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©er chtehener Anzeiger erscheint täglich, mU Ausnahme de» Montags.
Die Gießener P-Mitt-nStLIter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigrlrgt.
Zweites Blatt. Donnerstag den 27. Februar__________________
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
1896
vierteljähriger AVonaementsprei»« 2 Mark 20 Psg. mR Lrmgerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.
-Kdaction, Expedits und Druckerei:
Kch»kstraßeDr.7. Fernsprecher M.
Amts- und Airzeigeblatt für den Avers Giefzen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für bei folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.
Hratisöeitage: Gießener Jamilienötätter.
--■' ■. ------- 1
Alle Annoncen-Bureaux de» In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Hmtiiriycr Theil.
Bekanntmachung,
dein ff nd: Lieferung des Bedarfs an Heu, Stroh und Hafer.
Nach einer Mittheilung deS König!. Proviantamts zu Frankfurt a. M. hat daffelbe im vergangenen Jahre deu gelammten Bedarf an Heu, Stroh und dem bis jetzt noth- weodiqen Hafer ötncl von Landrnirthen angekauft.
Für die Monate März und April d. I. bleiben jedoch roch größere Mengen Hafer zu beschaffen und machen wirkte Jatereffenten auf diese günstige Gelegenheit hierdurch besonders aufmerksam.
Die Mittheilung, welche Landwirthe von dem vorstehenden Anerbieten Gebrauch machen wollen, kann an unS oder direct an da» genannte Proviantamt erfolgen.
Die Grohh. Bürgermeistereien deS Kreises werden beauftragt, vorstehende Bekanntmachung auf ortsübliche Weife zur Kenntniß der Jntereffenten zu bringen und die Namen der letzteren in vorbezeichneter Weise der genannten Behörde bekannt zu geben.
Gießen, den 25. Februar 1896.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung, betreff enb: die Auszahlung der Gehalte und Pensionen rc. der Staatsbeamten.
Rach § 49, Absatz 3, der Instruction für die fiscalischen Lasfebeamten vom 17. September 1893, sind alle dienstlichen Bezüge der Beamten — einschließlich der im Dienste gemachten Vorlagen, der Sterbequartalsbezüge, sowie der Wittwen- und Gnadengehalte — bei der zahlenden Kasse in Empfang zu nehmen, wenn diese am Wohnort bt6 Bezugrberecht gten ihren Sitz hat. Unter Abänderung Lib im Stadtbezirk Gießen seither eingehalt nen Verfahrens 2>ird auf Verfügung Großh. Ministeriums der Finanzen iunftig eine Uebermittlung an die hier wohnenden oben Bezeichneten Bezugsberechtigten seitens der unterzeichneten Etelle nicht mehr erfolgen. Dieselben werden demgemäß hierdurch aufgefordert, ihre Bezüge bei Fälligkeit an den Wochentagen (außer Montag) von 9—12 Vormittags oder 2-4 Nachmittags bei unserer Kasse gegen Quittung
in Empfang zu nehmen. Diese Anordnung tritt sofort | in Kraft.
Gießen, den 21. Februar 1896.
Großherzogliches Rentamt.
Rübe.
Der Krieg von 1870|71,
reschildert durch Ausschnitte cn8 ZettuugS - Nummern jener Zeit.
(Nachdruck verbot«.)
27. Februar.
Die Friedenspräliminarien enthalten die Abtretung von Elsaß außer Belfort, von Deutsch-Lothringen einschließlich Metz; eine Kontribution von 5 Milliarden Francs wird in drei Jahren gezahlt und so lange bleiben Theile Frankreichs außerhalb der neuen Grenzen besetzt. — Die Festung Belfort ist allerdings ein Zugeständniß an Frank' reich, es wurde aber erkauft durch den Einzug in Paris und durch die Abtretung der Gemeinden von Marie aux Chines und Dionville an Deutschland. Die Schlachtfelder des 16. und 18. August vor Metz verbleiben daher in deutschem Besitz, die theuren Tobten ruhen in deutscher Erde. So wäre denn auch endlich der furchtbare Kampf zwischen den beiden größten Culturvölkern der Erde beendigt, denn daran, daß die Nationalversammlung in Bordeaux diesen vorläufigen Abmachungen ihre Zustimmung ertheilen wird, ist nicht zu zweifeln, umioweniger zu zweifeln, als Frankreich immerhin noch sehr günstige Bedingungen erzielt bat. Wir Deutschen aber würden die schwerste Ungerechtigkeit gegen das Schicksal begehen, wollten wir wegen des Verzichts auf Belfort auch nur einen leisen Mißton in die allerorts aufsauchzende Friedensfreude klingen laffen. Wie reich hat uns doch dieser Krieg gemacht: zwei geraubte Provinzen sind unser und unser olteS Deutsches Reich ist in Hellem Glanze neu und geschenkt. Welch verwirrende Erfolge! Und doch, im engen Stübchen wird manche W ttwe, manche Mutter, welchen der grausame Kampf baß Theuerfte geraubt hat, den Frieden und den Friedenspreis für zu theuer erkauft finden. Kein anderer Trost läßt sich den Armen spenden, als daß auch ihr Leid die Zeit mildern wird. Wir Anderen aber, die wir froheren Herzens zum Siegesfeste ziehen, wir wollen es mit Ernst nnd ohne Prahlerei begehen und eingedenk deffen, daß das deutsche Volk in seiner sittlichen Fortbildung nicht ruhen und rasten darf, das schwer Erkämpfte zu erhalten und sich deffen würdig zu zeigen.
