Ausgabe 
26.1.1896 Drittes Blatt
 
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1896

Vierteljähriger

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren

chralisöeikage: Gießener Aamilienökätter

Bekanntmachung,

Verlust der Fahne des 2. Bataillons des

Vor Dijon.

v. Gagern.

SAlMIAKl MäiW

TERHiinnl ffiQal!ichiOeftel

L

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.

Sonntag den 26. Januar

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

v^Zugleich^ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet worden.

Gießen, den 23. JaMar 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

der die Fahne trug, k

2. daß der Genannte »an Armen und Händen durch mehr als zwanzig Schüsse" (Hl) schwer Ver­

führer, Premier-Lieutenant Weise, durch einen Schuß in den Arm verwundet und mußte zurück- gebracht werden, sodaß der jüngste Offizier der Com­pagnie, Lieutenant Schulze der älteste, Lieutenant Wenzel, war schon kurz vorher durch einen Schuß in die linke Brust schwer verwundet die Führung der Compagnie übernehmen mußte.Beim Ntederfinken der Fahne ob aus den Händen des Fahnenträgers oder des Premier-Lieutenant Weise, ist nicht zu ersehen ergriff Lieutenant Schulze dieselbe sofort und eilte der Compagnie voran, fiel aber nach kurzer Strecke, durch zwei Schüffe in den Kopf getödtet.

Der herbetkommende Bataillons Adjutant^ Lieutenant von Puttkammer, der einen Befehl zu überbringen hatte und die kritische Situation bemerkte, sprang vom Pferde, ergriff die Fahne, deren Stab von einer Kugel zerschmettert war, wurde jedoch ebenfalls durch mehrere Schüffe in den Kops und inS Herz getödtet. Daffelbe Schicksal hatten nacheinander noch ein Unteroffizier Manteuffel und zwei Musketiere. Der Rest der Compagnie mußte vor dem unwiderstehlichen Feuer

I in die Kiesgrube zurückweichen, ohne zu bemerken, daß die Fahne liegen geblieben war.

Als man deffen gewahr wurde, ging sofort eine Ab- theilung unter Unteroffizier Breitenfeld vor, um die Fahne zu holen. Don dieser Abtheilung kehrte nur ein Mann, Musketier Schuhmacher, unverrichteter Sache, verwundet und vom Feinde hart verfolgt, zurück.

Infolge der zunehmenden Dunkelheit und da die Signale zum Sammeln riefen, mußten weitere Versuche zur Wieder-

I erlangung der Fahne aufgegeben werden.

Run zu Ricciotti Garibaldi! Dieser sandte am folgenden Tageunter höchsten Lobeserhebungen und Aeußer- ungen der Bewunderung der feindlichen Tapferkeit" dem General von Kettler die Mittheilung, daß die Fahne unter Leichen (mit Blut getränkt und zerschossen unter einem Hausen von Leichen")S. G.-St.-W. Band V S. 1212 gefunden worden sei.

Nach dem veröffentlichten französischen Depeschenmaterial hat sich die Fahne am Abende des 23. Januar bereits um 6i/t Uhr in Händen der Franzosen befunden, da von dieser Stunde die nach Bordeaux abgegangene Depesche über die

Bringcrlohn. Durch die Post bejogtr. 2 Mart 50 Psg.

Redaktion, Expeditiv» und Druckerei:

Kchukfiraße

Fernsprecher 5L

Vermischtes*

*Wr. Der Held von Dijon. In Nr. 19, Zweites Blatt, unterVermischtes" ist ein Bericht überEin Held von Dijon" veröffentlicht, .der beweist, zu welchen Ungeheuerlich­keiten einzelne Episoden deö glorreichen Feldzuges von 1870/71 nachträglich aufgebauscht werden können. Im Jntereffe Ihres Leserkreises, vor Allem aber im Jntereffe der geschichtlichen Wahrheit möchte ich kurz die thatsächlichen Berhältniffe und was die bet dem Verlust der Fahne des 2. Bataillons des 8. Pommerschen Jnsaaterie-RegimentS Nr. 61, jetzt Regiment von der Marwitz in Thorn, in Betracht kommenden Persön­lichkeiten anlangt, darlegen und mit Bezug auf den vor­erwähnten Artikel richtig stellen.

Die beiden ersten Sätze dieses Artikels sind richtig. Unrichtig und unwahr aber ist, daß

1. Premier Lieutenant Weise der letzte Ossizier war,

Erbeutung der Fahne datirt ist.

