4°,o 2RonopoU@d*

:J>0

.70

:so L60

,90

jft 25 so .30 .60

Der

GM«-r Anzeiger nci ät täglich, n ra! Abnahme de» :1intag».

t »Gießener

MsniittenStälter »na« !»em Anzeiger WtStzrl«h dreimal kqgdcgt.

/

Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen BezirkSvereinS und der OrtSvereive, sowie alle Freunde der Laudwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch freundlichst ein-

geladen.

Die Herren Bürgermeister werden ergebenst ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern deö Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und auf möglichst zahl­reichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.

Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und Nothstände.

So grell und scheinbar unversöhnlich in unserem ge- sammten socialen und wtrthschaftlichen Leben auch die Gegen« sätze auf einander stoßen, so macht sich in dem gewaltigen Jntereffenkampfe doch auch oft mit großer Macht die Erkenntmß Bahn, daß gerade die großen Contraste, die ganz ungleiche Ver- theilung von Licht und Schatten, es find, welche den Weg zu schönen, socialen und humanen Reformen zeigen. So ist auf diese Weise für den kranken, verunglückten und invaliden Arbeiter die Kranken-, Unfall« und Invaliditäts-Versicherung entstanden und um gewissermaßen noch die letzte Lücke auf dem Gebiete der socialen und wtrthschaftlichen Reformen für die Arbeiter auszufüllen, ist mau jetzt in verschiedenen Kreisen bemüht, auch noch die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit einzusühren. Wir bemerken ausdrücklich, daß dieses Ziel zunächst nicht durch ein Reichsgesetz erreicht werden kann, weil es dazu noch au den nöthigen stattstischen Untersuchungen fehlt, welche eine Grundlage für einen Gesetzentwurf abgeben könnten. Auch sind in Bezug auf die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit überhaupt große Bedenken vorhanden, daß diese Frage eine reichSgesetzltche Lösung auS politischen, finanziellen und wtrth«

Gießen, den 23. Mat 1896.

Bern.; Ermittelung der landwirthschaftlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrags im Jahre 1896.

Mt GrotzherzogNche KreiSs«t vietzen

en He Sttto« BftrgerwHUt** M SMM-

$i< in früheren Jahren, hat auch im laufenden Jahre vieildneti e Ermittelung derlandwirthschaftlichenBodenbenutzung undi'drö -Ernteertrags ftattzufiuden.

Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 23. Januar 181891 - Anzeiger Nr. 23 fordern wir Sie auf, mit der ÄuiMiuig der Ueberfichten alsbald zu beginnen.

3ui Durchführung dieser dem Interesse der Landwirth- chai?si timenden Erhebungen ist eine aus feld« und sachkundigen Perr^mv bestehende Commission zu bilden und empfiehlt eS ilch i, röizlichst wieder dieselben Personen in die Commission u juilmriti, welche bereit» früher bet Aufnahme des Ernte- ert-mzS lthätig waren.

M erforderliche Formular wird Ihnen in zwei Exem- -jin am fiiit jede Gemarkung mit der nächsten Post zugehen. DaLt eine Exemplar dient als Concept und ist bei Ihren Ac«l,i°>mr späteren Benutzung aufzubewahren, daSandere aber narMrmngSmäßiger Ausfüllung bis spätestens 1. November d. i Zs. an uns etnzusenden.

v. ®agern.

Virttkljährig« Pmtntibptttoi

2 Mark 20 Pfg. mit Bringkrlohn.

Durch dir Post vczoge» 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Lxpkdilia» und Druckerei:

Achmrftrntz-Ar.7.

