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26.8.1896 Zweites Blatt
 
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Mittwoch tat 26. August

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Gießener Anzeiger

Generat-Mnzeiger.

Amts- imb Ai»ze»s«bl«tt für den "Kreis «Kiefzen.

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Nachrichten über den Saatenstand im Grotzherzogthum Heffen

um die Mitte des Monats August 1896.

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Bemerkungen: Die häufigen Niederschläge der letzten Wochen hab!«« bis Erntearbeiten, die nunmehr allenthalben beendigt find,

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Kettilleton.

Das Land drr schwarten Berge.

Don Milan Babic.

(Nachdruck verboten.)

Die Montenegriner find serbischen Stammes und ihr Pa-Mud bilden die steilen Felsengebirge oberhalb des D e-MseuS von Cattaro, zwischen Albanien und Bosnien, weUch schon seit Jahrhunderten bet den Venezianern Mon- tenmyo hießen, während eS in der MutterspracheTscherna- goriiai* genannt wird, waS übrigens daffelbe wie Montenegro, näoWSchwarze Berge" bedeutet. Es umfaßt 9000 QiZsuiralktlometer mit etwa 240,000 Einwohnern.

Vie Montenegriner schreiben ihre Unabhängigkeit von sehitr «litt Zeit her. Nach PliniuS und Livius lebten hier die Berten, welche bei dem Kriege der Römer gegen den letztz« KSuig Illyriens, GenttuS, sich mit den Römern ver- bamw, die ihnen als BuudeSgevoffen ihre Unabhängigkeit lteß-ia. Erst zum abendländischen Reiche gehörig, kamen sie uvdv lScptfer Jnstinian zum oströmischen Reiche. Im neunten Jatschn-bert kam der ager Labeaticus an das serbische Rekßunid wurde von den Ungarn, Benetianern und Türken in ' Wpr ach genommen, bis dieses Berglaod nach der Schlacht bei lOoffabo im Jahre 1389 der Türkei tributpflichtig wurde. BiSHvlle» herrschten jedoch besondere Fürsten, bi» Sultan

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Mahmud II. 1459 dem serbischen Reiche ein Ende machte ijjgW anbfi Mowtenegro zur türkischen Provinz wurde, die aber in *** forvwLhrundem Kampfe mit ihren Unterdrückern blieb, bis

\ V s^e Si gu Anfang des 18. Jahrhunderts den Benetianern libenWb. Aber durch den Frieden von Paffarovitz 1718 'J/ wurutst st« aufs Neue der Pforte unterworfen, wobei es un-

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sehr gestört; vereinzelt ist auch Auswuchs bei Roggen und Gerste vorgekommen. Sehr vortheilhaft war die feuchte Witterung für Knollen- und Wurzelgewächse, sowie für Klee (auch Luzerne) und Wiesen. Di« Weinberge dagegen gehen zurück, und die Rebmkrank- heiten nehmen überhand. Besonders stark tritt Oidium Tackeri aus.

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o Mendorf a. d. Lda., 24. August. Herr Dr. Röschen, welcher kürzlich in Londorf einstweilen seine Praxis begann, wird sich in nächster Zeit in unserem Orte als practischer Arzt dauernd niederlassen, indem er hier bereits zu diesem Zwecke ein Wohnhaus käuflich erworben hat.

+ Elimbach, 23. August. Das heutige Fahnen­weihfest des hiesigen Gesangvereins nahm unter Bethetli- gung von neun Gesang- und zwei Krtegervereinen einen schönen Verlauf. Nachdem der Festzug den ca. 200 Meter vom Dorfe prächtig gelegenen, waldumsäumten Festplatz er­reicht hatte, hielt Herr Lehrer Räder eine packende An­sprache, in welcher er besonders die Bedeutung des deutschen LtedeS hervorhob. Eine ceremonielle Weihung der Fahne sand nicht statt, da letztere schon drei Jahre im Gebrauch gewesen ist und daS Weihefeft demnach ein verspätetes war. Die Liedervorträge können wohl alle als gut gelungen be­trachtet werden.