Weiter berichten franzöfische Augenzeugen, daß man wiederholt die Träger der Fahne stürzen,vingtfoia daS Feldzeichen aber immer wieder erscheinen sah, biS sein letzter Träger, ein Offizier mit über der Schulter ge- hängter Schärpe, (Lieutenant von Pattkammer) etwa 40 Meter vor der Fabrik zusammenbrach, ohne daß zur Wiederaufnahme ein Mann in der Nähe gewesen wäre.

ES scheint hiernach wahrscheinlich, daß gleich nach dem Zurückweichen der Compagnie in die Kiesgrube ein Chaffeur sich aus der Fabrik herausgefchltchen und die stark zerfchoffene Fahne unter den Leichen hervorgezogen hat. In diesem Sinne berichtet auch der Commandeur der ChaffeurS deS AlpeS, Mr. L. Michard, der als den Finder der Fahne einen Chaffeur Curtat aus Annecy bezeichnet.

Nach den über den weiteren Verbleib der Fahne an­gestellten Ermittelungen soll dieselbe ein Offizier der Gart- baidtaner käuflich an sich gebracht haben, worauf sie später nach Oran in Afrika oder nach Carcaionne geschickt worden sei.

Also von einer hochherz'gen Wiederzustellung der Fahne Seitens R cctotti GaridaldiS ist ferne Rede, was auch der Umstand schon beweist, daß Se. Majestät Krtser Wilhelm I. i noch im September 1871 dem 2. Bataillon 61. Regiments eine neue Fahne verlieh, wobei in der Allerhöchsten CabinetS- ordre gesagt wird,daß der Verlust der Fahne eines jener beklagenswerthen Ereignisse gewesen ist, die als das Resultat widriger Umstände Niemand zum besonderen Borwurs ge-

I reichen."

Die Fahne ist weder durch einen siegreichen Feind er­obert, noch durch eine entmuthigte Truppe aufgegeben wor- den,- ihre Stätte unter den Leichen ihrer tapferen Verthei- dtger ist auf dem Schlachtfelde noch ein ehrendes Zeugniß gewesen für die Truppe, der sie vorangeweht hatte, bis die einbrechende Nacht fie den hütenden Blicken entzog."

* Berlin, 22. Januar. Das Comitö für das Schulze- Delitzsch-Denkmal hat beschlossen, daS Denkmal ein Standbild aus Marmor herzustellen mit einem Postament aus Granit. Der DenkmalsfondS beläuft sich zur Zett auf mehr als 122,000 Mark.

Nr. 22 Drittes Blatt

Der chithener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener Wamitteuvkätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche zu Utphe.

Nachdem die in einem Gehöfte zu Utphe ausgebrochene Maul- und Klauenseuche erloschen ist, haben wir die ange­ordnete Gehöftsperre wieder aufgehoben.

Gießen, den 24. Januar 1896.

GroßherzoglichrS KceiSamt Gießen.

v. Gagern.

Aintliche* Theil.

Bekanntmachung, betreffend die Ergänzungswahl des Vorstandes der israelitifchen ReligtonSgemeinde Gießen.

Bei der am 24. d. M. vorgenommenen Wahl ist Herr Commerziemath Sigmund Heichelheim zum Mtgltede des Vorstandes der tSraelttischen Retigionsgemeinde dahier wiedergewählt worden. ÜBK*-'"*

ES wlrd dies mit ,dem Anfügen. öffentlich bekannt ge­macht, daß während dreier Tagen, nämlich am 27., 28. und 29. d. MtS., daS Wahlprotocoll mit allen Anlagen auf dem Bureau des 1. Vorstehers, Herrn Commerzienrath S. Hetchel- hetm dahier, offengelegt sein wird und daß während der uuerstrecklichen Frist dieser drei Tagen die Stimmberechtigten, sowie der Gewählte von dem Wahlprotocoll und dessen An­lagen Einsicht nehmen und Einwendungen gegen die Wahl oder gegen den Gewählten, bezw. auch eine Ablehnung der Wahl, bei Vermeidung des Ausschlusses, bei Großherzogltchrm Kreisamt Gießen Vorbringen können.

Gießen, den 24. Januar 1896.

Der von Großherzogltchem Kreiöamt Gießen ernannte Wahlcommissär:

Hach.

Bekanntmachung, . t betreffend: die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb deS GroßherzogthumS.

Der Verein für Vogel- und Geflügelzucht ZU Mainz beabsichtigt mit der vom 7. bis 10. März b. A. stattstnden-

betreffend: die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des GroßherzogthumS.

Der Verein für Vogel- und Geflügelzucht zu Offenbach beabsichtigt mit der vom 11. bis 13. April l. I. zu Offen­bach stattfindenden Geflügel-Ausstellung für das Gwß- herzogthum Hessen und die König!. Preußischen RegterungS- benrke Kassel und Wiesbaden eine Verloosung von Nutz- aeflügel rc. zu verbinden. L

Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz bat die nachgesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Ver> loosung unter der Bedingung ertheilt, daß Nicht mehr , ....