Fernsprecher 5L

etwas altfränkischer Stil, kein flotter Strauß'scher Walzer, sondern zierlicher Menuettschritt I Wer da glaubte, die Herren Schönthan und Compagnon verstünden sich in ihren Schwänken nur auf das Allermodernste, dem beweistComteß Guckerl das Gegentheil. Auch ein Stückchen aus dem Anfang dieses Jahrhunderts wisien die Herren zierlich auSzuschnetden. Man sieht geradewegs hinein in daSCarlSb ad", wie es zur Zett von Goethes Kuraufenthalt gewesen sein mag, als noch Metternich hohes und kleines Beamtenwesen regelte und nach Eger, dem heutigen Eisenbahnknotenpunkt für die böhmischen Bäder die gemüthltche Post ging. UebrigenS habe ich mir sagen lasten, daßComteß Guckerl" nirgends so großen Applaus errungen wie vor dem CarlSbader Badepublikum, weil ihr hier der genius loci außerordentlich zu statten "omm^lsLustspiel-, alsdramatische" Arbeit betrachtet, ist die Leistung der Herren Schönthan und Koppel-Ell- f eld freilich herzlich unbedeutend und verträgt schwerlich den Maßstab einer ernsten Kritik. Aber als harmloser Amuse« mentsscherz istComteß Guckerl- mit seinem glücklichen In« stinkt für Local- und Zeitfarbe bet allen Freunden einer an« genehmen, frischen Unterhaltung, zu welcher man, wie der Kunstausdruck lautet,auch Damen mitbringen kann sehr am Platz.

Die Rollen halten sich im gewohnten Fahrwaster und fallen hauptsächlich dankbar auS für die Trägerin der Titel­rolle, welche in Frankfurt Frl. Land ort gab, und deren Partner, welchen Herr Bauer zu vertreten hatte.

Am Componistenhimmel und noch dazu am deut« scheu ist ein neuer Stern aufgegangen, und derselbe heißt HanS Pfitzner, der gleich den früheren Romantikern in den unerschöpflichen Sagen- und Legendenhort altdeutscher Vorzeit herabtaucht und sich in der Mär vomArmen Heinrich", dem einst Hartmann von der Aue für seine ritter­liche Welt clasfische Gestalt geliehen hat, die poetischen An- reger sucht. DaS von Laien und Kennern sympathisch aus«

Tagesordnung:

Vortrag des Herrn GeneralsecretärS Dr. Rode­wald von Offenbach über die Organisation der Landesrindviehzucht nach den Beschlüsten des Landes- auSschuffeS der landwirthschaftlichen Vereine des GroßherzogthumS vom 15. und 16. Mai 1896.

Vorlage der Rechnung des landwirthschaftlichen ve- zirkSveretnS Gießen pro 1895/96.

Borlage des Voranschlags des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen pro 1896/97.

Gießen, den 23. Mat 1896.

Der Director des landwirthschaftlichen BzirkSvereinS Gießen. C. Jost, RegterungSrath i. P.

101.60

103.90

101.30

10140

genommene Werk wird wohl tu nächstem Winter über die Frankfurter Opernbühne gehen, vorläufig war es der Lieder- componist Hans Pfitzner, welcher in einem besonderen Abend für den Operncompontsten Bahn brach. Die Lieder, welche wir bei dieser Gelegenheit zu hören bekamen, können den feinen Melodiker, der seine Wirkungen jedoch niemals durch ungewöhnliche, gesuchte Wendungen erreicht. Daß Pfitzner sich originaler musikalischer Gedanken bewußt ist, beweist er dadurch, daß er kein Bedenken trägt, Gedichte wie:Wohin ich geh' und schaue" oderImmer leiser wird mein Schlummer", die bereits ihre Meister gefunden (Mendelssohn, BrahmS) nochmals in die Tonsprache zu übersetzen. Einen interes- santen Ersatzmann für den Frankfurter Heldentenor Herrn BandrowSki hatte in dieser Woche Herr Adolf Basser- mann aus Darmstadt in der Rolle desPropheten- zu stellen. Der noch junge Künstler, der eine gewiste Verwandt- schäft mit Alvarh hat, beherrscht seinen Part stets mit einer eminenten schauspielerischen Gewandtheit, die seine Leistungen noch bedeutend machen wird, wenn die Stimme ihren finn- lichen Klangreiz etngebüßt haben sollte. Die große Meyer- beer'sche Effectrolle giebt ihm ein glänzendes Material zur Entfaltung seiner mimischen Fähigkeiten.