x Keffelbach, 24. August. Von der hiesigen Stein- sägeret werden in Zukunft die Steine mittelst Eisen­bahnwagen auf einem besoudern Geleise nach Station Londorf gebracht, um von dort aus alsdann gleich mit der Eisenbahn weiter befördert zu werden. Die Actten-Gesell- schast, welche die vor mehreren Jahren neu angelegte Stein- sägeret besitzt, hat in jüngster Zeit noch ein Gebäude auf- richten lassen, in welchem durch eine Klopfmaschine Steine zerkleinert werden sollen. Bis Ende des Jahre sind noch 8000 Cbm. solcher Steine an die neue Bahnstrecke Friedberg HungenNidda zu liefern. Die seit Anfang dieses Mo­nats im Betrieb befindliche Nebenbahn GrünbergLondorf wird von mehr Personen benutzt, als man geglaubt hatte. Thalabwärts würde aber die Personenbeförderung, wenn die Strecke LondorfLollar erst gebaut wäre, eine viel stärkere sein.

Aus dem Ohmthal, 24. August. In den Orten unseres Thale« begegnet man, namentlich an Sonntagnach- mittagen, einer um diese Jahreszeit seltenen Erscheinung, dem Htnaustreiben des Viehes auf die Weide. Im obern Vogelsberg geht wohl daS Vieh den ganzen Sommer über auf die Weide, da dort überall große Weidestücke, die sonst keinen Nutzen gewähren, vorhanden sind, hier aber zieht man mit dem Vieh erst nach Beendigung der Grummeternte zur Weide. Daß dasselbe nun jetzt schon geschieht, liegt in dem überaus schlechten Grasbestand vieler Wiesen, namentlich der Triften und Bergesabhängen. Obwohl die Witterung

geachtet immerwährender Aufstände auch blieb, so daß Mon­tenegro, nach dem zwischen der Türkei und Oesterreich im Jahre 1791 geschloffenen Frieden als türkische Provinz an­gesehen, zu dem Paschalik Janina geschlagen wurde. Doch die tapferen Montenegriner fühlten die türkische Herrschaft wie ein schmachvolles Joch und führten gegen die Türkei wiederholt glückliche Kämpfe, so daß sie seit 1795 als un­abhängiges Volk unter russischem Schutze angesehen wurden, da Rußland unter dem Vorwande einer Unterstützung deS Gottesdienstes ihnen bedeutende Geldsummen sandte und noch jetzt sendet.

BiS Anfang der 50er Jahre unseres Jahrhundert- war die weltliche mit der geistlichen Macht tu einer Hand ver­einigt, der Bischof (Wladika) war der Herrscher und hielt seinen Hof zu Cettinje in einem Kloster unfern eines ThurmeS, auf welchem Türkeuköpfe als Trophäen aufgestellt wurden. Er herrschte unumschränkt, denn wenn er auch einen Senat zur Seite hatte, so wurde derselbe doch von ihm selbst ernannt, und er fragte ihn nur um seine Meinung, wenn er dazu Lust hatte, uud er fragte ihn gar nicht, wenn er etwa Widerspruch befürchtete. ES herrschte eine heillose Unordnung im Lande und erst der letzte Wladika brachte mit eiserner Strenge, mit Hängen und Todtschießen, Ordnung in die Verwaltung.

Die theokratische Regierungsform ist seit dem Jahre 1852 einer absoluten erblichen Monarchie gewichen- dem Fürsten (Gospodar), seit 1860 Nicola I. Pietrowitsch-Njegusch, steht die Kleine Skuptschina mit sechs Ministern zur Seite, in besonders wichtigen Fragen wird auch die Große Skuptschina etuberufeu. In Montenegro ist daS Volksheer zur Thatsache geworden, denn alle männlichen Montenegriner

seit Wochen schon regnerisch ist, war es doch nach der H eu ernte zu lange trocken, sodaß der Grasbestand auf leichten Wiesen verdorrte und vertrocknete. Ein Mähen dieser Wiesen zu Grummet ist nicht möglich, deshalb benutzt man sie zur Weide. In den feuchten Grundwiesen steht das Grummet­gras nicht schlecht, dow dürfte die Grummeternte im All­gemeinen nur mittelmäßige Ergebniffe liefern. Die Haus­butter, die während des Sommers sehr tief im Preise stand man bezahlte nur 60 Pfg. für das Pfund hat eine bemerkenSwerthe Preissteigerung erfahren- daS Pfund wird jetzt mit 80 Pfg. bezahlt. Diese Preissteigerung der Hausbutter ist um so auffallender, als doch so viele Molke­reien vorhanden find, welche bedeutende Lieferungen haben.