«la 4000 Loose, zu 50 Pfennig das Stück, attSgegebeh, - 1208 u. ff., sowie die Monographie eines Mitkämpfers: werben dürfen und 60 pCt. des Bruttoerlöses aus dem Dijon. Verlust der Fahne deS 2. Bataillons des Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewiungegenftänden zu | 6L Regiments", von Wenzel, bezüglich dieses tragischen Er- etgntssese bEttn. (21. und 61. Regiment) hatte am

23 Januar 1871 die Ausgabe, die Verhältnisse hinfichtlich der feindlichen Besetzung von Dijon aufzuklären, wobei es Nck in erster Linie um ein massiv gebautes, zur Vertheidigung | eingerichtetes und verstärktes Fabrikgebäude nördlich der Stadt handelte. Da daS 21. Regiment beim Angriff auf dieses Gebäude nicht nur nicht vorwärts konnte, sondern allmältg Terrain verlor, so erhielt der Hauptmann Kumme, Führer deS 2 Bataillons 61. Regiments, vom General Kettler den Befehl, mir 3 Compagnien dieses Bataillons (5., 6. und 7.) einen Vorstoß zu machen.

Beim Angr ff auf die Fabrik, die unter Ricciotti Gart- baldig persönlicher Führung von 2 Bataillonen Garibaldtanern vertheidigt wurde, hatten die in vorderster Ltnie kämpfenden 6 und 7. Compagnie schwer unter dem wirksamen feindlichen ^euer gelitten. Da Hauptmann Kumme durch einen Schuß an den Kopf verwundet wurde, ertheilte der nunmehrige BataillonSsührer, Premier-Lieutenant LuchS, um b'/r Uhr Abends der 5. Compagnie den Befehl, diese Fabrik mit Sturm zu nehmen. Diese Compagnie, bei der sich die Fahne befand, hatte in einer etwa 150 Schritt von der Fabrik entfernt liegenden Kiesgrube nothdürstig Deckung gefunden und bereits durch das feindliche Feuer von der Fabrik aus ebenfalls schwere Verluste erlitten.

Ste brach sofort auS der Kiesgrube, die Fahne an der Spitze, im Sturm vor. Rach kaum 20 Schritten wurde der Fahnenträger, Sergeant Pionke ein tapferer, unerschrockener Soldat durch das rasende Schnellfeuer deS Feindes, sowie die ganze ihn begleitende Section zu Boden gestreckt. Beim weiteren Vorwärtsdringen wurde der Compagnie-

wundet wurde, t ... .

3. daß Ricciotti Garibaldi,der Führer auf feind­licher Seite, hochherzig genug war, dieheldeumüthig vertheidigte Fahne dem General von Kettler wieder "en"wir nun, was daS GeneralstabS-Werk Band V, r r I . v t - alrtaX

Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb deS GroßherzogthumS.

Der Stadtvorstand zu Lauterbach beabsichtigt, mit dem nnt 11 d. cy Lauterbach statlfindenden Prämien- und Viehmarkte eine Verloosung von Vieh, sowie landwirth- schastlichen- und Hausgeräthen zu verbinden.

DaS Großh. Ministerium deS Innern und der Justiz hat d^ nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Ver- loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 8000 Loose zu 0,60 Mk. daS Stück ausgegeben werden dürfen und 60 pCt. deS BruttoerlöseS aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden find und zugleich den Vertrieb der Loose in der Provinz Oberhessen gestattet.

Gießen, den 24. Januar 1896.

-GroßherzoglichrS Kreisamt Gießen.

(<)icßenct Anzeigerr

Kenerat-Mzeiger.

den allgemeinen Ausstellung von Hühnern, Wassergeflügel rc. zu Mainz eine Verloosung von Nutzgeflügel rc. zu verbinden.

Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Ver< loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 15 000 Loose, zu 50 Psg. das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindestens 55 pCt. des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. r , rr

Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet worden.

Gießen, am 23. Januar 1896.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Gefunden: 1 R>ng, 2 Ohrringe, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Armband, 1 Sporn, 1 Zwicker, 1 Hammer, 1 Kmderprlzkragen, Arbeitskittel, 3 Handschuhe, 1 Weck- beutel und 1 Sack Hafer.

Zugeflogeu: 1 Kanarienvogel.

Gießen, den 25. Januar 1896.

Großherzogliches Polizeiamt Gteßen.

I. E.

v. Bechtold, Regierungs.Assessor.