Mit dem Tode der hochverdienten Clara Schumann hat ein feinsinniges Capitel in der deutschen Musikgeschichte seinen definitiven Abschluß erreicht. Die große Meisterin des Clavier- Vertrags, die verständnißvolle Gattin eines gottbegnadeten Genius, den ein dunkles Verhängntß zu früh seiner Laufbahn entriß, die hochgebildete Lehrerin sie ist nicht mehr! Aber daS, was sie ihrer Zeit, einem großen Kreise Genießender und Mitstrebender gewesen, daS bleibt unvergesten und 6t8 zu einem gewissen Grade auch erhalten.DaS war noch zu Clara Schumanus Zeiten!" Mit solchen und ähnlichen Aussprüchen werden die Nachlebenden sich noch immer dankbar und pietätvoll des geistigen Vermächtnisses eriuuern, daS diese Frau den Jüngern der Kunst gestiftet hat.

103.-

102.20

117.403

421.70

157.30

46-

167.- 157-60

153.70

119.70 224/» rtS./P

Schöffen und k.

H

We am W,

>

boÄ

DtpN SE 6^5

ZE pM w* «*»* w*

cN5

K

Bekanntmachung.

DienStag de» 2. Juui 1896, Nachmittags

«8 «Mr, wird aus LonyS Felsenkeller (Westanlage) zu

begrüßt werden. __

Deutsches Seich.

Berlin, 23. Mai. Der Kaiser nahm gestern inPröckel- witz den Vortrag deS Chefs deS MarinecabtnetS, Fretherrn v. Senden - Bibran entgegen, welcher gestern Früh von dort nach Berlin zurückretste. Heute Früh 8 Uhr hat der Kaiser die Mckreise angetreten und traf um 8 Uhr 53 Mtn. in Marienburg ein, wo derselbe kurzen Aufenthalt zur Be­sichtigung der dortigen RenovattonSarbeiten in der Hochburg nahm. Die Reise wurde von Marienburg gegen 10 Uhr Vormittags fortgesetzt- die Ankunft deS Kaisers auf der Wtldparkstation erfolgt heute Abend kurz vor 6 Uhr.

Die Nachricht, daS Kriegsministerium beabsichttge die Errichtung einer eigenen Militärdruckerei, wird von derPost" bestätigt. Den ersten Anstoß dazu

Gießener Anzeiger

Generat-Htnzeiger.

Feuilleton.

Frankfurter Dries.

(Origkwlbericht für DenGießener Anzeiger".) (Nachdruck verboten.)

Wkilauae von der Friedensfeier. 2. Comteß Guckerl im St^klhaufe. 3. Coucert Pfitzuer. 4. Adolf Baffermauu s al«Prophet". 5. Clara Schumann t-

Dr. M. Frankfurt har jetzt Muße, sich von den Fest- der FriedenSfeier auszuruhen und in der Erinnerung da^Hllttbte nochmals allfeittg zu durchkosten. DaS Bewußt- fehlt lein Einheimischen und Fremden ein solch pompöses - BgW y äußerem decorativen Aufputz und harmonisch ge- oltiMer FeiertagSftimmung geboten zu Haben, hebt da» SsWn'sühl eines Gemeinwesens und vor Allem eines solchen, daLD:ie Frankfurt auf eine lückenlos gefügte Kette erhabener vistMcher Erinnerungen zurückblickt und von dem eS iin lenem E V.-S das Jahr 1870/71 noch nicht kennt, heißt:Und an: Im Main erpranget nun eine werthe Stadt, die reich ift iiüc Güter und edle Bürger hat." Frankfurt ruht sich auutti°L- gibt der Zahl der Durchreisenden, die es berühren, beMiche Zett, sich in völliger Ruhe daS schöne, ehrwürdige Kerhindenkmal zu betrachten, welches am Tage der Ent- viel zu sehr von Gutrlandenschmuck und Deputationen belitai; war, als daß e» Einem möglich gewesen wäre, eS aituffl Wien formalen und geistigen Gehalt hin genauer; zu prM Der Platz um das in günstigster Lage aufgestellte MSscmktnt wird in den Vor- und Nachmittagsstunden kaum