Die Pariser Regierung laßt unter« 27. Februar amtlich bekannt machen, daß der Einzug der Deutschen tu Parts am Mittwoch den 1. März erfolgen wird. Die Zahl der Truppen wird 30000 Mann nicht übersteigen und werden dieselben Paris nach Ratification der FriedenSprälimt« norien wieder verlaffen.
Vermischte-.
• „Bediene Dich selbst!" ist der neueste kategorische Jmperatw, deffen sich Berlin erfreut. Die Einrichtung, welche „The Quistsana Company" in der Leipzigerstraße getroffen hat, ist nützlich und angenehm. Dort ist daS Institut der Kellner ein schlechter Witz von gestern. RrngS im Raum stehen Automaten, sehr hüdsch in Weiß und Gold gehalten und mit Patten geziert, die den jewe'ligen Inhalt allegorisch anbeuten. Da gibt eß außer Bröbchen auch Sherry und Cognoc, Portwein und Madeira, und waS noch mehr sagen will, selbst warme Getränke. ES ist sehr ergötzlich, zu sehen, wie sich Kassie und Thee dampfend ix das Schälchen ergießt, kein Tröpfchen zu viel und kein Tröpfchen zu wenig. So ist die Technik stetig im Wachsen; wenn eS auch der Appetit der Berliner ist, werden bte Unternehmer ebenso wie ihr Publikum zufrieden fein. Besonders, da fie einen Automaten nicht aufgestellt haben — einen Automaten für Trinkgelder.
♦ Beinahe. Am Morgen nach dem Verschwinden Dr. Fritz Friedmanns fertigte, wie ein Berliner Gerichts- berichterstatter meldet, bte Staatsanwaltschaft vom Landgericht I eine Verfügung aus, durch welche die Affervaten- kammer-Berwaltung angewiesen wurde, die Summe von 60 000 Mark an Dr. Fr. Friedmann auszuzahlen, bte dieser als Caution für einen seiner Clienten hinterlegt hatte. ES bedurfte nur seiner Unterschrift, um die Caution abzuheben. Diese Unterschrift konnte er natürlich nicht mehr leisten, ba er auf Reisen gegangen war. AIS feine Flucht endlich bekannt wurde, erfolgte sofort die Aufhebung der Verfügung.
* Plauen fr. B., 21. Februar. Der „Voigtl. Anzeiger" meldet: In Asch wurde die ganze Familie Feiler, bestehend aus fünf Personen, durch Einathrnen von Kohlenoxyd-GaS vergiftet. Zwei Töchter der Familie find tobt, die beiden Söhne blieben bisher bewußtlos. Die Mutter, die zeitweise das Bewußtsein wieder erlangt har, sagte a.s, fie habe ihre beiden Töchter, die mit ihr in einem Bette lagen, sterben sehen, habe aber nicht die Kraft gehabt, fich zu rühren ober einen Laut von sich zu geben.
Feuilleton.
Redscteursteiden.
Humoreske von M. Anderssen.
(Nachdruck verbot«.)
„Ich würde mir doch wahrlich an Deiner Stelle nicht «Int letzten Haart auSreißen," sagte Dr. Steiner, ein bekrönter Kritiker der Hauptstadt, zu seinem Freunde, dem Lstfredaeteur eines vielgelesenen B atteS. „Entweder drückst Du ein Auge zu und nimmst den Roman oder Du läßt baß Bannfctipt schleunigst an die werthe Adr«sie der Absenderin Mckqehen."
Dr. Fischer, der Chesredacteur, windet fich sörmlich auf lehtm S'tz vor dem Schreibpult.
„Ich kann weder daS eine, noch baß andere thun," »klärte er stöhnend, indem er schon wieder in sein stark ge- Ihfteteß Haupthaar fährt.
„Ein dritter Fall ist aber ausgeschlossen," meinte #i. Steiner. „Versüße die Pille so viel als möglich, aber bastele Dich schleunigst von dem OpuS."
»Du hast eben keine Schwiegermutter, Freund, deren Mlllche für Dich Befehle find. Die meinige läßt sich mit i'Mftfeten Pillen nicht abfinden. Da gibt eß keine Winkel- jfije. Sie hat mir baß Manuskript persönlich übergeben, 1 ei ber Bitte, eß in meinem Blatte abzudrucken. Die Der- * Herrn, Fräulein Bertha Lohgerber in Birnbaum, Pseudonym lAetlhalda Tannin, ist ihre Jugendfreundtn und hat zu dieser letzlin Verzwetflungßthat ihre Zuflucht genommen, um ihr 1 BtrF,. baß jedenfalls weiter und öfter gereift ist olß sie selbst, । ii ben Mann zu bringen."