4- Nidda, 22. August. Gin Sattler, Jost, aus Schotten veranlaßte Ende März d. I. eine MetzgerSfrau dahier, unter dem falschen Vorwande, deren Manu habe ihn geschickt, zur Hergabe eines seitens des Letzteren vorher ihm abgeschlagenen Darlehens von 18 Mk. und wurde dteserhalb von dem hiesigen Schöffengerichte zu 6 Wochen Gefängniß verurtheilt. Ein Häfnermetster von Unter-Schmitten, welcher beschul­digt war, Töpfergeschtrre in einer Weise hergestellt zu haben, daß ihr Gebrauch der Gesundheit schaden könnte, wurde von dem Schöffengerichte für nicht schuldig befunden und kostenlos freigesprochen.

4- Nidda, 24. August. Gestern Abend etwa um 10 bis 11 Uhr verschwano in bis jetzt unaufgeklärter Weise eine dem Bäcker ßm ut h gehörige Kuh aus ihrem Stalle- erst heute Morgen konnte das im Feld aufgefangene Thier seinem Herrn wieder zugestellt werden.

' 4- Bad Salzhausen, 24. August. Der gestrige Ludwigs- ball im Kurhaus war sehr besucht und verlief in der schönsten Weise. In dem benachbarten Geiß-Nidda stürzte vor­gestern in einer Wirthschaft ein junger Mann in Folge eines Fehltrittes auf dem HauSähren Abends in den gerade ge­öffneten Keller und zog sich eine nicht unerhebliche Be- s.chädigung zu.

tz. Ranstadt, 24. August. An dem Uebergang ober­halb der hiesigen Station ist gestern Mittag dem Herrn Dr. Hofmann von Nieder-Florstadt ein Unfall zugeftoßen, der ziemlich leicht abgelaufen, der aber für ihn uud den von Gießen nach Gelnhausen gehenden Personenzug gefähr­lich werden konnte. Derselbe wollte mit seiner Kutsche seinen Bruder an der Station abholen; als er au genannten Ueber­gang kam, war die Barriöre bereits geschloffen und der Zug kam auch schon herangebraust. Da das Pferd etwas scheu und muthtg ist, stieg Herr Hofmann vorsichtshalber aus der Chaise und hielt eS, aber als der Zug heran­brauste, wurde das Pferd wild, Herr Hofmann konnte eS nicht halten, eS sprang über die Barriöre, die Locomotive erfaßte es am Kopfe, mit einigen Hautabschürfungen und einem Loche im Kopfe ist eS davongekommen. Die Lehre

find vom 15. Lebensjahre an bis zur eintretendeu Alters­schwäche militärpflichtig, so daß eine Armee von etwa 40,000 Mann aufgebracht werden kann. Im Frieden be­steht daS Heer nur aus 100 berittenen Perjaniken. Die StaatS'Einnahmen, nur Steuern, Zölle uud Monopole, be­tragen etwa l1/* Millionen Mark, die Civilltste des Fürsten 200,000 Mark.

Die Montenegriner gehören der griechisch-katholischen Kirche an. Ihr Gürtel mit zwei Pistolen und dem Yatagan gehört neben der laugen Flinte zu ihrer wesentlichsten Nationaltracht, die übrigens wenig von der albanefischen abweicht. Ihre Häuser find meist aus rohen Steinen mit Schilfdach erbaut. Das Holz ist sehr selten, da von einer Forstverwaltung kaum die Rede ist und auch nur sehr wenige ThSler oder nördlich gelegene FelSabhänge bewaldet find. In den fruchtbaren Thäleru bauen die Montenegriner Getreide, widmen fich aber mehr der Viehzucht uud bear­beiten die Wolle ihrer Schafe zu ihrer Kleidung, worauf fich im Ganzen die Industrie dieser noch meist im Naturzustände lebenden Bergbewohner erstreckt.

Die Volksbildung steht auf einer sehr niedrigen Stufe - die ersten Schulen wurden erst vor etwa 50 Jahren in Cettinje und Dobrogko-Selo errichtet, in denen Unterricht im Lesen, Schreiben, Rechnen, Geographie und Geschichte ertheilt und auch die Kircheuschrift, Zirkomi, im Gegensatz zu der bürgerlichen Schrift, GroSdauSkt, gelehrt wird. Jetzt bestehen in den größeren, allerdings dorfähnlichen Orten, wie Cettinje, Podgorttza, Nikschitsch, Duletgno uud Antivari, überall Schulen.

(Schluß folgt.)