Zm Theater gibtS augenblicklich keine extraordinären EvLü-Me, aber eine freundliche Ueberraschung hat man dem S^nlipublikum durch die Einftudirung vonComtesse ©Äaiinil" bereitet. Wie urgemüthlich Wienerisch schon der TkNliuutet! Und diesmal rechtfertigt ihatsächlich der Inhalt di^: Mette. Wiener Lustigkeit, zwangloser Humor, aber

T(f*W 'bti

o und Wiis^

fertige FleischhG^

SelterL. » und diejenige i [v

Bade-Iii

Sotten n Erinuerung, onntags geol bericht hj Giessen, H Dom 23. Mai W

2lmtlid?cr Thcll.

Rr. 11 de»Reichs-Gesetzblattes, ausgegeben den21.d.M., entMl:

(Rr. 2302.) Bekanntmachung, betreffend den Betttitt No ÄiegenS zu der am 9. September 1886 zu Bern ab- .3ricfeilen Uebereinkunft wegen Bildung eines interuatio- .>nl«i VknbandeS zum Schutze von Werken der Literatur und iuM. Wom 16. Mai 1896.

(Re. 2303.) Bekanntmachung, betreffend die Verein- barcrag «leichternder Vorschriften für den wechselseitigen Der- rb'. o jivilichen den Eisenbahnen Deutschland- und Luxemburgs. Boi» 17. Mat 1896.

tieften, den 23. Mai 1896.

Groftherzogltche» Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

158.75 , 179.70 4 148.30 5 153.30 3> 186---0

0 3,/i°/o$omi*l& 10 40/^.860.4(16,8.

isorteo

Frenz. Benkn-la Oesten. dto.

Americ.___

.Verbindung ihnhof unbiuriht Mof und M,, ewald und zuckt

catze10^,

p-.

ttst Dom °

eine @tnt«I6*n8 M .-°dw.r.h,ch.stUch-« I

durch die Strike», also durch die gewollte Arbeitseinstellung, direct und indirect entsteht. Aber dennoch kann in der Frage der Versicherung gegen Arbeitslosigkeit so viel geschehen, wenn die Lösung derselben durch Vereine oder auch durch engere BerufSgenoffenschasten erstrebt und durch humane Unterstützung seitens edler Menschenfreunde gefördert wird. ES gibt in dieser Weise sogar schon einige Beispiele von Versicherung gegen Arbeitslosigkeit in Deutschland. So ist am 7. Mär- in Köln am Rhein ein VersicherungS-Verein gegen Arbeitslosigkeit im Winter gegründet worden und hat alsStadtkölnische VerficherungSkaffe gegen Arbeitslosigkeit im Winter" die Genehmigung deS Oberprästdenten erhalten. Diese VerficherungSkaffe lehnt sich an die ältereAllgemeine ArbeitSnachweiS-Anstalt", deren Vorsitzender auch dem Vorstände anaehört, an. Die Stadt Köln unterstützt diese Besttebung lebhaft, und Oberbürgermeister Becker ist satzungSmaßig ebenfalls Vorstandsmitglied. Jeder Versicherte muß wöchent­lich 25 Pfg. beitragen und zwar mindestens 34 Wochen im Jahre, auch muß er ihm angewiesene Arbeit, selbst außer seinem gewöhnlichen Berufe liegende, übernehmen. Von 240 Bürgern find bereits 64000 Mk. als Geschenk gezeichnet, doch glaubt man damit noch nicht auszukommen, und eS liegt in diesem Angewiesensein auf dergleichen Unterstützungen ein wesentlicher Unterschied dieser und der gewöhnlichen Ver­sicherung, welche lediglich auf Mitgliederbeiträgen, sonach der Selbsthilfe, beruht. Was die Kasse leisten wird, laßt sich im Voraus nicht sagen, immerhin müffen solche Bestrebungen der Wohlhabenden, den Armen zu helfen, stets mit Freude

206.80 3

15520,

109.90 ä