„Sie müßte wegen ErpreffungSoersuch in Anklagezustaud r «setzt werden "
„Unb nun bedenke, daß meine Schwiegermutter sechs iBid)rR hier bleibt, — daß fie keine Mahlzeit vorübergehen llLß whve mehr ober minder zarte Anspielungen ans baß •werfaomte, unterdrückte Talent ihrer Freundin, dem auf*
zuhelsen einfach Menschenpfllcht wäre. Auch meine Frau beginnt bereits mit mir zu schmollen, weil ich mit meiner Entscheidung noch immer Hinterm Berge halte. Sie glaubt zwar meiner Versicherung, daß der Roman von Berthalda Tannin blödfinnigeß Z ug sei, aber sie behauptet, ich könnte ihn „der Mama zu Liebe" immerhin bringen. Eß würde viel Blödfinn gedruckt und honorirt."
„Damit hat fie recht. Thue eß getrost auch einmal — um deß lieben Hausfriedens willen."
Dr. Fischer springt erregt auf und beginnt im Redaciionß- zimmer hin- und herzulauten.
„Ich kann nicht! Ich kaon nicht!"
„Nun, vielleicht ließe fich die Einwilligung Fräulein Lohgerbers — unter irgend einem Vorwande — erlangen, bie redaktionelle Feile an baß OpuS zu legen. Ich würde Dir gerne behilflich sein."
„Unmöglich! Eß ist zu hirnverbrannteß Zeug! In Grund und Boden verfahren. Schon dieser Titel: „„Die Dreimännerbraut"".
„Was?"
Nachdem Dr. Fischer grollend den Titel wiederholt hat, bricht der Kritiker in etn schallendes Gelächter auß.
„Köstlich 1 Einzig!" erklärte er bann. „Fräulein Lohgerber hat daß Conversationslexicon um eine Vokabel bereichert. Unb in btefer männerarmen Zeit treibt die Heldin einen derartigen Luxuß?"
„O — damit begnügt sich diese Tannin für ihren Romantitel noch nicht. Er heißt: „„Die Dreimännerbraut ober Der Vampyr.""
Dr. Steiner lachte so herzlich, daß ihm bte Thränen über die Backen rollen.
„Mit welcher Grabesstimme er baß vorbringt! — Mensch, thu mir ben einzigen Gefallen unb gib mir einen AnSzug beß Werkes mit dieser Leichenbittermiene. Mir ahnt eine großartige Zwerchfell Erschütterung und nichts ist mir gesünder als diese."
„Nicht deßhalb will ich eß thun," entgegnete verdrießlich
der Redactenr, „aber Du sollst überzeugt werden, daß an diesem Stoffe Hopfen und Malz verloren ist."
„Hast Du ihn auch genug intus?*
„Seiber ja! Ich muß gestehen, daß ich «och nie ein Manuscript so genau studirt habe, wie bteseS von der Schwiegermutter empfohlene."
„Also — bte Dreimännerbraut. Kommen alle biefe drei Männer zum Vorschein?"
„Natürlich. ES find sehr verschiedene Charaetere. Man kann fie kurz bezeichnen: erstens der Lederne, zweitens der Biedere, drittens der Glühende."
„Den letzten bevorzugt fie wohl?"
„Nein, den mittelsten."
„Nun, steh mal, da scheint die Geschichte ja eine recht moralische Tendenz zu haben. Aber ich bitte jetzt nm beß Referat im Zusammenhänge."
Behaglich läßt Dr. Steiner fich nieder wie in Erwartung eines besonderen Genuffes. Er zündet fich eine C'garrette an. Der Redactenr lehnt sein Anerbieten einer solchen mit ärgerlichem Kopfichütteln ab.
In geschäftlich referirenbem Tone beginnt er:
„Em Kltppersch'ff schaukelt sanft auf den von einer leichten Brise gehäufelten Wogen beß Oceans —"
„Ein Klipperschiff?" wiederholte Steiner.
„Allerdings. Diese Tannin war zwar mit keinem Beine je zur See, aber fie mußte doch einen Seerowan schreiben. Aber weiter. „Aus dem Hinterdeck ruht bte Huld- gestalt einer jungen Frau. Eß ist die zarte, lichtbionbe, überirdisch schöne Lilian. Um sie herum gaukelt ihr elfen» gleiches, vierjähriges Töchterchen, die süße NeÜy."
„aber was haben die beiden auf dem Klipperschiff zu suchen?"
„Sie stelle» die Gattin und die Stieftochter beß Capi- tänß vor, beß famose« „TenselS-Harry."".
Gorisetzuug folgt.)


